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Nr. 5^.
Dienstag den 10. März
1896.
Amtliches.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Briefmarke (von der Post). Ein weißer Herrnhandschuh (rechter). Ein Handtuch (in der städtischen Badeanstalt). Ein rother Baschlik mit gelben Streifen. Ein Konsumbuch Nr. 686.
Gelândet: Am 9. ds. Mts. am rechten Mainufer bei Hanau 15 Floßholzstämme.
Verloren: Eine goldne Damenuhr. Ein Bohrergestell.
Zugelaufen: Ein brauner Affenpinscher mit gelben Abzeichen, gestutzten Ohren, m. Geschl.
Hanau am 10. März 1896.
^tadtoreio ^ano/u.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Im Hauptgebäude des Stadtschlostes dahier ist auf der Ostseite des II. Obergeschosses eine Wohnung, bestehend aus sieben Zimmern, Küche, Speisekammer, zwei Mansarden und Haushaltungskeller, per 1. April d. J. zu vermiethen.
Näheres beliebe man im Stadtbauamt I, Rathhaus Zimmer 24, von 10—I2V2 Uhr vormittags zu erfragen.
Hanau den 29. Februar 1896. '
Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.
Tagesschau.
Zu Ehren des österreichischen Ministers des Auswärtigen findet Dienstag in der österreichischen Botschaft in Berlin ein Esten statt, an welchem auch der Kaiser und die Kaiserin theilnehmen, weiter gibt der Reichskanzler ein Mahl, und außerdem findet noch eine Festlichkeit im Schlosse statt. Offiziell wird nochmals versichert, daß die Ministerreise auf einen bestimmten politischen Anlaß nicht zurückzuführcn sei.
Die Ostervertagung im Reichstage wie im preußischen Abgeordnetenhause wird am Freitag vor Palmsonntag beginnen und bis Dienstag den 14. April dauern. Der Reichstag hat noch allermindestens bis Pfingsten Arbeit, das Abgeordnetenhaus weniger lange, immerhin wird das neue Dotationsgesetz für Volksschullehrer noch geraume Zeit bis zur definitiven Fertigstellung beanspruchen.
„Ein geheimes Aktenstück der Sozialdemokraten veröffentlichen wir mit größtem Vergnügen", so schreibt der „Sozialist", das Berliner Anarchistenorgan, das also die Praxis der sozialdemokratischen Presse, geheime „bürgerliche" Schriftstücke zu veröffentlichen, nunmehr auf die Sozialdemokraten selbst anwendet. Das Aktenstück ist ein Rund- schreiben des schweizerischen Landesausschuffes der Sozialdemokratie, in welchem die „Genosten" aufgefordert werden, zu einer Ehrengabe für Liebknecht zu seinem 70. Geburtstage beizusteuern. Es ist doch gut, daß wir noch nicht im Zukunftsstaat leben, in dem es bekanntlich lein Geld und Privateigenthum geben wird, sonst wäre Herr Liebknecht um seine Ehrengabe gekommen.
Das Königreich Sachsen wird also nun in absehbarer Zeit sein neues Landtagswahlrecht erhalten. Nachdem die bezügliche Vorlage schon im Abgeordnetenhause zu Dresden genehmigt ist, ist auch die Annahme in der ersten Kammer nicht mehr groß zweifelhaft. So schnell der Plan bekannt gegeben, so schnell ist auch seine Verwirklichung erfolgt, trotzdem be kanntlich eine rege Protestagitation begonnen war. Für die Resultate des neuen Gesetzes werden die nächsten Wahlen zu sprechen haben.
Nach Ausscheidung verschiedener anderweitiger Kombinationen ist die italienische Kabinetsnenbildung vom König Humbert nunmehr dem General Ricolti übertragen worden. Er sollte im Laufe des gestrigen Tages ein Ministerium mit Rudini als Vorsitzendem und Brin als einem > der Porteseuillkinhaber zu Stande bringen. Er selbst würde sich das Kriegsministerium Vorbehalten. Es ist ein Zeichen der außerordentlichen Schwierigkeit der Lage, daß zwischen dem Monarchen und der nach wie vor als Leiter des künftigen Kabinets zu betrachtenden Marchese di Rudini
eine mililärifche Persönlichkeit alS Mittelglied eingeschoben wird, die dem Marchese so zu sagen als Jntrodukteur in seine verantwortungsschwere Stellung dienen muß. Bei der in Ansehung seines ritterlichen Charakters wie politischen Scharfblickes selbstverständlichen Abneigung König Humberts gegen jeden für Italien demüthigenden Abschluß des abessynischen Feldzuges dürste die Aufgabe des Generals Ricotti wohl zum wesentlichen Theile mit in der Einwn kung auf den Marchese di Rudini behufs Modi- fizirung seines ministeriellen Programms in einer den militärischen Nothwendigkeiten Rechnung tragenden Weise bestehen.
Das französische Ministerium hat sich mit der progressiven Einkommensteuer zu eng liirt, als daß e^ noch zurück könnte. In der Budgetkommission erklärte vorgestern Finauzminister Doumer, die Regierung beharre aus dem Einkommensteuergesetzeutwurf. Sie werde keinen anderen Entwurf einbringen. Die Kammer werde entscheiden. Die Kommission beschloß sodann, ihren Beschluß vom Freitag der Kammer am Montag vorzulegen. Danach könnte sich das Schicksal des Kabinets möglicheiweise bald entscheiden.
Morgen werden Dr. Jameson, Sir John Willoughby und Genossen vor dem Bow Street Polizeigerichthofe zu erscheinen haben. Der Generalanwalt Sir R. Webster wird persönlich die Anklage führen. Vier namhafte Advokaten werden ihn unterstützen. Die Zahl der Eintrittsgesuche ist so groß, daß die Anklagebank weiter nach vorne geschoben worben ist. Nur solchen Personen ist der Eintritt in den Gerichtsjaal gestattet, welche die erforderliche Eintrittskarte vorzeigen können. Damit allein ist solchen pöbelhaften Szenen, wie sie beim ersten Erscheinen Dr. Jameion's in Bow Street vorkamen, vorgebeugt. — Dem „Globe" ist ein Brief von Johannesburg zugeschickt worden, welcher beweist, mit welcher unglücklichen Leichtfertigkeit Dr. Jameson seinen Einfall in dm Transvaal bewerkstelligte. Jameson hatte zwei Leuten den Auftrag gegeben, die Telegraphmdrähte abzuschneiden. Die Beiden betranken sich aber und führten dm Auftrag gar nicht aus. Jameson rückte nun in dem festen Glauben, daß die Regierung des Transvaals keine Nachricht von seinem Einmarsch haben könne, vor, während man in Pretoria ganz genau unterrichtet war.
Hochwaffer Nachrichten.
Freiburg i. Br., 9. März. Gestern Abend gegen 10 Uhr hat das Hochwasser bedenklich zugenommen, so daß die Wasserwehr und das Militär in Thätigkeit treten mußten. Gegen 3 Uhr Früh war die oberste Dreisambrücke gefährdet. Landeèkommiffar Geheimrath Siegel und Oberamtmann Sonntag liegen die Brücke räumen. Als nur noch 2—3 Personen auf der Brücke standen, darunter Siegel und Sonntag, stürzte die Brücke ein. Siegel und Sonntag sind seitdem verschwunden und aller Wahrscheinlichkeit nach ertrunken. Der bei den Rettuncsarbeilen anwesende i Erbgroßherzog befand sich in Lebensgefahr. Weiter sind im Bezirke eine Reihe Brücken eingcskürzt, Dämme gebrochen und ein Bauernhof wegge- risim. In Lörrach ist infolge des Hochwassers der Wiese ein Damm- bruch unterhalb der Blinzig-Grabenwehr erfolgt. Auch aus Wolfach wird von gestern Hochwaffer berichtet. Viele Brücken und Straßenstrecken sind weggerissen. Der Bahnverkehr ist unterbrochen. Bei Steinach erfolgte ein Dammbruch. Außerdem werden viele Erdrutsche gemeldet. Die Ver- ; lüfte an Menschenleben sind bisher nicht festzustellm.
Wildbad, 9. März. Zu dem Hochwasser liegen weitere Meldungen vor. Heute Nacht hatte baß obere Enzthal, besonders Wildbad, eine schreckliche Nacht; schon gestern Mittag mußte die F^lerwehr alarmirt werbtn. Das Hochwaffer stieg hier gegen Mitternacht so beunruhigend, daß alle Leute, die an der Enz wohnen, außquartirt werden mußten. Die Anlagen sind zum Theil verwüstet. Verschiedene Bi âckeu, darunter die vom Hotel Klumpp unb vom Hotel zur Post sind weggei ssen. Der Verkehr auf der Eisenbahn ist eingestellt, weil der Eiscnbrhndamm unterspült ist, der Badnbof ist überschwemmt. Ein hiesiger Bürger, bei Klempner Pfau, wird vermißt. Die Enz steigt immer noch, der Schaven ist enorm.
Wildbad, 9. März. Die augtschwollent Enz riß eiserne Brücken fort, überschwemmte den Bahnhof und fast die ganze Stadt. Der Bahn-