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Er 127 Dienstag den 2. ^unt 1896.
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Amtliches.
^atxd^reiö Rattan.
BâttUtmachttrrgen des Königlichen Landrathsamtes.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Rückingen erloschen ist, i werden die zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche diesseits unterm I 8. Mai er. angeordneten Sperrmaßregeln aufgehoben, insbesondere wird I der Gemeindebezirk Rückingen von dem für die Orte Langenselbold, Langendiebach, Rückingen und Niederrodenbach gebildeten Beobachtungsgebiet wieder ausgeschlossen.
Hanau am 2. Juni 1896.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Nach Mittheilung des Königlichen Landrathsamtes zu Gelnhausen ist in Gettenbach die Maul- und Klauenseuche festgestellt und die Gehöfts- und Ortssperre angeordnet worden.
Hanau am 1. Juni 1896.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
MaMräjs Jbanau. vârr«tmachmrgett des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Nach dem Vorgänge verschiedener Gewerbegerichte hat das hiesige Gewerbegericht Formulare zu Verträgen herstellen lassen, welche bei dem Abschluß von Arbeitsverträgen zwischen Gewerbetreibenden und ihren Arbeitern benutzt werden können. Der Abschluß schriftlicher Arbeitsverträge soll bezwecken, die gegenseitigen Rechte und Pflichten der Arbeitgeber und Arbeiter sofort beim Vertragsabschluß klarzustellen und dadurch die vielfachen Gewerbestreitigkeiten, die durch die mangelhaften und unklaren Verabredungen bei dem Arbeitsvertragsabschluß entstehen, thunlichst zu vermeiden. Die Formulare enthalten zugleich die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen über die Arbeitsverhältnisse.
Indem ich den Herren Gewerbetreibenden empfehle, in möglichst ausgedehntem Maaße bei dem Abschluß von Arbeitsverträgen die Formulare zu benutzen, bemerke ich zugleich, daß die Letzteren in der Expedition des „Hanauer Anzeiger" und der „Hanauer Zeitung" sowie in der Gerichtsschreiberei des Gewerbegerichtes Neustädter Rathhaus, Zimmer Nr. 21, unentgeltlich zu haben sind.
Hanau den 21. Mai 1896.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts
Dr. Gebeschus. 7265
Am Mittwoch den 3. Juni, nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gekveebegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitigkeiten, Klagen re. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau am 28. Mai 1896.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts
Dr. Gebeschus. 7301
Die russisch-französische Entente und England.
Bei dem hohen Interesse, das die äußeren Vorgänge bei der russischen Kaiserkrönung erregt 'haben, ist der besonderen Auszeichnung, die der russische Kaiser Frankreich hat zu Theil werden lassen, vielleicht weniger Beachtung geschenkt worden, als sie verdient. Kaiser Nikolaus hat durch den General Boisdeffre dem französischen Heere und durch das Telegramm an den Präsidenten Faure dem französischen Volke seine Sympathien in einer so ungewöhnlich herzlichen Weise ausgedrückt, daß die Franssen, die auck über den kleinsten Beweis russischer Freundschaft glücklich sind, diesmal wohl ein Recht haben, höchste Seligkeit zu genießen.
Indessen, darauf, den Franzosen eine besondere Freude zu machen, bürste eâ dem Kaiser Nikolaus nicht allein an gekommen sein. Er ist trotz seiner Jugend ein viel zu ernster, bedächtiger Mann, als daß er mit seinen Freundschaftsveisicherungen so um sich würfe, ohne einen besonderen Zweck zu verfolgen. Die Betonung der engen Beziehungen zwischen Ruß
land und Frankreich sollte offenbar an gewisser Seite beachtet werden und eine Mahnung gegen eine gewisse Macht bedeuten. Daß Deutschland diese Macht nicht ist, geht, abgesehen davon, daß die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland gegenwärtig besser sind, als seit Jahren, mit Deutlichkeit aus dem Handschreiben des Kaisers an den Grafen Schuwalow hervor, in dem er, wohl auch nicht ohne Absicht, besonders die Verdienste des Grafen um die Aufrechterhaltung der alten freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Kaiserreichen hervorhebt.
Wohl aber kann die überaus franzosenfreundliche Kundgebung des russischen Kaisers als eine Mahnung an Englands Adresse angesehen werden, als eine Ankündigung, daß diese Macht demnächst in wichtigen Fragen -Rußland und Frankreich noch entschiedener als bisher aus gegnerischer Seite finden wird. Wenn man in England die Folgen eines einigen Vorgehens der beiden Mächte bitter empfingen wird, dann wird man es wohl bereuen, daß man nicht von langer Hand her mit der Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit einer russisch-französischen Allianz gerechnet hat, wie es Deutschland gethan hat. Mit der prophetischen Gabe des Genies hat Fürst Bismarck schon vor vierzig Jahren ein russischfranzösisches Bündniß vorausgeseben. Damals schrieb er: „Es sind diese Beiden diejenigen unter den Großmächten, welche die wenigsten Elemente der Gegnerschaft in sich tragen". Er hat dann die russisch-französischen Beziehungen sorgfältig überwacht und zu der Zeit, in der er das deutsche Einigungswerk vorbereitete, in der also eine Allianz zwischen dem östlichen und westlichen Nachbarn Deutschlands alle seine Pläne hätte über den Haufen stürzen können, dafür Sorge getragen, Rußland gegenüber als ein sicherer Freund zu erscheinen, als es das damalige Frankreich war. Wir erinnern nur an Bismarcks aufrichtig entgegenkommendes Verhalten gegen Rußland während der polnischen Insurrektion im Jahre 1863. Als dann im Jahre 1878 die Beziehungen Rußlands zu Deutschland weniger herzlich wurden und damit die Möglichkeit einer engeren Verbindung zwischen Rußland und Frankreich näher rückte, spielte Bismarck dieser Entente gegenüber das Prävenire, indem er den Dreibund schuf. Zehn Jahre vor den Tagen von Kronstadt war das Bollwerk des Friedens geschaffen, Hub die neuen Verbündeten mochten sich wohl bedenken, sich an diesem Bollwerk, das von fünf Millionen Bajonetten vertheidigt wird, die Köpfe einzurennen.
Einer aber ist außerhalb des Befestigungswerkes geblieben: England. Es ist nach dem Grundsätze verfahren, den Bismarck ebenfalls vor 40 Jahren scharf und sicher skizzirt hat: „Die insulare Sicherheit macht es England leicht, einen kontinentalen Bundesgenossen, je nach dem Bedürfniß der britischen Politik zu halten oder sitzen zu lassen." Da aber diese hinterhältige unzuverlässige englische Politik auf die Lauer auch den geduldigsten Bundesgenossen verstimmen muß, hat sich England glücklich in eine vollkommen isolirte Lage und dadurch in eine sehr ungünstige Position gegenüber dem ihm an Seestrenkrâften ebenbürtigen, als Landmacht aber ungezählte Mal überlegenen Zweibund gebracht. Statt sich nun in dieser schwierigen Situation wenigstens ruhig zu verhalten, hat England sich im letzten Jahre die Dreibundmächte noch mehr entfremdet, die Zweibundmächte aber geradzu herausgefordert. Es hat es beinahe darauf angelegt, zu zeigen, daß es mit Rußland im Orient, am persischen Golf und in Ostasien kollidirt und daß es sich an Frankreich im Mittelmeer und in Central-Afrika reibt.
Solange wie die russische Kaiserkrönung noch nicht vollzogen war, hat der Zweibund seinen Antagonismus gegen England nur durch diplomatische Aktionen zum Ausdruck gebracht. Jetzt aber, wo die Krönung vollzogen ist, wo der Herrscher des ungeheuren russischen Reiches in den Augen seiner hundert Millionen Unterthanen durch das heilige Oel einen neuen Nimbus von unbeschränkter Macht und Kraft gewonnen hat, wird Rußland mit größerer Entschiedenheit seine Pläne verfolgen, bei denen es immer wieder auf England als Gegner stößt. Es wird England nicht den Gefallen thun, sich am Bosporus festzurennen, wo es schließlich österreichische Interessen viel mehr verletzen würde, als englische, sondern es wird daran gehen, seine bisherigen Errungenschaften in Asien zu einem vollen Erfolge zu gestalten, indem es nach Einfluß, Macht und Landbesitz am indischen Meer und am stillen Ozean strebt. Und wenn dann Frankreich sich Rußland gegenüber als treuer Gefährte bei Rußlands asiatischen Bestrebungen gezeigt hat, wird Rußland die franzönscken Aspirationen in Afrika fördern, und auch hier wieder wird England der leidende Theil sein.