Einzelbild herunterladen
 

Hanauer Anzeiger.

Seite 2 gemäßigt. Immer mehr bricht sich die Ueberzeugung Bahn, daß die be­stimmte Ziele verfolgende, maßvolle und ruhige Politik des Fürsten Hohen­lohe auch für das Bürgerthum im weitesten Sinne des Wortes der festeste und z iverlässige Rückhalt ist gegen alle einseitigen Ausschreitungen leiden­schaftlichen Parteilebens. Noch in den letzten Tagen, sowohl beim Reichs­tagsfest, wie jüngst im Herrenhause haben zahlreiche Parlamentarier Ge­legenheit gehabt," die große Frische und Rüstigkeit dieses vornehmen, be­scheidenen, nie ermüdenden Staatsmannes zu bewundern. Möge unter seiner Führung sich Deutschland noch langer Jahre zuverlässigen Friedens, wirthschafilichen Aufschwungs und hohen Ansehens erfreuen. Fürst Hohen­lohe kann dessen sicher sein, daß zahllose Deutsche mit aufrichtiger Dank­barkeit es anerkennen und nie vergessen werden, daß er unverzagt in schweren Zeiten das Reichspanier ergriffen hat, und daß er es hochhält zu Ehre und Ruhm von Kaiser und Reich.

Tagesschau.

Der Reichskanzler, Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, hat an das Mitglied des Herrenhauses, Grasen v. Mirbach-Sorquitten, folgendes Schreiben gerichtet:

Berlin, 28. März 1896.

Euer Hochgeboren gefälliges Schreiben von heute, habe ich zu er­halten die Ehre gehabt. Ich ersehe aus der beigefügten beglaubigten Ab­schrift des unkorrigirten Stenogramms zu meiner Freude, daß Sie nicht gesagt haben, der Ministertisch freue sich über jede vernichtete Existenz. Sie werden aber zugeben, daß Ihre Aeußerung:im Lande habe man das Gefühl, daß man sich hier über jede Existenz freue, die auf dem platten Lande vernichtet wird" in Verbindung mit der darauf folgenden Aeußerung:am Ministertische werde man über diese Dinge lächelnd hin- wezgehen", mich zu der Auffassung führen mußte, daß die obige Aeußerung an die Adresse der Staatsregierung und damit das Staatsministerium ge­richtet war. Indem ich Euer Hochgeboren ergebenst anheimstelle, von diesen Zeilen den Ihnen geeignet scheinenden Gebrauch zu machen, bin ich m|t der Versicherung vorzüglicher Hochachtung Euer Hochgeboren er­gebenster F. Hohenlohe."

Der zwangsweise einheitliche Achtuhrschlutz für alle Laden geschâfte und die anderen Vorschläge der Reichskommission für Arbeiterstatistik über die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Ladenbesitzcr Haben in Berliner kaufmännischen Kreisen lebhafte Erregung hexoorgerufen. Der Vorstand des Vereins Berliner Kaufleute und In­dustrieller trat vorgestern zur Berathung zusammen und beschloß in Ueber­einstimmung mit der früheren wiederholten Stellungnahme des Vereins in dieser Hrage/ UNZesäM alle erforderlichen Schritte zur thatsächlichen Be- kâmpfnng der AnjxAgc der Reichskommission zu thun. Es werden große PMest-Vexsammlzmgen -statistnden, Eingaben an die Reichs- und Staats­behörden, sowie an den Reichstag gerichtet werden u. s. w.

Die Lebensfähigkeit des französischen Ministeriums Bourgeois macht eben jetzt eiste kritische Phase durch. Der in Sachen der Einkommen­steuer mit knapper Noth beschwichtigte parlamentarische Sturm ist an anderer Stelle um so heftiger losgebrochen und hat zunächst den Minister des Auswärtigen, Herrn Berthelot, von seinem Platze herabgeworfen, dürfte aber anscheinend nHch weitere Verwüstungen im Kreise derer um Bourgeois anrichten. Daß Berthelots Sturz mit der Entwickelung der eâlflischett Distge in m;$cp liiern Zusammenhänge steht, ist für Niemanden zweifelhaft, bet die Geschichte der Vorgänge in der egyptischen Staats- Mildenverwaltüng betreffs Finanzirung des Dongolazuges mit einigem Verständniß verfolgt hat: Wenn die Pol. Korr, zutreffend informirt ist, wärest an dem Rücktritte Berthelots direkte Meinungsverschiedenheiten zwischen dem E'lysee und Herrn Berthelot Schuld. Dieselben dürften sich aüch noch auf andere Dinge als auf die Behandlung der auswärtigeu Tstgesfragen erstrecken. Daß weitere Aenderungen im Kabinet bevorstehen, ist von Herrn Bourgeois selbst angekündigt. Wenn die sogenannten Oppor- tunfsjen den ^MüM bër* Sage erkennen und sich feiner zu bedienen wissen, konnte überhaupt die ganst radikale Miuisterhcrrlichkeit im Handumdrehen zu Ende sein.

Aus Stadt, Provinz und Umgsgend-

* Hofnachricht. Mchdem bereits vorgestern Se. Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen nebst Gemahlin und den beiden kleinen Prinzen in Schloß Rumpeuhetm wieder eingetroffn ist, wird heute daselbst auch Ihre Majestät dir Kaiserin Friedrich zu längerem Aufenthalt daselbst er­wartet.

* Verliehen. Wie derReichsanz." meldet, haben Se. Majestät bet König geruht, Herrn Schuldirektor JungHenn in Hanau den Cha­rakter als Schulrath zu vrleihen.

* Zur Verstaatlichung der Hess. Ludwigsbahn. Wie berichtet wird, haben die grdßherzoglich hessische und die königl. preußische Regierung d^r Hessischen Ludwigsbahngesellschaft gestern ein Verstaat- lichungsangebot mit einer Zuschrift zügehen lassen, die nach einer Mitthei­lung von Wagner's Bureau folgenden Inhalt hat:Die großherzoglich hessische Regierung hat b:m Verwaltungs mth ihre Absicht kundgegeben, die in den Provinzen Rheinhessen und Starkenburg gelegenen Eisenbahnstrecken des Ludwigsbahnunternehmens, soweit sie nach den bestehenden Konzessions­rechten heimsällig sind, am 81. Dezember b. J. für Staatsbahnen zu er-

31. März.

klären und in staatliche Verwaltung zu übernehmen. Infolge dessen Hak die kgl. preußische Regierung Veranlassung genommen, die mit der hessischen Ludwigsbahngesellschaft abgeschlossenen Jnstradirungsvereinbarungen vom 8./10. Juli 1885 zu kündigen. Es ist nicht zu verkennen, daß durch diese Vorgänge die Lage der Gesellschaft eine schwierige geworden ist, so daß es dem Interesse derselben entsprechen würde, statt der Durchführung der eingeleiteten Maßregeln im Wege der freien Verständigung über die Abtretung des gedämmten Unternehmens der hessischen Ludwigs- bahn an die bet heiligten Staaten eine anderweite Lösung zu finden. In Anerkennung dieser Sachlage erklären sich die großherzoglich hessische und die kgl. preußische Staatsregierung vorbehaltlich der landesherrlichen Ge­nehmigung bereit, nach Maßgabe des beigefügten Entwurfs mit der hessischen Ludwigsbahngesellschaft einen Vertrag abzuschließen, durch welchen den Aktionären eine Abfindung für je eine Aktie â 600 Mark Schuldver­schreibungen im Gesammtwerthe von 70Ö Mark und zwar solche der drei­prozentigen konsolidirten preußischen Staatsanleihe zum Nennwerthe von 200 Mark mit Zinsscheinen von 1. Januar 1896, sowie Schuldverschrei­bungen der dreiprozentigen hessischen Staatsanleihe zum Nennwerthe von 500 Mark mit Zinsscheinen für die Zeit von 1. Januar 1896 unter der Bedingung angeboten wird, daß vorab der Beamienkautionsfonds wie die Reserve- und Erneuerungsfonds der Gesellschaft in ihrem vollen bilanz­mäßigen Sollbestande durch Verwendung des Erlöses der bei dem Bau über den Bedarf erworbenen oder disponibel gewordenen Grundstücke effek­tiv wieder hergestellt werden. Im klebrigen würde das Hessische Ludwigs- bahnunternehmen mit dem 1. des zweiten auf die Perfektion des Verftaat- lichungsvertrages folgenden Monats auf beide Staaten eigenthümlich über- .gehen, mit demselben Zeitpunkt die Gesellschaft in Liquidation treten und der Liquidationspreis von 80 Millionen Mark Seitens beider Staaten gezahlt werden. An diese Offerte erachten sich die beiden Staatsregierungen bis zum 15. Juli b. J. gebunden, so daß spätestens an dem genannten Tage die Beschlußfassung dec Generalversammlung stattgefunden haben muß. Die im Eingang erwähnte Kundgebung der großherzoglichen Regierung an den Verwaltungsrath der Hessischen Ludwigsbahn in Mainz lautet wie folgt:Nach den der Hessischen Ludwigseisenbahngesellschaft ertheilten Kon­zessionen steht der großherzoglichen Staatsregierung seit dem 1. April 1893 jederzeit das.Recht zu, die gejammten in Hessen belegenen Bahnen der Gesellschaft, einschließlich der Strecke: Bayerische Grenze bei Stockstadt bis Aschaffenburg, mit alleiniger Ausnahme der Linien von Erbach nach Eber­bach, BabenhausenHanau, MannheimBiblis, LampertheimRosen­garten, ErfeldenGoldstein und Dornberg Groß-Gerau, gegen Erstattung des zwanzigfachen Betrags des durchschnittlichen Reinertrags der letzten fünf Betriebsjahre und bezw. des Anlagekapitals der Theilstrecke Stvck- stadtAschaffenburg und der Nebenbahn FlonheimWendelsheim für Staatsbahnen zu erklären und sie auf Staatskosten verwalten zu lassen. Nachdem auch die mit der kgl. preußischen Negierung über die künftigen Beziehungen des beiderseitigen Staatseisenbahnbesitzes seit längerer Zeit gepflogenen Verhandlungen inzwischen ihren Abschluß gefunden haben, beabsichtigt die groß). Staatsregierung kraft der von den Ständen des Großherzogthums ihr ertheilten Ermächtigung, nunmehr von ihrem kon- zessionsmäßigen Rechte mit der Maßgabe Gebrauch zu machen, daß die Uebernahme der fälligen Linien in den Staatsbesitz, gegen Angebot des­jenigen Entschädigungsbetrags, welchen die großherzogliche Regierung als den Konzessionsbedingungen entsprechend erachten wird und unter Vor­behalt des Rechtswegs für die Gesellschaft hinsichtlich etwaiger weiter­gehender Entschädigungsansprüche am 31. Dezember l. I. zu erfolgen haben würde. Zur Gewährleistung einer geordneten Durchführung der hierzu erforderlichen Verwaltunzsmaßnahmeu ist die Vorlage eines Gesetz­entwurfs an die Stände des Großherzogthums in Aussicht genommen, in welchem die bezüglichen Wünsche der Gesellschaft thunlichste Berücksichtigung finden fallen. Der Gesellschaftsvertretung wird daher auheimgegeben, etwaige derartige Wünsche, insbesondere in Bezug auf die Uebernahme von Gesellschaftsbermten in den Staatseisenbahndienst, die Vertheilung ter Betriebsmittel, die Gemeinschaftsbenutzung des Verwaltungsgebäudes in Mainz sowie der Hauptwerkstätten, die Gestaltung der Betriebsoerhältnisse auf den d.r Gesellschaft verbleibenden Linien u. dgl. bis längstens zum 15. Juli b. J. beim großherzoglichen Ministerium der Finanzen vorzu­bringen, da eine weitergehende Hinausschiebung mit Rücksicht auf die er­forderliche Mitwirkung der Landstände nicht angängig sein würde. Von diesem Erlaß ist die kgl. Preußische Regierung in Kenntniß gesetzt worden."

* Postalisches. Britisch Betschuanaland ist, als zur Kap-Kolonie gehörig, nunmehr in den Weltpostverein mit einbegriffen worden. Der Briefveckehr mit Britisch Betschuanaland regelt sich demgemäß fortan nach den Bestimmungen des Vereinsdienstes.

* Poftschaltcr. Von morgen, 1. April, ab werden die Postschal­ter 7 Uhr morgens geöffnet.

* Wocheurnarktverlegung. Wegen des auf Freitag den 3. d. Mts. fallenden Feiertags ist der auf diesen Tag in der Altstadt abzu­haltende Wochenmarkt auf Donnerstag den 2. April verlegt.

* Zur Rezitation des SchauspielsUork". Der Ertrag des Rezitationsabends, welcher am 1. April in dem Saale derCentral- Halle" veranstaltet wird, ist bestimmt dem schwer erkrankten Schauspieler Bolten in Hamburg (St. Pauli-Thalstraße 57) als Beihilfe zur Vornahme einer rettenden Operation überwiesen zu werden. Da der Genannte ein