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Postauffchlag.

Die einzelne Nummer 10 ^.

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Zugleich

ArntticHes g)rgan für SLcröL- itnö Landkreis Kanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

JuserürmS- Preis:

Die ifpaltige ®rmnonb:tt!e oder deren Raum^ 10 A die P'iip. Zeile 15 ^, die 2s palt. Zeile 20 die 3spalt. Zeile 30 4, imReilamentheil die Ispalt. Zelle 20 4 netto.

Nr. 98. Montag den 27. Apnl -8^6.

âLülLcheK.

Dicilstnachrichtcil aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Spemann's Zeichenheft für Franz Michel. Eine Peitsche. Ein Henkelkorb (in einem Laden stehen geblieben). Ein gelber Kinderhandschuh. Ein Taschenmesser. Ein geblümtes Taschentuch. Ein Regenschirm.

Verloren: Ein Gebund Schlüssel. Eine goldne Damenuhr mit schwarzem Kettchen. Ein Leihhausschein Nr. 1747.

Zugelaufen: Ein Foxterrier m. Geschl.

Hanau am 27. April 1896.

j^taöt&reie 4^tnau.

Bekanntmachungen des Oherbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Wegen Reinigung und Durchströmung der Stadtgräben werden die­selben am Montag den 4. Mai ds. Zs. während des ganzen Tages ab- gelassen sein.

Ich mache Interessenten mit dem Hinzufügen darauf aufmerksam, daß dies Ablassen während des ganzen Sommers an jedem ersten Montag eines Monats bis zum Spätherbst stattfinden wird.

Hanau am 23. April 1896.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus.

Das Reservelieutenants Zeitalter.

Der Abgeordnete für Straßburg, Herr August Bebel, hat sich im Reichstage überba5 Reservelieutenants-Zeitalter" beklagt. Von seinem Standpunkt aus mit vollem Recht. Mit jeder Erweiterung des Heeres dringt der Reservelieutenant weiter in Volksschichten ein, in denen er ehe­dem nicht oder nur ausnahmsweise vorhanden war, und mit dem Reserve­lieutenant ein starkes Element monarchischer, staatserhaltender Gesinnung. Das ist allerdings sehr gegen Wunsch und Rechnung der Sozialdemokratie. Ursprünglich gehörte der Landwehroffizier nur einem engeren Kreise der Bevölkerung an. Die Heeressrganisatio« von 1860, die Erwerbung der neuen Provinzen im Jahre 1866, die Ausdehnung der preußischen Heeres­einrichtungen auf ganz Deutschland, die Rücknahme von Elsaß-Lothringen haben die Institution, die ehedem dem kleinen Preußen von 18 Millionen eigenthümlich war, auf 50 Millionen Deutsche ausgedehnt, von 400 000 Mann Kriegsstärke auf etwa 3 Millionen. Damit hat, wie die Armee selbst, so auch die Institution des Reserveoffiziers, welche die anderen kon­tinentalen Armeen uns seitdem nachzubilden versucht haben, für die ganze Nation eine wesentlich erweiterte Bedeutung gewonnen. Die Gesinnung»«, von denen das Heer getragen wird, strahlen durch den Reserveoffizier in immer weiteren Verzweigungen durch alle Theile und Schichten des großen Reichskörpers aus. In dieser Thatsache ist, ohne gewisse daran haftende Auswüchse zu übersehen, ein großer Segen zu erkennen. Was andere Völker, was Franzosen und Engländer vor uns Deutschen voraus hatten, das Bewußtsein, einem großen und mächtigen Volke anzugehören, und ein an diesem Gedanken sich entzündendes starkes Vaterlandsgefühl ist wesentlich dmch die Institution des Reserveoffiziers auch in Deutschland das Gemeingut größerer Schichten geworden, unter immer engerer Ver­knüpfung des Bandes zwischen Volk und Heer.

Wohlstand und Bildungsstand haben im deutschen Volke in den letzten dreißig Jahren einen gewaltigen Aufschwung genommen. Der wachsende Wohlstand entspricht dem mächtigen Aufschwünge des Handels seit der Aufrichtung des deutschen Reiches, den Aufschwung der Industrie verdanken wir der staatsklugen, weitaus blickenden Förderung, die ihr durch den Fürsten Bismarck zu Theil ward. Mit dem Wohlstände ist das Bildungsbedürfniß und mit diesem der Bildungsstand gewachsen und dieser wiederum hat zu einer ungleich engeren Annäherung der einzelnen Stände, der sozialen Schichten der Nation geführt, als dies früher der Fall war. Mag man es Kulturfortschritt, mag man es Demokratisirung der Gesell-

scyafi nennen, die Thatsache bleibt bestehen, daß der Mann von Erziehung und Bildung heute in unvergleichlich größerer Zahl aus den unbemittelten, mühsam mit dem Leben ringenden Volksklassen hervorgeht. Zahlreiche kleine Beamte, Handwerker, selbst besser gestellte Arbeiter lassen nicht selten wenigstens einem Sohne einen wissenschaftlichen oder technischen Unterricht zu Theil werden, der ihn zur höheren Beamtenlaufbahn, zur Ergreifung eines wissenschaftlichen oder eines technischen Berufes als Ingenieur u. s. w. befähigt. Die jungen Lerne dienen als Einjährig-Freiwillige, ein nicht geringer Bruchtheil von ihnen wird Reserveoffizier. Als solcher treten sie mit den Klassen, aus denen das Offizierkorps des stehenden Heeres sich vorzugsweise ergänzt, in engere und ebenbürtige Beziehungen und vermittel« so, fast mehr als in ihrem bürgerlichen Beruf, eine Annäherung der Stände in einem Umfange, wie wir ihn früher nicht gekannt haben. Diese Eben­bürtigkeit ist aber nicht nur eine Ebenbürtigkeit des Ranges, der Uniform, sondern in erster Linie eine Ebenbürtigkeit der Gesinnung, der berufsmäßige« Tüchtigkeit, des moralischen Gehalts. Der große soziale und politische Ein­fluß, den die Armee auf die Nation ausübt, tritt darin deutlich zu Tage, die Armee trägt auf diesem Wege das Gefühl für König und Vaterland rückwirkend in Kreise hinein, die ihm sonst gleichgiltig, nicht selten abge­neigt gegenüberstanden. Als ein solch mächtiges Band von großartiger Wirkung bat die Institution des einjährig freiwilligen Dienstes und des Reserveoffiziers sich namentlich in den neuen Provinzen, in Hannover, Schleswig-Holstein, Hessen Nassau und Frankfurt am Main bewährt, sie zeigt auch im Elsaß bereits unverkennbare Spuren. Mochten b:e Familien in Hannover, Nassau und Frankfurt der preußischen Einverleibung auch noch so unsympathisch gegenüber stehen, sobald der Sohn als Reseiveoffizier in die Gemeinsamkeit der Pflicht und Ehre des Heeres ausgenommen war, begannen die Antipathien zu schwinden, denn es trat damit eine der stärksten und achtunggebietendsten Seiten des preußischen Staates in den Kreis und in das Herz der Familie ein.

Nein, Herr Bebel, wir wollen in Deutschland das Zeitalter des Reserveoffiziers segnen und die Institution hoch in Ehren erhalten, auf der in nicht geringem Grade die Hoffnung und die Gewähr unserer nationalen Zukunft beruht. Die Auswüchse, die das Duellwesen oder -Unwesen auch nach dieser Richtung gezeitigt hat, find nur eine Begleiterscheinung, die sich leicht beseitigen oder doch mildern läßt, sobald in dieser Beziehung im Heere andere Einrichtungen platzgreifen und ihre Wirksamkeit äußern wer­den. Der Zweikampf wird als ultima ratio schwierigster Verhältnisse in unserem wehrhaften Volke vielleicht nie ganz aus der Welt zu schaffen sei«, aber die Ausartung, das Duell um Nichtigkeiten oder auf Spekula­tion läßt sich bannen, und dazu müssen alle mithelsen, denen an dem Ge­deihen Deutschlands irgend gelegen ist. DasZeitalter der Reserve- lieutenants" wird sich auch dabei von Werth und Nutzen erweisen, weil es das Interesse an der Beseitigung derartiger Auswüchse zu einem gleich­mäßigen in vielen Tausenden von Familien macht. Wir hoffen, daß der deutsche Reserveoffizier immer noch hoch in Ehren stehen wird als Träger monarchischer und vaterländischer Gesinnung, wenn die Geschichte über Herrn Bebel und die von ihm vertretenen Bestrebungen einmal längst zur Tagesordnung übergegangen ist.

Setzen wir an den Schluß dieser Betrachtung die Worte, die der berühmteste Landwehrliemenant des deutschen Heeres, Otto v. Bismarck, am 26. März vorigen Jahres vor seinem Einige aussprach:

, Das Beste in mir und meiner Lebensbethätigung ist immer der preußische Offizier gewesen. Wäre ich der nicht gewesen, ich weiß nicht, ob ich ganz in dieselben richtigen Bahnen verfallen wäre! Aber der Landwehroffizier des 9. Regiments ist für mich der Wegweiser gewesen, der mich Anno 48 von Hause aus in die richtige« Bahnen geworfen hat, das heißt in die Bahnen der Anhänglichkeit an unser regierendes Haus im Hinblick auf andere Länder, die diesen Vorteil des regierenden Hauß s überhaupt nicht besaßen.

Diese Worte spiegeln die große Bedeutung des Reserve- und Land­wehroffiziers für unsere ganze nationale Existenz in monumentaler Dar­stellung wider, sie werden der Grund- und Eckstein der Institution bleiben, so lange es ein Deutschland und ein deutsches Heer gibt.