Hanauer Anzeiger
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^ 2. Januar________________________________ Erörterung der geplanten Centenarfeier für Kaiser Wilhelm I.
Berlin, 1. Januar. Im auswärtigen Amt ist gestern ein Auslieferungsvertrag zwischen dem Reich und den Niederlanden unterzeichnet worden.
Berlin, 1. Januar. Dem „Lokalanzeiger" wird aus Friedrichsruh gemeldet, daß Graf Herbert und Wilhelm Bismarck mit Gemahlinnen der Sylvesterfeier beim Fürsten Bismarck beiwohnten. Die Gesundheit des Fürsten ist zur Zeit wieder recht gut.
Berlin, 1. Januar. Die Neujahrsbetrachtungen der Zeitungen sind farblos. Dieselben rekapituliren lediglich nur die Ereignisse, welche sich im verflossenen Jahre abgespielt haben und drücken die Hoffnung aus, daß das kommende Jahr ein besseres, hauptsächlich in politischer und finanzieller Beziehung sein möge.
Bremen, 1. Januar. Der Norddeutsche Lloyddampfer „Hohenzollern" ist im Hafen von Nakasaki aus Grund gerathen.
München, 1. Januar. Der Prinzregent hat dem Konsul Dr. Georg Doertenbach in Stuttgart den Verdienstorden vom heiligen Michael 4. Klasse verliehen.
Budapest, 1. Januar. Der Gerichtshof verurtheilte den Diurnist Paschodt im Ackerbauministerium wegen Entwendung diplomatischer Aktenstücke bezüglich der Angelegenheit der deutsch-russischen Handelsbeziehungen zu 7 Monaten Kerker und den Redakteur des Magyar orszag, welcher diese Aktenstücke veröffentlichte, wegen Bestechung zu 3 Monaten Gefängniß und 400 Gulden Geldstrafe.
Reichenberg i. B., 1. Januar. Der Schaden, welcher durch das Niederbrennen der großen Spinnerei der Firma Anton Jâaer in Ruppersdorf entstanden ist, beträgt etwa eine halbe Million Gulden.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau.
* Die Silvesternacht. Mit Gläserklang und jubelndem „Profit I" ist auch hier das neue Jahr begrüßt worden, die Sylvesterstimmung hat das alte Jahr ohne Leid zu Grabe getragen und das neue mit kräftigem Rufe auf den Thron gehoben. Hoffnungen und Wünsche wurden ausgesandt bei dampfender Bowle und prickelndem Punsch, ein Band allgemeiner Zusammengehörigleit umschloß die Feiernden und Jubi lirenden. Auf den Stroßen ging es, als des alten Jahres letzte Stunde mit dem Glockenschlage Zwölf vorübergegangen war, recht lebhaft, doch nicht überfröhlich zu. Ausschreitungen find nirgends vorgekommen. Recht erfreulich!
* Klassenlotterie. Die Ziehung der 1. Klasse ] 96. Königlich preußischer Klasfen-Lotterie wird nach planmäßiger Bestimmung am 5. Januar d. I., früh 8 Uhr, ihren Anfang nehmen.
* Stadttheater. Die nächste Sonntag - Nachmittags- Vorstellung „Die Barbaren" (mit halben Preisen) ist infolge der außergewöhnlichen Zugkraft des reizenden Lustspiels gewählt worden, nachdem in der letzten Aufführung Viele keinen Platz mehr bekommen konnten. Die fröhliche und gemüthvolle Weihnachtsstimmung des Stückes lassen das selbe auch als Vorstellung sür die Jugend sehr geeignet erscheinen, denn auch die Kinderberzen werden sicherlich in den Jubel einstimmen, den der leuchtende Christbaum unserer Heldenkrieger im* Feindesland stets erregte. Eine weitere Aufführung der „Barbaren" findet nicht statt. — Abends wird die Zauberposse „Die Galoschen des Glücks" gegeben. Nach dem bekannten gleichnamigen, poeflerollen Märchen Andersens bearbeitet, bietet dieselbe eine Ueberfülle drasti schen HumorS in Kouplets, Tänzen und komischen Situationen auf der Basis einer edleren Tendenz, welche die Poffe weit erhebt über ähnlich Geartetes ihres Genres. Das ganze humo- ristifche Kontingent unseres Personals die Herrn Huhn und
zu Cassel der Generalmajor Hartmann, 76 J. alt. Am 26. August zu Cassel der Regierungspräsident a. D. Borries, 75 I. alt. Am 31. August zu Hanau der Amtsrichter Schott, 41 J. alt. Am 15. Oktober zu Wildungen der Geh. Regieruvgsrath v. Gehren, 78 I. alt. Am 3. November zu Wahlershausen der Oberstlieutenant a. D. von Uslar-Gleichen, 52 J. alt. Am 19. November zu Cassel der Kanzleirath Strohtmann, 67 J. alt. Am 7. Dezember zu Cassel der Justizrath Klippert, 94 J. alt. Am 10. Dezember zu Eckelshausen der Pfarrer Tielerich, 73 J. alt. Am 37. Dezember zu Cassel der Departements-Thierarzt Karl Friedrich Hermann Holzendorff. Am 17. Dezember zu Cassel Schatzzahlmeister a. D. Eduard Klöpfer, 76 J. alt. Am 26. Dezember zu Cassel Generallieutenant z. D. Theod. von Kruska, 55 I. alt. Am 27. Dezember zu Cassel Lehrer a. D. Joh. F. Ziegler.
Aus Kunst und Leben.
Rothschild über die soziale Frage. Ein Pariser Schriftsteller, Huret, bat eine der beliebten Umfragen veranstaltet. Die seine galt der „sozialen Frage", und es haben sich denn auch wirklich muthige Leute gesunden, die neben ih rer eigenen werthen Meinung über dieses Thema in ein paar Sätzen die soziale Frage gleich zu lösen suchten. Bon all den Antworten sei hier nur die des Barons AlfonS Rothschild mitgetheilt, die dieser übrigens als unrichtig bezeichnet. Huret aber läßt Rothschild sagen: „Es gibt zur Zeit keine Krise; ich glaube ganz und gar nicht daran. Die europäische Lage ist gegenwärtig nicht schlecht. Ich glaube auch nicht an eine Arbeiterbewegung. (?) Ich bin sicher, daß die Arbeiter im Allgemeinen mit ihrem LooS sehr zufrieden find. Sie be- klagen sich nicht und bekümmern sich um den sog. Sozialismus nicht. Gewiß, es gibt Hetzer, die Lärm zu machen
Traut sch old, sowie die Damen Lanius, Krüger, Krause rc. stehen im Vordertreffen, um dem drolligen Stück zu einem lachenden Sieg zu verhelfen.
* Wetterauifche Gesellschaft. Nächsten Montag wird Herr Professor Dr. Wohltmann über „Kamerun und seine wirthschaftliche Bedeutung" sprechen. Der Redner ist Professor der Landwirthschaft und Leiter des Versuchsfelds an der landwirthschaftlichen Hochschule zu Bonn Poppelsdorf. Er ist Versaffer eines „Handbuch der tropischen Landwirthschaft für die deutschen Kolonien in Afrika", und gilt als ein genauer Kenner westafrikanischer Verhältnisse. Kamerun hat Herr Professor Wohltermann wiederholt besucht, zuletzt im vergangenen Frühjahr. Es wird gewiß Vielen interessant sein, von einem Fachmann Auskunft über die Lage der dortigen Verhältnisse zu erhalten.
* Weihnachtsfeier. Die von der Weihnachtsgesellschaft der „Brauerei Weismantel" gestern veranstaltete Weihnachtsfeier hatte sich einer äußerst regen Betheiligung zu erfreuen nnd nahm einen allseitig befriedigenden Verlauf. Hübsche Konzertstücke einer Abtheilung der Küchler'schen Kapelle, humoristische Vorträge und Kouplets versehlteu nicht, die Anwesenden aufs Beste zu unterhalten und auch dem zum Schluffe stattgehabten Tanzvergnügen wurde in ausgiebigstem Maße gehuldigt. Mit dieser Veranstaltung hat die Weihnachtsgesellschaft aufs Neue den Beweis erbracht, daß sie es versteht, ihrer Aufgabe, das schöne Weihnachtsfest gemeinsam in fröhlicher Weise zu begehen, die Geselligkeit und Gemüthlichkeit zu pflegen, in jeder Hinsicht gerecht wird und so wünschen wir der Gesellschaft auch fernerhin kräftiges Blühen und Gedeihen.
* Zum Diamantarbeiterfireik. Nach der in der letzten Nummer des sozialdemokratischen Organs veröffentlichten Quittung sind für die Ausständigen bis jetzt 3877.38 Mk. eingegangen. Bei Winkler haben am Montag fünf nicht organistrte Schleifer die Arbeit zu dem neuen Tarif ausgenommen. Die Streikunterstützung konnte, wie die „Volksst." weiter meldet, diese Woche etwas erhöht werden, sodaß für die Ledigen 7 Mk. und für jedes Kind 1 Mk. ausbezahlt wird.
* SZjähriges Dienstjubiläum. Heute feiert Herr Karl Kreuter jun. im Hause seines Vaters daS gewiß schöne und seltene Fest seines 25jährigen Arbeitsjubiläum.
* 25jähriges Geschäftsjubiläum. Wir lassen heute wiederum unsere geschätzten Leser einen Blick in die Räume der Druckerei werfen, jedoch nicht um die Arbeit, das emsige Schaffen vorzuführen, sondern um von einem der schönen Feste Kenntniß zu geben, die in der Waisenhaus- Buchdruckerei altherkömmlich sind und in deren sich das gute Verhältniß zwischen Verwaltung und Arbeitnehmer widerspiegelt. Wieder beging nämlich heute ein Schriftsetzer, Herr Blumenauer, den Tag seiner 25jährigen Zugehörigkeit zur Waisenhaus-Buchdruckerei. Seitens der Mitglieder des Königl. Waisenhausvorsteheramtes fand herzliche Gratulation wie Ueberreichung eines Geschenkes statt. Auch die Mitarbeiter des Jubilars brachten demselben ihre besten Glückwünsche.
* Städt. Bibliothek. Zur kostenlosen Verleihung und Benutzung der Bücher geöffnet Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr (Bangertstraße 2, eine Treppe hoch, im sogen, „alten Stadthaus").
Für heute. Erste Hanauer Karnevalgesellschaft: Abends 8 Uhr: Zweite große Damensitzung in den Sälen der „Cen tralhalle". — Kutscherverein „Germania" : Ebenfalls abends 8 Uhr: 3. Stiftungsfest im Saale zur „Schwedischen Krone". — Turngemeinde: Abends von 7^2—9 Uhr: Kürturnen und Vorturnerstunde. — Evang. Männer- und Jünglingsverein: Abends 81/« Uhr: Gesellige Unterhaltung und Violin- spielen (Allst. Rathhaus) ; — Allg. christl. Arbeitervereine:
suchen, aber sie haben auf die rechtschaffenen verständigen und fleißigen Arbetter nicht den geringsten Einfluß. Es ist auch vollkommen falsch, daß die guten Arbeiter den Achtstundentag verlangen. Das thun nur die faulen und unfähigen . . . Die Arbeiter finden, daß die Güter nicht nach Billigkeit vertheilt sind? Sie finden, daß ihre Löhne nicht hoch genug sind? So sollen Sie doch mehr verlangen! Sie haben ja das Ausstandsrecht, Sie sollen sich dieses Rechts bedienen! . . . Der Krieg gegen das Kapital ist dumm und unheilvoll, der Antisemitismus ist dumm und schändlich. Es sind desselben Wistes Kinder, die diesen Doppelkrieg führen. Wenn solcher Wahnsinn durchgreifen würde, so wäre dies der endgiltige mvtergang eines Landes. . . . Meine Milliarden! Man hat mir neulich ein Blatt gezeigt, wo es hieß: Herr von Rothschild hat drei Milliarden Vermögen. Das ist zu verrückt . . . Ob Reichthum glücklich macht?" Auch nein. Einigen Vortheil hat es schon, Vermögen zu besitzen; wenn das nicht wäre, so würde man sich ja nicht so anstrengen, Geld zu verdienen; aber daS einzig wahre Glück ist die Arbeit."
Der galante Khedive. Anläßlich eines Hofballes in Kairo unterhielt sich der junge Khedive mit der schönen und geistreichen Frau eines österreichischen Diplomaten. Im Laufe des Gespräches fragte die Dame etwas vorlaut, woher denn die Sitte stamme, daß die Muselmanen mehrere Frauen zugleich heirathen dürfen. Schlagfertig entgegnete der Khedive: „Unser Prophet hat seinen Anhängern deshalb diese Erlaubniß gegeben, weil sie nur bei mehreren Frauen diejenigen vielen vortrefflichen Eigenschaften finden können, welche bei Ihnen, gnädige Fran, in einer einzigen Person vereinigt sind."
Bornehme Damen als Kondukteure. Um Geld für wohlthätige Zwecke aufzubringen, haben die Frauen in Nordamerika ein eigenartiges Mittel erfunden. Die zu solchem Zwecke vereinigten Damen der Stadt übernehmen an einem bestimmten Tage als Kondukteure die Begleitung der Straßen-
Ebenfalls abends 81/» Uhr: Gemüthliche Zusammenkunft im Vereinslokal „Brauerei Weismantel". — Abends 9 Uhr: Dramatisch - litterarischer Verein „Melpomene" (Brauerei Kaiser): Lesung; — Kasino Eintracht" (Vereinslokal „Goldene Gerste"): Vereinsabend; — Verein „Einigkeit": Vereinsabend „zur großen Krone". — Athletenklub „Germania": Abends von 9 — 10 Uhr: Vereinsabend (Koch's Bierkeller). — Weihnachtskasfen „zum Braustüb'l" und „zum Wilhelmseck" : Erste Auflage und Mitgliederausnahme.
Für morgen. Erster Hanauer Fußballklub „1893": Nachmittags 3 Uhr: Uebungsspiel.
Versteigerung-- & Verpachtung-- re. Kalender für Montag den 4. Januar.
Holzversteigerungen: a) der Königl. Oberförsterei Hanau; Termin vormittags 10 Uhr; Zusammenkunft auf der Leipzigerstraße beim Forsthaus Neuhof (s. Nr. 305 „Han. Anz."). — b) der Gräfl. Asenb. Rentkammer zu Meerholz im Kurzenberg und Sandhohl des Reviers Haitz; Termin vormittags 11 Uhr (s. Nr. 303 „Han. Anz.").
Angebote auf die Uebernahme der für den Neubau der Turnhalle erforderlichen Schreiner- und Glaser-Arbeiten sind bis vormittags 11 Uhr im Zimmer 23 des Neustädter Rathhauses einzureichen. — Nachmittags 3 Uhr wird in der „Centralhalle" erster Termin zur Versteigerung des Grund-' stücks Marienstraße 7 durch den beeid. Auktionator Herrn Aug. Petri abgehalten.
* Bruchköbel, 1. Januar. Heute Nachmittag verstarb dahier Herr Metropolitan Ph. Heinr. Schmincke im 71. Lebensjahre.
2 Eichen, 31. Dezbr. Bei der gestern dahier stattgefundenen Feldjagd wurden 143 Hasen zur Strecke gebracht. Trotz der 45 schützen kam doch manches Hâslein mit heiler Haut davon und darf sich noch fernerhin seines Lebens freuen. — Der frühere Revierförster Herr Klawe dahier, welcher nach seiner Pensionirnng nach Wiesbaden verzog, ist am 27. d. Mts. daselbst verstorben. — An Stelle des kürzlich verstorbenen Gemeinderaths Herrn Christoph Stein, dessen Tod in der Gemeinde allgemein beklagt wird, ist gestern Herr Ausschußvorsteher Sauer gewählt worden.
® Bergen, 31. Dezbr. Der hiesige Gemeinderath hat in einer kürzlich stattgesundenen Sitzung die Errichtung eines Wasserwerks beschloffen, nachdem die Bohrungen nach Wasser im Vilbeler Walde von Erfolg begleitet gewesen sind. Es wird beabsichtigt, das zu errichtende Werk an einen Unternehmer zu vergeben, welcher das Wasser zu 25 Pfg. pro Kubikmeter liefern soll.
Aus der Provinz und den Nachbargebieten.
Orb, 31. Dezbr. In der Nacht vom Sonntag den 20. zum Montag den 21. d. Mts. wurde der Fabrikarbeiter Götz von dem Tagelöhner Müller lebensgefährlich durch einen Stich in den Vorderkopf verletzt. Götz, ist, nachdem am 22. d. M. das Bruchstück des Messers aus der Wunde entfernt worden war, am 23. Dezbr., abends 5 Vs Uhr gestorben. Am Samstag dem 2. Weihnachtsfesttage fand die gerichtliche Untersuchung der Leiche statt, welche dem Vernehmen nach ergeben haben soll, daß der Tod lediglich eine Folge des Stiches ist. Am Nachmittag des 2 Feiertages wurde die Leiche unter ganz ungewöhnlich großer Betheiligung zu Grabe getrageu.
Treysa, 30. Dezbr. Gestern früh fanden Arbeiter den im 38. Lebensjahr stehenden Lehrer K. aus Bischhausen a. d. Schwalm erhängt im Walde. K. litt schon längere Zeit an starkem Tiefsinn; er erfreute sich eines sehr guten Rufes bd seiner vorgesetzten Behörde und lebte im besten Einvernehmen mit seiner Gemeinde. Er hinterläßt eine tieftrauernde Wittwe mit einem noch unmündigen Kinde.
Hersfeld, 30. Dezbr. Die Restaurirung der hiesigen Stadtkirche ist Seitens des Königlichen Konsistoriums auf
bahnwagen und sammeln das Fahrgeld von den Reisenden ein. Von der Tageseinnahme gibt dann die Eisenbahngesellschaft einen gewissen Theil für den wohlthätigen Zweck her. Auf diese Weise überwies in einem Falle eine Straßenbahngesellschaft den dritten Theil der Einnahmen jenes Tages, die von den Damen der Stadt als Kondukteure gesammelt waren, dem wohlthätigen Zweck. Um der guten Sache förderlich zu sein, fahren natürlich an einem solchen Tage zahlreiche Leute auf der Straßenbahn, die es sonst für unter ihrer Würde gehalten hätten, und lassen es auch nicht mit einem bloßen Nickel als Fahrgeld bewenden. Die schlaue Straßen- bahngesellschaft erntet natürlich lebhafte Anerkennung ob ihrer Opferwilligkeit, und die unternehmenden Damen sind stolz aus ihren Erfolg.
" Zum neuen Jahr.
Ein neues Jahr! Wir stehen still;
Im Herzen tönen tausend Fragen.
Ob es uns Blumen bringen will?
Ob es wird Dorn und Disteln tragen?
Ein dunkler Urwald, hoch und dicht, So will das neue Jahr uns beuchten, Wir seh'n die nächsten Schritte nicht: »Herr Gott, laß uns dein Antlitz leuchten!"
Wird Glück und Wonne uns zu theil, — Komm, Herr, die Freude zu verklären, Doch wird die Straße rauh und steil, So wollst du Flügel uns bescheren! Und wenn es soll zum Sterben geh'n, Wird Todesschweiß die Stirne seuchten, Dann neige dich zu unserm Fleh'n: »Herr Gott, laß uns dein Antlitz leuchten!" —
St. v. Goßlar.