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HierzuAmtliche Beilage" Nr. 27.

Ein geschickter Zug des deutschen Reichskanzlers.

Vous vous embourberiez (Sie würden in einen Sumpf ge­rathen) bemerkte mit der ihm eigenen Offenheit Herr von Bismarck dem Kaiser Napoleon III., als dieser ihm im Jahre 1857 einen Plan ausein­andersetzte, der auf nichts Geringeres hinauslief, als daß Frankreich durch Beiseitcschiebung Italiens und Englands zur Oberherrschaft im Mittel- meere gelangen sollte. Napoleon befolgte die Mahnung des deutschen Staatsmannes, aber die dritte Republik scheint den Traum des Imperators verwirklichen zu wollen. Den Beginn dazu hat sie mit dem Handstreich auf Tunis gemacht, durch den sie die eigene Macht im Mittelweere steigerte und die italienische Macht herabdrückie; die Anlegung der Befestigungen von Bigerta war ein zweiter Schritt, und die Anstiftung des Sultans zu dem Drängen auf die Räumung Egyptens durch England ist dieFort- -setzung des Planes, der nun durch den englischen Feldzug gegen den Sudan gekreuzt wird.

Aber ils sembourbesont, die guten Franzosen, und das ist neben dem geschickten Coup der Engländer,. durch den Sudanfeldzug die Räumung Egyptens hinauszuschieben oder zu beseitigen, ein Verdienst des deutschen Reichskanzlers, der durch einen geschickten Schachzug der englischen Aktion zu Hilfe gekommen ist. Es war daher folgerichtig, daß die deutsche Re­gierung dem Ansuchen, zu gestatten, daß für den Sudanfeldzug ein Theil der Reserven des egyptischen Staatsschatzes verwendet werde, entsprach. Sie that aber noch mehr, indem sie das Einverständniß Oesterreichs und Italiens feststellte und dadurch der Genehmigung der englischen Bitte bezw. der in der Genehmigung liegenden Billigung der englischen Politik ein erhöhtes Gewicht beilegte.

In diesem Schritte der deutschen Regierung liegt aber noch etwas Wichtigeres: nämlich die Feststellung der Interessengemeinschaft des Drei­bundes und Englands in einem konkreten Falle. Welch unsägliche Ent­täuschung für Frankreich, das schon nach dem Beginne der Schwierigkeiten zwischen England und Deutschland wegen der Transvaalfrage über die Lockerung des Dreibundes Betrachtungen anstellte, nach der Schlacht bei Adua aber dessen gänzlichen Zerfall prognostizirte. Und nun hinterein­ander die Reise Goluchowski's, die keinen Zweifel übrig lassenden Er­klärungen des offiziellen und offiziösen Italiens und nun gar noch der Fall eines notorischen Zusommenhaltens des Dreibundes und eines Zu­sammengehens mit England. Und bedeutsamer fast noch als die Thatsache selbst ist ihre offiziöse Bekanntgebung, durch die denen, die an.der Festig­keit des Dreibundes gezweifelt hatten, gezeigt werden soll, wie sehr sie sich im Irrthume befanden.

Schließlich hat der Reichskanzler, indem er nicht nur für Deutsch­land die Einwilligung zu der englischen Bitte gab, sondern noch darüber hinaus das Einverständniß der beiten anderen Dreibundskabinette einholte und fest stellte, den Engländern ein weitgehendes Entgegenkommen bewiesen und ihnen gezeigt, wie Deutschland vorausgesetzt, daß nicht, wie im Transvaalfalle, entgegenstehende Interessen vorhanden sind nicht nur nicht daran denkt, Englands Interessen zu kreuzen, sondern sie sogar, wenn es angeht, sördert. Man muß dabei noch bedenken, daß die fort­gesetzten ungeschickten Anspielungen der englischen Staatsmänner und die gehässigen Drohungen der Presse die uns das Bismarck'sche Wort ins Gedächtniß zurückrufen, es sei eigentlich eine unglaubliche Dummheit, eine große und stolze Macht wie das deutsche Reich, durch eine drohende Ge­staltung der Druckerschwärze einschüchtern zu wollen es der deutschen Regierung nicht eben leicht machten, gegen England einen Akt der Freund­lichkeit und Gesälligkeit auszuüben. Hoffentlich wird man sich in England dieses Beispiel des Sieges der politischen Raison über die Empfindlichkeit zu Muster nehmen und in Zukunft darauf verzichten, Deutschland durch die Androhung einer anglo-französischen gegen Deutschland gerichteten En­tente erschrecken zu wollen. Wie schnell solche von der politischen Empfind­lichkeit gebildeten Phantome vor der Wirklichkeit zerstieben, hat sich in diesem Falle eklatant gezeigt. Wir begrüßen gern die durch das Ersuchen Englands und das weitgehende Entgegenkommen der deutschen Regierung ungebahnte Besserung der Beziehungen zwischen beiden Reichen und hoffen, daß in Zukunft in England Regierung, Presse und Volk eine sachlichere

2<b März 1896.

und wo l rollendere 'Auffassung von Deutschland und seiner Politik haben werden, als in der lüngstvergangeuen Zeit.

So hat die Politik der deutschen Regieiung in der Sudanfrage das Interesse Englands gefördert und zugleich die Einmüthigkeit ter Dreibunds­mächte vor aller Welt klargestclli. Damit ist unbestreitbar ein großer Er­folg erzielt worden, einerlei, ob Frankreich Schritte unternimmt, den materiellen Erfolg der Zustimmung des Dreibundes zu dem An­suchen Englands zu hintertreiben, oder nicht. Im Gegentheil, es könnte nichts schaden, wenn eine andauernde Unfreundlichkeit Frankreichs den Engländern zeigte, wie gefährlich für sie eine dreibundfeindliche Politik unter allen Umständen ist, weil sie dadurch allen Rückhalt verlieren.

Die Ereignisse der letzten Monate haben dargethan, daß Fürst Hoheulohe mit Entschiedenheit auszutreten vermag, wenn es die Würde Deutschlands verlangt, mit Wohlwollen, wenn sie es gestattet. Darum bot das deutsche Volk berechtigte Ursache, ohne Unterschied der Parteisiellung der Leitung ter auswärtigen Angelegenheiten des deutschen Reichs Zufriedenheit und Vertrauen entgegenbringen.

Tagesschau.

Wie man annimmt, wird der Kaiser in der letzten Märzwoche in Genua ankommen und sich dort an Bord derHohenzollern" einschiffen. Von Genua aus wird dieHohenzollern" Neapel und mehrere andere Häfen Italiens anlaufen. Es gilt als wahrscheinlich, daß der Kaiser und König Humbert eine Begegnung haben werben; über den Tag und die Einzelheiten dieser Zusammenkunft ist indessen noch nichts endgültig festge­setzt. Generalsuperintendent Dryander möcht bekannt, daß er in den Oster­tagen von Berlin al wesend sein wird. Man gelt wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß er den Kaiser auf seiner Reise begleiten wird.

Zahlreiche Veränderungen in den höheren Kommandosiellen der Armee soll-n nach demHamb. Korr." erfolgen, ehe der Kaiser nach Italien reift. Von neuem heißt es, daß der kommandirende General des 15. Armeekoips, v. Blume, den Abschied erhalten wird. Außer dem Generallieutenant v. Alten und dem Erbgroßkerzog von Oldenburg sollen noch mehrere andere Kommandosiellen von Dimsionen und Brigaten neu besetzt werden. Eine Anzahl Regimenter soll neue Kommandeure erhalten und in den Stellen der Stabsoffiziere sollen sich bedeutende Verände­rungen vollziehen.

Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Sitzung dem Gesetz­entwurf, betr. den Abgabentarif für den Kaiser Wilhelm-Kanal, dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß Lothringen, betr. die Pensionen der Gerichtsvollzieher und ihrer Hinterbliebenen und dem Entwurf einer Ver­ordnung wegen Ergänzung der Verordnung vom 16. August 1876 über die Kautionen der bei der Militär- und Marin.'verwallung angestellten Beamten die Zustimmung ertheilt. Der Gesetzentwurf über die Zwangs­versteigerung und die Zwangsverwoliung sowie der zugehörige Entwurf eines Einführungsgeskyes wurden dem Ausschuß für Justizwesen, der Beschluß des Reichstags zu Petitionen, betr. das Verbot der Vivisektion, und über Eingaben, betr. die Abänderung des § 360 Ziffer 13 des Strafgesetzbuchs dem Reichskanzler überwiesen. Außerdem wurde über die Besetzung einer Mitgliedrstelle beim Reichsbankdirektorium und eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.

D-m Reichstag ist folgender Antrag des Grafen von Arnim und Genossen zugeg'angen; Der Reichstag wolle beschließen: zu erklären, daß das Schwanken les Werthverhältnisses der beiden Edelmetalle seit der Aufhebung der französischen Doppelwährung im Jahre 1873 sich als eine Schädigung der Interessen Deutschlands erwiesen hat. Der Reichstag fordert die verbündeten Regie, ungen auf, alles was in ihren Kräften steht zu thun, um durch ein internationales Uebereinkommen ein festes Werth- verhältniß zwischen Silber und Gold herzustellen und zu sichern.

Die Reichstagskommission zur Dorberathung der Anträge der Freisinnigen und Sozialdemokraten, betr. die Ergänzung des De re ins- und V ersammlungsrechtes, hat unter Ausschluß der Minderjährigen vom Be'uche von Vereinen und Versammlungen beschlossen, daß den poli­tischen Vereinen gestattet werde, untereinander in Verbindung zu treten. Die Versammlungen unter freiem Himmel hängen nicht von der Geneh­migung der Polizeibehörde ab. Die Anzeige ist 48 Stunden vor der Ab­haltung nothwendig, damit im Interesse des Verkehrs Anordnungen ge­troffen werden können.