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Die einzelne Nummer 10 ^.
HanauerAnMer.
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Nr. 132.
Äcomag den 8. ^uni
18^
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 48.
Amtliches.
Diesstsachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Am 6. ds. Mts. auf dem hiesigen Meßplatz ein Knabenanzug (im Packet). Eine oxidirte Damenuhr mit Schleife, auf dem Deckel die Figur eines lO-Marlstücks nebst Vogel eingravirt.
Entlaufen: Ein kleiner schwarzer Pinscher mit gestutzter Ruthe, m. Geschl.
Gefunden: Ein Gesindedienstbuch nebst Zeugniß für Margaretha Lotz aus Hanau. Ein weißer Damenhandschuh (rechter). Am 25. v. Mts. an der Straße in der Nähe von Dörnigheim eine silberne Damen- Remontoiruhr mit Band.
Hanau am 8. Juni 1896.
Es wird um Auskunft über den gegenwärtigen Aufenthalt des Taglöhners Peter Ullrich von Oftheim ersucht.
Hanau am 2. Juni 1896.
Der Erste Staatsanwalt
Schumann. 7531
^tadi^rei^ ^atvmx« Bekanntmachttngen des Oberbürgermeifteramtes.
Für den am 1. Juli 1881 in Genf geborenen, hier heimathberech- tigten Johann Franz Gröll ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsverband nachgesucht worden.
Hanau am 5. Juni 1896.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus.
Die Wahl in Rappin Templin hat mit einer Niederlage der konservativen Partei geendet. Der Wahlkreis, von Alters her eine Hochburg für Königstreue und Vaterlandsliebe, für Ordnung und christliche Sitte, wird auch für den Rest der laufenden Reichstagslegislaturperiode durch die freisinnige Volkspartei vertreten sein, freilich nicht durch eigenes Verdienst derselben. Auf den Krücken der Sozialdemokratie und des Antisemitismus tritt ihr Vertreter in den Reichstag ein.
Das Reichstagswahlrecht mit allen seinen begleitenden Erscheinungen hat auch bei dieser Wahl seine vollen Wirkungen geübt. Nichtsdestoweniger wäre es verfehlt, wollte man nur dem vereinigten Ansturm der entfesselten Parteileidenschaften die Schuld an der Niederlage des Konservatismus zumessen. Der letztere selbst hat davon einen Theil auf sein Konto zu nehmen.
Die konservative Partei theilt mit allen in dem besitzenden und gebildeten Bürgerthum wurzelnden Parteigruppen das Geschick, die Zeit und ihre Forderungen nicht in ihrer ganzen Bedeutung zu würdigen. Sie hat in der Gegenwart mehr wie je den Beruf, sich zum Stützpunkt gegen die sozial-revolutionären Strömungen zu machen. Aber sie hat nicht voll beachtet, daß dem immer vernehmbarer werdenden Marschtritte der Revolution gegenüber volle Einigkeit und unermüdliche Rührigkeit aller Freunde des Bestehenden ein unabweisbares Gesetz ist.
Der politische Gleichmuth beherrscht viele gut konservative Elemente zu sehr; es fehlt an Klarheit des Gedankens, an Festigkeit des Willens und an Einmütigkeit des Handelns. Es gebricht an Opferfreudigkeit und agitatorischem Geschick, an materiellen Mitteln und Talenten, an einheitlicher Organisation und Disziplin.
Die Ruppiner Wahl ist hierfür ein geradezu klassisches Beispiel. Sie hat dem zuschauenden Auge einen Mangel an zielbewußter Rührigkeit, dafür die große Zersplitterung und individuelle Leidenschaftlichkeit im staatserhaltenden Lager erkennbar gemacht. Antisemiten, Christlich-Soziale, Anhänger des Bundes der Landwirthe beeinträchtigten die berechtigten konser
vativen Interessen, jeder Theil geneigt, lieber das Siaatswohl zu gefährden, i als dem Sondergeiste zu entsagen.
Den Konservativen wäre trotzdem noch in letzter Stunde der Sieg zugefallen, wenn die Antisemiten nicht zu gehässig und zu widerspruchsvoll gegen ihr innerstes Wesen gehandelt hätten. Sie wollten dem Volke auch hier zeigen, was sie vermögen, und bekundeten ihre politische Mündigkeit darin, daß sie — ihrem geschworensten Gegner Vorschub leisteten.
Aus diesen Thatsachen haben die Konservativen zu lernen. Es wäre j ihr Verhängniß, wenn sie auch jetzt noch die nöthige Thatkraft vermissen lassen wollten. Die Sozialdemokratie betreibt die Wahlen von 1898 schon jetzt. Dies Beispiel lehrt. Aus der Macht des Konservatismus beruht die Zukunft des Vaterlandes. Auch die letzte konservative Kraft ist für den Dienst der Partei mobil zu machen. —r.
Tagesschau.
Im Reichstage ist das vielumstrittene Börsenreformgesetz nunmehr angenommen worden. Dagegen stimmten die Freisinnigen und Sozialdemokraten in edler Waffenbrüderschaft. Die Auseinandersetzung zwischen den Abgeordneten v. Ploetz und Singer, bei der es sich bekanntlich um die Betheiligung des ersteren an Börsenspielen handelte, hat wieder ; ein grelles Licht auf unsere Fraktionspölitik oder vielmehr aus das, was : man so zu nennen beliebt, geworfen. Man kann nicht den geringsten Zusammenhang zwischen der Börsenreform und den Angriffen Singers entdecken. Ob Herr v. Ploetz an der Börse gespielt bat, ob nicht, und in ! welchem Umfange es geschehen, hat mit der Vorlage, die doch übrigens von > der Regierung stammt, gar nichts zu thun. In solchen Abschweifungen ■ und in dieser Kampfesmethode kann man nur eine Verzerrung der parlamentarischen Verhandlungen erblicken, wodurch die unbefangene, das heißt die den Abgeordneten pflichtmäßige Prüfung bei Seite geschoben wird. Ganz abgesehen davon, daß Herr Singer nur den einzigen Herrn von : Ploetz anfâhren konnte; was will es bei der Börsenreform sagen, wenn auch noch Andere mit Zuständen gerechnet haben, die legal waren und von ; denen man jetzt auch nur die Auswüchse entfernen will. Jedenfalls sollten : gerade Herr Singer und seine Parteifreunde in solchen Dingen sehr vorsichtig sein. Herr Singer selbst hat seinen großen Reichthum aus den i Hungerlöhnen armer Konfektionsarbeiter, wobei er wußte, daß die Mädchen ehrlosen Nebenverdienst suchen mußten. Man hat nichts davon gehört, daß es Herrn Singer jemals in den Sinn gekommen wäre, das Kapital, j woran Schweiß, Blut und Schande kleben, wieder herauszugeben, nicht einmal den letzten Strike der Konfektionsarbeiter hat er in entsprechender : Weise unterstützt; aber Herr Singer eifert gegen das Kapital. Wenn es Herrn Singer wirklich darauf ankommt, Widersprüche zwischen Rede und i Handlung aus der Welt zu schaffen, wird er bei sich selbst und in seiner nächsten Umgebung genug zu thun finden.
Wie die „Volksztg." aus angeblich guter Quelle hört, wird das gescheiterte Lehrerbesoldimgsgcsetz bereits im Kultusministerium umge- I arbeitet. Daß der Landtag in seiner nächsten Tagung mit einer neuen Vorlage befaßt werden wird, war vom Regierungstische aus in sichere j Aussicht gestellt und gleichzeitig erklärt worden, daß aus diesem Grunde der Landtag schon zum Herbst einberufen werden solle. Veber den Inhalt der neuen Vorlage meldet die „Volksztg." : „Im Großen und Ganzen ! wird die neue Vorlage sich wesentlich an den alten Entwurf anschließen, ! im Einzelnen indeß wird die Regierung mehrfache Veränderungen vornehmen, um mit dieser Vorlage einigermaßen Aussicht aus Erfolg zu haben. . Das wird voraussichtlich vor allen Dingen geschehen ba, wo cs sich um die Staatsbeiträge an die größeren Städte handelt. Das Wenigste, was i man hier wird zugcsteheu müssen, ist, den Städten diejenigen Summen zu I belassen, die sie bisher erhalten und auf die sie ihre Schuletats eingerichtet ' haben. Dazu scheint man sich Seitens der Staa sregierung jetzt auch ent- s schließen zu wollen. Anders liegt es bei der Frage der Alterszulagen- ksssen. Auf diese legt man Seitens des Kultusministeriums den aller- . größten Wertb, einmal, weil diese nach der dort herrschenden Ueberzeugung in mehr als einer Beziehung allerlei Vortheile gegen bi? jetzigen Verhâlt- ■ nisse bieten und namentlich auch den Lehrern derart zu Gute kommen, daß die Einrichtung gerade dieser Kassen von dem allergrößten Interesse für