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Seite 4 Hanauer Anzeiger.
die Hindu ein Fest, welches sie vult nennen. Au bemjetben leiden pH die Leute zur allg-meinen Heiterkeit unter nichtigen Vorwänden und zu zwecklosen Dienstleistungen hin und her. Man verschickt Einladungskarten im Namen solcher Personen, die nicht zu Hause sind, ertheilt Aufträge zu unausführbaren Unternehmungen u. s. w. Der letzte Tig des Hulifistes ist schließlich der Anfang des neuen Jahres, das dort — wie auch ehedem bei unS — mit dem Beginn des April, also ungefähr mit dem Eintritt des Frühlings, zusammenfallt. Ein ähnliches Fest feierten auch die Griechen des Alterthums; nur daß man dort Demjenigen, der für die allgemeine Belustigung sorgte, die Augen verband. Aus dieser „Apooidrar- chiudra" der Hellenneu hat sich unser Blindekubspiel entwickelt. Die Gewohnheit, am 1. April Jemand durch eine falsche Mittheilung zu täuschen, hat sich inzwischen derart verbreitet, daß man sie — wenn auch in etwas veränderter Gestalt — bei fast allen Völkern Europas antrifft. Der Engländer spricht von einem „Aprilnarren" und nennt den 1. April den „Nai rentag". Die Franzosen nennen das Wegschicken „un message lorgné", eine einäugige Borschaft, die Italiener „Farcalandrino", den Kulendrino spielen, nach dem Namen eines gu Boccaccio's Zeiten bekannten einfältigen Webers. In Frankreich, Belgien und Italien sagt man vom Aprilschicken auch: „Einem dem Aprilfiich schenken" (donner le poisson d’Avril). Dieser Aprilfisch ist wahrscheinlich die Makrele, die in diesem Monat frisch gegessen wird und in den genannten Ländern als eine große Delikat. ffe gilt. Die Makrele findet sich eben zu Anfang April an der französischen Küste eia.
* Keffelstadt, 1. April. Ein schwerer Trauerfall bewegt hier alle Gemüther uud wird auch in den weitesten Kreisen die lebhafteste Theilnahme wachrufen. Der fiühere Inhaber der renommirten hiesigen Gastwirthschaft „Zum Schwan", Herr W. Eberhardt, ein kiästiger junger Mann von noch nicht ganz 32 Jahren, erkrankte auf der Reste begriffen anscheinend leicht; er kehrte jedoch zur besseren Verpflegung hierher zu seiner hier lebenden Mutter zurück, wo sich eine Entzündung der inneren Organe derartig rasch entwickelte, daß er nach einer schweren Blinddarm- operation heute Nacht verstarb. Seine junge Frau mit den beiden Kin deru konnte, von der schweren Erkrankung ihres Mannes benachrichtigt, nur von Wochenheim i. d. Pfalz, ihrem derzeitigen Wohnorte, hierher eilen, um am Sterbebette ihres Mannes zu stehen. (M. K.-BJ
Wiesbaden, 1. April. Vom 8. bis 11. April wird zu Wiesbaden unter dem Vorsitze des Herrn Geheimrath Profi ssor Dr. Bäumler (Freiburg) der vierzehnte Kongreß für Innere Medizin tagen. Als schon länger vorbereitete Verdandlungsgegenstände, für welche Autoritäten ersten Ranges die Referate übernommen haben und welche höchst interessant sind, stehen auf dem Programme: Werth der arzneiliche« Amipyretica: Herr Kast (Breslau) und Herr Binz (Bonn) und Ueber therapeutische Anwendung der Schilddrüsenpräparate: Herr Ewald (Berlin) und Herr Bruns (Tübingen). — Unmittelbar nach Eröffnung des Kongresses wird Herr v. Leyden (Berlin) auf besonderen Wunsch des Geschâstskomitös eine Gc- dächtnrßrede zur 100jährigen Gedenkfeier der Entdeckung der Schutzpockenimpfung durch J-nner halten. — Außerdem wurden bis jetzt schon über 50 Originalooi träge an gemeldet, welche alle Gebiete der Inneren Medizin umfassen. Thcilnehmer für einen einzelnen Kongreß kann jeder Arzt werden. Tie Theilnehmerkarte kostet 15 Mk. Die Theilnebmer können sich an Vorträgen, Demonstrationen und Diskussionen betheiligen und erhalten ein im Buchhandel ca. 12 Mk. kostendes Exemplar der Verhandlungen gratis. Mit dem Kongresse ist eine Ausstellung im rothen Saale des Kurhauses von neueren ärztlichen Apparaten, J-strumenien, Präparaten u. s. w. verbunden. Dieselbe wird in diesem Jahre ganz besonders reichhaltig sein. Anmeldungen für dieselbe sind au den stänsigcn Sekretär des Kongresses, Herrn Sanitätsrach Dr. Emil Pfeiffer, Wiesbaden, Friedr ichstraße 4, zu richt-n.
^ Seligenstadt, 31. März. Für das laufende Jahr steht in unserem Siäotchen eine rege Bauthätigkeit zu erwarten. Im neuerschlosse nen Bauq rartiere unweit des Bahnhofes sind zunächst 8 neue Wohnhäuser in Aussicht genommen. Auch in den Nachbargemeinven herrscht rege Baulust; täglich weiden schwerbeladene Steinschiffe hier entladen. Die meisten Bausteine (rothe Sandsteine) werden aus der Umgegend von Miltenberg bezogen. — Der Delegirtemag des Bèamthal Turnerbundes, welcher gestern zu Dieburg abgehalten wurde, faßte den Beschluß, daß nächste Gauturnfest in unserer N ach bargemeinde Groß-Welzheim zu veranstalten. — Der hiesige Verschönerungsverein ist gegenwärtig mit der Ausschmückung der Main- anlagen durch Baumpflanzung rc. beschäftigt. — Das hiesige Progym nasium beschließt morgen sein Schuljahr. Das neue Schuljahr der Anstalt beginnt am 27. April Die Schule umfaßt 4 Klassen; das jährliche Schul 8e(b beträgt 30 Mk. — Dem hiesigen Amtsgerichte wurden dieser Tage unter Genvarmcrieeskorte mehrere Zigeunerweiber zugesützrt. Dieselben wurden in Babenhausen verhaftet; eine Zigeunerin schleppte ein Kind auf dem Rücken nach.
2 Aus dem Rodgau, 31. März. In einzelnen Gemeinden unserer Umgegend sind im Laufe des letzten Winters verhältnißmäßig viele junge Ferkel unter eigenthümlichen Umständen verendet. Die krepirten jungen Schweine hatten sich fast sâmmlich vorher durch leidenschaftliches Saufen von Jauche auffallend gemacht. Sachverständige bezeichnen als Ursache
1. Avrit
oie|es Jnuchciauieus Vas Kehlen Phosxhorfaureu Kattes im Fuller des Mutterthieres und daher auch in der Mrlch. Junge Thiere bedürfen nämlich zur Ausbildung der Knochen viel phosphorsauren Kalkes. Erhalten sie diesen nicht im Futter, dann suchen sie ihn anderswo und zwar die Ferkel zunächst im Garn der Mutter. Sie gehen dann infolge der durch gewisse Bestandtheile des Urins hervorgerufenen Blutzersetzung zu Grunde. Vorbeugemittel ist Veifütterung von l1/» Pfund Gersteschrot und l1/* Pfund Roggenkleie, angemengt mit Weizenspreu und Wasser gu einem steifen Brei per Tag an tragende Mutterschweine. Auch grüner Rotbklee wirkt günstig. Ist das nicht möglich, dann gebe man phosptzorsauren Kalk als Beigabe.
Verloosuugen.
Braunschweiger 20 Thaler Loose. Ziehung vom 31. März 1896, Hauptpreiie: Ser. 9809 Nr. 17 150 000 M. Ser. 5781 Nr. 9 12 000 M. Ser. 1006 Nr. 12 7200 M. Ser. 1006 Nr. 24 3600 M. 4 Ser. 960 Nr. 36, Ser. 1516 Nr. 48, Ser. 3696 Nr. 36 Ser. 5411 1 Nr. 4, Ser. 7284 Nr. 48, Ser. 7864 Nr. 36, Ser. 8340. Nr. 47, Ser. 8371 Nr. 34, Ser. 9059 Nr. 16 und Ser. 9982 Nr. 19 je 1 300 M. Ser. 1006 Nr. 44, Ser. 3683 Nr. 35, 43, Ser. 7208 Nr. , 16, Ser. 7864 Nr. 25 und Ser. 8222 Nr. 38 je 90 M. (Ohne Gew.) -
Schiffsberichle. *
Hamburg, 30. März. Der Postdampfer „Saxonia" von der Hamburg - Amerikanischen Packetfadrt - Aktiengesellschaft ist von Hamburg vorgestern in St. Thomas eingetroffe«.
Bremen, 31. März. Der Dampfer deS Norddeutschen Slot* „Preußen" ist gestern in Hongkong eingetroffen.
Philadelphia, 29. März. Der Postdampfer „Nederland" vcu ; der „Red Star Linie" ist von Antwerpen gestern wohlbehalten hier angekommen.
Drahtnachrichten des „Han. Anz."
Berlin, 1. April. Vom Kaiser und der Kaiserin gingen dem Reichskanzler Hohenlohe gestern die herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstage telegraphisch zu.
Berlin, 1. April. Das „Tageblatt" meldet aus London: Wie verlautet, sicherte der König der Belaier in der Konferenz mit Salisbury am letzten Sonntag in Nizza die Mitwirkung der Kongostaanruppen für die Kampagne gegen die Derwische zu. j
Berlin, 1. April. Die „Voss. Ztg." meldet aus Athen: Nach ’ Drahtnachrichten aus Romea soll Turkdom Pascha energische Maßregel« zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen haben durch Verbannung von 10 Mohamedanern, vier aufrührerischen Christen, sowie durch Verhaftung « von über 100 Mohamedanern und einigen Christen, welche er für die ’ Ordnung gefährlich erachtete.
Berlin, 1. April. Der „Lokalanz." meldet aus London: Die Regierung beabsichtigt, zwei Bataillone nach Südafrika zu schicken. — Zwischen England und Italien sollen wichtige Verhandlungen über den egyptischen Felvzugsplan staltfinven.
Hamburg, 1. April. In dem dieser Tage zu ratistzirenden deutschjapanischen Handelsverträge sind, wie der „Hamb. Korresp." meldet, für eine große Anzahl deutscher Artikel Zollherabsetzungen gewährt worden. Japan ist die Aufhebung der exterritorialen Gerichtsbarkeit zugestanden worden.
Wien, 1. April. Der Kaufmann May aus Berlin, welcher wegen Betrug und Bankers.t steckbrieflich verfolgt wird, wurde hier verhaftet.
Graz, 1. April. In hiesigen aristokratischen Kreisen verlautet, daß sich die Gräfin Hartenau, die Wittwe des verstorbenen Fürsien Alexander von Battenberg, demnächst mit einem bohen Offizier verloben soll. Die Gräfin, welche jetzt in Frankfurt a. M. wohnt, fährt Ende Mai nach . Graz zurück. j
Rom, 1. April. Aus Maffauah über London eingegangenen Meldungen zufolge wird es General Laldissera vor der Regenzeit nicht mehr gelingen, Adigrat zu befreien. Die Garnison dieses Platzes soll nur j noch für 5 Tage mit Lebensmitteln versehen sein.
Rom, 1. April. Die „Tribuna" wendet sich in heftigen Ausfällen 4 gegen die sogenannten Enthüllungen Pantaleonis und behauptet, Panta- leoi sei ein intimer Freund Rudinis. Dem neuen Kabinet sei jedes Mittel recht, um die Männer des gefallenen Kabiuets zu verdächtigen, selbst auf die Gefahr hin, die Krone zu kompromitireu.
Paris, 1 April. Die Kammergruppen werden heute in Erwägung ziehen, ob die Interpellationen zmück zu ziehen seien, da man die Re° gierung bei den im Zuge befindlich, n Verhandlungen nicht stören will. Dagegen dürfte der Senat auf die Antwort Vourgeois zurückkommen. In der Kammer machte nämlich die Erklärung Bourgeois, daß das Ein- j vernehmen zwischen Rußland und Frailkreich niemals herzlicher war, als jetzt, großen Eindruck.
Paris, 1. April. Der Unterrichtsminister Combes wird in der ersten Kammersitzung nach den Osterferien die nöthigen Kredite beantragen« J