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Dienstag dm 28. April
189b.
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Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 37..
Anstriches.
^f-aOtBr^i^ Rattan.
Bekauntwachungen des LherbürgermeifteramLes.
Nächsten Samstag den 2» Mai d. I., nachmittags 3 Uhr, sollen im unteren Raum der Kanalthormühle
14 Haufen altes Bauholz, einige alte Oefen und Eisentheile öffentlich verkauft werden.
Hanau am 24. April 1896.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebefchus.
Sielbau Hanau.
Lieferung von Sand und Kies.
Für die diesjährigen Sielbauten soll die Lieferung von ca. 500 cbm durchgeworfenen Kies und
,, 200 „ reinen scharfkörnigen Sand im Wege der Preis-Konkurrenz vergcben werden.
Reflektanten werden ersucht, Preisangebote mit größeren Proben innerhalb 8 Tagen bei dem städtischen Sielbaubüreau, Kanalthormühle, einzureichen, woselbst auch nähere Auskunft ertheilt wird. Die Preise find zu notiren auf Lieferung frei Baustelle an der Kanalthormühle Hanau.
Hanau am 27. April 1896.
Städtisches Sielbaubüreau.
Das rothe Gespenst in Frankreich und die auswärtige Politik.
,,On ne s’allie pas avec un cadavre“ soll Napoleon III. hoch- müthig gesagt haben, als ihm kurz nach dem Kriege von 1866 eine Allianz mit Oesterreich in Vorschlag gebracht wurde. Und aber über ein Kleines lag das französische Kaiserthum todt am Boden und das französische Reich hatte eine schwere Wunde empfangen, während Oesterreich sich zu erholen begann. Der kalte Rechner auf dem französischen Throne hatte bei seiner hochmüthigen Aeußerung eben einen wichtigen Faktor nicht berücksichtigt; daß nämlich Oesterreich in seinem buntscheckigen Gemisch von Nationalitäten zwar hinter dem national-einheitlichen Frankreich zurückstand, daß es aber vor Frankreich das Faktum einer seit Jahrhunderten an der Spitze des Landes stehenden, festgegründeten Dynastie voraus hatte.
Der Mangel einer fallen festen, von den Parteikämpfen nicht erreichbaren Spitze, hat eben jetzt wieder die innere französifche Politik in eine Verwirrung gebracht, die auch für die äußere Politik Frankreichs und damit für die allgemeine europäische Situation nicht ohne Bedeutung ist. Wir wollen nicht sagen, daß ein Staat nothwendig der Monarchie bedarf, um nach innen und außen gefestigt zu sein, aber für ein Volk von dem rasch wechselnden, leidenschaftlichen, unruhigen Temperament der Franzosen ist es ein besonders schwerer Uebelstand, daß es nicht einen König Karl besitzt, der am Steuer sitzt und kein Wort spricht und das Schiff zum sicheren Port leitet, unbekümmert uu: den Sturm von außen und das Geschrei der Bootsinsassen. Statt dieser festen Leitung sich zu erfreuen, wird das Land von einem Präsidenten „regiert", dessen Ansehen und Bedeutung ständig im Sinken begriffen sind. Und wie von diesem VertheidiguNgswerke gegen die Angriffe zügellosen Demagogenthums das Mauerwerk mit beängstigender Raschheit abbröckelt, so droht auch das zweite Bollwerk gemäßigten republikanitchen Regiments, der Senat, unter der Maulwurssarbeit der radikalen Wühler zusammenzubrechen. So nähert sich das rothe Gespenst wieder dem Lande, in dem es schon so ost zu Gaste gewesen ist.
Daß aber die sich rasch steigernde Unsicherheit der inneren Verhältnisse Frankreichs auf die auswärtige Politik des Landes zurückwirken muß, versteht sich von selbst. Vor allem muß das Bündniß mit Rußland —
IM- Die h-ntigr Gummis umfatzt archer d-M NutrrhattungsbLatt 12 Seiten.
nicht das Faktum, aber die Bedeurung dieses Bündnisses — darunter leiden. Man kann an sich das Bündniß eines absoluten Staates mit einer Republik nicht io ungeheuerlich finden. Die Sentiments haben in der äußeren Politik seit Jahrhunderten keine große Rolle gespielt und sie haben in diesem nüchternen 19. Jadrhundert an Macht vollends verloren. Aber eins muß doch bei jedem Bündniß Voraussetzung sein: daß jeder Verbündete weiß, an wen er sich wegen der stnnehalnrng des Bündnisses halten kann. Nun ist in Frankreich die Stetigkeit der Leitung und damit der Verantwortlichkeit immer geringer geworden. Zwar die Ministerien wechselten schon vom Beginne der dritten Rtpublik an in einem zauberhaft raschen Tempo, aber den Präsidenten wurde doch wenigstens eine gewisse Seßhaftigkeit gegönnt. In den ersten 22 Jahren der französischen Republik waren Thiers, Mac Mahon, Grevy und Carnot Präsidenten, also
4 an der Zahl. Seit der Ermordung Carnots, also seit noch wcht zwei Jabren, besitzt aber Frankreich den zweiten Präsidenten und wenn Präsident Faure, was ihm bei den unwürdigen Angriffen, mit denen er von rechts und links beehrt wird, niemand verübeln könnte, binnen kurzem auf sein dornenvolles Amt verzichten sollte, so wurde Frankreich, wenn man Carnot, der erst Ende Juni ermordet wurde, hinzurechnet, in zwei Jahren vier Präsidenten gehabt haben. Ganz abgesehen aber von de n raschen Wechsel des Präsidiums, alio von der Veränderung der Person des Staatsleiters, ist in Frankreich ein sehr rascher Wandel der Regierungs sorm sehr wohl möglich. Auch der kühnste Prophet wird nicht vorauèzusagen wagen, ob Frankreich sich in drei Jahren der Anarchie, der republikanischen Staats- form, der Diktatur oder des Imperialismus zu erfreuen haben wird. Diese Unsicherheit in der obersten Leitung muß den Werth, den Rußland dem Bündnisse beim essen kann, stark Herobmindern. Denn wenn auch, welches immer die Staatsleitung in Frankreich sein möge, an dem Prinzip des so populären Bündnisses mit Rußland festgehalten werden wird, so können sich doch über gemeinsame Aktionen, also über die praktische Durchführung des Bündnisses immer nur Personen verständigen. Wenn aber diese Personen rasch wechseln, erleidet die — wir möchten sagen: Manövrirfähigkeit des Bündnisses einen heillosen Stoß. Darüber muß man sich in Rußland klar sein, und deshalb wird man zwar zunächst an dem Bündnisse im Prinzip scsthalten, aber man wird auch klug genug sein, sich nicht so eng zu verstricken, daß man sich nicht schlimmsten Falles durch einen kräftigen Fußstoß von dem werthen Verbündeten frei machen könnte, diesem allein das über Bord Fallen überlassend.
Es ist ein für Frankreich fataler Zufall, daß die böse innere Krisis gerade in die Zeit der russischen Kaiserkrönung fällt. Der Pomp und der Glanz, den Frankreich's Vertreter bei diesem Feste entwickeln werden, werden den russischen Kaiser und sein Volk nicht darüber hinwegtäuschen können, daß sich unter dem schimmernden Gewände ein ungesunver Leib verbirgt. Und so wird die Artigkeit, mit der den Franzosen seitens der russischen leitenden Persönlichkeiten begegnet werden wird, säum mehr an die stürmische gegenseitige Begeisterung der Tage von Kronstadt und Toulon erinnern. Den mitteleuropäischen Staawn aber kann es nur erwünscht sein, wenn Rußland dem französischen Bündniß einen geminderten Werth beimißt; es wird dann um so mehr zur Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Deutschland und Oesterreich geneigt sein.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 27. April.)
Der Reichstag erledigte heute Wahlprüfungen. Die Wahl des Abg. Pöhlmann (Reichsp.) beantragt die Kommission für ungiltig zu erklären. Die Akten über die Wahl sollen dem Reichskanzler zur Kenntnißnahme und weiteren Veranlassung vorgelegt werden. Adg. Guerber (Elsässer) führt aus, daß die Kandidatur Pöhlmanns eine offizielle gewesen sei, und daß große amtliche Beeinflussungen durch Bürgermeister zu Gunsten dieser Kandidatur stattgefunden hätten. Staaksminifter v. Bötticher betont, daß es bei uns offizielle Kandidaturen gar nicht gebe. Bei den Zeugenvernehmungen, zu welchen die Wahlproteste Anlaß gegeben hätten, habe die Regierung ein durchaus korrektes Verfahren eingefchlagen, lediglich in der Absicht, die I Wahrheit zu erforschen. Abg. Gamp (Reichsp.) betont, daß selten Wahl-