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Mr. 67

Scnueruag oen 19. März

1896.

âWtrècheS.

4an^töie ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

ff Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Oberrodenbach erloschen ist, ff wird die unterm 24. Febi uar er. angeordnete Orts- und Gemarkungssperre ' und das die Gemeinden Langenselbold, Ober- und Niederrodenbach um- fassende Beobachtungsgebiet aufgehoben.

Die speziell für Langenselbold angeordneten Sperrmaßregeln bleiben, da die Seuche in verschiedenen Viehbeständen dortselbst erneut ausgebrochen ist, bis auf Weiteres bestehen.

Hanau am 18. März 1896.

V. 2411

Der Königliche Landrath v. Schenck.

Vom Wasenmeister am 18. d. Mts. eingefangen: Ein schwarzer

Hund mit gelben Abzeichen, m. Geschl.

Entlausen: Ein gelber Hofhund mit Schloß und Kette.

Verloren: Eine braune Pferdedecke mit Streifen.

Gefunden: Ein Päckchen schwarze und graue Wolle.

Hanau am 19. März 1896.

L a g e s s ch a u.

Der Seniorenkonvent des Reichstages trat vorgestern nach Schluß der Plenarsitzung zusammen. Man kam dahin überein, bis zum ^V^rettag dm Etat in zweiter Lesung zum Abschluß zu bürgen. Dieser J Tag soll sodann Wahlprüfungen gewidmet werden. Am Sonnabend, wo zur Feier der Erinnerung der ersten Sitzung des Reichstages vor 25 ren in der Wandelhalle das Bankett stattfindet, fällt die Sitzung aus. Am Montag und Dienstag nächster Woche soll der Etat die dritte Lesung passiren, eventuell mit Zuhilfenahme' einer Abendsitzung, und am Mittwoch ohnehin katholischer Feiertag sollen die Osterferien beginnen und sich bis zum 16. April erstrecken. Allerdings soll in nächster Woche Donnerstag und Freitag und nach Ostern bereits zwei Tage vor Wieder­ausnahme der Plenarsitzungen die Kommission für das Bürgerliche Gesetz­buch ihre Arbeiten fördern und Sitzungen, abhalten. Nach den Ferien wird das Plenum der Reihe nach in die dritte Lesung der Vorlagen über den unlauteren Wettbewerb, die Zuckersteuer, das Börsengesetz, das Depot­gesetz, das Genosseuschattsgesetz und das Margarinegesetz eintreten.

Man war ursprünglich darin übereingekommen, daß bei dem Reichstagsfefte am 21. März Herr v. Levetzow an vierter Stelle nach dem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, das Reich und die Gäste ein Hoch auf den Fürsten Bismarck ausbringen sollte. Jetzt hat Fürst Hohenlohe, der ja im Jahre 1871 Mitglied des Reichs­tages war und der in dieser Eigenschaft an dem Feste Theil nimmt, den Toast auf den Fürsten Bismarck übernommen, der nunmehr an zweiter Stelle erfolgen wird.

Die Petershetze im R c i ch s t a g e ist nun vorläufig zu Ende. V Freude daran haben nur unsere in- und ausländischen Kolonialgegner 1 gehabt.

, Z«r deutschen Volkszählung. DerGlobe" zieht aus dem Ergebniß des letzten deutschen Genius die folgenden nahe liegenden Schlüsse:

Angesichts dieser Zahlen muß Fiankreich einsehen, daß seine Aussichten, Deutschland zu überwinden, jedes Jahr hoffnungsloser werden. Alle Fran­zosen müssen erkennen, daß es geradezu absurd ist, ein Kolonialreich bei abnehmender Bevölkerung gründen zu wollen, und daß es Selbstmord be­deutet, wenn sie nicht zuvor jeden Gedanken an die Wiedereroberung Elsaß. Lothringens aufgeben. Andererseits ist cs doch nur vernünftig, wenn Deutschland sich nach einem Abfluß für seine wachsende Bevölkerung um- schaut, obgleich es sehr klar ist, daß die deutschen Auswanderer in die britischen Kolonien oder nach den Vereinigten Staaten ziehen werden, so lange die bureaukratische Vormundschaft andanert, die seine Kolonien bisher schon so sehr an der Entwickelung gehindert hat."

Der neueSchutzmrdaud gegcu agrarische Nebergriffe" erläßt einen Aufruf, den sich zuerst in leidenschaftlichen Deklamationen i^ gegen die agrarischen Bestrebungen ergeht, wett sie das Börsentreiben untersittenpolizeiliche" Aussicht stellen wollen. Nach Ansicht der Unter-

^» Die heutige NUWMsr umsaW außer dem Uuterhaltungsblatt 12 Briten.

zeichner des Aufrufs werden durch gesetzliche Beichneidmg der Auswüchse des Börsenwesens dieBesten" von brr Börse verscheucht und dadurch der Geist von Handel und Gewerbe herabgeorückt. Am Schlüsse heißt 1 es:So hat sich denn Bereiië ein schweres Gefühl des Unmulhs und der I Empörung in breiten Schichten zunächst der großen kausmännischen Mittel­punkte geltend gemacht. Von ihnen aus ergeht das Verlangen nach Ab­wehr immer dringender. Der Schutzverband gegen agrarische Uebergriffe wird die Regierungen da, wo sie selbst diesem Geist als einem gemein­schädlichen Widerstand leisten, unterstützen; er wird den Regierungen dann mit Nachdruck entgegen zu treten haben, wenn sie diesem Geist ungerecht­fertigte, andere Erwerbskreise oder die Allgemeinheit schädigende "Zuge­ständnisse machen. Diese Ziele sollen angestrebt werden durch Ausklärung der öffentlichen Meinung, durch Beibringung des nöthigen Materials bei den Parlamenten und Regierungen und durch energische Bekämpfung der agrarischen Gegner, insbesondere auch b^i den Wahlen im Interesse der Wohlfahrt des gejammten Volkes".

Von Seiner Excellenz dem Herrn Kabinetsminister von Lertzen in Detmold geht der Redaktion mit Bezug auf unsere Mittheilungen aus dem L i p p i s ch e n Landtage in der Nr. 64 folgende Zu­schrift zu:

Gestatten Sie, daß ich aus alter Anhänglichkeit an Hanau und an Ihr geschätztes Blatt, welches in meinem Hause eifrig gelesen wird, Ihnen befolgend einen authentischen Bericht über die Sitzung des Lippischen Landtages vom 11. d. Mts. derjenigen, in welcher die Ttzronsolge- frage zur Verhandlung kam übersende, da ich mich freuen würde, wenn meine früheren Mitbürger dadurch ein richtigeres Bild der hiesigen Verhältnisse sich bildeten, wie sie Ihr anscheinend durch viele Blätter gehender Ai titel in Nr. 64 zu gebm geeignet ist, namentlich weil derselbe wieder Regentschasts- und Thronfolgefi age in beklagenswerther Weise durcheinander wirft. Da der Abdruck des ganzen Verhandlungs- berichtes für Ihre Leser nicht von genügendem Interesse sein, auch den Raum Ihrer Zeitung überschreiten dürfte, so genügt es, wenn aus dem­selben konstatirt wird, daß der einleitende Satz:Sämmtliche Redner sprachen sich gegen die Regentschaft des Fürsten von Schaumburg und für die Thronfolge des Grafen Ernst zur Lippc-Biesterfeld aus" auf freier Erfindung des Artikelschreibers beruht. Nur eine kleine Minderheit 6 unter 21 Abgeordneten verwarf wie im vorigen Jahre das Regentschaftsgesetz, durch welches Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe nicht derFürst vgn Schaumburg" zum Regenten bis zum Tode des in Bayern lebenden geisteskranken Fürsten Alexander oder bis zur gerichtlichen Austragung der Thronsolgefrage bestätigt wurde. Die große Mehrheit hingegen erklärte sich für die auf dem ge­dachten Gesetze beruhende Regentschaft und selbst diejenigen Mitglieder derselben, welche ihrer persönlichen Ansicht dahin Ausdruck gaben, daß sie unter den 3 Th> onprâtendenten den Grafen zu Lippe Bststerfeld für den bestberechtigten hielten und eine baldige Entscheidung der Thronfolge­frage durch Rechtsspriich wünschten, erklärten ihr Einverständniß mit den einstweilen durch das Regentschaftsgesetz geschaffenen Verhältnissen. Die Person Seiner-Durchlaucht des Pi inzregenten wurde allseitig mit größter Hochachtung genannt.

Ihnen im Voraus für die freundliche Ausnahme dieser Zeilen ver-

bindlichst dankend zeichne ich

hochachtungsvoll und ergebens! von Oertzen, Fürst!. Lippischer Kabimtèminister.

Detmold, 17. März 1896.

Die Diebstahls-Affaire desVorwärts", welche dieses Blatt zur vorzeitigen Veröffentlichung des Kaiserlichen Gnadenerlasses in den Stand setzte, wird heute zur gerichtlichen Verhandlung kommen. Auf dieBeziehungen", die denVorwärts" vorzeitig in den Besitz von Aktenstücken setzen, fällt übrigens durch nachstehende Kottbuser Meldung des sozialdemokratischen Zentralorgans wieder einmal hrlles L cht:Eine Arbeiterin in der Druckerei desKottbuser Anzeigers", welche den Bürsten­abzug eines gegen die Arbeiter gerichteten Pamphlets rechtzeitig der Volks - Versammlung übermittelte, wurde auf Betreiben deS Berichterstatters für genannte Zeitung und aus Denunziation einer Mitarbeiterin entlassen, nachdem ihr der Lohn auf 14 Tage ausgezahlt war". Es wird also flott weiter gestohlen, lind wer zur Entlarvung solcher Spitzbuben beiträgt, wird in dem sich so gern als Sittenrichter über die gegenwärtige Gesell-