Erstes Blatt.
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HanauerFilzeiger.
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Nr. 70;
Mrntag den 23. März
1896.
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Hinzu „Amtliche Beilage" Nr. 28.
Dicnstnachrichtcn aus dem Kreise.
Gesunden: Eine Amatistbrocke.
Verloren: Zwei Zwanzig-Markscheine. Am 15. d. Mts. auf dem Wege von Hanau bis Langendiebach eine silberne oxidirte Damenuhr.
Hanau am 23. März 1896.
Das Reichstags-Fest.
B e rlin, 21. März.
Das heutige Festbankett der Mitglieder des Reichs- ' tag es zur Erinnerung an seine Eröffnung vor 25 Jahren fand in dem großen Kuppcliaale des Reichstagsgebäudes statt. Die Havpttasel war vor dem Eingang zum Sitzungssaal ausgestellt, die anderen Tafeln gruppirten sich symmetrisch in der Rundung des Saales. Gegenüber der Havpttasel am Eingangsportal bildeten die drei Kaiserbüsttn inmitten einer Gewächs- gruppe die Krönung des Fcstschmuckcs.
In der Mitte der Haupttafel befand sich der Platz des Reichstags- Präsidentin Freiherrn von Buol-B«renberg, zu seiner Rechten saß der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, links der Staatssekretär von Boelticker, neben dem Reichskanzler der Obec Präsident von Bennigsen. Gegenüber befand sich der Platz dis ehemaligen Reichstagspräsidenten und Ministers des Königlichen Hauses von Wedel-Pieèdorf zwischen den Plätzen der beiden Vizepräsidenten des Reichstages Schmidt und Spahn, neben dem letzteren saß der Staatsminister Miquel.
Um 6 Uhr setzte sich die Festgesellschast zu Tische. Die Musik des zweiten Garde-Infanterie Regiments war auf den Galerien der Wandel- ; Halle untergebracht. Neben jedem Kouvert befand sich in geschmackvollem Einband ein Heft mit Erinnerungsblättern. Das Titelblatt zeigt die Germania hoch zu Roß ncch der Darstellung auf dem Gesimse des Reichstagsgebäudes. Tie Rückseite des Heftes ziert ein mächtiger Baumstamm, welcher in seiner Krone die verschiedenen Landsmannschaften Deutschlands, symbolisch durch Wappenschilder angedeutet, vereinigt. Rechts im Hintergrund die Burg Hohenzollern im Sonnenglanz, links das neue Reichstagsgebäude. Die Erinnerungsblätter über die Zeit vom 21. März 1871 bis 21. März 1896 bringen in Goldrandverzierung die Anrede des Präsidenten von Simson in Versailles bei Ueberreichung der Adresse des Reichstags, die Erwiderung des Königs Wilhelm, dann die Kaiserprokla- matwn vom 18. Januar 1871, die Thronrede der ersten Eröffnung des Deutschen Reichstags am 21. März 1871, den stenographischen Bericht über die Eröffnung der ersten Reichstagssitzung, die Ansprachen der gewählten Präsidenten, die Verkündigung des Friedens mit Frankreich im Reichstage durch den Fürsten Bismarck am 12. Mai 1871, die Mitthei- ' lung des Todes des Kaisers Wilhelm und der Thronbesteigung des Kaisers Friedrich im Reichstag am 9. März 1888, die Proklamation des Kaisers " Friedrich an sein Volk und den Erlaß desselben an den Reichstag, die Botschaft des Kaisers Friedrich an den Reichstag, die Adresse des Reichstags an denselben, den Aufruf des Kaisers Wilhelm II. bei seiner Thronbesteigung an das Volk, die erste Thronrede des Kaisers Wilhelm II. zur I Eröffnung des Reichstags, die Ansprachen des Präsidenten in der ersten ; Plenarsitzung des Reichstags nach dem Tode des Kaisers Friedrich am 25. Juni 1888, die Adresse des Reichstags an den regierenden Kaiser, die Nummer des Reichsgesetzblattcs, betreffend die Vereinigung von Helgoland mit dem Deutschen Reich, die Thronrede des Kaisers am 25jährigen Erinnerungstag der Begründung des Deutschen Reichs, ein Verzeichniß der acht Präsidenten des Reichstags in den verflossenen 25 Jahren mit den Ansprachen der Präsidenten v. Boul, v. Forckenbeck, v. Levetzow bei der Uebernahme ihrer Würde.
Gleich nach dem ersten Gang ergriff Abg. von Briol das Wort I zu folgendem Toast:
Durchlauchtigste hochgeehrte Herren und liebe Freunde!
Das Jubeljahr neigt sich seinem Ende zu. In allen Gauen Deutsch- 8 lands, in allen Schichten seiner Bevölkerung, in Schlössern und Hütten ist * die Erinnerung an die große Zeit vor 25 Jahren in patriotischer Begei- ftming begangen worden. Vom Throne herab haben wir das Gelöbniß
DM- Die heutig« Nummer umfaßt außer dim UutßihattuugLhlatt 12 Zeiten.
erneuern hören, für des Volkes und des Reiches Ehre cinzustehen, sowohl nach Außen als nach Innen. Ein Reich, Ein Volk, Ein Gott! Auch die Vertreter der verbündeten Regierungen haben die patriotische Hingabe der deutschen Fürsten als der unerschütterlichen Stützen und Säulen des Reiches in der Erinnerung an jene Zeit gepriesen und gefeiert. Und da können manche mich fragen, was will den der Reichstag eigentlich noch feiern? Etwa sein eigenes. 25jähriges Wiegenfest? Ich denke, wir haben alle Ursache dazu, und ich meine, unsere heutige Feier bildet nicht nur einen würdigen Abschluß all' der patriotischen Kundgebungen her letzten Monate — nein, ich behaupte, wenn einer der bei der Wiederer-richtung und Erhaltung des Reichs beteiligten Faktoren mitberufen ist, an der nationalen Feier theilzunehmen, so ist es das deutsche Volk, als dessen Vertreter wir uns 511 diesem Zwecke Heu re in diesem stolzen Heim versammelt haben, umgeben von lieben Gästen, die ich hiermit auf's Herzlichste willkommen heiße. Oder- Hat Jemand mehr Verdienst an dem Erreichten als das Volk in Waffen? Wo wären wir ohne die enge Verbrüderung und das feste Zusammenhalten der deutschen Stämme, ohne den unübertroffenen Heldenmuth und die stolze Manneszucht unseres Heeres, ohne die beispiellose Hingabe des ganzen Volkes für das Wohl des Vaterlandes ohne Unterschied des Alters und und Geschlechtes ? Jetzt gilt es, das Reich zu schützen, zu erhalten und zu mehren. Das sage ich aber: „Nicht Roß und Reisige sichern die steile Höh', wo Fürsten stehen." Einen nie versagenden Schutz bietet nur ein in geistigem Kampfe gestähltes, seiner Rechte und Pflichten vollbewußtes, in treuer Liebe mit seinem angestammten Herrscherhause vereirrtes Volk. Ein solches wollen wir alle Zeit sein und bleiben und fest stehen in gemeinsamem redlichem Streben nach Schutz und Pflege deutschen Rechts und nationaler Wohlfahrt, auf daß die Wiederherftellmrg des Reiches für die deutsche Nation das Wahrzeichen werde neuer Größe. Auch noch im Namen eines deutschen Volkes erfülle id) eine angenehme Pflicht, indem ich Derer dankbar gedenke, die für die Einheit und Macht des Reiches so hoch anzuschla- gende persönliche Opfer gebracht haben und als deutsche Bundesgenossen in treuer Eintracht zum Heile des Reiches und des Volkes zusammenstehen. In allererster Reihe aber müssen wir uns berufen und verpflichtet erachten, denjenigen zu feiern, der an der Spitze der deutschen Fürsten steht, dem das höchste Verdienst zukommt an der Erhaltung der non großen Vorfahren überkommenen nationalen Einheit und Unabhängigkeit. Ihm wollen wir begeistert danken für das in feierlicher Stunde gemachte Gelöbniß und ihm das Versprechen an den Steifen des Thrones niederlegen, daß es auch fernerhin als unsere heiligste Ausgabe beschlossen sein soll, uns, wie seiner Zeit im Kriege, so auch im nationalen Wettkampfe um die Güter des Friedens als Sieger zu erweisen. In diesem Sinne trinke ich aus das Wohl eines mächtigen und glücklichen deutschen Volkes und rufe mit Ihnen aus voller Brust: Seine Majestät unser allverehrter deutscher Kaiser, die deutschen Fürsten, die freien Städte, sie leben hoch!
Wiederholt wurde der Redner von großem Beisall unterbrochen. Als er geendet, f djaarten sich alle Festtheilnehmer um ihn und sangen stehend die Nationalhymne. Hiernach trank man sich gegenseitig zn, Präsident v. Buol dem Reichskanzler und v. Boetticher.
Später ergriff der Reichskanzler Fürst Hohenlohe das Wort 311 folgendem Toast :
Meine Herren ! Der erste Präsident des Reichstages hat die heutige Gedenkfeier eingeleitet mit beredten Worten auf Kaiser und Reich. Wir, die ehemaligen Mitglieder des Zollparlaments und der ersten Reichstage, und Sie alle haben ihm begeistert zngestimmt, in dem stolzen Bewußtsein, nunmehr einem mächtigen Reiche auzugehöreu, in der berechtigten Freude über das mit schweren Opfern Errungene und in der dankbaren Erinnerung an die Männer, die unter der weisen und kraftvollen Leitung des großen Kaisers Wilhelm Deutschland zum Siege und durch den Sieg zur Einheit geführt haben. Nur wenige dieser Kriegshelden sind noch am Leben, darunter zu unserer Freude der bewährte Heerführer König Albert von Sachsen. Sie alle, Lebende und Verstorbene, aufzuzählen, ist nicht meine Aufgabe, wohl aber will ich unter den Geschiedenen Diejenigen nennen, die dem Herzen des deutschen Volkes am nächsten stehen. Da erhebt sich denn vor uns die Heldengestalt Kaiser Friedrichs, des Kronprinzen, der durch die Liebe, die er sich im ganzen deutschen Volke, im Süden und Norden zu erwerben wußte, das erste Band geschltingen hat, das die deutschen Stämme zum gemeinsamen Kampfe vereinte. Ich nenne sodann die Feldmarschalle Roon und Moltke, von denen der eine in langjähriger organisatorischer