Einzelbild herunterladen
 

28. März. Hanauer

Hauses besiept, hat in einer Nachsitziing den von dem Senat bereits an­genommenen und wieder an den KonferenzLuschuß zurückgewüstniN Be­schlußanirag betreffend Anerkennung der kubanischen Regierurg als kriegs- führende Macht endgültig bestätigt.

Witterrtrrgsvsrrcht.

Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch unruhiges, weist trübes Wetter mit zeitweisen Niederschlägen.

Die Frau im Reiche des Halbmondes.

Konstantinopel, 2<>. März.

Am Beiraintage ereignete sich im hiesigen Kaiserlichen Palast ein Fall, der seither viel besprochen wird und den Eindruck nichte, als wolle man ten Versuch wagen, die türkische Frau von ihrer bisherigen Stellung zu entheben, und ihr den ihr zukommenden gesellschaftlichen Rang nicht länger vorenthalicn. Der Sultan bcsckied nämlich gleichzeitig mit dem Minister des Innern, Memduh Pascha, auch dessen Frau und zwei Töch­ter, Melek und Melahat Hanum, in den Palast und verlieh dem Pascha den Großkordon des Osmanie- und den Damen, die im Kaiserlichen Harem empfangen wurden, den Chefakat-Orden. Es ist dies das erste Mal, daß ein Türke mit seiner Frau öffentlich erschien. Ob es für die Folge so bleiben wird, ist abzawarten. Vor der Hand spielt die Frau gesellschaft­lich noch gar keine Rolle. Dem Muselmann sieht es ja noch frei, seiner Frau jederzeit die Thür zu weisen, ohne dafür Rechenschaft geben zu muffen. Es ist daher begreiflich, wenn die Moüamedanerin alles anwen­det, um ihrem Gebieter zu gefallen, und bei dem herrschenden System der Vielweiberei mangelt es nicht an Eifersuchtsszenen, die häufig zu Pan­toffelschlachten führen. Ob man auch von diesen Gepflogenheiten künftig abweichen wird, bleibt abzuwarten.

Die Türkin hat geringe Ausnahmen abgerechnet keine Bil­dung, Putz, Schmuck und nichiige Kleinigkeiten, hie und da das Lesen recht schlüpfriger französischer Romane bilden ihre einzige Beschäftigung. Es gibt Paschafrauen, die am Bosporus wohnen, ohne zu wissen, daß derselbe Europa von Asien scheidet.Wozu" äußerte sich jüngst ein reizendes Paschatöchterchen zu ihrer deutschen Ersieherinsoll ich mich mit Geographie und Geschichte befassen? Papa ist Pascha und Mama hat ja auch nichts gelernt, und wenn ich mich verheirathe, brauche ich dies doch nicht!" Nach türkischen Begriffen mag die junge Dame Recht haben, denn, ist sie einmal verveirathet, dann hat sie ja keine Gelegenheit mehr, durch Kenntnisse zu glänzen. Der Türke liebt dergleichen europäische Eigenschaften an seiner Frau nicht, für ihn ist sie nur eine Augenweide. Der Harem schließt die Frau von der Außenwelt ab, ihr Verkehr beschränkt sich mit geringen Ausnahmen nur auf türkische Frauen, die mit ihr auf gleicher Bildungsstufe stehen. Selbst die christlichen Levautinerinnen er­heben sich kaum über dieses Niveau. Putz, Klatich, Zigaretten und Kaffee sind die Triebfedern des ganzen Seins der orientalischen Frau, die, von Kindheit daran gewöhnt, nichts Anderes kennt. Aber es gibt auch Mohammedanerinnen, die abcndländische Bildung besitzen, fertig deutsch, englisch, französisch, italienisch und griechi ch sprechen, zum Zeitvertreib russisch lernen und Homer in der Ursprache lesen. Dafür werden sie aber als Abtrünnige betrachtet und gemieden.

Noch ein Spezies gibt es unter den türkischen Fiauen, das sind Abendländerinnen, auch Deutsche, die Türken ehelichten. Glücklich ist aber keine geworden, denn sie muß ihr Leben den Vorichriften des Islams an- passen, den einst ihr lieb gewesenen gesellschaftlichen Verkehr gestattet ihr der Türke nicht. Von dem Momente an, wo sie den Harem betreten hat, hören ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Nichtmuselmanen auf, der Mann darf ihr bei aller Zuneigung zum Weide seiner Wahl keine Er­leichterung gestatten, um nicht selbst in Acht und Bann zu gerathen. Er darf sich mit seiner Auserkorenen nie öffentlich zeigen, sie bleibt fortan eine Gefangene, von den Argusaugen der Haremswächter und der fanatischen Nachbarschaft strenge überwacht. Und gerade deshalb hat der Besuch Memduh Paschas mit Frau und Kindern im Kaiserlichen Palaste eine begreifliche Aufmerksamkeit erregt, weil diese Neuerung von allelhöchster Stelle ausging, und vielleicht den Antritt einer neuer Aera bebeutet, die den türkischen Frauen wohl auch seitens ihrer unglücklichen Westen leben­den Mitschw-stern von Herzen gegönnt werden dürfte.

Aus Kunst und Wissenschaft.

Anwendung des Heilserums. In Norburg auf Alfen tritt zur Zeit die Diphtheritis in so besorgnißerregender Weise auf, daß sammt liche Schulen der Stadt auf Anordnung der Behörde geschlossen worden sind. Sehr gute Erfolge erzielte man hier mit der Anwendung des Heil serums. Während von etwa 100 Kindern, bei welchen das Serum vor Eintritt irgend welcher Kraukheitscrscheinungen angewendet wurde, kein ein ziges Kind von der Diphtheritis befallen wurde, trat bei solchen, die be reits an der Krankheit erkrankt waren, noch geschehener Einspritzung sofort Besserung ein.

Die Denkwürdigkeiten des 1872 in Nizza verstorbenen Her­zogs Persigny in Paris jetzt erschienen sind von höchstem Jutereffe

Anzeiger _______ ______Seite 11.

für die richtige Abschätzung des Tuillerien Ho'es. Mit Dismarck'scher Offenheit eröffnet uns der sich selbst als Glücksritter betrachtende intimste Freund b â Kaisers tiefe Blicke in das geheimste Treiben des Hoflebens, namentlich über die Macht feiner unversöhnlichen Feindin, der Eugenie. Diese Mittheilungen erscheinen ganz der Wahrheit gemäß. Persigny war feiner derer, die den kranken Kaiser ins Verderben geführt haben; wir ler- en die Quellen aber kennen.

Der gefeierte Tenor Masfini erhielt in Moskau von Be­wunderern als Geschenk ein Paar Stiefel ans massivem Golde, 2500 Rubel an Werth.Noch nicht dagewesen", trotz Ben Akiba.

Vermischte Nachrichten.

SS Kraft- und Arbettsmafchinen-AusfteUung München 1896. Das Direktorium der vom Allgemeinen Gewerbeuercin München unter Mitwiikung des Polytechnischen Vereines in München in Aussicht genommenen Ausstellung ist nunmehr gebildet und sind in dessen Prä­sidium die Herren: Max Nagler, Buchbindermeister und Magistratsrath, Georg Leib, Zimmermeister und Gcmeindebevollmächtigter, Egbert Ritter von Hoyr, k. Professor und Direktor der technisch n Hochschule, eènge- treten. Ebenso haben sich nach Maßgabe der aufgefitßten Geschäftsord­nung folgende Fachausschüsse konnitutir.; 1. Der Finanz- und Ver­waltungsausschuß (I. Vorsitzender Herr Karl Rasp, k. Regie:ungsdirektor und Direktor der bayer. Hypotheken- und Wechselbank); 2. der technische Ausschuß (I. Vorsitzender Herr Direktor Egbert R tter von Hoyer);

3. der Bau-, und Dekorationsausschuß (I. Vo.sitzender Herr Philipp Brunner, II. rechtskundiger Bürgermeister der k. Haupt- und Resid-nz- stast München); 4. der P.eßausschuß (I. Vdrsitzender Herr Hubert Steinach, Ingenieur und Generalsekretär des Polytechnischen Vereines in München). Diese Ausschüsse sind auch bereits üoer die Organisation bei Unternehmens bezw. die Platzfrage und den Entwurf eines Ausstellungs- Programmes rc. in Thätigkeit getreten.

®etv liier. Wie dasBerliner Tageblatt" meldet, richtete ein heftiges Gewitter in der Umgegend Osnabrücks großen Schaden an. In Buer, Meesdorf und Mackendorf wurden mehrere Gebäude durch Blitz­schläge eingeäschert.

Wenn s wahr ist. Der Bureaudiener einer Kölner städtischen Behörde ist im Sinne des Rabbi Sichel (Freund Fritz) ein ganz be­sonders guter Staatsbürger. Seine erste Fra» schenkte ihm 16 Kinder, seine zweite 18, und demnächst gedenkt der brave Mann sein Fünfund- dreißigües zur Taufe zu bringen.

Slebertragung von Typhris durch Milch. Vor einiger Zeit trat in einer Kaserne in Dchlettftadt eine ziemlich heftige Typhusepidemie auf, beten Entstehungsursache zuerst um so weniger aus­gesunden werden konnte, als zur fdben Zeit in der Zivilbevö.kerung der Stadt nur einige Kinder am Typhus erkrankt wann, w.lche in gar keiner Verbindung mit der Kaserne standen und als das in solchen Fällen sofort verdächtig erscheinende Trink- und Grundwasser sich bei jener Ge­legenheit als völlig unschuldig erwies. Da aber damals auch in dem nickt weit von Schlettstadt liegenden Dorf Orsckweiler eine starke Typbus- epidemie heirschte, glaubte man hier den Ansteckungsrerd suchen zu solle«. Und dies war richtig. Die in der Kaserne gebrauchte Milch wurde aus Orschweiler bezogen, und diese Milch erwies sich als stark mit Typhus­bazillen du-, chsetzt. Der Mann, der die für die Kaserne bestimmte Milch ermolk, pflegte einige am Typhus erkrankte flamilienwitglieker, und zu unsauber, um vor dem Melken die bei der Krankenpflege infiniten Hände gehörig zu wasch, n, übertrug er die Bazillen in die Milch und wurde so der Anlaß zu der in der Kaserne auftreienden Krankheit.

^in Familiendrama vor Gericht. Kürzlich hat in der Ober­pfalz ein 18jähriges bildhübsches Mädchen auf Zureden ihres verschuldeten Vaters einen reichen 76 Jahre alten Mann widerwillig geheirathet; daß diese Ehe keine glückliche wurde, ist begreiflich. Der alte Mann war auch noch ein Geizhals unb dem Schwiegervater- nicht freigebig genug. Da nahm die junge Frau eines Tages einen Hammer, schlug den verhaßten Gatten zu Boden und schnitt ihm den Hals ab. Die Nachbarn kamen gerade dazu, als sie sich die Haude vom Blut reinwusch. Geistesgegen­wärtig sagte sie, sie habe einen Streit mit ihrem Mann gehabt, weil sie sich ein Taschenmesser gekauft habe, unb indem er es ihr entrissen habe, fei sie an der Hand verletzt worden. Andern Tags wurde der Mord entdeckt. Das Schwurgericht in Amberg verurtheilte vorgesten: die Mörderin zum Tode und sprach ihren der Anstiftung beschuldigten Vater frei. Wenn die Geschichte in der Stadt sich abgespielt hätte, würde man sagen:6n desiècle. Aber- sie pufferte aus dem Lande, in der Oberpfalz, und sämmtliche Be- theiligte waren Landleute.

Schiffsberichte

Der Hamburger Doppelschrauben-SchnelldampferFürst BismarckJ von Hamburg fomniettb, ist am 25. März, 2 tthr nachmittags, wohwe- halten6 in Genua angekommen.

Der Hamburger DampferSicilia" ist von Hamburg am 26. März wohlbehalten in New-Orleans angekommen.