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Nr. «0. aas

Mittwoch den 11. März

Amtliches.

Dienstnachrichtcil aus dem Kreise.

Gefunden: Eine hölzerne Thür. Eine Sturmlaterne.

Abermals im Main gelandet: Weitere 15 Floßholzstämme.

Zugelaufen: Ein junger gelber Doggenhund mit schwarzen Ab­zeichen, m. Geschl.

Verloren: Ein Paar s. g. Hirschgrandeln, in Gold gefaßt, mit Kettchen.

Hanau am 11. März 1896.

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Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Die Wwe. Katharine Gertenbach hier hat um Entlassung ihres Sohnes Jean, geboten am 1. November 1879 zu Frankfurt a/M., aus dem preußischen Staatsverband nachgesucht, was hiermit veröffentlicht wird.

Hanau am 10. März 1896.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

Tagesschau.

Se. Maj. der Kaiser empfing gestern Abend 6'/, Uhr in ^/»stün­diger Audienz den österreichischen Minister des Auswärtigen, Goluchowski. Der Audienz wohnte Niemand bei. Goluchowski wurde sodann von der Kaiserin empfangen. Der Minister trug die kleine Ministeruniform mit dem großen Bande des Ordens der Eisernen Krone. Der Kaiser begab sich hierauf zum Diner bei dem österreichischen Botschafter Szorgyeny. Der Kaiser trug österreichische Uniform, die er auch während der Audienz ge­tragen hatte. Auch Goluchowski fuhr vom Schlosse zu Szorgyeny.

Gestern Vormittag trat die 22. Plenarversammlung des deutschen Handelstages unter dem Vorsitz des Geheimraths Fräntzkl- Berlin im Beisein des Staatssekretärs von Bötticher zusammen. Auf die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden erwiderte der Staatssekretär mit einer Ansprache, in welcher er zunächst der Genugthuung über den zweifellos in den letzten Jahren stattgehabten Aufschwung von Handel und Industrie Ausdruck gab, die Nothlage der Landwirlhschaft berührte und die Ueberzeugung aussprach, der deutsche Handelstag und die Vertreter der Industrie würden den Bemühungen der Reichsregierung auf allen deut­schen Wirthschaftsgebieten größtmöglichste Förderung angedeihen lassen. Betreffs der auf der Tagesordnung der Versammlung stehenden Gesetz­entwürfe erklärte Staatssekretär von Bötticher, die durch dieselben hervor- gerufene Erregung und das Mißtrauen gegen die Reichsregierung seien ungerechtfertigt. Keiner Bundesregierung falle es ein, die freie Entfal­tung von Handel und Industrie hindern zu wollen; nur den unlauteren Praktiken solle entgegengetreten werden. Einer Politik, deren oberster Grundsatz lautet: Der wirthschaftlichen Entwicklung freie Bahn, könne es niemals einfallen, dem Handel und Verkehr Beschränkungen aufzuerlegen. Die Regierung werde für die Kritik des Handelstages an den Gesetzent­würfen dankbar sein. Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Arbeiten des Handelstages gesegnet seien. Der Handelstag nahm-einstimmig den Antrag Kaempf-Berlin an, wonach der Handelstag die Gesetzgebung zurück­weist, die in die Verkehrsfreiheit eingreift, die Selbstständigkeit der Handels­vertreter bei der Börsenverwaltung herabdrückt und das Selbstgefühl des Handelsstandes beleidigt. Ebenso einstimmig wurde der Beschlußantrag Fräntzel-Berlin angenommen, der ausspricht, daß im Margarinegesetz, Börsengesetz und Handelsdüngergesetz Bestrebungen, den Handel und die Industrie einzuengen, ausgedrückt werden und daß die Kommissionsanträge unzulässig und übertrieben sind. Der Handelstag billigt alle Vorschriften gegen Auswüchse und verwahrt sich entschieden gegen die Maßnahmen, die wichtige Berufsstände in der allgemeinen Achtung herabsetzen und deren Mitglieder in berechtigter Jnteressenwahrung hindern und dadurch Einzelne wie die Gesammtheit unberechenbar schädigen.

Am Montag wurde im Reichstag ein Kampf um den Klein­handel mit Bier geführt. Merkwürdigerweise war es ein Bayer, der Abgeordnete Schaedler, selbst sicher Freund eines guten Trrrnks, der, über die Regierungsvorlage hinausgehend, den Kleinhandel mit Bier unter die Vorschriften des Schankgewerbes stellen wollte. Freilich lag auch wieder

1896.

im Uuuano, daß Herr Lchaedler ein Bayer ist, eine Erklärung für sein Vorgehen, denn der Bayer geht entweder selbst ins Brau- oder Bierstübl, oder läßt sich den Maßkrug wenigstens dort füllen; kleine Bierhândler sind selten dort, und auf Flaschenbier sieht man gar verächtlich herab. Bei den Norddeutschen auf der Rechten und auf der Linken von Herrn Schaedler wirkte dessen Antrag aber höchst beunruhigend, und vor Allem Herr Rösicke, der Direktor der Schultheiß-Brauerei, schien um den Vertrieb der bekannten Flaschen mit Strippe" und mit der UmschriftAbgezogen in der Brauerei" ernstlich besorgt zu sein. Er stellte daher vorsorglich einen Unterantrag, wonach unter gewissen Umständen nur der Kleinbetrieb mitBier vom Faß" eingeschränkt werden sollte. Herr Lenzmann, sichtbarlich ein gedie­gener Bierkenner, trat auch mit begeistertem Feuer für den Haustrunk ein. Große Heiterkeit erregte es, als er dem Kollegen Schaedler vorwarf, er kenne weder die Gefahren des Wirthshauses, noch die stillen Freuden des Haustrunkes, bei dem es keine Rauferei und kein Gezänke gäbe. Der sozialdemokratische Abgeordnete Schmidt-Berlin hielt eine längere Bierrede für dasBier des armen Mannes", während Freiherr v. Stumm der Ansicht Ausdruck gab, daß durch Flaschenbier die Trunksucht gefördert werde, die in Süddeutschland in Bier ebenso groß als in Norddeutschland ix Branntwein sei. Nach dem Schlußwort des Abgeordneten Schaedler und nach persönlichen lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Abgeordneten Rösicke und Freiherrn v. Stumm wurde zur Abstimmung der am Samstag und Montag behandelten Anträge geschritten. Von den am Samstag be­handelten Anträgen gelangt nur der Antrag Gröber, v. Holleuffer zur Annahme. Die Anträge Schaedler und Rösicke wurden abgelehnt. Die Freunde des Flaschenbiers können also ruhig sein. Ueber den ganzen Titel wurde auf Verlangen der Linken namentlich abgestimmt. Es waren 215 Abgeordnete zur Stelle, von denen 127 mit Ja, 78 mit Nein stimmten.

Zur Stimmung in Rom meldet eine Depesche der Voss. Ztg. von gestern: Die aufdringliche, verletzende Sprache der französischen Blätter findet immer schäriere Entgegnung und verstärkt die Abneigung gegen den Rückzug vor Abessynim, die wohlwollende Haltung der deutschen Presse findet dagegm freudige Anerkennung. Von England erwartet man eine wirksamere Bethätigung der gewohnten Freundschaftsversicherungen, besonders nachdem die Derwischgefahr gewachsen ist. Kassala wird entgegen früheren Meldungen vielleicht doch gehalten, um als Keil zwischen Abessyni.m und Mahdisten zu dienen. Es hat starke Vertheidigungswerke, reict liche Vor- räthe und 2000 Mann Besatzung. Noch fehlen 3000 Mann von Baratieris Korps; 2000 sollen gefangen sein. Die Ambulanzen Baratieris wurden vom Feinde zerstört, das Personal konnte sich nur theilweise retten. General Baldissera zieht alle Streitkräfte zwischen Maffauah, Keren und Asmara zusammen, da auch die Verschanzungen von Adi Caie, Raihaini und selbst von Fort Adingri jetzt als unhaltbar gelten. In Paris wird das Kabinet Di Rudini ziemlich wohlwollend beurtheilt. So sagt Figaro, man wisse zwar, daß Di Rudini am deutschen Bündnisse festhalte, und sogar mit unnötiger Eilfertigkeit den Dreibund lange vor seinem Ablauf erneuert habe, man wisse aber auch, daß er zu Frankreich gute Beziehungen zu unterhalten wünsche.

Das neue italienische Kabinet, mit Rudini als Vorsitzenden, Ricotti und Brin als Mitgliedern, ist nun im Amte. Es bestätigt sich, was wir gestern vcrmuthungsweise aussprachen, daß Ricotti die Aufgabe hatte, den Marchese di Rudini für ein den Rücksichten auf die italienische Waffenehre Rechnung tragendes ministerielles Programm zu gewinnen, und daß er sich dieser Ausgabe erfolgreich unterzogen hat.

In Spanien zeitigt fast jeder Tag neue ameriikaseindliche Kundgebungen. Vorgestern fand eine solche in Bilbao statt. Eine Bande von etwa 200 Personen zertrümmerte abends durch Steinwurfe die Fenster des Privathauses des amerikanischen Konsuls. Die Polizei zer­streute die Ruhestörer und nahm vier Verhaftungen vor. Zwei Polizisten würben verwundet.

Deutscher Reichstag.

(56. Sitzung vom 10. März 1 Uhr).

Der Reichstag setzte heute die z w e i t e Lesung der Novelle zur Gewerbeordnung fort. Artikel 6, welcher von der Anwendung der Bestimmungen über die Sonntagsruhe auf den Geschäftsbetrieb von Konsum- und anderen Vereinen handelt, wird unverändert angenommen. Bei Artikel 7, nach welchem für einzelne Gemeinden bestimmt werden kann,