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10 A, die io«:V. Zeile 15 4, die ApalU Zeile 20 4, die 3ipalt. Zeile 30 4, iwReklameniheil die liMtt. Zeile 20 4 netto.
Kr. 146.
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Donnerstag den 25. ,mni
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 51.
AMLLLches.
Dievstmchrichtcn aus dem Lreife.
Verloren: Ein Gebund Schlüssel (7 Stück). Ein Spazierstock mit silbernem Griff. Eine schwarze Onixbroche. Ein werthvolles silbernes Etui in Gestalt eines Brillenfutterals, mit Monogramm R. B., mit der Aufschrift „Weihnachten 1895". Eine goldne Damenuhr mit s. g. Reise- kettchen.
Gefunden: Ein Henkelkorb (auf der Heuwage). Ein gelbes Kettenarmband.
Zugeflogen: Ein gescheckter Kanarienvogel.
Hanau am 25. Juni 1896.
Zwei Staatsmänner.
(Zum Besuche Li-Hung-Tschangs in Friedrichsruh am 25. Juni.)
Der deutsche Kaiser und junge Studenten, Exzellenzen und einfache Handwerksmeister haben den großen Einsiedler im Sachsenwalde aufgesucht; auch fremde Staatsmänner haben ihm in feiner Einsamkeit einen Besuch abgestattet, um feinem Worte zu lauschen. Graf Kalnoky und Crispi, der Amerikaner Grant und der Diktator Gambetta, und wie immer sie heißen mögen. Aber der Sohn des fernsten Ostens in seiner eigenartigen Gewandung wird den alten Buchen vor dem Schlosse, die schon so Vieles geschaut haben, ein ungewohnter Anblick sein; sie werden verwundert die Wipfel schütteln und fragen: „Ja, was will denn der?"
Nun, zunächst will Li-Hung-Tschang, was sie alle gewollt haben, die Besucher: dem großen Manne feine Hochachtung ausdrücken. Der fernste Osten ist nicht fern genug, als daß nicht die Kunde von dem Manne, der ein mächtiges „Reich der Mitte" in Europa geschaffen hat, dorthin gedrungen wäre. Hat doch ein arabischer Wüstenscheich, der von Deutschland nichts wußte, einem deutschen Arabienreisenden nach mühevollen Verständigungsversuchen endlich gesagt: „Ach, sen Bismarkli" („Du bist ein Bismarckmann"). Und Li-Hung-Tschang, dessen Kenntniß der Weltgeschichte denn doch beträchtlich weiter reicht, als die jenes Beduinenscheichs, mochte wohl lange schon den Wunsch hegen, mit dem Manne zusammenzukommen, dem gelungen war, was er, der chinesische Staatsmann, vergebens anstrebte: widerstrebende Elemente zu gemeinsamen Zielen zusam- mcnzufassen.
Und das dürfte wohl der zweite Grund für Li-Hung-Tschangs. Besuch in Friedrichsruh sein: ein kleines Kolleg über Staatskunst zu hören, zu erfahren, wie man sich der Gegner im Innern und der Feinde nach Außen am besten erwehrt. Ihm ist Beides nicht recht gelungen, denn das viel kleinere Volk der Japaner hat die Chinesen gehörig auf s Haupt geschlagen, und der chinesische Liberalismus, der Geist der Reformen, der von Li-Hung-Tschang vertreten wird, hat einen erbitterten Kampf gegen den Starrsinn der Orthodoxie zu führen, einen Kampf, der nicht immer zu Gunsten der reformatorischen Ideen ausläuft. Freilich wird dieser Kampf auch dadurch erschwert, daß die Reformer nur mit halbem Herzen bei ihrer Sache sind, denn auch sie sind vom chinesischen Dünkel erfüllt, und sie wollen das Neue nicht, weil sie es für gut halten, sondern, weil und so lange sie es für nützlich halten.
Das'aber ist der Unterschied zwischen den beiden Männern und zugleich der Grund für den gewaltigen Erfolg des Einen und für den Mißerfolg des Anderen. Li-Hung-Tschang ist zweifellos ein kluger Mann; aber es fehlt ihm die unbeugsame Energie Bismarcks und der feste Glaube an seine Sache. Bismarck wollte sich, kaum daß er in eine hohe Staatsstellung gelangt war, „unter die Kanonen von Schönhausen zurückziehen", wenn er seinen Willen nicht durchsetzen könnte, und den Glauben an die Einigung Deutschlands hat her junge Student gehabt, der einen Korb Sekt dafür verwettete, es hat ihn der Bundestagsgesandte gehabt, der sich mit seinen kleinlichen Kollegen herumärgern mußte, es hat ibn der Ministerpräsident gehabt, der die Volksvertretung und die Volksstimmung fast ein-
1896.
mütylg gegen sich harre: so konnte er schließlich den Glauben in die That umsetzen. Li-Hung-Tschang aber hat sich eine Ehrenstellung nach der anderen abnehmen und dann wieder zuerkennen lassen, und hat für das Eine, wie für das Andere das Lächeln des Philosophen, aber nicht den gewaltigen Groll des Olympiers gehabt. Ein so daniederliegendes Reich wie das chinesische, kann nicht allein durch den Gleichmuth des Weisen in die Höhe gebracht werden, sondern der Klugheit muß sich die unbeugsame, leidenschaftliche Energie des Kraftmenschen zugesellen und die eiserne Konsequenz, die nur der besitzen kann, der an seine Ziele glaubt. Vielleicht wird Li- Hung-Tschang selbst empfinden, welche Eigenschaften ihm zum Reorganisator Chinas fehlen, wenn er dem Fürsten Bismarck in Friedrichsruh gegenübersitzt. Denn die gewaltige Energie, die starke Leidenschaftlichkeit des Fürsten sind durch das Alter zwar gemildert, aber nicht gebrochen. Und wie der chinesische Staatsmann neulich gesagt haben soll: „Mit zehn Bataillonen, wie das Lehrinfanteriebataillon, würde ich die Japaner zu Boden geworfen haben", so wird er jetzt vielleicht die Ueberzeugung erlangen, daß e i n Mann von dem Genie und der Willenskraft Bismarcks das chinesische Reich zu dem hätte machen können, was es durch seine Einwohnerzahl und seinen natürlichen Reichthum sein müßte: zur unüberwindlichen Vormacht Asiens.
Noch mehr, als Alles, was der chinesische Staatsmann bisher geschaut hat, wird ihm die Zusammenkunft mit dem Fürsten Bismarck vor Augen führen, welche natürliche Kraft in einem Volle liegen muß, das solche Söhne hcrvorzubringen vermag. Der Respekt, den ihm sicherlich während seiner Anwesenheit Deutschland eingeflößt hat, wird sich — zum Nutzen des Teutschen Reiches — durch den Besuch bei dem alten Helden noch steigern. Und deshalb können wir uns aufrichtig des Besuches in Friedrichsruh freuen.
Die Vernunft
hat über den demokratisch aufgeputzten Unsinn in der Wildschaden- frage im Reichstage einen glänzenden Erfolg davon getragen: Das Centrum, welches zeitweilig geneigt war, zu den Kommissionsbeschlüssen zurückzukehren, obwohl die Beseitigung mindestens des Hasenschadens und der Regreßpflicht des Waldbesitzers eine der Voraussetzungen für die Zustimmung zu der raschen Durchberathung des bürgerlichen Gesetzbuches bildete, hat sich mit raschem Entschlusse wieder dem richtigen Standpunkte zugewendet, nachdem die Konservativen es an den Zusammenhang der Entschließung in der Wildschadenfrage mit der glatten Durchberathung des Bürgerlichen Gesetzbuches erinnert hatten. Seine Stellung würde wesentlich besser gewesen sein, wenn es jenen Schwächeanfall nicht gehabt hätte. Es hätte nicht nothwendig gehabt, die Rückschwenkung vor versammeltem Kriegsvolke vorzunehmen. Aber man wird anerkennen müssen, daß es dieses Manöver mit voller Entschiedenheit und in guter Ordnung vollzog und daß Herr Dr. Lieber es mit der ihm eigenen, rednerischen Pose geschickt vertheidigte. Die zur Abwechselung von dem Centrum wieder einmal genasführten Demokraten mögen ihren Zorn immerhin in grimmigen Spott über das „Hasenpanier", das das Centrum ergriffen habe, Luft machen; letzteres kann ruhig darüber lochen. Es hat wiederum den schlagenden Beweis seiner Disziplin und Manövriefâhigkeit und damit» seiner Brauchbarkeit als Glied einer positiven Majorität, mit der sich operiren läßt, geliefert, und dieses Moment spielt doch in seiner jetzigen parlauMtarischen Kampagne eine Hauptrolle.
Charakteristisch ist dabei wieder für unsere gelammte demokratische Linke die völlige Unkenntniß der ländlichen Verhältnisse. Sie sprechen große Woite über die Notbwendiskeil des Schutzes der Bauern gegenüber dem Sport der Hasenjagd. Aber sie deduzieren dabei ausschließlich von ganz ausnahmsweise« Verhältnissen, welche für die wirkliche Bauernschaft nicht die mindeste Bedeutung haben. Das großstädtische Rieselgut, die Baumschule, die Handelsgärtnerei sind ihnen der Typus des bäuerliche,: Besitzes. Etwas anderes kennen sie augenscheinlich io gut wie gar nicht. Während aber mit Recht darauf hingewiesen wurde, daß die Inhaber so ausnahmsweiser und weithvoller Betriebe ohne Schwierigkeit und mit einem vergleichsweise geringen Kostenaufwand sich vor Hasenfraß schützen können, war es nur bei der gänzlichen Sachunkenntniß der Linken aller Schal-