Erstes Blatt.
Abounements- Preis:
Jährlich 9 X Halbj.4-â50-Z
Vierteljährlich
2 X 25 A
Für auswärtige Abonnenten mit dem betreff enben -1-ostaufschlag.
Die einzelne Nummer 10 A
HMMtrMMN
Zugleich
Arnttiches §)rgan für Staöt- urtö Lanö^rreis Kcrnau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Insertions- Preis : Die lipalliste Garmond.ci e oder herèn Reum 10 A, die 1W Zeile 15 die 2spalt. Zeile 20 die 3ipalt. Zeile 30 ^, imReklamentheil die Ispalt. Zeile 20 »5 netto.
Nr. 125
Samstag b-.n Bo. Mai
1896.
Amtliches.
^anößrct# ^anau.
Bet^nutmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Nach Mittheilung des Großherzoglichen Kreisamts zu Friedberg ist in Rodheim v. d. H. die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und die Gehöstsiperre angeordnet worden. •
Hanau am 27. Mai 1896.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Nach Mittheilung des Königlichen Laudrathsamtes zu Gelnhausen ist in Niedergründau die Maul- und Klauenseuche festgestellt und die Gehöfts- und Ortssperre angeordnet worden.
Hanau am 28. Mai 1896.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Aus Stadt- Provinz und Umgegend.
Frankfurter Sries.
Frankfurt, den 29. Mai 1896.
Verhallt find die frohen Pfingstklänge, vorbei das herrliche Fest und die Sommerfrischler und Touristen, die den Staub der Akten, Bureaux und Werkstätten aus einige Tage verlasset: hatten, um sich in Gottes freier Natur zu ergehen, find neugestärkt zu ihren Berufsgeschäften zurückgekehrt. Es waren schöne Feiertage, — die Sonne hatte zwar Anfangs noch etwas Verstecken gespielt, und rauhe Winde bliesen eine trübselige Symphonie, aber, unser Herrgott verläßt einen guten Deutschen nicht. Den dritte Feiertag war mild und steundlich, und die liebe, gute, alte Mutter- Sonne winkt dem Griesgram liebenswürdig ihr „Komm' mit ins Freie, in die herrliche weite Natur!" zu. Am Rhein ging es hoch her; Mainz, der Niederwald, Rüdesheim und alle die gesegneten Rhein- und Weinstädtchen wimmelten von Fremden. Auch Frankfurt hatte einen großen Touristenverkehr aufzuweisen; die Theater, der Zoologische Garten und Palmengarten machten brillante Geschäfte, und, was die Hauptsache war, es lief alles wunderbar „glatt ab"; man hörte diesmal nicht, wie früher so oft, von Unglücksfällen, — der Verkehr auf Eisenbahnen, Schiffen, Trambahnen war trotz der ungeheuren Menschenmenge musterhaft geregelt und dies ist gewiß keine Kleinigkeit, sollen doch am Montag allein in dem kleinen Rüdesheim und auf dem Niederwald über 10,000 Fremde gewesen sein.
Unsere Theater haben den fremden Pfingstgästen weitgeheudst Rechnung getragen und in Nachmittags- und Abendvorstellungen das Beste aus der reichen Fülle des Repertoirs gespendet. Das Schauspielhaus brachte sogar eine Ueberraschung mit der Aufführung des hier langH nicht mehr- gegebenen Shakespear'schen „Hamlet" als Abschluß des Shakespeare- Cyklus. Der düstere Dänenprinz, der, um den frevelhaften Mord seines Vaters zu rächen, sich wahnsinnig stellt, und sich erst im letzten Augenblick zu thatkräftigem Handeln aufrafft, ist von [eher eine Lieblingsparthie namentlich der deutschen Darsteller gewesen. Unser jugendlicher Heldendarsteller, Herr Barthel, der erst vor Kurzem wieder in der vollendeten Wiedergabe des „Faust" so glänzende Proben seiner Darstellungskunst ablegtc, darf auch den Hamlet, den er zum ersten Male spielte, zu seinen besten Rollen zählen. Das war nicht der grüblerische, thatenarme Schwächling, wie ihn so manche Künstler auffassen, sondern der seinem festgefaßten Ziele zustrebende Charakter, der in jeder Situation Miene und Bewegung seiner Umgebung weit überlegen ist, und rücksichtslos seinen Racheplan ausfühxt. Dem beliebten Darsteller wurde nach jeder Scene reicher Beifall gespendet. Auch die übrigen Parthien der schwierigen Tragödie, die freilich gegen diè Titelrolle bescheiden zurücktreten, waren durch Frl. Landori (Ophelia), Frl. Voch (Königin), Herrn Roll (König Klaudius), Hartmann (Laertes), Szika (Polonius) und Diegelmann (Geist) angemessen besetzt und verdiente das flotte Zusammenspiel und die Regie des Herrn Roll uneingeschränktes Lob. T~ Auch im Opernhausè hatten wir einen hochinteressanten Abend. Herr Albert Stritt, der Heldentenor des Dresdener Hoftheaters, ein früheres
beliebtes Mitglied unserer Bühne, gastirte gestern und wählte eine seiner besten Parthien, den Tristan in Wagners „Tristan und Isolde". Die Stimme des Gastes hat gegen früher viel von ihrer einstigen Frische und Schönheit «ingebüßt, und namentlich in den hohen Lagen reicht sie für unser großes Theater nicht mehr aus — die gerühmte große Sangeskunst und Technik, sowie das vorzügliche Sviel sind jedoch dem Künstler treu geblieben, und so vermochte es der Gast, trotz seiner stimmlichen Defekte, einen imposanten und glaubwürdigen Tristan auf die Bühne zu stellen. Das Haus war total ausverkaust und die früheren zahlreichen Freunde und Verehrer des Künstlers bereiteten ihrem früheren Liebling stürmische Ovationen, zahlreiche Hervorrufe und herrliche Kranz- und Blumenspenden. Es ist keine Kleinigkeit, sich neben unserer stimmgewaltigen Frau Ende-Andriessen, die gestern die „Isolde" mit großer Meisterschaft sang, zu behaupten, Herrn Stritt gelang dies jedoch ganz vortrefflich. Das herrliche Werk hinterließ einen erhebenden Eindruck, und ist es nur zu bedauern, daß hier eine Tristan-Aufführung nur durch Gewinnung eines Gastes für die Titel- parthie zu ermöglichen ist. Der Heldentenor unserer Bühne, Herr von Bandrowsky, weigert sich immer noch beharrlich, diese anstrengende und schwierige Rolle in sein Repertoir auszunehmen. Ueberhaupt läßt sich unser Heldentenor, der doch eine ganz hervorragende Gage und sehr hohes Spielhonorar bezieht, sehr wenig hören und sein Repertoir ist nicht besonders groß; wenn er zudem noch den „Drückeberger" spielt und eine Parthie, wie den Tristan, verschmäht, so müssen wir erstaunt fragen, wie, derartige Verhältnisse so weiter bestehei: können. Herr von Bandrowsky sollte, wie jeder strebsame Tenorist, gerade die Parthie des „Tristan", wenn solche auch anstrengend ist, studiren und seine imponirende Stimme und Erscheinung an dieser herrlichen Aufgabe erproben; sein merklich im Sinken begrisfener Stern würde alsdann wieder in neuem Lichte erglänzen,-— Doch hinweg mit der bedrückenden, dumpfen Theateratmosphäre un^Dnaus ins Grüne! Der altberühmte, traditionelle W äldchestag. Aockte am dritten Feiertag halb Frankfurt hinaus in unseren herrlichen Wald; eine ! unheimlich fluthende Menge wälzte sich bem grünen Forste zu, um nach der ermüdenden Fußwanderung auf staubiger Chaussee den Labetrank eines guten „Eppelwei" oder Bier zu genießen. „Tausend Zelte waren aufgeschlagen", konnte man mit Platen beim Anblick all ber sich bietenden Herrlichkeiten ausrufen. Da waren Wirthschaften, Canonssels, Schießbuden, Photographie- buden und die animirte Stimmung des tausendköpfigen Publikums währte bis zum späten Abend, wo man dann, „begränzt mit Laub" und versehen mit lichtspendenden Lampions, die heimischen Penaten wieder aufsuchte. Der echte Frankfurter hält zäh und fest an seinen altüberlieferten, ehrwürdigen Lokalsitten und Festen lind ich glaube, daß derjenige, der ihm seinen „Wäldchestag" nähme, ein Stück aus seinem Herzen reißen würde . . . . Ich konnte dir, liebenswürdige Leserin, unb dir, lieber Leser, noch so manches Vorkommniß aus unserer Kaiser- und Aepfelweinstadt berichten, aber, nehmt mir's nicht übel, soeben scheint mir die liebe Sonnè so verlockend ii:s Gesicht und da nehme ich meinen Hut vom Nagel und meinen Bambus aus der Ecke heraus unb mache einen kleinen Spaziergang nach bem hübschen, blüthenduftenden Palmengarten, um bei den Klängen der trefflichen Kapelle neue Kraft zu frischem, fröhlichen Wirken und Schaffen zu sammeln.
E. L.
Die VII Versammlung des „Hessischen Städtetages" in Gelnhausen.
(Eigenbericht des „Hanauer Anzeiger.")
In unserer Nachbarstadt Gelnhausen tagte gestern der „Hess. Städtetag". Die Straßen der altehrwürdigen, sagenumwobenen Stadt waren zum Empfang der Gäste festlich geschmückt. Zahlreich waren die Vertreter der hessischen Städte erschienen, um an der Bethätigung ihrer gemeinsamen Interessen mitzuwirken. Den Vorutz führte bei den Ver- dandlungen Herr Oberbürgermeister Westerburg-Cassel. Derselbe hielt zu Beginn der Versammlung folgende Ansprache: Im Namen des Vorstandes des Städtetages eröffne ich hiermit die VII. Versammlung des Hess. Städtetages. 'Die erste Pflicht, die ich erfüllen möchte, ist die, daß ich Sie alle aufs freundlichste begrüße. Sie sind zum Theil weit hergekommen, dem Uuterhaltungsdlatt 20 Beiten.
DM- Di« heutig« Kumm«r umfaßt außer