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HanauerAnstiger.

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Rv. 89* Donnerstag

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^arvÖRrei^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Maul- und Klauenseuche in Niederursel, Kreis Frankfurt a. M., ist erloschen.

Hanau am 14. April 1896.

Der Königliche Landrath

V. 3348___________________v. Schenck.__________________________

^tadt^reis ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Es wird hiermit öffentlich bekannt gemacht, daß für den Stadtkreis Hanau als Sektion der heffen-nastanischen laudwirthschaft- lichen Berufsgenoffenschaft zu Vertrauensmännern gewählt worden sind:

Für den Bezirk I, Neustadt:

Herr Oekonom Heinrich Jung,

zu dessen Stellvertreter

Herr Landschaftsgärtner Georg Henrich.

Für den Bezirk II, Altstadt:

Herr Kunst- und Handelsgärtner Th. Holzschuh,

zu dessen Stellvertreter

Herr Oekonom Heinrich Seitz II.

Hanau am 11. April 1896.

Der Vorsitzende des Sektionsvorstandes Dr. Gebeschus.

Tagesschau.

Die Kaisertage in Wien werden, als Seitenstück zu der Morv archenbegegnung in Venedig, von der öffentlichen Meinung in spm pathischester Weise beurtheilt. Allseitig erblickt man in der solchergestalt vollzogenen Neubesiegelung der zwischen den Herrschern der Dreibunds­mächte bestehenden engen Freundschaft ein vollwichtiges Unterpfand für die 'Dauerhaftigkeit der europäischen Friedenskonjunktur, und damit für eine Zukunft, welche den Völkern gestattet, in Ruhe und ungestört durch Kriegs­sorgen ihrer Friedensarbeit nachzugehen.

Die Kaiserbegegnnng in Wien fassen die Pester Blätter als sicherstes Unterpfand für Fortdauer und Unumstößlichkeit des Dreibundes auf. Mehrere glauben, England werde nunmehr dem Dreibunde beitreten. Die meisten bedauern, daß Kgffer Wilhelm den Kaiser und König nicht während der Jahrtausendfeier in Pest besuche.

Der Minister für Handel und Gewerbe hat dem Königlichen Staats­ministerium einen Gesetzentwurf über die Organisation des Handwerks und die Regelung des Lehrlingswesens zur Beschlußfassung zugehen lassen.

Die Leichenfeier für den im Duell gefallenen F r e i h e r r N v. Schrader hat gestern unter außerordentlicher Theilnahme der Hofgesell­schaft, der Mitglieder des Unionklubs und der Garde-Kavallerieregimenter in der Leichenhalle des Kirchhofs in Potsdam stattgefunden. Die Leichen­rede hielt der Dofprediger Wendlandt. Er fand dabei Worte ernster Mah­nung für die besonderen Umstände, unter denen der Tod dieses Mannes erfolgt ist. Er sagte u. A.: „Wenn ein Mann, so reich gesegnet von Gott und Glück und Liebe und Freundschaft, den Weg aus eigenem Ent­schluß gehen konnte, den der Vollendete gegangen, dann müssen wir uns sagen, nicht nur das Sterben ist traurig, sondern auch ein Leben, wo das geschehen kann. So wirft der Sarg einen trüben Schatten aus unser armes Menschenleben. Uns steht nicht zu, Partei zu nehmen in dem un­seligen greifte. der das Opfer gefordert; wir sind weder befugt dazu, noch im Stande es zu thun. Aber das müssen wir sagen, wir wissen es, diese traurige Geschichte ist nur eine Wirkung gewesen in der langen Kette der Ursachen und Wirkungen, welche vorangegangen sind. Welche frevel­haft unselige Hand den Srein ins Rollen brachte, das wissen wir nicht. Er hat in de/Fluth des öffentlichen Lebens weite, trübe und unreine Kreise gezogen er hat Kummer bis zu den Stufen des Königsthrons ge­tragen und boshafteste Schadenfreude bis in die untersten Schichten des

den 16. April 1896.

Voltes. Noch gilt das achte Gebot, über das sich Lüge und Verleum­dung Hinwegsetzen, noch gilt das sichste, aber sittenlose Gemeinheit um­dunkelt das Licht in weiten Kreisen. Noch besteht das fünfte Gebot, ver­kehrte Ehrbegriffe aber setzen cs oft bei Seite, so daß Finsterniß an Stelle des Lichtes tritt. Nur von diesem Lichte sollen wir uns den Wig weisen lassen. Auch er hat gefehlt und nicht recht gethan nach Gottes Wort, daß er diesen Weg gegangen ist: was der Herr sagt, das geht über alle Vorurtheile, über alle Verkehrtheiten der Welt. Wir stehen nicht hier, um ein Urtheil zu fällen, mit seinem eignen Leben büßte er, was er gefehlt. Desto lauter aber wollen wir klagen über die Wnrniß unserer Zeit und ihn beklagen, der das Opfer verkehrter Lebcnsanschauungcn wurde; wir wollen ihn beklagen, daß er sich durch Standesvorurtheile dazu drängen ließ, den Weg zu gehen, den er nach harten Seelenkämpfen gehen zu müssen geglaubt hat. Es kommen und geben die Geschlechter, alles ver­geht auf Erden; auch der grausame Ehrenkodex wird vergehen, der so viel Unglück angerichtet und treue Herzen in Trauer und Trübsal versetzt hat. Vielleicht werden sich in kommender Zeit hinftige Geschlechter entsetzen über die Vorurtherle unserer Zeit. Es gibt keine andere Ehre für den Christen als die Ehre Gottes, und das Wort Christi besteht in Ewigkeit."

Die freikonservative Fraktion hat im Abgeordnelenhause einen Antrag eingebracht, welcher sich gegen die von der Kommission vorgeschlagene Schließung der Lak eageschäfte um 8 Uhr richtet.

Die Erzwingung der Arbeitsruhe am 1. Mai dürfte dieses Jahr mit größerer Hartnäckigkeit versucht werven als in den letzten vorhergegangenen, und von der Entschlossenheit der Arbeitgeber wird es abhängen, ob und wieweit dieser Versuch gelingen wird. Ein unver­zeihlicher Fehler würde es fein, wenn es, wie eine Noliz der Berliner Blätter andeulet, an dem wäre, daß zahlreiche Arbeitgeber des Süoens und Südostens der Hauptstadt beschlossen hätten, mit Rücksicht auf die am 1. Mai stattfindende @f Öffnung oer Gewerbeausstellung ihren Ar­beitern an diesem Tage frei zu geben. Denn nicht mit Unrecht würde die sozialdemokratische Hetzpropaganda ein solches Verhalten der Arbeit­geber als eine Anerkennung der Maifeier deuten und dementsprechend fruktifiziren.

Eine unheimliche Sendung ist in Neapel verladen worden. Es sind dies dreihundert Gummibeine für jene unglücklichen Soldaten, welche nach der Schlacht bei Aoua vom Feinde verstümmelt worden sind. Wie schon mehrfach erwähnt, pflegen die Abessinier alle Schwarzen, welche im Dienste der Italiener gegen den Negus fechten, aus entsetzliche Weise zu bestrafen, indem sie ihnen mit einem Beil oberhalb der Kniee das Bein abhacken und die Verstümmelten dann aus dem Lager jagen, wo die meisten sich verbluten. Anscheinend hat man diesmal auch viele Weiße auf dieselbe und auch auf noch schlimmere, nicht wiederzugebtnde Weise gepeinigt. Wie das Blatt „Kapitale" behauptet, handelte es sich sogar um nahezu 1000 Verstümmelungen, welche der Negus vor seinem Abzüge nach dem Süden an all' den Gefangenen hätte vollziehen lassen, welche krankheitshalber als Sklaven nicht verkäuflich sind. Tas erwähnte Blatt will wissen, daß auch ein Theil der Senilsten durch fanatische Schoaner- innen verstümmelt worden wäre. General Baldissera hat telegraphisch die schleunige Entsendung von Ortopäden verlangt, welche im Feldlager die Verunstalteten mit neuen künstlichen Gli dmaßen versehen sollen. Der Spezialist Dr. Invernizzi befindet sich bereits auf dem Wege nach Mas- fauah. Gleichzeitig rourbiit in Rom, in Mailand und auch in Paris und Berlin zahlreiche Kunstbcine bestellt mit beschleunigter Lieferfrist, welche nach Erithräa geschickt werden sollen. Danach zu urtheilen, ist an der Richtigkeit jener Meldung des genannten Blattes kaum noch zu zweifeln. Die Gerüchte, der Negus sei ein großmüthiger, jioilifirtcr Herr, und schon längst in das Gebiet der Märchen verwiesen worden.

Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 15. April.)

Das Abgeordnetenhaus trat Hinte in die zweite Lesung des Gesetz­entwurfes, bètr. das D ien st ein ko mmen der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen, ein.