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Nr. 108
Freitag den 8. Mai
1696.
Amtliches.
Dieirstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine große Rolle weißer Sammt. Ein Spielball. Eine Nickeluhr ohne Kette. Ein Uhrschlüssel.
Verloren: Eine silberne Ankerremontoiruhr mit Goldrand, goldncn Zeigern, blauen Ziffern auf weißem Zifferblatt, auf der Rückseite eingra- virtem Monogramm W. H., nebst goldner Gliederkette.
Hanau am 8. Mai 1896. ________________
^»taöt&reie ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Jmpfordnung
für die im Stadtkreise Hanau im Jahre 1896 aaszuführende« öffentlichen Impfungen.
». Erstimpfungen:
1. Mittwoch den 20. Mai. nachmittags 3^2 Uhr: Vorstellung derjenigen Kinder, deren Jmpffähigkeit zweifelhaft ist oder deren Zurückstellung wegen Krankheit gewünscht wird.
2. Donnerstag den 21. Mai, nachmittags SVi Uhr: Impfung der im Jahre 1895 geborenen Kinder, sowie der in den ersten Monaten des Jahres 1896 geborenen, deren Impfung gewünscht wird.
Donnerstag den 28. Mai, nachmittags 4^2 Uhr: Revision derselben.
3. Donnerstag den 28. Mai, nachmittags 3^2 Uhr: Impfung der in dem Jahre 1894 oder früher geborenen, bis jetzt noch nicht oder nicht mit Erfolg geimpften Kinder.
Donnerstag den 4. Juni, nachmittags 3'/, Uhr: Revision derselben.
Impflokal: aitfMter NatlikauZ.
b. Wiederimpfungen:
4. Knabenmittelschule: Dienstag den 2. Juni, nachmittags 4 Uhr, Impfung; Dienstag den 9. Juni, nachmittags 4 Uhr, Revision.
5. Knabervolksschule: Mittwoch den 3. Juni, nachmittags 3^/» Uhr, Impfung; Mittwoch den 10. Juni, nachmittags 3^2 Uhr, Revision.
6. Mädchenmittelfchule: Mittwoch den 17. Juni, nachmittags 3 V2 Uhr, Impfung; Mittwoch den 24. Juni, nachmittags 3^2 Uhr, Revision.
7. Mädchenvolksschule: Samstag den 20. Juni, nachmittags 3'/, Uhr, Impfung; Samstag den 27. Juni, nachmittags 3Vs Uhr, Revision.
8. Gymnasium: Donnerstag den 25. Juni, nachmittags 5^2 Uhr, Impfung; Donnerstag den 2. Juli, nachmittags 5 Uhr, Revision.
9. Oberrealschttle: Dounerstag den 25. Juni, nachmittags 4 Uhr, Impfung; Donnerstag den 2. Juli, nachmittags 4 Uhr, Revision.
10. Höhere Töchterschule U.I Donnerstag den 25. Juni, nachmittags 11. Davidsohn'sche Schule: / 6 Uhr, Impfung; Donnerstag den 2. Juli, nachmittags 6 Uhr, Revision.
Jmpslokal: zu 4, 5, 6, 7, 8 und 9 in den betreffenden Schulen;
zu 10 M. 11 im Altstädter RathhauS.
Die vorstehenden Impftermine sind außerdem noch durch Aushaug am Neustädter Rathhause bekannt gemacht.
Den Angehörigen der Erstimpfiinge sind Seitens der hiesigen Königlichen Polizeidirektion Verhaltungsvorschriften für die öffentlichen Impfungen und über die Behandlung der Impflinge während der Entwickelung der Jmpfblattern zugestellt, auf deren Beachtung ich ausdrücklich aufmerksam mache.
Exemplare dieser Verhaltungsvorschriften können außerdem auf Verlangen bei hiesigem Standesamt entgegengenommen werden.
Impfscheine über vollzogene Privatimpfungen sind behufs Eintrags in die Jmpflisten auf dem Standesamt vorzulegen. Nach erfolgtem Eintrag werden dieselben sofort zurückgegebeu.
Hanau am 5. Mai 1896.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus.
Tagesschau.
Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Sitzung dem Entwürfe eines Gesetzes, enthaltend Aenderungen des Gesetzes, betr. die Friedens- Präsenzstärke des deutschen Heeres vom 3. August 1893 die Zustimmung ertheilt. Der Antrag Anhalts, betr. das Verfahren bei Berechnung der in die Liquidationen der Malzsteuer Verwaltungskosten aufzunehmenden Gehaltsdurchschnittssätze und die Vorlage, betreffend den Entwurf von Bestimmungen über den Vollzug von Freiheitsstrafen wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Außerdem wurde über Eingaben Beschluß gefaßt.
Tie freikonservativen Abgg. v. Tzschoppe, Frhr. v. Zedlitz und Neukirch und Gen. haben folgende Interpellation eingebracht: Was gedenkt die Königliche Staatsregierung zu thun, um nach der Ablehnung des Lehrerbesoldungsgesetzes durch das Herrenhaus den beabsichtigten Ausbau des Alterszulagesystems zu Gunsten der Lehrer sobald als möglich herbeizuführen und die Mißstände zu beseitigen, die sich aus dem Manzel einer gesetzlichen Neuregelung der Lehrergehälter ergeben? — Diese Interpellation zur Lehrerbesoldungsfrage kann der Natur der Sache nach keine Einzeldarlegung des von der Regierung weiter zu verfolgenden Operationsplaucs bezwecken; denn es ist klar, daß in dieser Hinsicht bestimmte Entschlüsse noch nicht gefaßt sind und auch nicht wohl gefaßt sein können. Bei der weiteren Verfolgung des Gedankens gesetzlicher Ordnung der Lehrerbesoldungen wird es wesentlich mit darauf ankommen, einen Weg zu finden, welcher auch im Herrenbause zum Ziele führt; und diese Aufgabe ist, wie die Dinge liegen, keine leichte, sondern erheischt lehr sorgfältige Prüfung und Ueberlegung. Worauf es den Interpellanten ankommt, ist, zu konstatiren, daß Regierung und Abgeordnetenhaus an dem Plane gesetzlicher Ordnung der Lehrerbesoldur gen und Gewährung der in dem Beschlusse des Abgeordnetenhauses vorgesehenen Gehaltsverbcsse- rungen für die Lehrer unverrückt festhalten und, vorbehaltlich der Gestaltung mancher Einzelheiten, ihn im Ganzen mit Nachdruck weiter verfolgen werden. In linksliberalen Blättern scheint das Vorgehen der freikouser- vativen Fraktion verstimmt zu haben. Man befürchtet augenscheinlich, daß dabei der jetzt mit großem Fleiß betriebenen Legendenbildung zu Nutz und Frommen des tinksliberalismus durch Klarstellung der bei dem negativen Ausgange vornehmlich treibenden Momente und Richtungen ein rasches Ende bereitet wird. Auf der einen Seite das Gesetz zu Falle bringen, auf der andern sich mit Lehrerfreundlichkeit drapiren und den Konservativen, von denen doch nur eine verhältnißmäßig kleine Gruppe im Herren- Hause sich den Oberbürgermeistern in der Ablehnung a limine angeschlossen hatte, die Schuld in die Schuhe schieben, wird allerdings nach der Besprechung der Interpellation nicht wohl mehr möglich sein. Die Bestimmung beweist daher nur, wie richtig es war, ohne Verzug, und bevor durch Scheiumanöver jenen bekanntlich auch bei den Reichstagsnach- wahlcn .bereits geübten Schwindelkniffen Deckung zu schaffen war, die Initiative in der Sache zu ergreifen.
Ueber einen Zwischenfall, der im preußischen Herrenbause bei der Berathung des Lehrerbesoldungsgesetzes zuge- tragen haben soll, berichtet das „Volk"; „Als Herr Miquel mit erhobener Stimme ausrief: „Die Lehrer haben in dieser Frage einen Grad von Mäßigung und Weisheit gezeigt, der im höchsten Grade anzuerkennen ist," da geschah Unerhörtes; die freisinnigen Bürgermeister der Großstädte brachen in lautes Lachen aus. Da sprang ein auf der Tribüne sitzender Lehrer voller Zorn auf und rief, indem er auf die Linke wies: „Ueber die Noth und den Jammer und die Mäßigung der Lehrer lachen die freisinnigen Herren? Pfui!" — Auf der ganzen Tribüne herrschte eine unbeschreibliche Aufregung über diesen Zwischenfall."
Der Strike in der sozialdemokratischen Genossenschaftsbuch- druckerei in Halle ist beendet. Die Leute haben den „Weltfeiertag" bezahlt erhalten,' haben aber unter dem Drucke der Mißbilligung durch eine Parteiversammlung ihre weitere Forderung, Gewähr der Bezahlung des 1. Mai als tarifmäßigen Feiertags für die Folge fallen lassen. Die Parteiversammlung charakterisirte die Ausbeutung des 1. Mai, dessen Feier eine „ideale" Demonstration sein solle, in egoistischem Interesse als schwere Schädigung der Partei. Die Ausständigen protestirten allerdings gegen