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Wir answärtige Wsrmesten mit de» betreffenden Pvfmufichlag.

Die einzelne -tau« 10 -d.

Amtliches Krgcm für Ktaöt- und LcrrröKreis Kanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

JnsertronS» Preis:

Die ispaltige Garmond-eile oder deren Ruma 10 4, die IMd. Zeile 15 ^, die 2fpatt. Zeile 20 ^, die 3spalt. Zeile 30 4, imReklamentheil die 1 spalt Zeile 20 4 netto.

AK 120.

Samstag den 23. Mai

Amtliches, ^mxö&ret^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Nachdem die Rothlaufseuche in Mittelbuchen erloschen ist, werden die unterm 15. d. Mls. zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche angeordneten Sperrmaßregeln hiermit wieder ausgehoben.

Die Herren Ortsvorstände wollen dies sofort ortsüblich bekannt

machen.

Hanau am 23. Mai' 1896.

Der Königliche Landrath.

I. V.: Schneider, Kreissekretär.

Dicitftnachrilhten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein roth karrirtes Handtuch. Drei Schlüssel (in einem Laden liegen geblieben). Eine Verâvderungsanmeldung der Orts­krankenkasse Hanau für Emil Happ. Ein Spazierftock.

Hanau am 23. Mai 1896.

Pfingsten.

Die Herzen auf! die Fenster auf! Geschwinde! Geschwinde! Nun ist die Zeit erfüllt. Nun brechen aller Enden die grünen Knospen auf, nun grünt's und blüht's in Wald und Flur. Mit Blumen Dust und ? Sang ist alle Welt erfüllt. Das lockt und ruft, das zieht und zerrt den alten Menschen: heraus aus deiner Klause, heraus aus deinen Sorgen, heraus aus deinem Harme, heraus ans helle Licht! Wie eine Schwalbe ihre Zungen, wenn sie flügge geworden find, lockt, mit heraus zu kommen und auch hinaus zu stiegen in die freie Gottesnatur, so lockt die Pfingst- I natur das Menschenherz hinaus. Bringt schon die ganze gefiederte Sänger­welt dem liebenden Vater ihre Jubelgrüße, willst du wohl schweigen, fühlend Menschenherz? Wer Augen hat, die sonnenhaft genug sind, Sonnenglan; zu lieben, wer Ohren hat, die sangreich wiederklingen, der stimmt mit Paul Gerhard ein:

Ich selber kann und mag nicht ruh'n, Des großen Gottes großes Thun Erweckt mir alle Sinnen, Ich singe mit, wenn Alles singt, Und lasse, was dem Höchstes klingt, Aus meinem Herzen rinnen!

Aber was hilft mir aller Frühling, wenn mir im Herzen keiner ist? Was hilft mir all der Sonnenschein, wenn doch kein Licht ins Herz mir strahlt? Was helfen mir die Frühlingswinde, wenn nicht ihr Brausen mir durch die Seele geht? Fühlst du es nicht: Jesus zündet am Pfingstfest das heilige Gottesfeuer an und will die Menschenherzen in Brand setzen.

Menschenherzen in Brand setzen? Brennen sie denn nicht schon alle von sich selbst? Mäßiger oder heftiger flackern Wünsche, Begehrlich­keiten, Furcht, Sorgen, Zorn, Haß, Neid, Ehrgeiz in ihnen. Mit Feuer- I kraft kann Begeisterung für Vaterland, für Kunst, für das Suchen nach . Wahrheit, für edles Handeln Diele ergreifen. Wiederum so zerstörend ist - keine Feuersbrunst, kein vulkanischer Ausbruch, wie wenn der Ehrgeiz der Mächtigen oder der Haß der Völker die Kriegsfurie losläßt, daß ihre Lohe . über weite Länder zusammenschlägt; oder wenn dämonische Menschen es I verstehen, die Leidenschaften der Menschenherzen aufzuregen, goldene Berge ihnen zu versprechen, und durch ihre Brandreden ein Feuer anzuzünden, das Alles, was fest und sicher schien, zu zerstören droht. Ein Feuer will Jesus am Psingstfesie in der Welt anzünden. Welch ein Feuer? Kein anderes, als dasselbe, welches in seiner eigenen Brust brannte. Und i dies war ? Durch und durch nichts anderes, als heißbrennende Gottes­liebe und Menschenliebe. Liebe zu Gott, die den Vater verklären i und Ihm zu seinem Recht über das von Sünden umstrickte Menschengc- I schlecht verhelfen wollte und darum heilige Menschenliebe, die nicht bloß

Menschen beglücken, sondern aus den übermächtigen Trieben der Eigenliebe,

KE- Die heutig -Lummer umfaßt außer

1896.

des Ungehorsams und der Fleischlichkeit herausretten wollte. Dabei hat Er gewußt, daß Er mit Wort und Beispiel so gut wie nichts ausrichten werde. Darum, indem Er einst sprach tIch bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden, was wollte ich lieber, als es brennte schon", fuhr er fort: aber ich muß mich zuvor taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis sie vollendet werde!" Das ist seine Leidens- und Todestaufe! Als seine Seele durchglühet war vom Zorne Gottes über unsere Sünde, als sein verblutender Körper die rasenden Schmerzen eines Verbrennenden litt: da anders ging es nicht hat sich seine Liebe Luft gemacht, um sich Weltreich auszubreiten. Nun ist seine Opferthat der Herd, wo das Feuer brennt, das nach seiner Absicht so weithin um sich greifen soll. Weil Er eingesetzt ist in die Macht Gottes, kann Er dafür sorgen, daß das Ge­dächtniß daran nie erlöschen darf und das Wort von seinem Opfer immer weiter auskommt. Eine Feuersbrunst geht auf, wolkenhoch wirbelns die Funken auf; der Wind jagt sie, sie fallen nieder, sie zünden da und dort. So läßt der Geist des Herrn mittelst der Predigt von Jesu Christo und von seiner Leidenstaufe Funken auf die Herzen regnen.

Das lautet anders, als die neumodischen Meinungen, der heilige Geist sei nichts Anderes, als der Geist der Menschenliebe, die Begeisterung für das Edle, Wahre, Gute! Wässrige Meinungen von dem Geist, durch welchen der Herr mit Feuer tauft. Es genügt daher zur rechten Psingst- feier nicht frische Lust und Frühlingslust, sondern es gehört dazu der Pfingstgesang einer gläubigen Gemeinde und die Predigt eines geistgcsalblen Zeugen Christi. Darum aus den Blüthengärten und Maienblüthen, wo man den Geist des Schöpfers spürt, hinein in die Gotteshäuser, wo man entzündet wird von dem Liebesgeist des Erlösers.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Redaktionell. X* Des hl. Pfingstfestes wegen er, scheint die nächste Nummer unseres Blattes erst Dienstag de» 26. d. Mts. zur gewöhnlichen Stunde.

* Kirchliches. Zur Verherrlichung des morgigen Vormittags­gottesdienstes in den beiden Altstädter evangelischen Kirchen werden die betr. Kirchenchöre für gemischten Gesang passende Lieder zum Borttag bringen.

* Verliehen. Herrn Professor Dr. Scheer dahier wurde der Rothe Adlerorden 4. Kl. Allerhöchst verliehen.

* Zur Sonntagsruhe. Am ersten Pfingstfeiertag ist a) der Handel mit Back- und Konditoreiwaaren, mit Fleisch und Wurst, Bor- kostartikeln und mit Milch von 5 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags jedoch ausschließlich der für den Hauptgottesdienst festgesetzten Unterbrechung zugelasse«, b) der Handel mit Kolonialwaaren, mit Blumen, mit Tabak und Zigarren, sowie mit Bier und Wein während zweier Stunden vor Beginn »er Pause für den Hauptgottesdienst, die Zeitungsspedition aber wie an sonstigen Sonn- und Festtagen gestattet. Für den Milch hand el ist außerdem im ganzen Regierungsbezirk an Sonn- und Festtagen noch die Nachmittagsstunde von 6 bis 7 Uhr freigegeben. Für den 2. Pfingft- feiertag gelten die für einen gewöhnlichen Sonntag zutreffenden Bestim­mungen.

* Mainkaualisation. Wie ein Drahtbericht aus München be­sagt, wird sich auch die Kammer der Reichsrâlhe mit der Angelegenheit des Groß'chifffahrtskanals und der Mainkanalisirung von Frankfurt bis Aschaffen­burg noch zu beschäftigen haben. Während in der Kammer der Abgeord­neten die Petition des Kanalvereins, soweit sie auf das Großschifffahrts­projekt Bezug hatte, zurückgewiesen wurde, beantragt der Referent, Reichs- rath von Auer, bei dem zuständigen Reichsrathsausschuß auch für diesen Theil der Petition die Hinübergabe an die Staatsregierung zur Würdi- ^ * Ladenschluß. Der Ladenschluß aller Ladengeschäfte der Mit­glieder der freien Bereinigung erfolgt von Dienstag den 26. b. Mts. ab È»er um 8 Uhr abends. Sowohl im Interesse der Geschäftsinhaber wie auch namentlich der Angestellten wird das Publikum gebeten, die Ein­käufe zeitig zu erledigen und hierdurch den pünktlichen Ladenschluß um 8 Uhr zu ermöglichen.

dem UuterhattungSblatt 20 Seiten.