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Str. U3.

Dienstag den 21. April

1896.

ÄMtlèches.

Dicnstniichrichtcn aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein schwarzer schotlischer Schäferhund mit gelben Beinen, weißer Brust und weißer Schweifspitze, m. Geschl.; Empfangnahme beim Wasenmeister Viel zu Rückingen. Am 17. d. Mts. ein Mopshund m. Geschl.; Empfangnahme bei Herrn Dr. Uebel, prakt. Arzt zu Klein­steinheim.

Gefunden: Ein Geldstück.

Verloren: Eine goldne Brache mit dem Bild einer Dame. Ein Notizbuch (Milchbuch).

Hanau am 21. April 1896.

Handelskammer zu Hanau.

Am 26. d. Mts. wird die Handelskammer auf eine fünfttnd- zwanzigjährige Thätigkeit zurückblicken.

Znr Feier dieses Jubiläums wird am

Montag den 27. April 1896

1. Nachmittags 31/s Uhr im unteren Saale des Rathhauses hierselbst eine Plenarversammlung mit der Tagesordnung anberaumt werden: *

Vortrag des Vorsitzenden über die industrielle Entwickelung Hanaus und die Thätigkeit der Handelskammer in den fünfund­zwanzig Jahren ihres Bestehens.

2. Nachmittags 41/« Uhr im Hotel zum Riesen hierselbst ein Festmahl (Gedeck zu 3 Mk.) stattfinden.

Die verehrlichen Handels- und Gewerbetreibenden in Stadt- und Landkreis Hanau beehren wir uns zur Theilnahme an diesen Veranstaltungen hiermit ergebenst einzuladen.

Eine Liste zur Einzeichnung für diejenigen Herren, welche an dem Festmahle theilzunehmen wünschen, liegt im Hotel zum Riesen auf.

Hanau den 14. April 1896.

Die Handelskammer. 5153

C â nthal. Fues.

Tagesschau.

Das Kaiserpaar, welches sich zur Theilnahme an den Hochzeits­feierlichkeiten in Koburg nach dort begeben hatte, der Kaiser von Karls­ruhe, die Kaiserin von Berlin aus, wird im Laufe dieser Woche seinen Sommeraufenthalt wie üblich im Neuen Palais bei Potsdam nehmen. Der Kaiser wird erst am 29. d. im Neuen Palais erwartet.

DieAllgemeine Kirchliche Zeitung" beschäftigt sich mit der Los- lösnng der Christlichsozialcn von den Konservativen auf Grund der Beschlüsse auf dem letzten Parteitag der ersteren. Sie bedauert den Bruch. Wo kein Verständniß für das Gemeinsame besteht, müssen die centrisugalen Bestrebungen ihrer Willen haben; eine andere Möglichkeit gibt cs da nicht. Traurig und beklagenswerth aber ist und bleibt die Sache, weil sie einen neuen schlagenden Beleg für die mangelnde politische Befähigung der Deutschen bietet, und überdies nur zu deutlich dafür spricht, daß selbst bei denjenigen Richtungen, welche durch die gemeinsame christliche Weltanschauung verbunden sein sollten, mehr äußerliche Momente, d. h. in diesem Falle vor allem das soziale dermaßen überwiegen, um für die Gesammtanschauung entscheidend 311 werden und den Ausschlag zu geben. Wenn sich selbst maßvolle Redner auf dem Parteitage zu der Behauptung versteigen konnten, daß die Konservativen, weil sie mit denChristlichsozialen", oder genau genomnien mit einem Teil derselben, in der ländlichen Arbeiterfrage nicht einig sind, unter Umständen ebenso entschieden bekämpft werden müßten als die Sozialdemokratie, so muß das eben dem Gesagten zur Bestätigung dienen, da es das, was Christlichsozialen und Konservativen gemeinsam sein sollte, völlig übersieht."

Noch unausgesetzt geben beim Reichstage Petitionen ein, welche ver­suchen, die Einschränkungen des Delailreisendenverkehrs, welche in btt Gewerbeordnungsnoville vorgesehen sind, entweder ganz und

KM- Die Hentigs Nummer umfatzt aa

gar aufzuheben oder doch wenigstens für die Geschäftsbetriebe der Pe­tenten außer Kraft zu setzen, gewiß ein schwerwiegendes Zeugniß, für die Bedenklichkeit des in der Gewerbeordnungsnovelle betretenen Weges.

Die Lohnbewegungen in den Berliner Gewerkschaften haben gegenwärtig wohl ihren Höhepunkt erreicht. Nicht weniger als 12 Ge­werkschaften veranstalteten an diesem Montag allein öffentliche Versamm­lungen, um meist zu ihren Bewegungen Stellung zu nehmen. Den Strike der Tabakarbcitcr hat am Sonntag eine von über tausend Personen be­suchte Versammlung für Montag beschlossen. Mit dem allgemeinen Etrike der Maurer, der Montag seinen Anfang genommen hat, be­schäftigte sich Tags zuvor eine stark besuchte Versamnilung der Bauar­beiter (Hilfsarbeiter). Die Lohnforderung, 55 Pf. pro Stunde, werde, wie berichtet wurde, im Laufe des Montags jedenfalls überall bewilligt werden; die Einführung der neunstündigen Arbeitszeit werde jedoch auf Schwierigkeiten stoßen.

Gegen den geplanten lt-Uhr-Schluf; der Ladengeschäfte fand vorgestern Nachmittag in Berlin eine Protestversammlung statt, welche der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller einberufen hatte. Weit über 1500 Personen waren der Einladung gefolgt. Den Vorsitz führte Geh. Kommerzienrath Goldberger, als Referent fungirte Direktor Vogler, der den in der Regierungsvorlage zum Ausdruck gekommen humanen Gedanken zwar anerkannte, aber darauf hinwies, daß man unter der FlaggeSchutz der Handlungsgehilfen" nicht soweit gehen darf, daß dadurch der reelle Kaufmann, insbesondere der kleine Gewerbetreibende, geschädigt würde. Bei mehr als 50 pCt. der Geschäfte betrüge die Ladenzeit nach Abrechnung der Pausen durchschnittlich 12 V2 Stunden. Dazu komme noch, daß, wie statistisch nachgewiesen, beim 8-Uhr-Schluß ca. 50,000 Personen genöthigt sein wm den, sich ihre Lebensmittel nach 8 Uhr abends zu besorgen. Außer­dem würde in vielen Geschäften der Schichtwechsel auftzören und dadurch die Zahl der Stellungslosen erheblich vermehrt werden. Die in der Vor­lage vorgesehene Ausnahme von höchstens. 16 Tagen pro Jahr sei völlig unzureichend. Für den 8 Uhr-Schluß traten nur einige sozialdemokratische Handlungsgehilfen ein, deren einer eine Resolution befürwortete, in welcher der 8-Uhr-Cchluß als zum Schutze der kaufmännischen Angestellten noch für ungenügend bezeichnet wurde. Diese Resolution fand indeß nur 23 An­hänger. Gegen 23 Stimmen wurde eine Resolution angenommen, in welcher gegen den 8-Uhr-Schluß protestirt und der Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß sich btr gesammte Handelsstand dem Proteste gegen die Vorschläge der Reichstagskommission für Arbeiterstatistik anschließen werde. Diese Resolution soll über ganz Deutschland verbreitet werden.

Wahrhaft glänzend ist der Empfang, den Fürst Ferdinand der Bestätigte am russischen Kaiserhofe findet. Eine Wolke der höchstgestellten Würdenträger, darunter ein wirklicher Großfürst, empfängt ihn am Bahn­hof und geleitet ihn unter Erweisung der höchsten militärischen Ehren zum kaiserlichen Wintcrpalais; der Kaiser erwidert selbst den ihm in Zarskoje- Selo gemachten Besuch in Petersburg und bringt ein Hoch auf den Fürsten rind dessen Sohn Boris aus; die slavische Wohlthätigkeitsgesellschaft schickt ihm durch eine Abordnung unter Führung des Generals Tschernajew Brot und Salz; das Volk von Petersburg umdrängt den einst viel verlachten Bulgarenfürsten auf der Straße. Angesichts solcher Ehrungen kann man es dem gutenKoburger" wirklich nicht verdenken, wenn es ihm im Mar- fiall der Gedanken rebellisch geworden ist und er begeistert von derAus­breitung des slavischen Gedankens" spricht. Der thüringisch-bourbonische Heldensohn als Herold des Panslavismus! Tas seinem Boris in der Kathedrale zu Sofia aufs Haupt gegossene orthodoxe Salböl hat da in dein väterlichen Haupte in der That große Wunder angerichtet. Aber wenn selbst ein General Jgnatiew durch die Macht der vollzogenen Thatsachen von seinem Präsidenteystuhle der slavischen Wohllhätigkeitsvereine Herabge­drängt und durch Tschernanejw ersetzt werden konnte, dann kann man ja auch bei dem Alt-Koburger Ferdinand an die große Umwandelung glauben: thüringisch-bourbonischerKrouensohn, österrcichischerOberlieutenant, bulgarischer Fürst, türkischer Pascha und Muschir und Herold des Panslavismus. Eine wunderbare Staffel. Aber dieNowoje Wremja" wird wohl recht haben, wenn sie zur Bewillkommnung Ferdinands schreibt:An die Vergangen­heit, die nicht mehr existirt, soll nicht mehr erinnert werden, und mit er dem Änterhattungsblatt 12 Seiten.