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Die emjelne Mmmxer 10 -é.
Amtliches ^rgcm für KiaöL- und ^anö&reis Kanarr.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Preis:
Die lipaltige Garmondreile oder deren Roma
10
die lV«fp. Zeile
15
die 2spalt. Zeile
20 4, die 3spalt. Zeile
30 ^, imRek! amentheil die Ifpalt. Zeile 20 »5 netto.
«r. 122
Mittwoch den 27. Mai
1896.
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Amtliches
Tiktislnlichlichten aus dcm Kraft.
Gefunden: Fünf Portemonnaies mit je etwas Geld. In Wil- htlmèbad ein goldnes Reifarmband mit Stein und 2 Perlen. Eine Peitsche.
Vom Wasenmeister am 25. ds. Mts. eingefangen: Ein weiß und schwarzer Spitzhund w. Geschl.
Verloren: Am 25. ds. Mts. auf der Straße nach Wilhelmsbad ein Herrenschirm. Eine braune Pferdedecke. Ein Notizbuch mit dem Namen des Eigenthümers.
Hanau am 27. Mai 1896.
Tagesschau.
Nachdem infolge der letzten Kämpfe in Deatsch-Südwestafrika bereits zu Anfang dieses Monats der Krcuzer 4. Klasse „Seeadler" (Kommandant Korvettenkapitän Coerper) von der ostafrikanischen Station nach Ewakopmund, dem Haupthasen unserer Südwestasrikanischen Kolonie, beordert worden war, um nötigenfalls die Schutztruppe durch ein ausgeschifftes Landungskorps zu verstärken, hat nun auch das Kanonenboot „Hyäne" (Kommandant Kapitänlieutenant Deubel) von der westasrikanijchen Station den Befehl durch das Oberkommando der Marine erhalten, nach der Rhede von Swakopmund in See zu gehen. Das Kanonenboot war auf einer Rundreise im westafrikaniichen Schutzgebiet begriffen und hat den Hasen von St. Paul de Loanda bereits am 12. d. Mts. verlassen, so daß es z. Zt. schon in Swakopmund angekommen sein dürfte. Die Verstärkung der Südwestafrikanischen Schutztruppe, welche am 30. d. M. von Hamburg aus in einer Kopfzahl von 400 Mann in fcee gehen wird, kann Swakopmund nicht vor Ende des nächsten Monats anlaufen.
Die Zugehörigkeit Italiens zum Dreibunde wurde in der vorgestrigen Sitzung brr italienischen Kammer von dem Republikaner und Französlinge Jmbriani heftig angefeindet, vom Ministerpräsidenten Rudini aber lebhaft und erfolgreich vertheidigt. Redner erklärte, der Dreibund habe Italien niemals auch nur die geringste Last auserlegt, während er viele Fahre hindurch den Frieden erhalten habe. Wenn Jm- briani die Ehre gehabt hätte, persönlich den Deutschen Kaiser kennen zu lernen, so würde er in dem Monarchen den aufrichttgen Freund Italiens und seines Königs und einen Souverän von edlem Miste und hoher Gesinnung kennen gelernt haben. Die Freundschaft mit En^ and veroolluan- dige das System der Bündnisse Italiens. Die Poüt-k der Regierung gehe darin, den Dreibund stark zu erhalten und gleichzeitig sreund chast- liche, herzliche Beziehungen mit allen Mächten, namentlich mit Rußland und Frankreich, zu unterhalten. , .
Die Moskauer K r ö n u n g s f e l e r l r chk e r t e n werden in Frankreich demonstrativer Weise mitbegangen. Für den heutigen ^Tag hat der Kriegsminister den Truppen Urlaub bewilligt; an diesem Tage wird Wein verteilt und die Strafen werden erlassen werden. Aus Bitten der russischen Militär-Schüler erhalten die französischen Schuler heute ebenfalls Urlaub Fn der Oper fand am Sonntag eine Gratts-Vor- stelluna ebenfalls ar?s Anlaß der Krönungsfeierlichkeiten statt. Das Stück, welches bereits im Fähre ^ beim Besuch der Russen in Paris aufge- füh« worden ist, wurde mit großer Begeisterung und lautestem Beifall ausgenommen. Viele. Häuser sind mit Fahnen tn russischen und frauzo- sischen £^^5^^^^S Zaren lautet: Wir thun kund und zu wissen allen un ere^ ^ durch den Willen und die Gnade des allmächtigen Gottes heute die heilige Krönung vollzogen und die beiliae Salbung empfangen haben, knreen wir am Throne des JWn der Herrscher mit der inbrünstigen Bitte nieder, die Dauer unserer Reaieruna rum Keile des geliebten Vaterlandes zu segnen und in der Er- fM^ W ^ «* EâS uns zu starten, trat und UN«-
meßt das von den Vorfahren üdergerene Wert des Ausbaues des russischen Landes und der Befestigung des Glaubens, der guten Sitte und der wahrhaften Erleuchtung forizusetzen. Zudem wir bekennen, was allen unseren getreuen Unterthanen noihtbut, und in Sonderheit unsere Blicke lenken am die Mühseligen und Beladenen, seien sie dies auch aus eigener Schuld oder Pflichtvergessenhcit, folgen wir dem Drange unseres Herzens, auch ihnen die möglichste Erleichterung zu gewähren, damit sie an diesem denkwürdigen Tage unterer Krönung den Pfad eines neuen Lebers beschreiten, freudig an dem allgemeinen Jubel deS Volkes theilnehmend. Hierauf folgen fünfzehn Strafnachlasse und Amnestirungen, Erlasse an Steuerrückständen für das europäische Rußland und für Polen. Die Grundsteuer wird auf 10 Jahre um die Hälfte herabgesetzt. Geldstrafen werden erlassen oder ermäßigt, die Forderungen des Staates verschiedener Art werden niedergeschlagen. Ferner werden erlassen: Verurteilungen für leichtere Vergehen, welche mit Ermahnung, Verweisung, Geldstrafen bis zu 300 Rubel oder mit entsprechender Haft dezw. Gefängniß bedroht sind. Ausgenommen sind Diebstahl, Unterschlagung, strafbarer Eigennutz, Wucher, leichtsinniger Bankerott, Vergehen gegen Ehre und Gesundheit. Die nach Sibirien Verbannten können nach Ablauf von 12 Jahren nach Eintreffen dortselbst, sowie die nach entfernteren außer sibirischen Bezirken Verbannten nach 10 Jahren einen freien Aufenthaltsort wählen, mit Ausnahme der Hauptstädte und hauptstädtischen Gouvernements und ohne Wiederherstellung ihrer Rechte. Verbrecher, welche in Sibirien oder in entfernteren Gouvernements internirt oder an bestimmte Woonorte gefesselt sind, erhalten ein Drittel Strafermäßigung. Zur Ansiedelung Verschickte sollen nicht nach 10 Jahren, sondern nach 4 Jahren Bauern werden. Die zu Zwangsarbeit Verurteilten erdalten ein Drittel Straferlaß. Die Strafe einer lebenslänglichen Zwangsarbeit wird in zwanzig Jahre herabgemindert. ferner wird eine ganze Reihe anderer Strafmilderungen befohlen. Flüchtlinge aus dcm Zarenthum Polen und den westlichen Gouvernements, welche keinen Todtschlag, Mißhandlungen, Raub oder Brandstiftung zur Unterstützung des polnischen Aufstandes begangen haben, werden, wenn sie ins Vaterland zurückkehren und den Eis der Treue leisten, von der Polizeiaufsicht befreit.
Die neuesten Berichte von Kreta lassen keinen Zweifel mehr zu, daß dort der seit einiger Zeit angekündigte Aufstand in vollem Gange i st. Blut ist geflossen, und die Panzergeschwader der Großmächte eilen der Insel zu, um die Nichtbetheiligten zu schützen und gelegentlich ein klein wenig auf die türkische Regierung zu drücken. Die Insel Kreta ist ein alter politisch-vulkanischer Boden, und besonders unser scheidendes Jahrhundert hat dort die schwersten Zuckungen gesehen. Die Kretenser lebten von Seeraub, bis ihnen 67 vor Christus die Römer das Handwerk legten und die Insel unter ihre Verwaltung nahmen. Dann lösten sich in der Herrschaft die griechischen Kaiser und Araber ab, bis sie von 961 bis ins 13. Jahrhundert den Griechen gehörte. Dann gehörte die Insel zu Genua und dann zu Venedig. Als die Türken im 17. Jahrhundert erschienen und die Insel besetzten, hielt sich die Hauptstadt Candia drei Jahre lang gegen die belagernden Türken, und 150,000 Menschen mußten erst ihr Leben lassen, bis 1668 die Stadt von den Türken eingenommen werden konnte. Das Lähmende der türkischen Herrschaft hat sich dann besonders an dieser Insel geäußert, die trotz ihres natürlichen Reichthums und ihrer günstigen Handelslage völlig verwildert ist. Bei den griechischen Kämpfen der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts wurde Kreta blutig unterworfen und dann vorübergehend zu Egypten gethan. Ganz ruhig ist die Insel seitdem nie geworden. Einen größeren Aufstand gab es 1866, der im folgenden Jahre durch Omer Pascha mit furchtbarer Grausamkeit niedergeworsen wurde; ferner 1878, wo Mukhtar Pascha schnelleren Erfolg durch allerhand Zugeständnisse halte. Aber seit die grobgriechische Bewegung im Königreich Griechenland immer mehr an Vertiefung gewonnen hat, wird es wohl aus Kreta nicht eher Ruhe geben, als bis auch dort das nationale Element über die durch blutigen Gewaltstreich aufgekommene Fremdherrschaft gesiegt hat. Und von all den Herren, die über Kreta gcherrickt haben, den Römern, Arabern, Griechen, Genuesen, Venezianern, Türken und Egyptern, scheinen doch die Griechen die nächste Anwartschaft zu haben. Man wird es den Kretern zwar in Ruß-