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Amtliches.
St^HLL^ers ^anau.
Wegen Beginns der Sielbauten in der Körnerstraße wird diese von Mittwoch den 20. d. M. ab für ca. 3 Wochen für den Fuhverkehr gesperrt sein.
Hanau am 19. Mai 1896.
Königliche Polizeidirektion.
P. 4834 v. Schenck.
Dienstag den 19. Mai
^anö^rei^ ^anau.
GekanntMach ringen des Königlichen Landrathsamtes.
Die bei der evangelischen Volksschule zu Fechenheim frei werdende Lehrerstelle (cfr. Ausschreiben vom 11. d. Mts. in Nr. 41 der Amtlichen Beilage) soll erst am 1. August er. neu besetzt werden.
Das Dienst-(Mindest-)Einkommen beträgt für einen definitiv angestellten Lehrer 1000 M. und steigt nach Maßgabe des Dienstalters von 5 zu 5 Jahren um je 100 M. bis zum Höchstbetrage von 1500 M. (ausschl. staatlicher Dienstalterszulage). Außerdem wird an Stelle der freien Wohnung eine Miethsentschädigung von 300 M. gewährt.
Nur solche Bewerber, welche im Stande sind, den mit der Stelle verbundenen Kirchendienst zu versehen, wollen sich melden und ihre Gesuche nebst den erforderlichen Zeugnissen binnen 14 Tagen dem Königl. Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Fritsch in Fechenheim einreichen.
Hanau am 16. Mai 1896.
Für den Schulvorstand von Fechenheim Der Königliche Landrath
v. Schenck.
Dieilstnachkichtcil aus dem Kreise.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 3 Mk.
Gefunden: Ein Paar schwarze Damengla^öhandschuhe. Ein schwarzer Glacehandschuh (rechter). Ein Kinderschuh. Ein Portemonnaie mit etwas Geld. V» Pfund Thee.
Hanau am 19. Mai 1896.
Die russische Kaiserkrönung und Deutschland.
Zn der Anwesenheit zahlreicher Fürstlichkeiten und besonderer Vertreter sämmtlicher Höfe Europas und Asiens findet in diesen Tagen die feierliche Krönung des russischen Kaiserpaares statt. Ein ungeheuerer Pomp wird aufgeboten, um der Welt den Glanz und die Macht des russischen Reiches und des russischen Kaiserthums — und in diesem Lande decken sich beide Begriffe mehr als in irgend einem anderen Reiche der zivilisirten Welt — vor Augen zu führen.
Entspricht dieser Glanz auch der inneren Gesundheit und Kraft? In einem viel höheren Grade jedenfalls, als vor 13 Jahren, da die Kaiserkrönung des verstorbenen Zaren Alexander III. stattfand. Damals mußte vor dem Auge des Herrschers der Geist seines von den Nihilisten gemordeten Vaters auftauchen, und dieses Bild mußte ihn mit der bangen Soige erfüllen, ob ihm nicht ein ebenso furchtbares Geschick bevorstände. Seitdem ist der Nihilismus zwar nicht völlig ausgerottet worden, aber er hat seine dämonische Macht verloren. Auch im übrigen haben sich die inneren Verhältnisse des Landes gebessert. Die Finanzlage ist eine günstigere geworden, die Industrie hat sich gehoben, gewaltige Unternehmungen, wie die sibirische Bahn, sind in's Werk gesetzt worden. Auch nach Außen tun ist die Stillung Rußlands eine günstigere geworden. Es hat auf der Balkanhalbinscl seinen Einfluß auf Kosten des englischen, zum Theil auch des österreichischen, gesteigert, es hat in Mittel- und Ost- asien einen so erheblichen Fortschritt gemacht, daß von einer Präpotenz Englands in Asien nicht mehr die Rede sein kann, es hat endlich durch das Bündniß mit Frankreich einen starken, militärischen, politischen und finanziellen Rückhalt gewonnen und ein um so höheres Ansehen dadurch
1896.
erlangt, als innerhalb dieses Bündnisses Rußland die führende, Frankreich die Gefolgschaft leistende Macht ist.
So kann Rußland das nationale Fest mit größerer Freude und inneren Zufriedenheit begehen, als im Jahre 1883. Aber auch wir Deutsche können an dem feierlichen Vorgänge einen herzlicheren Antheil nehmen als damals. Die starke Abneigung des Kaisers Alexander III. gegen Deutschland und alles Teutsche war bekannt, und trotzdem bei seiner Krönung zwei Jahre seit dem Regierungsantritt vergangen waren, ohne daß ein kriegerischer Konflikt zwischen den beiden Staaten ausgebrochen wäre, so fürchtete man doch immer noch, daß die russische Kriegspartei die Abneigung des Zaren gegen Deutschland ihren Zielen dienstbar machen würde. Glücklicherweise überwog die Friedensliebe Alexanders III. seinen Haß. Die Besorgniß vor Verwickelungen aber konnte während seiner ganzen Regierungszeit nicht zur Ruhe kommen. Hält nun auch sein Nachfolger an dem französischen Bündnisse fest und will auch er vor allen Dingen Russe sein und darum dem Deutschthum in Rußland nicht den Einfluß gewähren, den es während der Regierung szeit seines Großvaters besaß, so ist er doch nicht von einer Voreingenommenheit gegen das Deutschthllm erfüllt. Denn wenn er auch der Sohn der Prinzessin aus dem dänischen Königshause ist, die die Abneigung seines Vaters gegen Deutschland erweckte und nährte, so ist er doch zugleich der Gatte einer deutschen Prinzessin, der Schwager des Bruders des deutschen Kaisers. Zudem sind, besonders durch die Bemühungen des gegenwärtigen deutschen Reichskanzlers, die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland bessere geworden. Schließlich hat die Verstimmung, die Dank der englischen Anmaßung zwischen Deutschland und England entstanden ist — und zwar in diesem Falle in einem viel höheren Maße zwischen der Bevölkerung beider Länder, als zwischen den Regierungen — naturgemäß das deutsche Volk mit etwas größeren Sympathien für den Staat erfüllt, den es mit Recht als den geborenen Gegner Englands ansieht.
Bei alledem soll natürlich nicht gesagt werden, daß die „thurmhohe" Freundschaft zwischen Preußen-Deutschland und Rußland, die in dem größten Zeitraume dieses Jahrhunderts bestand, und die erst gegen Ende der siebziger Jahre einen jähen Wandel erfuhr, wiederhergestellt sei, oder von Deutschland angestrebt werde. Der objektive Standpunkt, den Fürst Bismarck in seiner denkwürdigen Rede vom 6. Februar 1888 Rußland gegenüber vertrat („Wir wollen nach wie vor den Frieden mit unsern Nachbarn suchen," aber „Wir drängen uns nicht auf." „Wir laufen Niemanden nach"), dieser Standpunkt wird deutscherseits immer aufrecht erhalten werden, und wenn das Verhältniß ein wirklich herzliches werden soll, fo muß Rußland die Hand eben so weit ausstrccken, als wir. Andererseits aber haben wir keine Veranlassung ein Hehl daraus zu machen, daß uns das gebesserte Verhältniß zwischen beiden Staaten erfreut.
Darum können wir mit Sympathie an dem großartigen Feste Antheil nehmen, das für das russische Herrscherpaar und das russische Volk von so hoher Bedeutung ist, und aufrichtig wünschen, daß es dem russischen Kaiser vergönnt sein möge, in ruhigem Frieden das Ansehen und die Entwicklung seines Landes zu fördern.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 18. Mai.)
Der Reichstag berieth heute in erster Lesung die Novelle, betreffend die Friedenspräfenzstärke des Heeres, und den Nachtrag zum Reichshaushaltsetat.
Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf: Ich will mich nur darauf beichränken, die allgemeinen Gesichtspunkte zu entwickeln, welche für die Umformung der vierten Bataillone sprechen. In Bezug auf Einzelheiten bin ich später zu jeder Auskunft bereit. In der Begründung des Entwurfs findet sich der Passus: Wie die vierten Bataillone, so dienen auch die neuen Regimenter im Frieden zur Entlastung der alten, bei einer Mobilmachung aber bilden sie nicht nur den Stamm für Neuformationen, sondern festgefügte Truppenteile, welche zu jeder Verwendung im Felde brauchbar sind. Sie sollten bienen zur Vermehrung der Leistungsfähigkeit der Feldarmee. Durch Zunahme der Bevölkerung hatten wir Ueberzâhlige.