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HanmerAnzeiger

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Kr. 133.

Dienstag den 9. Zum

j 896.

Amtliches.

St»ötNvois jmiwu.

Bekanntmachung.

Die vielfach im Publikum wie auch bei Gewerbetreibenden verbreitete Ansicht, daß am Sonntag den 14. d. Mts. eine Fortsetzung des Lambori- Waldfestes gestattet sei, ist eine irrige. Der Schluß des Lamboy-Wald- festes ist auf spätestens Sonnabend den 13. d. Mts., nachts 12 Uhr, fest­gesetzt und ist am Sonntag den 14. d. Mts. jede Ausübung irgend eines Gewerbes im Lamboywalde bei Meidung empfindlicher Bestrafung unter­sagt.

Die in diesem Jahre festgesetzte Frist der Räumung des Waldes bis zum 15. Juni abends erklärt sich damit, daß der 14. Juni ein Sonntag ist, an welchem jede Art des Gewerbebetriebes wie auch jedes Arbeiten zu ruhen hat.

Hanau am 8. Juni 1896.

Königliche Polizeidirektion.

P. 5552 v. Schenck.

^anö^ret^ J^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Nach Mittheilung des Großherzoglichen Kreisamts zu Friedberg ist in Trais-Münzenberg die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und die Gehöfts- und Gemarkungssperre angeordnet worden.

Hanau am 8. Juni 1896.

Der Königliche Landrath

D. Schenck.

^tadtRreis ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur Kenntniß gebracht, daß der Wochenmarkt in der Neustadt vom 13. d. Monats wegen des auf diesen Tag fallenden Lamboyfestes auf Freitag den 12. Juni er. verlegt wird. Der Alt­städter Wochenmarkt fällt am 12. d. Mts. aus.

Hanau am 2. Juni 1896.

Der Stadtrath.

Dr. Gebeschus. 7589

Bekanntmachung.

Die Lieferung des diesjährigen Bedarfs an Brennmaterial für die gesammte städtische Verwaltung inkl. Schulen und zwar zirka

22 Waggons Kohlen Ofenbrand,

1 Waggon Nußkohlen I. Qualität,

1 Waggon Anthracitkohlen,

80 Rmtr. Tannenscheitholz I»,

15 Buchenscheitholz

wird hiermit zur Submission gestellt. Angebote mit Preisangabe für die Kohlen und die Fracht bis Bahnhof hier mit Bezeichnung der pe$e sowie für Holz wolle man schriftlich und versiegelt bis zum 18. d. Mts., mittags 12 Uhr, auf dem Rathhaus abgeben.

Hanau am 4. Juni 1896.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 7623

Zur Unterstützung invalid gewordener Hanauer, welche 1870/71 den Krieg gegen Frankreich mitgemacht haben, sowie der Familien der in diesem Kriege gefallenen oder nachweisbar an den Folgen desselben gestor­benen Hanauer steht dem Stadtrath ein Fonds zur Verfügung, aus welchem eventuell die Zinsen zur Vertheilung kommen sollen.

An die betreffenden ehemaligen Militärs, beziehungsweise an die Wittwen und Waisen von solchen oder deren Vormünder, welche an jenen

Fonds Amprüche zu machen gedenken, ergeht daher die Aufforderung, sich unter Vorlage der Militärpapiere und allenfallsiger ärztlicher Zeugnisse bis zum 31. Juli er. entweder schriftlich zu melden oder aus dem Rathhause im Zimmer des Standesamts zu Protokoll vernehmen zu lassen.

Hanau am 4. Juni 1896.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 7624

Tagesschau.

Der als Kommis Voyageur der Deutschen Sozialdemo­kratie fungirende Reichstagsabgeordnete Wilhelm Liebknecht schweif­wedelt vor seiner ausländischen Kundschaft, daß es nur so eine Art hat. Je nach Zeit und Ort ist er französischer als die Franzosen oder eng­lischer als die Engländer, immer aber bar jedes Funkens von deutsch­nationalem Ehrgefühl. Seiner sozialdemokratischenZielbewußtheit" ist die Vorstellung offenbar unerträglich, daß es im Auslande Leute geben könnte, die in Betreff auch nur irgend einer deutschen Institution von einer gewissen Werthschätzung erfüllt wären. Flugs ist der Herr Lieb­knecht bei der Hand, solche Vorurtheile richtig zu stellen. U. a. hat sich bis jetzt in manchen Auslandskreisen der Glaube erhalten, daß das deutsche Schulwesen seine nicht ganz gering zu veranschlagende Meriten habe. Nichts ist irriger als, das, sagt Herr Liebknecht. Er stellt im Gegentheil, wie er in einem vor der Londoner Fabiangesellschaft dieser Tage gehaltenen Vortrage über die Entwickelung des deutschen Sozialismus sich vernehmen ließ, die englischen Schulen über die deutschen. Von seinem Standpunkte ja vielleicht mit Recht, da, wie Herr Liebknecht selber sagt, in den deutschen Schulen die Liebe zum angestammten Fürstenhause gepflegt wird; aller­dings darüber, ob in den englischen Schulen nicht Ähnliches geschieht, lies sich Redner nicht aus. Auf gleichem Niveau standen die sonstigen Ausführungen des ehrenwerthen Proletariergreises, wie die: wenn das Frauenstimmrecht erst durchgesetzt wäre, so würden die Sozialisten 100 statt 47 Mitglieder im Reichstage haben, und so lange der Kapitalismus in Deutschland bestände, so lange würde der Militarismus bestehen, und das bedeute Krieg. Dem Auslande das deutsche Reich als kriegerisch zu denunziren, ist echt sozialdemokratisch.

Die Berichte über die glänzenden Millenniumsfeierlichkeiten in Pest füllen jetzt alle Zeitungen der k. und k. Länder. Der Haupt­tag war der gestrige Montag mit dem Huldigungsfestzuge vor dem Kaiser­paare. DasNeue Wiener Tagbl." berichtet darüber: Dieser Festzug wird von 1350 Reitern und einer großen Anzahl von Wagen gebildet. Er wird sich um 8 Uhr morgens aus der Generalswiese, welche zu Füßen des Ofener Gebirges sich ausbreitet, aufstellen. Der Zug nimmt feinen Weg aus der neuen, zur Burg emporführenden Straße" und gelangt aus ihr in den Burghof, wo auf dem Balkon des ersten Stockwerks der Kaiser und die Kaiserin, sowie die Mitglieder des kaiserlichen Hauses dem Vor­überzuge der berittenen Schaaren anwohnen werden. Nachdem vor dem Kaiserpaare Halt gemacht worden sein wird, geht es dann weiter zur Mathiaskirche, wo am Freitag die Reichskleinodien niedergelegt wurden. Diese, bestehend aus Krone, Scepter, Schwert und Mantel des heiligen Stephan, werden nun aus der Kirche, wo sie drei Tage zur öffentlichm Besichtigung ausgestellt waren, in Empfang genommen, in den Glasgala­wagen gelegt und nach demselben Ceremoniell, wie sic hingebracht wurden, wieder weggeführt, freilich diesmal nicht in die Burg zurück, sondern direkt in das neue Parlamentsgebäude.

Die italienische Heeresreform, die der gegenwärtige Kriegs­minister General Ricotti geplant hatte, unterbleibt vorerst. Angesichts des harten Tadels, den im Senat die Generale Primerano, Mezzacapo und Morra, sowie der frühere Minister Saracco an der Vorlage übt-n, hat Ricotti sie zurückgezogen. Besonders wirkungsvoll war Saraccos Nach­weis, daß die Regierung um einer Ersparnis von 5 Millionen Lire das nationale Heer verderben wolle, und General Morras Rede, welche die Vorlage als den Ruin der Armee bezeichnete. Ricotti begleitete die Zu­rückziehung der Vorlage mit der Bemerkung, vielleicht werde es im Herbst möglich sein, auf den Heeresvoranschlag von 246 Millionen zurückzu­kommen.