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Miltwoch d n 18. Mä z
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 26.
Dienstnachrichtcn aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Schulranzen mit Bücher und Schieferstein, mit der Inschrift „Peter Winter". Eine Scheere. Ein Paar hellgraue Damenhandschuhe. Eine längliche Brache mit rothen Steinen. Ein Brief an Karl Tilz. Ein goldner Ring. Ein goldner Manschettenknopf. Ein Sack mit etwas Hafer und Häckicl.
Zugelaufen: Ein schwarzer Rehpinscher w. Geschl.
Entlaufen: Ein dunkelgrauer dänischer Doggenhund mit weißer Brust und 4 weißen Pfoten, m. Geschl. Ein schwarzbrauner Pinscherhund m. Geschl.
Verloren: Eine silberne oxydirte Damenuhr ohne Kette, mit deutschen Zahlen.
Hanau am 18. März 1896.
^taöt&reiö ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Vom 1. Mai d. I. ab werden im hiesigen Stadtgebiete in Ausführung des Gesetzes vom 7. April 1869 trigonometrische Vermessungsarbeiten ausgeführt werden. Die mit diesen Arbeiten beauftragten Offiziere, Beamten (Trigonometer und Hülfstrigonometer) werden sich durch „offene Ordres" ^der Herren Minister des Innern und für die Landwirthschaft ausweisen, ^die als Hülfsarbeiter kommandirten Soldaten führen zu ihrer Beglau- s bigung Ausweise mit sich, welche von dem Chef der Trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme durch Dienststempel und Unterschrift vollzogen sind.
Bei der Wichtigkeit der zu gemeinnützigen Zwecken gesetzlich angeordneten Arbeiten erwarte ich, daß die beteiligten Grundbesitzer dieselben nach Möglichkeit unterstützen und insbesondere das Betreten ihrer Feldmarken den wie vorstehend beglaubigten Personen auch ohne vorherige Anzeige gestatten.
Die betreffenden Trigonometer sind angewiesen, jede Flurbeschâdigung nach billiger Uebereinkunft, alle Kosten für Fuhrwerk rc. nach ortsüblichen Preisen baar zu bezahlen.
Alle übrigen Hülfsleistungen und aller Vorschub, welche den Beauflagten widerfahren, werden gern bemerkt werden.
Hanau den .13. März 1896.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus.
Die Herstellung einer eisernen Brücke über der» Weiher im Stadipark soll in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.
Zeichnungen, Auszug des erforderlichen Schmiede- und Gußeisens, sowie Bedingungen liegen von heute an im Stadlbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, für Interessenten zur Einsichtnahme auf.
Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis . zum 28. d. M„ vormittags 11 Uhr, im Stadtbauamt I einzureichen, woselbst im Beisein etwa erschienener Betheiligten die Eröffnung der eingegangenen Angebote zu dieser Zeit vorgenommen werden wird.
Hanau am 12. März 1896.
Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.
Bebel contra Dr. Peters.
Wenn man das Resultat der dreitägigen ReickstagSdebatte über Dr. Karl Peters kurz zusammenfassen will, so handelt es sich um die Frage, ob das neue Material, welches Herr Bebel gegen Peters vorgebracht hat, glaubwürdigen Ursprungs und Inhalts ist oder nicht. Die beiden Hinrichtungen am Kilimandjaro Anfang November 1891 und Ende Januar 1892 — nicht Februar wie irrthümlich gesagt war — sind Gegenstand einer eingehenden Untersuchung seitens des Auswärtigen Amts gewesen; -'es waren alle deutschen Theilnehmer der Pelers'schen Kilimandjaro-Expedition vernommen und das Ergebniß dieser Vernehmungen ist wohl am
WM- Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltungsblatt 12 Seiten.
1896.
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Kelten bui$ die 1894 erfolgte elaisu äßige AupeUung und das 1895 erfolgte Angebot der Landeshaupimanuschaft am Tanganyika gekennzeichnet. Nach amtlicher Aufklärung der beiden Fälle wurde nunmehr von Herrn Bebel behauptet, Dr. Peters habe bin Bischof Tucker in Moschi besuchen wollen und dieser habe seinen Besuch abgelehnt mit Hinweis darauf, daß er einen Mörder nickt empfangen lönr.e, worauf Dr. Peters an Tucker ein Entschuldigungsschreiben gericktet habe, in welchem er das ihm vorgeworfene Verbrechen zugestanden, sich aber damit entschuldigt habe, er sei zur Hinrichtung noch dem Alkoran berechtigt gewesen, weil er nach moha- medanisckem Ritus mit der Hingerichteten verheirathet gewesen sei. Diese gante Anschuldigung erklärt Dr. Peters als erlog- n; er hat nie Tucker in Moschi besuchen wollen, noch hat er jemals einen Brief an Tucker in der bett. Angelegenheit gerichtet. Soweit sind die Thatsachen bis zu diesem Augenblick bekannt. Der Streitpunkt, um den es sich handelt, ist:
Hat Dr. Karl Peters den Brief an Tucker oder einen Brief ähnlichen Inhalts an einen anderen Missionar geschrieben?
Hierzu sind wir in den Stand gesetzt authentisch Folgendes seft- zustellen;
Um den 1. Februar — nicht Ende Februar — verließ De. Peters mit Freiherrn von Pechmann die Kilimandjarostation, um als Grenzkommissar für die Verhandlungen mit England an die Küste zu marschiren. Um den 20. Februar traf er in Tanga ein, wo er vom Gouverneur von Soden er wartet wurde. Gegen Ende Februar begab sich Peters mit seinem Stab nach Wanga, wo Konsul Smnh, sein englischer Kollege, bereits anwesend war. Bis gegen Emde Mârz arbeiteten die beiden Herren an der Grenzregulirung am Umba-^luß; am 19. März richteten sie gemeinschaftlich ein Gesuch an ihre beiderseitigen Regierungen mit der Bitte, wegen der herannahenden Regenzeit die Arbeiten unterbrechen 31t dürfen. Gegen Ende März traf bei Dr. Peters die Bewilligung des erbetenen Urlaubs ein; er marschirte durch das Digoland zunächst auf die Plantage Lewa zu, von wo er sich nach Zanzibar einschiffen wollte. Auf diesem Marsche lagerte er am 2. April gegenüber der englischen Missionsstation Misoswe, mit welcher er in keinerlei Beziehung trat. Von seinem Lager aus schickte er am Abend einen Anmeldebrief für die Plantage Lewa aus die englische Missionsstaiion von Magila, welche einen kurzen Tagemarsch von obiger entfernt liegt, mit — wie das in Afrika üblich — dem Ersuch n, den Brief auf seine Rechnung nach Lewa befördern zu wollen. Seinem Ersuchen fügte er die Worte hinzu: „Ich hoffe, Sie morgen zu sehen." Am Morgen des 3. April vor Ausmarsch aus seinem Lager erhielt Dr. Peters darauf einen Brief vom Mtzsionsvorstcher von Magila, in welchem ihm mitgelheilt wurde, der Brief nach Lewa sei befördert und in dem Hinzugefügt war, man würde sich in Magila sehr gefreut haben, den berühmten Forscher zu Gaste einzuladen; nun aber seien traurige Nachrichten vom Kilimandjaro gekommen, nämlich daß er dort seinen Diener und seine Geliebte aus Eifersucht habe hängen lassen. Dies habe der Misstonsvorsteher an den Kaiserlich«» Gouverneur in Dar-cs-Salam weiter berichtet; es werde für ihn eine große Erleichterung sein, wenn sich diese Gerüchte als unwahr herausstellen würden; aber leider könne er bis dahin Dr. Peters nicht ein laben, in der Missionsstation abznsteigen. Darauf marschirte Dr. Peters am 3. April 1892 nach Magila und lagerte etwa eine Viertelstunde Don der Missionsstation entfernt auf einem Hügel. Um Mittag schickte er den nachfolgenden Brief auf die Missionsstation:
„Mein Herr ! Ich gestatte mir Ihren gestrigen Brief zu bestätigen. Was seinen Inhalt anbetrifft, so ist es natürlich für mich ganz außer Frage, mich mit Ihnen darüber in Details einzulassen; aber da Sie sagen, es würde für Sie eine große Erleichterung sein, wenn derselbe als unwahr nachgewiesen werden könnte, so freue ich mich, Ihnen diese Erleichterung zu geben. Ihre Berichte sind voQftänbig entstellt; cs ist niemals ein Mann oder ein Weib auf der Kilimandjarojtation wegen Ehebruchs durch mich zum Tode verurtheilt. Es ist ein anderes kleine. Miß- verständniß in Ihrem Brief, welches ich zur Kenntniß zu nehmen bitte. Sie schreiben, ich hätte gestern vorg« schlagen, nach Ih>ec Station zu kommen. Soweit ich mich erinnere, habe ich nur gesagt, ich hoffte, Sie heute zu sehen. Es ist durchaus nickt meine Gewohnheit, Leuten anzubieten, sie zu besuchen, die ich absolut nicht kenne. Ich habe die Ehre, Ihr sehr ergebener Karl Peters."
Das ist der einzige Brief, welchen Dr. Karl Peters an einen englischen Missionar über die Kilimandjaro-Angelegenheit geschrieben hat.