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Nr. 86
Montag den 13. April
1896.
Amtliches. ^taötUreiö ^anau.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche unter dem Viehbestand des Bierbrauers und Gastwirths Fritz Baader (zum König von Schweden) erloschen ist, werden die zur Verhütung der Weiterserbreitung der Seuche unterm 21. März er. «»geordneten Sperrmaßrezeln hiermit aufgehoben.
Die Herren Ortsvorstände wollen dies sofort ortsüblich bekannt machen lassen.
Hanau am 13. April 1896.
Königliche Polizeidirektion.
P. 3493 v. Schenck.
Dicnstnachrichtcil aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein silbergrauer Ulmer Doggenhund w. Geschl.; Empfangnahme bei Schreiner Karl Gröninger zu Bergen.
Verloren: Ein Hausschlüsfel mit Schlinke; dem Wiederbringer eine Belohnung. Eine goldne runde Broche, in der Mitte ein Kleeblatt und weißen Stein (auf de« Friedhof hier).
Gefunden: Eine Briefmarke und ein gelber Damenhandschuh (linker), (auf der Post). Eine Schachtel mit ca. 3 Meter Crâme-Tüll- Schleier (auf dem letzten Wochenmarkt stehen geblieben). Eine Legitimationskarte (Sanitätsverein Hanau) für Friedrich Heinrich. Ein Kontobuch mit der Aufschrift „W. Ohler". Ein Spazierstock mit schwarzer Hornkrücke, mit Schlangenverzierung; Empfangnahme in der Wirthschaft zum Engel in Großauheim.
Hanau am 13. April 1896.
Polizeiverordnung.
Auf Grund der 88 5 und 6 der Verordnung über die Polizeiver- waltung in den neu erworbenen Landestheilen vom 20. September 1867 und des § 143 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird nach Anhörung des Gemeinderaths nachfolgende Polizeiverordnung für den hiesigen Gemarkungsbezirk erlassen;
8 1.
Die Anwender und die Enden der voreinanderstoßenden Grundstücke im Kornfeld dürfen nur bis zum 20. Oktober j. J. befahren werden.
Im Haferfeld ist das Befahren derselben nur bis zum 25. April t I. gestattet.
§ 2.
Durch Beschluß des Gemeinderaths kann, wenn nöthig, das Befahren der Anwender und der Enden der voreinanderstoßenden Grundstücke auch über vorstehend festgesetzten Zeitpunkt hinaus gestattet werden.
8 3.
Nach dem Abernten des Getreides, spätestens aber am 20. August j. I., ist das Befahren aller Anwender gestattet.
§ 4.
Im Saatfeld darf die Furche nicht aufgestrichen werden; ebenso ist das Zusammenschlagen der Grundstücke in der Mitte beim Ackern der Saatfelder untersagt.
8 5.
Das Querpflügen sowie das Ausheben von Gräben an den Enden der voreinanderstoßenden Grundstücken (s. g. Aufstößern) ist verboten.
8 6.
Das Pflügen im Ober- und Niederweingarten ist nur dann gestattet, wenn die angrenzenden Grundstücke nicht vom Vieh betreten werden.
8 7.
Das s. g. Vormähen auf den geschloffenen Wiesen (Ober- und Niederwiese) zu Heu und Grummet ist untersagt. Ausgenommen hiervon sind nur die an die Niederwiese anstoßenden Ackerstücke.
Auch darf bei Feldfuhren der Niederwiesenweg nicht benutzt werden. 8 8.
Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit Geldstrafen bis zu neun Mark bezw. entsprechender Haft bestraft.
8 9.
Diese Verordnung tritt nach ihrer Publikation fyrrt in Kraft. Großkrotzenburg den 30. März 1896.
Die Ortspolizeibehörde.
Noll, Bürgermeister. 4858
Die Zusammenkunft in Venedig.
König Humbert von Italien ist uns einer der sympathischsten Monarchen. Grade die Eigenschaften, die dem deutschen Wesen am meisten entsprechen, sind in ihm verkörpert: Pflichtbewußtsein und Treue. Ob in Neapel die Cholera herrschte, ob in Rom eine furchtbare Feuersbrunst ausbrach, ob Wasscrsgefahr oder Hungersnoth das Land heimsuchte, immer war und ist König Humbert auf dem Platze, tröstet die Kranken, ermahnt die Lässigen, spendet den Armen. Und in — wir möchten sagen: deutscher Treue — hängt er an den Männern, die er als die Stutzen seines Vaterlandes erkennt, unb hängt er an dem Bündnisse mit dem Volke, das er mit dem seinen durch die Bande der Sympathie und der Interessengemeinschaft verbunden weiß. So ist es ihm eine besondere Freude, den ersten Vertreter dieses Volkes als seinen Gast zu begrüßen, — eine ganz besondere Freude in diesen für Italien trüben Zeiten. König Humbert weiß, daß er in seinen Auffassungen über die Lage Italiens und über die Schritte, die Italien zu thun hat, um sein Ansehen überall wieder herzustellen, mit dem deutschen Volke und dem deutschen Monarchen mehr übereinstimmt, als mit seinen eigenen Ministern und mit einem Theile der italienischen Volksvertretung. Er war es, der in der Krisis nach der Schlacht bei Adua allein den Kopf oben behielt und der darauf drang, daß das Ansehen und die Machtstellung Italiens nicht preisgegeben werden dürften. Mit dieser Auffassung hat er die Sympathie des deutschen Volkes, des thatkräftigen deutschen Kaisers vollständig auf seiner Seite gehabt.
Und darum ist die diesmalige Zusammenkunft der beiden Herrscher von ganz besonderer Bedentung, weil grade diese trübe Zeit das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der unauflöslichen Gemeinschaft zwischen den beiden Fürsten gesteigert hat. Aber über diese gemüthlichen Beziehungen hinaus haben die Tage von Venedig eine weittragende politische Bedeutung. Wenn schon die thörichten Hoffnungen der Franzosen, daß der Tag vor Adna den Dreibund zertrümmert habe, durch die Haltung der deutschen Regierung und deutschen Presse, durch die offiziösen Erkürungen der dem neuen italienischen Ministerium zur Verfügung stehenden Zeitungen, durch die Reise des deutschen Kaiserpaares und die immer sich erneuernden, immer sich stei- gernben Beweise der Sympathien, die den fürstlichen Gästen von der italienischen Bevölkerung entgegengebracht wurden, arg erschüttert ist,' so zeigt die freundschaftliche Zusammenkunft der beiden Monarchen, daß diese Hoffnungen der Franzosen sich auch in alle Zukunft sich nicht erfüllen werden. Das Zusammentreffen der Monarchen ist aber auch von einer nicht zu unterschätzenden Moralisten Bedeutung. Es ist gewißermaßen das sichtbare Zeichen dafür, daß für Italien der Bund mit dem mächtigsten Militär- staate Europas einen Rückhalt bildet gegen Intriguen und Zufälligkeiten aller Art. Dieser Beruhigung bedürfen die Italiener aber grade jetzt, wo sich anscheinend ein neues Gewitter am Horizonte von Nordostafrika zusammenzieht. Wenn die Nachricht sich bewahrheitet, daß König Menelik mit den Derwischen freundschaftliche Veziehnngen anzuknüpfen sucht, so bedeutet das die Fortdauer und die Erschwerung der Kämpfe in Afrika. Wenn Abessynier und Mahdisten, die einen fanatischen Glaubenshaß gegeneinander hegen, zu gemeinsamer blutiger Arbeit sich zusammenchun, so müssen sie von einem noch leidenschaftlicheren Hasse gegen einen Dritten, den nc befehden, erfüllt sein. Und so scheint es, als ob Menelik nicht eher inzen will, als bis er die Italiener völlig aus Afrika verdrängt Han
Das aber werden die Italiener sich nicht gefallen laßen, weil ne wohl wissen, daß sie dann ihres Ansehens im europäischen Konzert beraubt, sein würden. Und auch deshalb ist die Zusammenkunft der bc-den Herrsch r von hoher Bedeutung, weil sie dazu beitragen wird dem italienischen Bölke und seinen Vertretern den Muth zu mannhaftem Entschlusic zu festchen. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, daß die Deputrrten Venetiens und die Senatoren nach Venedig geeilt sind, um dem deutschen Kerrscher ihre Huldigung dar-zubringen. Sie werden so Gelegenheit haben, den Monarchen