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Dienstag den d. Mai
1096.
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Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 39.
Dicnstnachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Auf dem hiesigen Friedhof ein Hohlschlüssel. Eine silberne Damenuhr mit Goldrand. Eine Remontoiruhr. Ein grauer Mantelkragen.
Gefunden: Ein Geldstück. Eine Briefmarke (von der Post).
Hanau am 5. Mai 1896.
JHaMUr^w ^anau« Bekanrrtmachungen des O berbürgermeifteramtes.
Vergebung von Bauarbeiten.
Die zur Erbauung einer Turnhalle für die Knabenschulen erforderlichen Arbeiten und Lieferungen des Rohbaues, nämlich Erd- und Maurer-, Steinmetz , Zimmer-, Dachdecker-, Spengler-, Schlosserarbeiten, sowie die Lieferung von Walzeisen sollen im Submissionsweg vergeben werden.
Pläne, Arbeilsauszug und Bedingungen liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, für Bewerber auf und sind verschlossene Angebote mit der Aufschrift „Maurerarbeit rc., Turnhalle" versehen, bis längstens zum Eröffnungslermin Samstag den 16. Mai d. I», vormittags 11 Uhr, einzureichen.
Etwa erschienene Bewerber können der Eröffnung beiwohnen. Hanau am 2. Mai 1896.
Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.
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Deutschland als Friedenshort.
1870 — 6. Mai. — 1896.
Daß dem deutschen Vaterlande ein glorreicher Reichsfriede beschieden sein möge, das war der Wunsch, mit dem der greise Heldenkaiser am 21. Mai 1871 den deutschen Reichstag eröffnete. Wohl mochte ein solcher Wunsch sein mildes Herz erfüllen, das in drei kurz auf einanderfolgenden Kriegen von dem unendlichen Jammer, den auch ein siegreicher Kampf mit sich bringt, tief verwundet worden war. Und wie ein gütiges Geschick den bescheidenen Herrscher in seinem Alter mit reichen Gaben überschüttet hatte, so erfüllte es ihm auch diesen Herzenswunsch. Als er 17 Jahre nach jener Parlamentseröffnung die müden Augen schloß, da wußte er sein großes Reich inmitten der Segnungen eines sicheren Friedens, als er ihn damals nach der Niederwerfung des Erbfeindes hatte erhoffen dürfen. Fast ein Jahrzehnt ist seitdem vergangen und immer noch erfreut sich das deutsche Volk eines sicheren Friedens. Der emsige Landmann, der rüstige Handwerker, der eifrige Kaufmann, sie alle dürfen in Ruhe ihrem Gewerbe nachgehen, ohne befürchten zu müssen, im nächsten Augenblicke den Pflug, den Hobel oder die Feder mit Flinte und Säbel vertauschen zu müssen.
Wenn dem deutschen Reiche ein Vierteljahrhundert des Friedens vergönnt gewesen ist und wenn das deutsche Volk hoffen darf, auch in's künftige der Segnungen des Friedens theilhaftig zu bleiben, so muß dankbar anerkannt werden, daß die Leiter des Reiches ein ebenso großes Verdienst an der Erhaltung des Friedens sich zuschreiben dürfen, wie sie und ihre Vorgänger es an der ruhmreichen Einigung des Vaterlandes besaßen. Denn cs ist dem deutschen Reiche nicht leicht gemacht worden, in ruhigem Frieden der Förderung der inneren Entwickelung obzuliegen. Der Nachbar im Westen hatte sich rascher von dem schweren Schlage erholt, als man es hatte ahnen können, und mit dem Bewußtsein wiedererlangter Kraft begannen auch Uebermuth und Hochmuth wieder bei ihm einzuziehen. Er vermochte es nicht zu verwinden, daß er sich einem Stärkeren hatte beugen müssen und nannte einen Raub, was doch nur ein mäßiger und gerechter Preis unendlicher Opfer, mühevollen Kampfes und glorreichen Sieges war. Und in dieser Unfähigkeit, sich mit zu Recht bestehenden Thatsachen abzufinden, haben die Franzosen mehr als einmal das deutsche Reich herausgefordert. Aber auch der östliche Nachbar hatte eine weniger freundliche
«iSBr Dir heutige Nummer umsatzt außer dem Uutsrhattungsblatt 12 Seiten.
Stellung zu Deutichland eingenommen. Die gesteigerte Mach!, die ruhige Selbstständigkeit des Reiches, auf dessen Polirik mehr als ein halbes Jahrhundert einen erheblichen Einfluß hatte ausw en dürfen, mochte den Leiter des russischen Staates nicht behagen, die Verstimmung über den Ausgang des Berliner Kongresses von 187 8 kam hinzu. Kurz, die traditionelle Freundschaft Rußlands machte einer gereizten Stimmung Platz, die in mancherlei Unfreundlichkeiten ihren Ausdruck fand. Ferner mochte es der Hochmuth der stammverwandten Nation jenseits des Kanals es nicht gern sehen, daß Deutschland sich unterstand, als Mitbewerber um den Besitz in fremden Erdtheilen aufzutreten und daß der deutsche Handel dem drirsichen Export eine immer empfindlichere Konkurrenz machte, und da Duldsamkeit gegen Andere nie die Energie der Söhne Albtons geschwächt hat, so verschmähte man es nicht, durch kleine Nadelstiche, durch Intriguen, durch Unhöflichkeit die deutsche Geduld auf die Probe zu stellen. Der rasch wieder betgelegte Konflikt mit Spanien wegen der Karolineninseln sei nur der Vollständigkeit wegen erwähnt.
So sehen wir, daß das Staatsschiff an mancher Klippe geschickt vorbeigesteuert werden mußte, um im ruhigen Fahrwasser des Friedens verbleiben zu können. Es ist nicht leicht, von unfreundlich gesinnten Nachbarn umgeben zu sein, um Schwäche und Gereiztheit gleichermaßen zu vermeiden. Mit großem Takt, mit Klugheit und mit Würde haben die deutschen Herrscher und ihre leitenden Staatsmänner es verstanden, das Ansehen des Reiches zu erhalten und zu er-öhen, ohne an das Schwert appeüiren zu müssen. Ja, das deutsche Reich hat nickt nur sich selbst den Frieden zu erhalten vermocht, es hat auch, ohne sich etwa als berufsmäßiger Friedensstifter aufzuspielen, doch immer im Sinne des Friedens gewi'kt, es hat sogar den schönen, friedlichen Triumph davongetragen, in hervorragender Weise dazu beitragen zu dürfen, daß Oesterreich und Italien, seit unvordenklichen Zeiten verfeindet, sich nicht nur aussâonten sondern zur Wahrung des Friedens Europas einen Friedensbund schlossen.
Dieser stolze Erfolg der deutschen Friedensvolirik ist ebenso den allgemein deutschen Charaktereigenthümlichkeiten der Maßballigkeit und Gerechtigkeit zu verdanken, wie der imponirenden deutschen Wehrmacht. Nur der Starke darf gelassen und selbst nachgiebig sein, ohne an Ansehen zu verlieren. Wie groß dieses Ansehen Deutschlands ist, das zeigt sich daran, daß auch unser alter Gegner Frankreich sich genöthigt sieht, bei internationalen Fragen auf die Stellung, die Deutschland dazu einnimmt, Rücksicht zu nehmen. Das schwere Geschütz, das Herr Berthelot bei dem Auftauchen, der Dongolafrage gegen England aufgefahren hatte, begnügte sich mit einer Rückzugs kanonaoe, als Deutschland in dieser Frage auf Englands Seite trat. Co übt die Politik Deutschlands auf die Weltpolitik einen bestimmenden Einfluß aus, nicht etwa durch ein geflissentliches Hervorkehren der deutschen Macht, sondern durch das natürliche Schwergericht, das diese Macht ausübt.
Ein leuchtendes Beispiel ehrlicher Friedensliebe ist Deutschland den Völkern Europas in diesen 25 Jahren gewesen. Der Lohn für die Politik weißer Mäßigung und strenger Gerechtigkeit liegt in dem ungewohnten Aufschwung, den das deutsche Gewerbe unter dem Schutze der mächtigen deutschen Flagge und in gesichertem Frieden nehmen konnte. Möge es unserm geliebten Vaterlande auch fernerhin vergönnt sein, in friedlichem Wettbewerb mit anderen Nationen um die Palme des Sieges zu ringen.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 4. Mai.)
Der Reichstag erledigte heute die Interpellation des Abg. Auer (sozd.) und Genossen wegen der Verhaftung des Abg. Bueb (sozd.) in Mülhausen i. E.
In der Begründung der Interpellation betont Abg. Stadthagen (sozd.), daß ein Grund zur Verhaftung überhaupt nicht vorgelegen habe. Die Polizeibehörde sei offenbar nur durch das aus Anlaß der Gemeindewahlen ver breitete Flugblatt, das aber so harmlos als möglich gewesen sei, aufgeregt worden.
Staatssekretär Nieberding führt aus, das betreffende Flugblatt enthalte die Worte: Die Armuth sei durch Gesetz für eine Schande er-