Einzelbild herunterladen
 

UMes Blatt.

A-mmements- Preis: Jährlich 9 ^ Halbj.4^50^ Vierteljährlich 2 «M 25 ^.

Wr auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Poftaufschlag. Die einzelne Kummer 10 ^.

fflttnautr Alt} tiger.

Zugleich

Amtttches g>rgan für Stcröt- und Lcrrrökrreis Kanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

JrrsertionS- Prcis :

Die lipahige @armonb:ei!e oder deren Rcum 10 A, die r^jp. Zeile 15 die 2foa[t Zeile 20 die SipalL Zeile 30 4, imReklamenthcil die Ifpalt. Zeile 20 4 netto.

^ 100

Äiittwoch dm 29. Avril

189b.

ÄWUlt-Hes

Dienstuachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Leihhausschein Nr. 14050. Eine Quittungskarte Nr. 2 für den Schneider Daniel Lertrloth aus Hahn. Ein Brief an Wilhelm Wörner (Kasper Wilhelms Sohn). Verschiedene Papiere mit Adresse: An Karl Heinrich Wilhelm Storck. Ein BuchLehrgang der englischen Sprache für Handelsschulen". Ein gelber Manschettenknopf mit Mechanik.

Verloren: Ein Sparkassenbuch Nr. 27a.

Hanau am 29. April 1896.

^taMHröiö ^mtmx.

Vekanntmachnngen des Oberbürgermeisteramtes.

Nächsten Samstag den 2. Mai b. I., nachmittags 3 sollen im unteren Raum der Kanalthormühle

14 Hausen altes Bauholz, einige alte Oefeu und Eisentheile öffentlich verkauft werden.

Hanau am 24. April 1896.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebefchns.

Uhr,

r « s e s s ch a N.

Unter den Allerhöchsten Gnadenerlaß vom 18. Januar ds. Js. sind gefallen: Strafurlheile wegen Vergehen 36,938, Strafurtheile wegen Uebertretungen 22,755, zusammen 59,693 Etrafurtheile; Straf­befehle wegen Vergehen 8924, Strafbefehle wegen Uebertretungen 17,143, zusammen 26,667 Strafbefehle. Hinsichtlich der Strafe und der rückstän­digen Kosten sind begnadigt worden: in Vergehenssachen 53,255, wegen Ueber tretungssachen 58,056 Personen. Endlich sind 43,000 Verurtheilten lediglich die Kosten des Verfahrens ganz oder theilweise erlassen worden.

Tie Kommission für Arbeiterstatistik trat gestern unter dem

Vorsitz des Unlerstaatssckretârs Lohmann zusammen. Als Kommissare des Reichskanzlers wohnten der Geheime Ober-Regierungsrath Dr. Wilhelmi, der Regierungsrath Dr. Wutzdorff und der Regierungsrath-Assefsor Koch, als Kommissare des Königlich preußischen Ministers für Handel und Ge­werbe der Regierungs- und Gewerberath Dr. Sprenger, der Regierungs- Assessor von Meyeren und der Vorsitzende des hiesigen Gewerbcgerichts, - Magistrats-Assessor von Schulz den Verhandlungen bei. Die Tagesord­nung betrifft die Vornahme mündlicher Vernehmungen von Austunftsper- sonen über die Verhältnisse in der Wäsche-Fabrikation (Herstellung ge­stärkter Wäsche) und in der Wäsche-Konfektion (Herstellung ungestärkter Wäsche). Für die Wäsche-Fabrikation sind Auskunftspersonen geladen aus Berlin, Bieleield, Gadderbaum bei Bielefeld, Aue im Königreich Sachsen und hiebei pranneiiftiel bei Aue, für die Wäschekonfektion aus Berlin, Bre-lau, Köln a. Rh. und München. Unter den Auskunfrspersonen be­finden sich Unternetmer, sogenannte Zwischeumeister und Zwischenmeistc- H rinnen, sowie Arbeiter und Arbeiterinnen, Geladen sind 32 Auskunsts- F Personen, deren Vernehmung voraussichtlich drei Tage in Anspruch nehmen â wird. Ueber die Verwhmungcn wird stenographiich Protokoll geführt.

L ^n der vorgestrigen Sitzung des englischen Unterhauses nahm j Curzon Namens der Regierung Veranlassung, das Publikum wegen der

Natur der russisch-chinesischen Beziehungen zu be­ruhigen. Er erklärte, die britische Regierung sei vom russischeil Botschafter von Staal tat in unterrichtet worden, daß die von einigen Blättern ver­breitete Nachricht von einem geheimen Vertrag zwischen Rußland und China, durch welchen China einen großen Theil seines Gebietes an Ruß­land abtreten solle, vollständig unbegründet ist. Unberührt durch diese Feststellung aber bleibt die ThetsMe, daß der berühmte chinesische Staats­mann Li-HungTchang als Vertreter Chinas den Moskauer Krönungs- . feierlichkeilen beiwohnt^ und daß seine beschleunigte Ankunft in St. Peters­burg Li-Hung-Tschang nebst Gefolge hat gestern Vormittag von ONssa aus mittelst Expreßzug die Ruse nach St. Petersburg fortgesetzt als Symptom gedeutet wird, daß seine Sendung nicht blos repräsentative :

HM- Die heutLqe tumaw ^mfatzt s»«tz-xv dem UnierWtimgäMati 12 Seiten.

Zwecke versolge. Diele Annahme erhält weiteres Relief durch die Mel­dung der Ostasiat. Korresp., daß der chinesische Gesandte Hsu heute von Berlin nach St. Petersburg abreisen werde.

Die Münchener Allg. Ztg. veröffentlicht ein Gespräch ihres St. Petersburger Korrespondenten mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten Stoilow inbetreff der Gerüchte über die angeblichen Absichten Rußlands mit Bulgarien. Herr Stoilow erging sich eigentlich nur in Dementis. Die bulgarische Schismafraze könne als bei­gelegt betrachtet werden. Die Wiedereinstellung ehemaliger bulgarischer Offiziere sei von der ruffischen Regierung als solcher niemals in Anregung gebracht worden. Eine Militärtoi veniion sei von Bulgarien ebensowenig mit der Türkei wie mit Rußland abgeschlossen worden, auch sei von Nie­mandem ein derartiges Ansinnen gestellt. Ebensowenig sei bisher von der Ueberlassung irgend w-lcker Plätze an Rußland die Rede gewesen.

Auf Madagaskar scheint es nicht besonders gut zu gehen. Sol­datenbriefe aus Tananarivo schildern die Lage der dortigen Besatzungs­truppen in den düstersten Farben. Sie haben schon lange kein Brod mehr, sondern nur noch schlechten Zwieback oder Reiskuchen ; auch keinen Wein. Das Fleisch ist spärlich und schleckt. Der Postdienst soll ebenfalls schlecht bestellt sein, und an alle dem ist der Mangel an Trägern schuld; denn in Tamarave sollen Mundvorräthe, Wein und auch Kisten mit stärkenden Mitteln aufgespeichert sein. Rochefort malt schwarz in schwarz, indem er schreibt:Wenn die Hovas die Eroberer jetzt angreifen wollten, so würden sie nur noch Schatten vorfinden, die sich leicht umblasen ließen. Da Cavaignac einstweilen noch Kriegsminister ist, so sollte er dem Laude einen letzten Dienst erweisen und alle Militär-Intendanten, die für den Truppenproviant zu sorgen haben, verhaften lassen. Dann würde man vielleicht erfahren, wo das Mehl hinkommt." Soweit Rochefort. Daß die französische Intendantur nicht auf der Höhe steht, ist von den franzö­sischen miftitärischeu Berichterstattern bei Gelegenheit der letzten Manöver genugsam festgeftellt worden. Aber hinter den Intendanten immer gleich Strauchdiebe und Galgenvögel wittern, das bringt nur ein Roche­fort fertig.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung Dom 28. April.)

Ter Reichstag begann heute die zweite Lesung des Börsengesetzes. Zu § 1, der von der Aufsicht der Börsen handelt, beantragt Abg. Graf Kanitz (kons) auch der Landwirthschaft und der Müllerei in den Vor­ständen der Produktenbörsen eine Vertretung zu geben. Staate minister v. Bötticher erklärt, daß die Regierung dem Anträge nicht wider­sprechen wolle. Abg. Graf Or iola (nar. lib.) ist mit der Tendenz des Antrages einverstanden; ein Theil seiner Freunde halte aber den Antrag für überflüssig, weil nach § 4 die Aufnahme bestimmter Vorschriften in die Börsenordnung angeordnet werden könne. Abg. Barrh (frs. Ver.) hält das Mißtrauen gegen die Produktenbörsen für ungerechtfertigt und ist daher gegen den Antrag Kanitz. Abg. Lieb erm a nn v. S onne nbe r g (dtschsoz. Resp.) betont, daß seine Freunde für alle Verschärfungen der Vorlage stimmen würden. Abg. Fritzen (Centr.) hält den Antrag Kanitz mit Rücksicht auf § 4 für überflüssig und erklärt, daß seine Partei alle Kowmisfionsbeschlüsse annelinen werde mit der einzigen Ausnahme, daß sie das Verlor des Terminbandels in Gerreite verlange. Abg. Gras Arnim (Reichsp.) meint, daß das Mißvauen gegen die Börse nicht so ungerechtfertigt sei. Abg. Hahn (b. k. F:)'bemerkt, daß Fälle wie Ritter und Blumenfeld, Cohn und Rosenberg rc. den moralischen Standpunkt der Produktenbörse kennzeichneten. Staalsminister v. B ö k t i ch e r hebt hervor, daß der Antrag Kanitz eigentlich zu § 4 gehöre. Abg. Graf Kanitz (kons.) zielt hier seinen Antrag zurück, um ihn zu $ 4 zu stellen. § 1 wird nun unverändert angenommen. In § 2 gibt die Kommission dem Etaatslommissar die Berechtigung, die Börsenorgane auf Mißbrâume auf­merksam zu machen. Abg, Graf Kanitz (kons.) hingegen beantiag-, den Staatskomu issor zu berechtigen, den Berathungen der Börsenorgane bei- zuwohnen und den Börsenoorstand zur Beseitigung von Mißbräuchen aus- zusordern. Abg. Traeger (frs. Volksp.) hält den Staotstommissar für