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Mr. 81
Dienstag den 7. April
1896.
*
von
AMtlichrs.
^taM^reiö ^mtau.
Der Kaufmann Gustav Gerlach von hier ist als Probenehmer Melasse am 28. d. Mts. bestellt und eidlich verpflichtet worden.
Hanau am 28. März 1896.
Das Königl. Landratbsamt in Gelnhausen theilt mit, daß der Herr Regierungspräsident die Abhaltung des aus den 9. d. M. in Unterreichenbach angesetzten Viehmarktes genehmigt habe.
Hanau am 7. April 1896.
V. 3048
P. 3083
Königliche Polizeidirektion, v. Schenck.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
^and&reto ^attaxt.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die von mir auf Grund der §§ 19 und 20 des Reichsviehseuchen-
gesetzes
vom
gesetzes Cassel
vom
23. Juni 1880
1. Mai 1894
12. März 1881
18. Juni 1894
und des 8 1 des Preußischen Ausführungs
für den Umfang des Regierungsbezirkes
erlassenen Anordnungen vom 17. Dezember v. J. A. III 11827
und vom 13. Februar d. I. A. III 1558, betreffend die Untersuchung und Beobachtung der aus der Eisenbahn eingeführten Wiederkäuer und Schweine durch die Kreisthierärzte, wird hierdurch auf Wiederkäuer und Schweine, welche aus dem Herzogthum Braunschweig in den Regierungsbezirk eingeführt werden, ausgedehnt.
Diese Anordnung tritt mit dem Tage ihrer Bekanntmachung in
rast.
Cassel den 25. März 1896.
F Der Regierungspräsident.
Vorstehende Anordnung bringe ich unter Bezugnahme auf die Be- anntmachung vom 7. Januar er. («bgedruckt in Nr. 3 der „Amtlichen Beilage") hierdurch zur Kenntniß der Ortspolizeibehörden und Interessenten.
Die Herren Ortsvorstände wollen dieselbe wiederholt ortsüblich Mannt machen lassen.
Hanau am 3. April 1896.
Der Königliche Landrath
V. 2945
v. Schenck.
Nachdem neuerdings die Maul- und Klauenseuche in Langenselbold auch unter der Gemeindeschafheerde daselbst ausgebrochen ist, wird hiermit
der Gemeindebezirk Langenselbold gegen das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen — angespanntes Vieh einbegriffen — abgesperrt.
Die hierunter abgedruckten Bestimmungen der Bundesrathsinftruktion jur Ausführung des Biehseuchengesetzes sind genau zu beachten.
Die Polizeibehörde kann bei größerer Seuchengefahr den Ceuchenort und dessen Feldmark oder das weitere Gebiet gegen das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen absperren und bestimmen, daß die Ausführung von Thieren dieser Arten aus dem Seuchenorte und dessen Feldmark oder aus dem weiteren Gebiete nur mit polizeilicher Erlaubniß erfolgen darf. Die Erlaubniß soll der Regel nach nicht versagt werden, wenn die Aus-
führung gesunder Thiere zum Zweck sofortiger Abschlachtung erfolgt. Wird die Erlaubniß zur Ueberführung der Thiere in einen anderen Polizeibezirk ertheilt, so ist die betreffende Polizeibehörde von der Sachlage in Kenntniß »zu setzen.
Ist der Seuchenort und dessen Feldmark gegen das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen gesperrt, so ist die Abfuhr von Viehdünger aus den Seuchengehöften (§ 62 Absatz 3), der Weidegang kranker oder verdächtigen Thiere, sowie die Benutzung der der Ansteckung verdächtigen I Thiere zur Feldarbeit mit solchen Beschränkungen zu gestatten, welche erforderlich sind, um eine Uebertragung der Seuche in die feuchefreien Viehbestände der benachbarten Ortschaften zu verhindern.
Die Herren OrtSvorstände wollen vorstehende Anordnung sofort ortsüblich bekannt machen lassen.
Hanau am 7. April 1896.
Der Königliche Landrath
V. 3047
v. Schenck.
Verloren am 6. ds. Mts.: Vom Deutschen Haus hier bis nach Großauheim eine goldene Damenuhr. — Ein Portemonnaie mit über 12 Mark. Ein goldene Broche; dem Wiederbringer eine gute Belohnung.
Entlaufen: Ein kleiner gelber Hund mit langen Ohren m. Geschlechts.
Gefunden: Eine gelbe Uhrkette mit Anhängsel, darauf das Bild einer Dame. Ein kath. Gebetbuch.
Hanau am 7. April 1896.
Die „nahende Gefahr".
Daß sich einzelne Europäer und ganze europäische Völker gelegentlich so aufführen, als befände sich das kultursatte und geschichtsmüdc Europa ganz allein auf diesem Erdenrund und als kämen die ungezählten Millionen Menschen der übrigen Erdtheile gar nicht in Betracht, das ist eine üble Erfahrung, die während der letzten drei Jahrzehnte des nunmehr ablaufen- den 19. Jahrhunderts leider allzu häufig hat gemacht werden müssen. Das 7. Jahrzehnt dieses Jahrhunderts hat die letzte große geschichtliche Abrechnung gebracht, auf Grund deren Europa wohlgeordnet und gut ausgerüstet in die neue Zeit hinübertreten kann. Alle nach ihr gemachten Ausflickungsversuche in den 70er, 80er und 90er Jahren sind vom Uebel und schwächen unseren Erdtheil in seinem Kampf ums Dasein.
Der Kampf ums Dasein Europas! Das ist die Loosung, mit welcher wir Europäer zu Beginn der 70er Jahre in die neue Zeit getreten sind, deren Eigenthümlichkeiten sich seitdem immer mehr entwickelt haben und die sich noch immer eigenthümlicher entwickeln werden. Die neue Zeit des 19. Jahrhunderts wartet nicht auf die Kalenderanfangsskunde deS 1. Januar 1901, sie hat bereits begonnen, die Zeit des ungehemmten Weltverkehrs, unter dessen Zeichen wir stehen, wie das geflügelte Wort Kaiser Wilhelmi II. das sehr richtig ausgedrückt hat. Der Weltverkehr mit seinem noch vor einem Diertelsahrhundert nicht geahnten riesigen Ausschwung wird die Beziehungen der Völker zu einander regeln, und wehe beut Volke, welches diesen Geist der neuen Zeit nicht erfaßt! Wehe vor allem dem Volke der Europäer, wenn es diesem vernichtend daher brausenden Geist gegenüber ix seiner alten Zersplitterung beharren sollte.
Der an solche Betrachtungen sich knüpfenden Gedankenreihe fügen sich auch die Auslassungen ein, welche der französische Diplomat und Abgeordnete d'Estournelles de Coustant in der „Revue des deux Mondes" vom 1. April unter der Aufschrift „Die nahende Gefahr" veröffentlicht. Diese Gefahr ist ihm der aus eben jenem Weltverkehr entstehende Mitbewerb der überseeischen Länder, welcher Ackerbau, Jndustne und Handel des alten Europa bedroht. Dieses alte Europa hatte sich daraus eingerichtet, der Lieferant der ganzen Welt zu sein, und geht nun nach der Meinung von d'EstsurnelleS einem ungeheuern Krach entgegen, weil es diese Rolle nicht mehr lange wird beibehalten können. Es lohnt wohl, seinem Ge- dankengang näher zu treten. Er schreibt:
Emopa hat seit 50 Jahren zu stark gelebt. Es hat seine EMilguisgskraft übermäßig entwickelt, seinen Ackerbau seiner Industrie geopfert und feinet Thätigkeit einen solchen Aufschwung gegeben, daß cs imstande ist, mit stmcii haaren die ganze Welt zu versorgen. Heute fangen jedoch die Absatzgebiete a», sich zu verringern, denn nicht nur die Erzeugnisse der europäischen Maschinen überschreiten die Meere, sondern die Maschinen selbst sind ihnen gerolgt und setzen i c Abnehmer der europäischen Erzcngniffe in den Stand, zuerst sich selbst zu genügen und dann die Waaren anderswo zum Schaden der europäischen abzusctzeii. Die Vereinigten Staaten gaben das erste Zeichen der Freimachung, aber ihr vei- sviel mâchtc rasch Schule. In Centralamenka, Südamerika, Australien, Indien, Japan erheben sich unsere Mitbewerber und schließen sich unsere Märkte. Nur Afrika bleibt uns noch als neuester und letzter Kunde Europas. Mit dem Ackerbau ist cs schon so weit gekommen, daß der europäische Verbrauchsmensch für mehrere Erzeugnisse den amerikanischen oder australischen Markt vortheilhafter