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Nr. 139.
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gine Mcrcht vor ^arw.
Von einem Hanauer 80er.
(Noch eine etwas verspätete Feldzugserinnernng.)
Eine Schlacht oder ein Gefecht am Tage erweckt schon in dem Herzen eines jeden Soldaten, sei er auch noch so unerschrocken und muthig, ein beengendes Gefühl, mehr aber noch ein Nachtgefecht oder irgend eine Operation während der Nacht gegen den Feind. Diese Erfahrung machten wir, als uns am 3. Januar 1871 in Versailles, wohin wir zur Bedeckung des großen Hauptquartiers kommandirt waren, der Befehl plötzlich zuging, die bisher innegehabie Vorpostenlinie zu überschreiten und den Feind, falls er Widerstand leisten würde, mit Gewalt zurückzutreiben und der Artillerie bessere und den Forts von Paris näher liegende Positionen zur vortheilhafteren Beschießung der stolzen Hauptstadt zu verschaffen.
Bergauf, bergab, durch Waldungen und über alle Maßen holperige Wege führte uns unser Weg zuerst nach der alten Vorpostenstellung der Mitrailleusenfabrik bei dem Dorfe und Schloß Meudon hin, von wo wir unter dem Schutze des Waldes bis an das bisher von den Franzosen noch inne gehabte Städtchen Fleury ankamen, das zu durchsuchen und zu nehmen unsere erste Ausgabe war.
Hell und klar schien der Mond am unbewölkten Himmel und erleuchtete prachtvoll das vor uns liegende kleine hübsche Städtchen, ba§ jetzt der Schauplatz eines blutigen Dramas werden sollte. Ein unverschlossenes Thor, das uns nur einzeln in dasselbe hineinließ, wurde rasch und jo geräuschlos wie möglich durchschritten, nachdem wir unsere Büchsen geladen und die Seitengewehre ausgepflanzt hatten. Jeden Augenblick erwarteten wir eine französische Salve aus nächster Nähe. Doch erreichten wir glücklich den Ausgang des von seinen Bewohnern verlassenen Städtchens, das, wie sich aus den Berichten der von uns ausgesandten Patrouillen ergab, von französischen Truppen gänzlich geräumt war. Ob die französische Feldwache unsere Annäherung frühzeitig gemerkt und es nicht der Mühe werth geachtet hat, ihre Stellung zu behaupten, oder ob sie dieselbe schon früher für unhaltbar erkannt, verlassen hat, ist uns unbekannt. Jedenfalls hielten wir damals das vor uns zwischen Fleury und Clamart liegende Terrain wegen verschiedener zur Vertheidigung gut geeigneter Häuser und Mauern noch von den Franzosen besetzt. Mit großer Vorsicht und stets auf Widerstand gefaßt, rückten wir dem Städtchen Clamart näher, stets zu unserer Sicherung das von uns eingenommene Terrain mit Postenketten besetzend. Somit hatten wir unsere erste Aufgabe glücklich gelöst und nun sollten wir unsere zweite Aufgabe, die Verbindung mit den Bayern herzu- Hen, vollführen. Ein Vorfall, der sehr traurig hätte enden können, überhob uns eigentlich derselben, da einer unserer am äußersten Ende des Terrains ausgestellter Posten durch eine Schießscharte die Annäherung einer Patrouille, welche er anfangs für eine feindliche hielt, sich aber auf Anrufen sofort für eine bayerische zu erkennen gab, bemerkte. Durch das Zusammentreffen mit dieser Patrouille, welche, wie wir später von derselben «Wen, auch einen Theil des von uns in Besitz zu nehmenden Terrains schon vorher rekoanoszirt hatte, war die Verbindung mit den Bayern erreicht.
Die Stille der Nacht wurde durch kein Vorgehen des Feindes weiter gestört und unsere Posten wurden in der gewöhnlichen vorschriftsmäßigen Weise abgelöst. Von Nachtruhe, Kochen und Essen konnte natürlich keine Rede sein, da die Mannschaft, in Mäntel gehüllt, nur ein schwaches, dem Feinde nicht sichtbares Bivouakseuer im Gehölz unterhalten durste, wo ein Theil derselben im Schnee, der andere Theil in einigen genommenen leerstehenden Häusern die Nacht zubringen mußte.
Diese von uns eingenommene Stellung bot unserer Artillerie zur Ausstellung ihrer Geschütze eine neue treffliche Position, die Stadtmauer, bie Stadt und das Fort Jssy vortheilhaft zu beschießen, was für den glücklicheren und rascheren Verlauf der Belagerung sehr wesentlich war.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 16. Juni.)
Fortsetzung der zweiten Berathung des Nachtragsetats. Eine Reihe Mionen wird debattelos erledigt gemäß den Anträgen der Kommission.
Mittwoch den 17. Juni
1896.
Auf Antrag des Abg. Lieber (Centr.) werden die von der Kommission gestrichenen ersten Raten zur Erbauung einer Kaserne in Itzehoe und Wiesbaden bewilligt. Eine weitere kurze Erörterung veranlaßt die Forderung für eine Kaserne in St. Avold (Lothringen), welche von der Kommission bewilligt ist. Nach Besprechung eines Vorschlages, die Kaserne in Forbach zu errichten, genehmigt das Haus die Forderung für St. Avold.
Für württembergische Kasernements sind 600,000 M. ausgeworfen, welche auf Antrag des Abg. R e m b o l d (Centr.) auf 360,000 Mark herabgesetzt werden sollen.
Nachdem dieser Antrag nach kürzerer Debatte zurückgezogen, wird die Forderung in der vollen Höhe bewilligt mit dem Vorbehalt einer Resolution Lieber, daß etwaige durch Verwendung vorhandener Kasernements gemachte Ersparnisse zu Gunsten der Reichskasse zurück verrechnet werden sollen.
Damit ist der Nachtragsetat für Heereszwecke erledigt.
Die Nachtragsforderung für die Marine (für ein Kesselhaus in Wilhelmshaven) werden debattelos genehmigt, ebenso die Nachträge zum Postetat (neues Kabel nach England) und zum Etat der Reichsbahnen.
Auf Antrag der Abgg. Leipziger (kons.), Lieber (Centr.) und Paasche (natl.) wird sodann noch beschlossen, daß von der Anleihe- Ermächtigung nur insoweit Gebrauch zu machen ist, als der Bedarfsbetrag nicht durch Mehrbeträge bei den regelmäßigen Einnahmen des Reiches seine Deckung findet.
Damit ist der Nachtragsetat erledigt.
Hierauf wird in erster und zweiter Lesung der zweite Nachtragsetat genehmigt. In dritter Lesung wird die Militärvorlage debattelos angenommen.
Abg. Fischbeck stellt den Antrag, über die vorliegenden Petitionen zur Tagesordnung überzugehen.
Vizepräsident Schmidt schließt die Diskussion.
Abg. Fischbeck bezweifelt zur Geschäftsordnung die Beschlußfähigkeit des Hauses und wiederholt seinen Antrag, nachdem Abg. v. Bennigsen Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung beantragte. Die Auszählung ergibt die Beschlußunfähigkeit.
Nächste Sitzung morgen 11 Uhr.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 16. Juni.)
Das Abgeordnetenhaus nahm heute gegen die Stimmen des Centrums und der sreis. Volkspartei den Antrag Arendt und Gen. (kons.) auf Nußerkraftsetzen der Bundesrathsverordnung betreffend den Betrieb der Bäckereien und Konditoreien an. Ferner wurde die Vorlage, betr. Abänderung von Amtsgerichtsbezirken, angenommen. Dann folgte die Interpellation Albers wegen der von der Eisenbahn-Verwaltung gezahlten Preise für westfälische Kohle, die von einem Regierungsvertreter beantwortet wird. Eine Besprechung derselben findet nicht statt. Morgen kleine Vorlagen.
Depeschen-Bureau „Herold".
16. Juni, abends 9 Uhr:
Berlin, 16. Juni. Der „Kreuzztg." zufolge wird der Reichskanzler selbst morgen die Centrumsinterpellation betr. die Jesuiten beantworten. Die Sitzung ist deßhalb aus 11 Uhr anberaumt, weil der Reichskanzler gleich nachher seine Reise zur Kyffhäuser-Feier antritt.
Berlin, 16. Juni. In der deutschen Reichspartei, die heute die Kommissionsbeschlüsse zum bürgerlichen Gesetzbuch berieth, ergab sich eine fast völlige Uebereinstimmung der Partei mit der Haltung und den Anträgen ihrer Kommissionsmitglieder. Auch wurde beschlossen, an alle Mitglieder der Fraktion das dringende Ersuchen zu richten, sich zur Plenar- berathung, welche Donnerstag beginnen wird, vollzählig einzufinden.
Berlin, 16. Juni. Die „Post" erklärt, daß der Vizekönig Lihung- Tschang bestimmte Aufträge irgend welcher Art nicht mitbringt. Sein Zweck sei vielmehr zunächst nur, durch eigene Anschauung unserer großen