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Nr. 72

Mittwoch den 25, März

1896

Amtliches.

^t adÄrew ^arum.

Bekauntmachttngen des Oberbürgermeifteramtes. Bekanntmachung.

Die städtischen Behörden haben unter dem 1896 be­schlossen, die in der Gemarkung Hanali belegene Körnerstraße und Fall- bachstraße, welche bis jetzt im Privatbesitz, sind, in das Eigenthum der Stadt Hanau zu übernehmen und die genannten Straßen alsdann den baupolizeilichen Bestimmungen entsprechend auszubauen. Die hierdurch entstehenden Kosten sollen als Beiträge nach § 9 des Kommunalabgaben­gesetzes vom 14. Juli 1893 von den Anliegern der Straßen aufgebracht werden.

Gemäß Abs- 3 des § 9 des angezogenen Gesetzes wird dies mit dem Bemerken hierdurch bekannt gemacht, daß der Plan nebst Kostenüber­schlag über die Veranstaltung vom 26. März d. Js. an im Stadtsekre­tariat, Zimmer Nr. 21 des Neustädter Rathhauses, zur Einsicht offen liegen und daß Einwendungen gegen den Beschluß binnen einem Monat vom 26. März d. Js. an bei dem Stadtrathe anzubringen sind.

Hanau am 23. März 1896.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus.

Die Militärpflichtigen hiesiger Stadt werden hierdurch ausgefordert, ihre Loosungsscheine binnen 8 Tagen auf dem hiesigen Meldeamte in den Melde siunden vormittags 1012' 2 und nachmittags 35 Uhr abzuholen.

Hanau am 24. März 1896.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

Am Donnerstag den 26. März d. J., vormittags von 1018/» und nachmittags von" 24 Uhr, sind die Handarbeiten der Schülerinnen der Volksschule in dem Schulgebäude Nebengasse 13 (N.), eine Treppe hoch, ausgestellt und werden die Eltern der Kinder und Freunde der Schule zur Befichtigung hiermit ergebens! eingeladen.

Hanau am 19. März 1896.

Stadtschuldeputation.

Dr. Gebeschus.

Verdiente Abfertigung

Die dritte Lesung des Etats der Verwaltung des Reichsheeres ge­staltete sich zu einem großen parlamentarischen Tage, denn es wurde der Sozialdemokratie gründlich hcimgcleuchtet. Man erinnert sich der bis zur Ermüdung fortgesetzten Bebelschen Angriffe auf die Einrichtungen des Heeres bei der zweiten Lesung des Reichshausbalts, insbesondere seiner KlagtN über Soldatcnmißhandlungen, seiner Beschuldigungen des Osfizier- korps wegen Ungesetzlichkeit und Willkür.

Der Kriegsminister Bronsart von Schellendorff nahm Veranlassung, ans Grund der inzwischen amtlich an gestellten Untersuchungen die Un­haltbarkeit der Bebelschen Behauptungen in allen Fällen nachzuweisen. Er stellte fest, daß Bebel jedem gehässigen Klatsch zugänglich gewesen ist und sich ohne nähere Prüfung zum Sprachrohr von ihm zugetrogenen Un­wahrheiten gemacht hat. Keine der behaupteten Soldatenmißhandlungen belastet einen Vorgesetzten Bebel hat Streitigkeiten der Soldaten unter­einander, bei denen einer einmal von einem Kameraden eine Orseige er­hielt, flugs dem Osfizierkorps aut 8 Schuldkonto gestellt, er hat harm- lose Vorgänge absichtlich übertrieben, thatfachlrche Verkältnisse entstellt.

Der Kriegsminister begnügte sich aber mit dieser Festnagelnng der BebelschenIrrthümer" nicht. Gestützt auf die häufige Veröffentlichung

Di« heutig« Nummer umsakt außer d.m.Uuterhaliuugeblatt 14 Seiten

I geheimer Aktenstücke durch tenVorwärts" kehrte er den Spieß um. Er trat der Sozialdemokratie angriffsweise gegenüber; er bewies, daß sie direkt den Vertrauensbruch veranlasse und begünstige, daß sie ehrliche und rechtschaffene Menschen verderbe, zu Diebstahl und Hehlerei verleite und die Verbrechen ohne Gewissensbedenten zu Preßgewerbezwecken ausbeute.

Der Minister stellte weiter fest, daß die sozialdemokratischen Blätter die zur Ermittelung der Diebe und Hehler in solchen Fällen augestellten Versuche mit offenem Hohn und Spott begrüßt und sich dem großen Publikum gegenüber so gestellt hätten, als erfteue sich die Sozialdemo­kratie werthvoller Verbindungen im Kriegsministerium und in den eöchsten Kreisen. Das Beamtenihnm steht aber nach den Erklärungen des Kriegs­ministers fleckenlos da; in dem vorliegenden Falle handelt es sich um einen Diebs- und Hehlerverbaud. Dies gab dem Kriegsminister Veran­lassung, zu erklären, das Rechisbewußtsein zeige sich bei einer Anzahl von Sozialdemokraten vollständig verkümmert. In den Augen der Sozial­demokratie scheine es als Kulturfortschritt zu gelten, was von der ge- fittf ten Welt als Gemeinheit der Gesinnung erklärt werde.

Die sozialdemokratischen Versuche, die Vorwürfe des Ministers durch Hinweise auf die Verirrungen des Leist, Wehlan und Hammerstein zu entkräften, mißlangen vollständig. Jeder Verständige weiß und fühlt, daß die gesitteten Kreise für die Fehler dieser Männer nicht verantwortlich zu machen sind und auch keine Entschuldigung für sie haben.

Tagesschau.

DerReichsanzeiger" schreibt; DieKölnische Volkszeitung" bringt in ihrer Ausgabe vom 21. März 1896 unterDrahtberichte" aus Berlin folgende Nachricht:

Die jetzt eingetretenen zahlreichen Veränderungen in den höheren Kommandostrllen des Heeres werden aus eine neuere Vorschrift zurâck- gkfühit, wonach alle höheren Offiziere, welche bis zu einem bestimmten Lebensalter kein Regiments-, Brigade- ober Divisions-Kommando erhalten haben, verpflichtet sind, ihren Abschied einzureichen."

Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Nachricht durchaus auf Erfindung beruht.

Die neue Gesetzesvorlage bezüglich der Assessoren hat auch im Antvaltsstande große Erregung bervorgerufen, indem derselbe, wenn der Entwurf Gesetz werden sollte, eine schwere Benachtheiligung seiner Stellung befürchtet. So hat denn auch der Vorstand der Berliner Anwaltskammer auf Antrag der gesetzlichen Zahl von Anwälten zum 9. April eine außer­ordentliche Generalversammlung berufen, welche zu dem Gesetzentwurf Stellung nehmen soll.

Die Einführung des Maximalarbeitstages im Bäckergewerbe, die zum 1. Juli bevorsieht, hat unter den Bäckermeistern eine Aufregung Hervorgerufeu. Der Centralvorstand des deutschen Bäcker-Jnnungsverbandes hat in seiner letzten Sitzung beschiessen, die Gegner der Maßregel im Reichstage zu einer Interpellation zu veranlassen. An sämmtliche Junungs- vorstände ist die Aufforderung ergangen, in den Osterferien auf die Reichs­tagsabgeordneten in diesem Sinne einzuwirken.

Die Zuversicht, daß die Ruhe im Orient während der nunmehr entsetzenden milderen Jvhreszeit vor ernsteren Störungen bewahrt bleiben wird, erhält eine nicht unwesentliche Stütze in dem Nachdruck, womit rus- sischerseits den unrnhigin armenisch n Bevölkerungselementen im Kaukasus entgegengetreten wird. Neuerdings wird aus St. Petersburg gemeldet; Um der armenischen Agitation im Kaukasus ein Ende zu machen, werden die Vollmachten des Generolgor verneurs beträchtlich erweitert werden. $« demselben Zwecke soll in Batum ein Generalgouvernement errichtet werden. Auch diesem neuen Gineralgouverneur werden ausgedehnte Vollmachten übertragen werden, um gegen die armenische Agitation xinichreiten zu rönnen. Zum Militär-gouverneur des Gebietes Daghestan (Kaukasien) wird General Fürst Barim insky, Gehilfe des Gouverneurs des Kutaisge- bittes, ernannt werden. Kiamil Pascha und der Adjutant d.s Sultans, Kenan Best sind gestern in St. Petersburg ein gen offen und am Babn- bof von dem Personal der türkischen Botschaft empfangen worden. Kia­mil Pascha »bringt bem Fürsten Lobanow Rostowsky den Nifcham-Jm- tiazorden.