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Montag den 22. Zum

1896.

Amtliches.

^anÖÄret^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Budesheim, Kreis Friedberg, ist die Maul- und Klauenseuche wieder ausgebrochen und die Sperre angeordnet worden.

Hanau am 26. Juni 1896.

Der Königliche Landrath

v. Schenck.

Bekanntmachung.

Auf Grund der W 5 und 6 der Verordnung über die Polizeiver­waltung vom 20. September 1867 und des § 57 des Gesetzes über die Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden vom I. August 1883 wird der bisherige Verbindungsweg zwischen der Aepfelallee, bezwse. dem Proviant­amte und der Lcipzigerstraße, welcher bis zum Jahre 1870 östlich des Neuhofes durch den Lamboywald zur Leipzigerstraße führte, bei Anlage des Fichtenbestandes aber unmittelbar an die Umringsmauer des Oberförster- Dienstgehöftes verlegt wurde, wieder in seine ursprüngliche Richtung zuiück- verlegt. Die hierdurch abfällig werdenden Wegstücke sollen dem öffentlichen Verkehr entzogen und nach Bestimmung Königlicher Regierung zum Theil aufgeforstet werden. Der neue Weg führt von der Südoststrecke des Pro­viantamtes durch den Wald und mündet ca. 70 Schritt östlich der bis­herigen Einmündungsstelle in die Leipzigerstraße.

Etwaige Einsprüche sind bis spätestens zum 26. J^uli d. I. bei dem Unterzeichneten anzubringen.

Wegen des Bahnbaues Hanau-Hüttengesäß ist der am Gartenzaune und der Hofmauer entlang führende Theil bereits von heute ab gesperrt.

Forsthaus Neuhof den 29. Juni 1896.

Der Gutsvorsteher.

Mühlhausen, Kgl. Forstmeister. 8480

Fünfzig Jahre Freihandel!

In England ist soeben das Jubiläum des fünfzigjährigen Bestehens des Freihandels begangen worden. Bekanntlich fielen am 26. Juni 1846 die englischen Kornzölle und wenige Jahre später auch alle Jndustriezölle. Damit war das englische Schutzzollsystem durchbrochen und der Freihandel konnte seinen Siegeszug durch die Welt beginnen. Die freisinnigen Blätter in Deutschland als Vertreter des reinsten Manchesterthums widmen aus diesem Anlaß der englischenErbweisheil" begeisterte Besprechungen. Aber haben sie wirklich Grund dazu? Was der Freihandel trotz des Idealismus feiner Theorie im Laufe von fünfzig Jahren geleistet hat, ist den Nationen, die sich zu ihm bekannten, fühlbar genug geworden. Heute darf man es dreist aussprechen: wie alle Schrankenlosigkeit in der politischen Freiheit, so gereicht auch die schrankenlose Handelsfreiheit der Menschheit zum Un­segen.

Der Freihandel ist von englischer Seite allerdings fünfzig Jahre lang als das allein vernünftige Wirthschaftsprinzip gepriesen worden. Aber dieses Zeugniß ist nicht ganz einwandsfrei.

Die freisinnigen Blätter übersehen, daß England wahrlich nicht einer menschenbcglückcnden" Theorie zu Liebe das freihändlerische Prinzip an­genommen hat. Das englische Volk ist die leibhaftige Verkörperung des ausgesprochensten menschlichen Eigennutzes. Erst in dem Augenblicke ent­schloß es sich zum Freihandel, als cs sich durch die Jahrhunderte lang rigoros geübte Schutzzollpolitik eine übermächtige Industrie und eine unge­messene Kapitaimacht geschoßen hatte, welche gebieterisch Beschäftigung suchte» und sie bei den engen Grenzen des Jnselreichs nur im Ausland finden konnten. Erst da wurde aller Welt plötzlich das allein seligmachende Dogma vom Freihandel verkündigt, dav Z sich für englische Waaren alle Grenzen öffneten und die heimischen Märkte bedingungslos an England auslieferten.

England konnte diese welibeglück.nde Lelre ohne Bedenken verfilm i bißen lassen, denn sein industrieller Aufschwung sicherte ihm die technische,

und seine große KapitaUrafl oie materielle Ueber legenheit in jedem freien Wettbewerb mit bim Auslande. Der Staat jedoch, welcher seinem Si­renengesang über die Vorzüge des Freihandels sein Ohr lieh, war ret­tungslos durch englische Uebermacht auf dem Handelsmarke überflügelt und ausgebeutet. Diese Thatsache ist nur zu oft bestätigt worden, und nur deutsche Kurzsichtigkeit und Voreingenommenheit für alles Fremde, deutsche Schwärmerei für ideale Theorien vermochte sich dagegen zu verschließen.

Auch Deutschland hat es schwer büßen müssen, daß es dem englischen Beispiele folgte. Bald nach Aufhebung der letzten Eisenzölle lag Deutich­lands Produktiv- und Kaufkraft am Boden. Erst nach der Rückkehr zu einem verständigen nationalen Wirchschaftssystem ist es zu neuem, ganz urgeahntem wirthschaftlichen Aufschwung gelangt. Der Freihandel wirkt sittlich und wirihschastlich zersetzend für die Völker. Er bedeutet die volle Entfesselung aller der menschlichen Selbstsucht dienenden Gewalten in dem Kampfe der Menschen und ganzer Völker ums Dasein und den Sieg der brutalen Uebermacht. In England selbst konnte er nur auf den Ruinen einer großen Volksklasse, der Landwirthfchaft treibenden Bevölkerung, ver­wirklicht werden. Und in England selbst beginnt ihm heute die Sympathie des Volkes untreu zu werden. Erst vor Kurzem hat kein Geringerer als der gegenwärtige Minister Chamberlain die Nothwendigkeit einer handels­politischen Einigung Englands mit allen seinen Kolonialstaaten und des wirthschaftlichen Abschlusses gegen alle fremden Staaten betont. Der deutsche Freisinn hat somit wenig Ursache, sich der Engländer als klassischer Zeugen für die Vorzüge des Freihandels zu rühmen. Fünfzig Jahre Frei­handel haben genügt, um erkennen zu lassen, daß auch im wirthschaftlichen Leben Idealismus und Praxis unvereinbare Gegensätze sind. r.

Tagesschau.

Der Reichs- and Etootsanzeiger macht amtlich bekannt:Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: den Staatsminister und Minister für Handel und Gewerbe Freiherrn von Berlepfch feinem Ansuchen gemäß von seinem Amt unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsminifters zu entbinden, und den Unter-Staatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Staatssekretär des Staatsraths, Wirklichen Geheimen Rath B re selb zum Staatsminister und Minister für Handel und Gewerbe zu ernennen". Der neu ernannte Handels­minister Brefeld, der aus Westfalen stammt, ist parteipolitisch nicht her­vorgetreten. Im Ministerium der öffentlichen Arbeiten war er Chef der Abtheilung für das Eisenbadrwesen. Er ist eine eminente Arbeitskraft und Kapazität in Eisenbabnfragen. Den Titel eines Staatssekretärs hat er als Schriftführer des Staatsraths.

. Voraussichtlich wird sich der Reichstag, nachdem er die zweite Lesung des bürgerlichen Gesetzbuchs beendigt hat, für den 29. und 30. Juni "ertagen, sodaß die dritte Lesung am Mittwoch, und in den folgenden Tagen stattfinden kann.

Der im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe ausge- arbeitete und seit längerer Zeil dem Staaismüiifterium zur Beschlußfassung vorliegende Gesetzentwurf betreffend die Zwangsorganisation des Handwerks und die Regeln- g des Lehrlingswesens ist, wie uns von zuverlässiger Seite gemeldet wird, seitens der einzelnen Mitglieder des Staatsministeriums gänzlich unbeanstandet geblieben und hat auch bereits die formelle Genehmigung in einer der letzten Sitzungen des Slaatsmi- nisteriums erfahren. Nachdem die Gesetzesvorlage die Königliche Sanktion erhalten, wird sie unverzüglich unter gleichzeitiger Veröffentlichung im Reichs­anzeiger an den Buudesraih gelungen, welcher den Entwurf als Antrag Preußens bei seinem Zusammentritt im Herbste beratb.n und als eine der ersten Vorlagen dem deutschen Reichstage voraussichtlich im Spätherbste zugehen lasten wird.

Eine patriotische persönliche Erklärung erläßt der Redakteur für gemeindliche Angelegenheiten desNeuen Münchener Tagblüttes." Er sagt in diesem Blatte, das sich bekanntlich in seinem voliiifchen Theil der partikular! stischen Hetze angeschlosten hatte, Folgendes ;Die Art und Weise, nie die Moskauer Rede Sr. Kgl. Hoh. des Prinzen Ludwig von Bayern in Moskau von einem Theile der Zeitungen verwerthet und ausge schlachtet worden ist, hat mir befreundete Herren wiederholt zu schriftlichen Vor-