Erstes Blatt.
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Str 94.
Mittwoch den 22. April
1896.
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 35.
Amtliches.
Dicnstnllchlichtcn aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Brille von Nickelgestell mit Futteral.
Verloren: Von Langenselbold bis Mainkur ein Sack mit Hafer nebst Pferdedecke.
Hanau am 22. April 1896.
^taöt&reis ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Die städtische Besitzung Johanniskirchplatz Nr. 1 — Knabenmittel- und Knabenvoltsschule — soll im Lause des Monats Juli an das Straßensiel angeschloffeu werden.
Pläne, Arbeitsauszug und Bedingungen liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, für Bewerber auf und sind verschlossene Angebote mit der Aufschrift „Angebot auf Entwässerung Johanniskirchplatz Rr. I" zu versehen und bis längstens zum Eröffnungstermin Samstag den 9. Mai d. I., vormittags 11 Uhr, einzureichen.
Etwa erschienene Bewerber können der Eröffnung beiwohnen.
Hanau am 20. April 1896.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Drittes Konzert des Oratorien-Vereins.
„Das Oratorium hat das menschlich Hohe, Edle und Große zum Inhalt", sagt Justus Thibaut, der berühmte Rechtsgelehrte und Musik- kenner in seiner Schrift „Ueber Reinheit der Tonkunst". Georg Friedrich Händel, der eigentliche Begründer und Haupt, epräsentant des Oratoriums im großen Stile, ist, neben Bach, auch der Wahrer der edelsten und klassischsten Form dieser erhabenen Kunstgattung geblieben. Die Hauptwerke des Meisters, sein gewaltiger „Messias", sein „Samson", sein „Alexanderfest" mit ihren unvergleichlichen Chören und tiefempfundenen Arien stehen da wie eherne Säulen, der Ewigkeit trotzend. Das Oratorium „Josua", das der Hanauer Oratorien Verein gestern zu woblgelungcner, anerken- nenswerth abgerundeter Aufführung brachte, gehört nicht zu den vollendetsten Meisterwerken Händels. Diesem Oratorium hängt noch zu Diel von der alten Oper an, noch so Manches, das ein modernes Ohr störend berührt: die endlosen Rezilalive, aufgebauschten Koloraturen und zu häufigen Kadenzen. Trotzdem enthält auch dieses Werk Einzelnes von wunderbarer Schönheit. Wir erinnern nur an den mächtigen Chor im zweiten Theil „Glorreich ist Gott", und an die geradezu weltberühmte Arie des Kaleb : „Soll ich auf Mamre's Fruchtgefild" im dritten Theil. Ueberhaupt erhebt sich der zweite und dritte Theil weit über den in konventionellen Formen gehaltenen ersten Theil des Werkes, und wir finden hierin Arien und Chöre, die sich zu einer musikalischen Größe, zu einer Gluth der Begeisterung erheben, wie sie nur den Meisterwerken Händel's innewohnt, und dem Werke heute noch, nach nahezu 150 Jahren seit der Schöpfung desselben, die wärmste Aufnahme seitens des Publikums sichern. Es mischen sich bei Anhören dieses Oratoriums mit dem wunderbaren und tiefen Eindruck die Gefühle des Tankes, denen der Dichter begeisterten Ausdruck verleiht: „Ihm aber Preis, dem Höchsten auf dem Throne, der uns erhebt in diesem Erdensohne!
Das eminent schwierige Werk war ganz vorzüglich einstudirt und der Dirigent, Herr Dr. Frank L. Lim dert, füllte seine. Orchester- und Chortruppen „durch ma> che Klippe und Gefahr zn fröhlichem (Lieg". Ganz besonderes Lob gebührt dem Chore, der in diesem Werk ganz eminente Schwierigkeiten, wie die im echten Zopsstiel gehaltene Kadenzen zu überwinden hat. Als Glanzleistungen des Chores nennen wir das mächtige „Glorreich ist Golt", ferner' den Chor „Wie bald schwand unsere Hcffnung", dann den hinreißenden Chor „Heil mvcht'ger Josua" und das Reizende „Seht den Heldcujüngling nah'n". Den Solisten wird in diesem
WU- Lie hrvtige Summer vmsatzt 61
Werke eine ganz besonders schwierige Aufgabe zu Theil. Tie Tenor- parthie (Josua) lag in den Händen des Herrn Nicola Ziertet aus Mainz, der über ein kräftiges und modulationssâhiges Organ verfügt. Die Arie „Soll ich auf Mamre's Fruchigifild" trug der Künstler mit warmem Empfinden vor. Von männlicher Kraft und künstlerisch durchdacht war die Ausführung der keineswegs leichten Baßparthie (Kaleb), vertreten durch unseren heimischen Künstler Herrn F. Waß mut h, die demselben reichen wohlverdienten Beifall eintrug. Eine vorzügliche Leistung bot Frl. Elisabeth Bode, die die ropranparthie sang und deren wohlgeschulte Stimme alle Schwierigkeiten spielend überwand. Das „Vogellied" im ersten Theil, ferner die wundervoll vorgetragene Arie „O hätt' ich Jubal's Harf" brachten der Künstlerin reichen Beifall ein. Auch die tteffliche Leistung der Frl. Henriette Meyjes aus Frankfurt (Alt) verdient volles Lob. Wenn wir noch des guten Zusammenspiels und der reichen Schattirungen des Orchesters gedenk-n, welches sich den Chorgesängen und Soli in schönster Weise anpaßle, so müssen wir sagen, daß die Aufführung des Oratoriums „Josua" von Händel unter der gewandten, lüchtigen und hingehenden Teilung des Herrn Dr. Fr. Limbert das Resultat eines fleißigen und gewissenhaften Studiums war und zeigte, wie der Oraiorievverein großen Aufgaben gewachsen ist. Hoffentlich haben wir das Vergnügen, noch des öfteren 'olchen gelungenen Oratorien-Aufführungen, in welchen der Oratorienverein seine eigentliche Aufgabe erblickt, zu begegnen. Es dürfte wohl ein Appell an unsere Sängerinnen und Sänger, das edle Unternehmen gesanglich zu unterstützen, am Platze sein, um den Oratorienverein immer leistungsfähiger gestalten zu helfen.
Stadttheater in Hanan.
Das zweite Gastspiel unserer Landsmännin der Frau Grundman n- Roediger hatte auf das Publikum eine außerordentliche Anziehungskraft ausge- übt, denn der Theaterraum war am Montag vollständig gefüllt, wies doch selbst der erste Rang diesmal keinen leeren Platz aus. Nach dem ersten, so erfolgreichen Auftreten der Künstlerin war dieses ja vorauszuseben und an Interesse gewann die Vorstellung auch noch dadurch, daß auch der Gatte der Künstlerin, Hans-Grundmann, sich zum ersten Male an diesem Abend den hiesigen Theaterbesuchern aus der Bühne vorstcllte. Zur Aufführung kam Mozart's reizende komische Oper „Die Hochzeit des Figaro." Frau Grundmann-Roediger sang die Gräfin mit ihrer prächtigen ausgiebigen Stimme ganz vorzüglich. Der einschmeichelnde warme Klang ihres wohllautenden Organs, dazu ihre hübsche Darstellungsweise, die durch ihr nüancirtes Spiel auch den Charakter ihrer Rolle treffend zur Geltung kommen ließ, machten ihre Leistung zu einer höchst sympathischen und die stürmische Auszeichnung, die das Publikum der Künstlerin zu theil werden ließ, war wohl verdient. Gleich wie bei ihrem ersten Gastspiele wurde auch diesmal Frau Grundmann-Roediger mit zahlreichen Kranz- und Blumenspenden bedacht. Die Partie des Grafen oertrat Herr Gru n d m a n u recht gut. Der Künstler, eine prächtige Erscheinung auf der Bühne, verfügt über eine umfangreiche wohltönende Stimme und die Art, wie er sie benutzt, zeugt von guter Schulung. Auch seiner Leistung fehlte nicht die lebhafte Anerkennung, ein klein wenig flotteres Spiel hätte den guten Eindruck seiner Darstellung noch erhöht. Ganz reizend fand sich Frl. v. Hültinger mit der Susanne ab. Ihr lieblicher frischer Gesang und ihr munteres keckes Spiel machten ihre Leistung zu einer ganz vortrefflichen. Auch Frl. Nilburg als Cherubin befriedigte sowohl in gesanglicher Ausführung als auch durch feines, unmuthiges heiteres Spiel. Die Marzeline gab Frl. Bruck Gelegenheit, ihr humoristisches Charakterisirumstalent bestens zu verwerthen. Eine recht anerkenneuswerthe Leistung war der Figaro des Herrn Jena. Ten gesanglichen Anforderungen seiner Partie wurde der Sänger, der im Besitz einer recht sympathisch berührenden Stimme ist, vollkommen gerecht und auch in darstellerischer Hinsicht konnte er genügen. Die übrigen Mitwirkenden, so die Herren Goßmann, Brendel und Dinger, wurden ihren Aufgaben vollkommen gerecht. Die Oper unter der Regie des Herrn Direktor Pollak und unter der musikalischen Leitung des Herrn Kapellmeister Maas nahm einen durchaus zufriedenstellenden Verlauf.
Befördert. v. Deines (ein Hanauer. D. Red.), Oberst mit dem Range eines Brigade-Kommandeurs und Flügeladjutant, Ober- Gouverneur der Prinzen Söhne Seiner Majestät, unter gleichzeitiger Ernennung zum General L la suite Seiner Majestät des Kaisers und Königs zum Generalmajor bei arbei t — v. Papen, Oberst â la suite des Ülanen-Regiments von Katzler (Schles.) Nr. 2 und Kommandeur der 21. Kavalleriebrigade, zum Generalmajor befördert.
* Berlich- n. Seine Majestät der Kaiser und König haben mittels Allert öchsten Erlasses vom 7. April d. J. den Kirchenkastenverwalter Hauptlehrer a. D. Amon Löber in Hanau den Königlichen Kronenorden 4. Klasse zu verleihen geruht.
* Militärisches. Beim 2. Bataillon Füf.-Regts. von Gersdorff (Heff.) Nr. 80 finden heute und morgen, beim 3. Bataillon 1. Nass. Jns.-Regts. Nr. 87 morgen und übermorgen dieKompagniebesichtigungen statt, itt dtw Vvterhattvvgrblatt 12 Seiten.