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Preis: Jährlich 9 ^ HalLj.4^50^ Biertelsährüch 2 4 % ^.

Wr auswärtige Abrmnenten mit tem betreffenben Potzaufschlag. Die einzelne Kummer 10 ^.

AmttilHes ^rgan für Staöt- und J$andRreis ^anau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die lipaltige Garmond. eile ober bereit 9k ant

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Ux. 107, Donnerstag den 7. Mai 18W.

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Amtliches.

* Ticnslnachrichten aus dcm Kreise.

> Gefunden: Eine Regulatoruhr. Eine Luftpumpe. Eine gelbe

Uhrkette.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 23 Mk. 96 Pf. \ Hanau am 7. Mai 1896. m*aawmmiWM»^w»-»w«KiiMa<tiM«gM»«witwiiw*i|'*",««l«»l«*l«l»'"l»t»»111»11»^^^^ u»ii i iwriwuii»«gw*w

/ Tagesschau.

Der erste Bürgermeister der Stadt Gnesen, Roll, welcher am Schluffe der dortigen Kochkunstaussullung, als ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht wurde, das Spielen der Nationalhymne verweigerte, wurde von dem Regierungspräsidenten in Bromberg in Disziplinaruntersuchung gezogen und vorläufige Suspension vom Amte verfügt. In­zwischen versucht Bürgermeister Roll selbst die Sache durch eine Erklärung in derGnesener Zeitung" also zu beleuchten:Ick bedauere es lebhaft, daß dieser Vorgang Anlaß gegeben hat, in meinen Patriotismus den leisesten Zweifel zu setzm. Es lag für mich nicht die mindeste Veran­lassung vor, aus Rücksicht auf die Polen die Nationalhymne nicht spielen zu lassen, und war der Beschluß des Komitees ohne jeden Hintergedanken gefaßt worden. Das bedauerliche Vorkommniß ist hauptsächlich der in letzter Minute abgegebenen Erklärung des Herrn Kapellmeister Herold zu­zuschreiben, welcher zunächst erklärt hatte, programmgemäß verfahren zu I wollen. Die plötzliche Weigerung des Herrn Kapellmeisters hat nun eine leicht begreifliche Erregung der Mitglieder des Komitees hervorgerufen und jede ruhige Erwägung zurückgedrängt. Die Mitglieder des Komitees waren an und für sich durch erregte Verhandlungen der letzten Stunden und durch Ueberanstrengung so abgespannt, daß dem übereilten Beschlusse keine beson- / dere Bedeutung beizulegen und in keinem Falle hieraus der Verdacht her­zuleiten sein dürfte, daß dieser Beschluß meinerseits oder seitens der Ko­miteemitglieder einer unpatriotischen Erwägung entsprungen ist." Die Staatsbürger-Zeitung" saßt, wie auch andere Blätter, die Angelegenheit alsVerleugnung des D e u t s ch t h u m s" auf und betont: . . . . Das sind die traurigen Folgen jenerToleranz", die immer nur schwächlichste Rücksichtnahme auf andere predigt, einerToleranz", die uns Deutsche früher der Verachtung anderer Völker preisgegeben hat und die im Deutschen Reiche endlich keinen Platz mehr finden sollte. Zum Kuckuck mit dieser elenden, jammervollen Rücksicht, die das Deutschthum stets zur Magd anderer Völker herabwürdigen will und ihren Ausfluß aus einer traurig knechtischen Gesinnung hat, die jeder Selbstachtung entbehrt. Nun glücklicherweise wird ja in Deutschland diese Gesinnung immer seltener, kommt ja das deutsche Nationalgefühl in immer bewußterer Weise zum Durchbruch; und das erwachende deutsche Nationalbewußtsein wird hoffent­lich auch bald den Rest jener schwächlichen Jammerseelen hinwegfegen, welche ihr Deutschthum am liebsten vor aller Welt verstecken möchten, da- L mit nur ja niemand daran Anstoß nehme."

In den Reihen der Sozialdemokratie herrscht, als Nach­wirkung der so ziemlich überall gründlich verkrachten Maifeier, eine äußerst katzenjämmerliche Stimmung, welche noch verstärkt wird durch die wider olles Erwarten schlechten Geschäfte, welche die französischen Ge­nossen bei den am Sonntag vorgenommenen Gemeindewahlen gemacht haben. Es genügte, daß die Regierung sich aufraffte, sich auf [ ihre Aufgabe, auch wirklich zu regieren, und nicht sich von den demago- gischen Säreiern über den Mund fahren zu lassen, besann, und sofort zeigte es sich, daß die große Mehrheit des Volkes froh war, dem Terroris­mus der Maulhelden und Petroleumapostel zu entrinnen. Die französischen Gemeinderaihswahlen haben abermals gezeigt, daß der Umsturz nur an den großstädtischen Nachläufern einen Rückhalt besitzt. Bei uns wird es schwerlich anders sein. Möchten darum alle, die es angcht, die daraus sich ergebende Nutzanwendung ziehen!

Bei der gestrigen Bürgcrtncistetwahl in Wien waren 136 Gkmeinderälhe anwesend. Gcnählt wurde der chrrstlich-soziale Kandidat Ctrohbach mit 94 Stimmen; der liberale Kandidat Dr. Erübl erhielt 42 Stimmen. Strohbach erklärte unter wiederholtem Beifall die Wahl anzu- nelmtn, um es möglich zu machen, daß die Verwaltung der Stadt von der berufenen Körperschaft geführt wurde. Das persönliche Opfer Luegers erfolgte im Interesse des Volkes. Cr werde Lueger gern den Platz räumen, ^ sobald die Zeit dafür gekommen sein werde. Redner appellirte an die

I Unterstützung und Einigkeit seiner Parrei. Als geborener Deutscher werde er stets den deutschen Charakter Wiens, der gewahrt werden müsse, und als treuer Oesterreicher den Charakter Wiens als Reichshauptstadt vor Augen haben, die als solche ihre volle Unabhängigkeit nach jeder Richtung zu vertheidigen habe. Als Christ werde er in christlichem Sinne wirken, bemüht, dem christlichen Volke die Geltung zu verschaffen, die es nie hätte verlieren sollen. Der Wablakt wird nunmehr an die Statthalterei geleitet behufs Einholung der kaiserlichen Bestätigung. Es ereignete sich kein Zwischenfall.

Eine Konstantinopeler Zuschrift derKöln. Ztg." kommt auf das Mißtrau« n der Altiü'.ken gegen die abendländische Bildung und auf die Bevorzugung der Unbildung in der türkischen Armee zu sprechen. So sollen künftig das Regiment Erthogrul, die Gardes du Corps und die Garde-Ulanen, also die vornehmsten Reitertruppen des türkischen Heeres, nur noch Offiziere aus dem Unteroffizierstande erhalten, genau so wie es jetzt schon mit der Division bestellt ist, die in Dilriz liegt und gum Schutze des Großherrn bestimmt ist. Es äußert sich darin das Mißtrauen gegen alle Elemente, die auf köderen, nach fränkischem Muster eingerichteten An­stalten ausgebildet worden sind. Die Militärschule in Paukaldi und die Medizinschule in Stambul sind ebenso wie die Marine-Akademie der Hof­gesellschaft ein Dorn im Auge, und am liebsten würde man sie ganz unterdrücken. Offiziere und Beamte, die durch den Titel Agha hinter ihrem Namen zu erkennen geben, daß sie die unheimlichen Künste des Lesens und Schreibens nicht kennen, werden durchaus bevorzugt; die Ar­mee umfaßt vom Stobsosfiüer abwärts nicht weniger als 6117 Analpha- beien im Osfizierkorps, und es werden sogar Aerzte und Zahlmeister darunter aufgefübrt. Don einer Verlegung der höheren Schulen aus Kon­stantinopel nach Skutari oder Brussa, wo eine Berührung mit abendlän­dischen Einflüssen weniger zu fürchten ist, war schon wiederholt die Rede, und für die Stimmung der Gewalihaber bietet die Zurückberufung der zu ihrer Ausbildung in Europa weilenden Türken den besten Beweis. Die unzufriedinen Kreise der eigenen moslemitischen Bevölkerung werden mehr gefürchtet als alle Kurden, Armenier, Macedonier und fremden Mächte.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 6. Mai.)

Fortsetzung der Berathung des Margarinegesetzes. Zur Debatte steht zunächst § 6. Nach der Regierungsvorlage soll die Trennung von Margarine und Butter nur in den Produktions-, Aufbewahrungs- und Verpackungsrâumen statifinden. Dagegen sollen für den Detailhandel ge­sonderte Räume für Verkauf, Aufbewahrung rc. von Butter und Margarine nicht erforderlich sein. Die Kommission hat auch für das Feilhalten im Kleinhandel gesonderte Räume für Butter einerseits und Margarine an­dererseits vorgeschrieben.

Ein Antrag Herbert (Soz.) will Wiederherstellung der Regierungs­vorlage. Ein Antrag Schmidt-Warburg will dem § hinzufügen: Wirthe, Konditoren, Bäcker, welche sich der Margarine bedienen, haben dies durch augenfälligen Anschlag in den Geschäftsräumen bezw. auf den Speisezetteln kund zu geben.

Abg. Schmidt-Warburg (Ctr.) ergreift zunächst das Wort, um unter Heiterkeit des Hauses seinen Antrag zu begründen.

Abg. Herbert (Soz.) plaidirt für Wiederherstellung der Vorlage.

Abg. Galler (südd. Vp.) wünscht Streichung des ganzen §.

Direktor im Reichsamt des Innern Schröder spricht gegen den Beschluß der Kommission, namentlich aber gegen den Antrag Schmidt- Warburg.

Abg. Benoit (fr. Der.) bekämpft die Antiâge der Kommission und den des Abg. Schmidt.

Abg. Hilpert (Bauernbündler) empfiehlt warm den Antrag Schmidt.

Geheimralh Kumm betont die Schwierigkeiten der Konti ole, welche der Antrag Schmidt verursacken würde.

Abg. Grat B ernstorff (Welfe) ist für den Beschluß der Kommission.

Abg. v. Plötz (kons.) erklärt sich für die Fassung der Kommission mit dem Anträge § chmidt und legt im Falle der Ablehnung dieser Anträge dem Gesetz wenig Werth bei.

Ebenfalls für den Antrag âi.ßert sich der Abg. Grand-Ry (Ctr.).