- MHMch S«â
* KM.4âw^ WrrtchShrkich
»^N ^.
she! Mr «rSwärttg«
)3; MsmroSrn mit WM betreiben j Bsftanfßhla,.
~ DK dayi« f, i äRtomwr 10 4
HanmerAiytitztr.
Zugleich
Amtliches Krgcm Mv KtaöL- und Landkreis ^anau.
ErftMl täglich mit Aâahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
JärtivnA- Preis: Sie lipüüigr Gcrmoüd-eiie ober berts A. am 10
bk 1‘^fp. Zeile
die 2fpa(t. Zelle 20
die 3spalt. Zeile 30 4, imReklamenthril bk ifbalt. Zell« 20 ^ netto.
■ »r. 82
Mittwoch ^den ^8.^ April
1886.
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 32
!
-lMtriches. Stadf&r^w ^anau.
Bekanntmachungen des Lderbürgermeifteramtes Bekanntmachung.
Diejenigen Personen, welche Forderungen aus Lieferungen für die Stadt an dieselbe haben, werden ersucht, ihre Rechnungen stets viertel- ' jährlich in der ersten Hälfte des ersten Monats des Quartals einzureichen, sofern solche nicht sofort nach der Lieferung präsentirt werden. Rechnungen für die Zeit bis Ende März 1896 bitte ich demnach bis d. Mts. gefälligst einzureichen.
Die
Hanau am 4. April 1896.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus.
I und
Städtisches Wasserwerk.
An- und Abmeldung vor: Wasserentnahme, Wassergeldveranlagung Reklamation gegen dieselbe findet vom 1. April d. Js. an bei dem
' Stattbuchhalter auf der Stadtkasse während der für diese festgesetzten ( Dienststunden statt.
Die Kasse des Wasserwerks, sowie das technische Büreau für In
stallationen und Hausanschlüsse bifindet sich Gaswerk.
Hanau am 30. März 1896.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschu s.
wie bisher im städtischen
k»-
)8
Die politische Lage.
Wenn auch, so wird von hervorragender Seite versichert, sich un- x ausgesetzt dunkle Punkt am politischen Horizont zeigen, so ist man doch in allen maßgebenden Kreisen der Ansicht, daß der Friede keine Trübung und Störung erleiden wird. Zunächst ist als ein eminent friedliches Symptom s »die Kaiserkrönung in Moskau zu betrachten; Zar Nikolaus wird nimmer- ■ mehr in dem Jahre, in welchem er mit großem Glanz die Kaiserkrönung , I feiert, Einflüsterungen und Erwägungen, die zum Kriege drängen, Gehör schenken. Im Uebrigen ist es bekannt, daß der Sohn Alexanders III. • s von denselben friedlichen Anschauungen erfüllt ist, wie sein Vater. Im L : Großen und Ganzen darf man wohl auch die jetzige Stellung des fran- ev ; zösischen Kabinetts Bourgeois als eine für den Frieden günstige ansehen. 3? Die Stellung ist bekanntlich eine derartige, daß jede Kriegsdrohung oder Aktion in einem außereuropäischen Lande mit allen Kräften seitens des
H Kabinetts vermieden werden muß, falls es sich nicht neue Schwierigkeiten Uschaffen will, die seinen Fall unweigerlich zur Folge haben würde. Die i 2. J Position der Italiener in Abessinien birgt, wie man sicher annehmen kann, i I auch den Keim von weiteren Schwierigkeiten nicht in sich; es wird wohl
I als richtig angenommen werden müssen, daß die Italiener sich auf die ' I Küstenplätze zurückziehen werden. Weitere Entwicklungen sind also demnach , ^zß nicht zu erwarten. Dem Aufstand im Matabeleland größere Bedeutung bei- i
zumessen, liegt keine Veranlassung vor; er wird einerseits sehr lokalisirt bleiben, die Engländer werden des Aufstandes sicher leicht Herr werden, und andererseits beschäftigen doch die Matabelen unsere Bettern jenseits bes Kanals derartig, daß ihre Blicke vom Transvaal und von Abenteuern, wie Jamesons „Heldenritt," abgelenkt werden. Alles in allem darf man wohl die politische Lage als eine außerorbentlich günstige und auf den Frieden gestimmte betrachten; die kleinen Wölkchen am politischen Himmel sind durchaus bedeutungslos, jedenfalls sind sie nicht die Vorboten eines heranziehenden großen Gewitters.
Fürst Ferdinand in St. Petersburg.
Schillers gewaltige Tragödie' „Wallenstein" endet bekanntlich damit, daß dem Verräther Octavio Piccolomini ein kaiserliches Handschreiben übergeben wird mit der Aufschrift: „Dem Für ste N Piccolomini". „Octavio erschrickt mib blickt schmerzlich zum Himmel", heißt es in der Anmerkung des Dichters. Fürst Ferdinand ist weniger gefühlvoll. Er hat seine Anerkennung mit dem Blute Stambulows, mit dem Glaubenswechsel seines Kindes, mit der Entfremdung mit seiner Familie, vor Allem mit dem Aufgeben einer traditionellen und bewährten Politik erreicht, aber er läßt sich von all' dem nicht anfechten, fährt nach Konstantinopel und nach St. Petersburg, theilt Orden aus mib empfängt welche, eilt vom Diner zur Galavorstellung, kürz, er ist so vergnügt, wie es nur je ein Prinz in einer Operette von Strauß oder Offenbach gewesen ist.
Daß diesem fröhlichen Rausche ein unliebsames Erwachen folgen wird, scheint uns sicher, wenn auch der Zeitpunkt noch nicht festzustellen ist. Nicht alle Opfer freilich, die Fürst Ferdinand bisher gebracht hat, werden sich an ihm rächen. Stambulow ist todt und seine Partei ist machtlos; sie hatte ja nur durch seine mächtige Persönlichkeit Bedeutung. Die Umtaufung des Prinzen Boris war nicht zu mißbilligen, denn es ist nur vortheilhaft, wenn zwischen der Dynastie und der großen Mehrheit des Volkes nicht die Schranke einer Verschiedenheit der Konfession steht. Die Entfremdung seiner Gattin wird den Fürsten nicht allzu sehr schmerzen und die Thronfolge ist durch die Prinzen Boris und Cyrill gesichert.
Ist sie gesichert? Einstweilen könnte man es nach den Schilderungen von der allgemeinen Zufriedenheit in Bulgarien glauben. Aber man möge nicht vergessen, daß Rußland seine Rechnung für das Jnszenesetzen der prächtigen Anerkennungskomödie noch nicht präsentirt hat. Daß es aber nicht lange mehr damit zögern wird, kündigen schon jetzt russische Blätter an. Worauf Rußland hinstreben wird, ist von vornherein klar: es wird die bulgarische Armee in seine Hand bekommen wollen. Alexander von Battenberg hatte die Energie, diesen Plan zu durchkreuzen; Stambulow fuhr dann mit der Säuberung der Armee von russophilen Elementen fort. Fürst Alexander und Stambulow hatten gezeigt, daß Bulgarien aus eigener Kraft eine Arniee mit einem nationabbulgarischen Osfizierkorps heranbilden könne, auf die es stolz sein konnte. Wenn nun Rußland seinen Einfluß daran setzen wird, in die Offiziersstellen, besonders in die höheren, russische oder Rußland ergebene Offiziere hineinzulanciren, so wird die Einigkeit in der bulgarischen Armee dahin sein. Denn diejenigen bulgarischen Offiziere, die in den Traditionen von Slivnitza groß geworden sind, werden mit scheelen Blicken und mit Verachtung auf die Eiudringlinge blicken, besonders wenn, wie es allen Anschein hat, Männer ihnen als Kameraden aufgedrängt werden, die als Verräther aus dem Lande fliehen mußten oder fortgejagt wurden. Der gegenwärtige Kriegsminister Petroff, der uns von einem deutschen Militär, der ihn näher kennen gelernt hat, als ein Mann von eminenten Fähigkeiten und unbeugsamer Energie geschildert wird, wird jedenfalls auf die Ehre der Kameradschaft mit mehr als zweifelhaften Elementen verzichten. Wenn aber erst Unzufriedenheit in der Armee, die Stambulow zur sichersten Stütze der Dynastie gemacht hatte, entstehen wird, dann wird Fürst Ferdinand es vielleicht bereuen, sich zum Vasallen Rußlands gemacht zu haben.
Einstweilen freilich überläßt er die Sorge um die Wendung, die die Dinge genommen haben, dem Staate, der sich als der aufrichtigste Freund Bulgariens bewährt hatte: der österreich-ungarischen Monarchie. Man hat in Oesterreich die Umtaufung des Prinzen Boris schon mit sehr gemischten Gefühlen hingenommeu und man wird von der Anwesenheit des Fürsten in St. Petersburg noch weniger erbaut sein. Man weiß sehr wohl, daß die Staatsmänner an der Newa die Gelegenheit benutzen werden, den leicht lenkbaren Fürsten Ferdinand enger in ihre Netze zu verstncken, und vielleicht vor seinen entzückten Augen ein glanzendes Bild austauchen lassen werden: die große südslavische Allianz Bulgarlen-Serbien-Montenegro, natürlich mit dem Herrscher Bulgariens an der spitze; eine Allianz, die ad majorem gloriam Rußlands und gegen die Plane Oesterreichs verwendet werden würde. So wirb man es den österreichischen Staatsmännern nicht übel nehmen können, wenn sie angesichts der Reise des pursten Ferdinand nach Petersburg ausrufen (um bei bem eingangs zitirten Octavio Piccolomini zu bleiben) „Verwünscht, dreimal verwünscht sei diese Reise;"