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Ar. 55.

Donners'ag den 5. März

1896.

Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 21.

Amtliches.

Dienftilachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein junger schwarz und braun gezeichneter Pinscher- hund m. Geschl. Ein gelber Pinscher m. Geschl.

Gefunden: Eine blaugestreifte Schürze. Ein schwarzes wollenes gehäkeltes Frauenrad.

Hanau am 5. März 1896.

^tadt^reie ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeifteramtes.

Am Freitag den 6. März, nachmittags von 4 Uhr ab, findet ivl oberen Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 9, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau am 3. März 1896.

Der Vorsitzende des Gewerbcgerichts

Dr. Gebeschus.

Im Hauptgebäude des Stadtschlosses dahier ist auf der Ostseite des II. Obergeschosses eine Wohnung, bestehend aus sieben Zimmern, Küche, Speisekammer, zwei Maniarden und Haushaltungskeller, per L April d. J. zu vermiethen.

Näheres beliebe man im Stadtbauamt I, Rathhaus Zimmer 24, von 10—12^2 Uhr vormittags zu erfragen.

Hanau den 29. Februar 1896.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

Tagesschau.

Der „Reichsanzeiger" schreibt; Angesichts der ernsten Folgen, welche bei bem Verzicht auf die Schutzimpfung gegen die Pocken für das ^olkswohl eintreten würden, entschloß sich das kaiserliche Gesundheitsamt, bie Bedeutung und Folgen der Schutzimpfung in einer in alle Kreise ver­sendeten Druckschrift darzulegen. Die Schrift zeigt an der Hand der ge­schichtlichen und statistischen Thatsachen, wie die Grundlagen des Jmpfge- setzes entstanden, erörtert den Inhalt der Ausführungsvorschriften des Ge- sttzes, weist die Einwände gegen dasselbe zurück und berichtet über die Erfolge des Gesetzes. Die Schrift legt u. A. dar, daß die Zahl der Todesfälle an Pocken im Deutschen Reiche von 1886 bis 1891 jährlich uur durchschnittlich 126 betrug. Von einer Million erlagen bei uns von 1889 bis 1893 jährlich 2,3, in französischen Städten 147,6, in Belgien 252,9, in Oesterreich 313,3 und in Rußland von 1891/93 836,4 Per­len. Wäre bei uns die Blatternsterblichkeit so groß, wie in den vor- Mannten Ländern, so hätten wir nicht 126, sondern 7321, 12,548, 15,543 oder gar 45,584 Todesfälle zu verzeichnen gehabt.

In einigen Berliner Zeitungen wird die etwas auffällige Nachricht, «aß der Vorstand des Reichstages eine Einladung d e r Presse zu der bevor st ehendenReichstagsfeier unter­lassen hat, fortgesetzt zum Gegenstand der Erörterung gemacht und eine trotze Aktion seitens des Vereines „Berliner Presse" gefordert. Es haben aber auch Stimmen erhoben, welche dringend davon abrathell, der An- Selkgenheit eine größere Bedeutung beizulegen, als sie verdiene, und wir Gauben, daß diese Mahnung das Richtige trifft. So schreiben die „Berl. Neuesten Nachrichten": „Wenn die Reichstagsabgeordneten unter sich sein svolltn, so soll die Presse dies mit vornehmer Gleichgültigkeit hinnehmen, ^ danach behandeln. Parlament und Presse gehören zusammen wie Fisch und Wasser, und man könnte sehr wohl die Frage erörtern, welcher Faktor ^e Nation und unser öffentliches Leben wichtiger und nützlicher ist. ^an kann sich sehr wohl unser politisches Leben ohne Parlament, wie ^ben Monate des Jahns hindurch, aber nicht ohne Preffe denken. Wenn 1er jetzige Reichstag es fertig gebracht hat, dem Fürsten Bismarck die Huldigung zu versagen und ein magerer Trinkspluch aus den Schöpfer von

Reich uns Reichstag bei dem in Aussicht genommenen Festmahl das einzige Ergebriß langwieriger Verbaudluugeit zwischen den Fraktionen ist, so soll die Presse sich daran genügen lassen, daß auch Fürst Bismarck, ohne den weder Reichstag noch Reichstagsgcbäude existirte, zu diesem Festmahl nicht eingeladen worden ist. Aber deswegen eine große Entrüftungsaktion im Verein „Berliner Presse" ins Werk zu setzen, würde nicht dem geringen Werth entsprechen, den die bessere Presse solchen Einladungen beizulegen hat. Nachträglich wird, wie wir aus einer angeblich authentischen Mittheilung der „Berl. Börsen-Ztg." ersehen, der Versuch gemacht, durch die Versicherung, daß ein endgültiger Beschluß noch nicht vorlige, sondern noch weitere Arrange­ments beoorstânden, den Fehler zu bemänteln. Wir glauben jedoch, daß es die Selbstachtung der Presse verbieten wirb. einer etwa noch hinterher an sie ergehenden Einladung Folge zu leisten."

Wenn es gilt, im Interesse der Landesvertheidigung noth­wendige Aufwendungen zu verweigern, darf mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß die Freisinnige und die Süddeutsche Dolkspartti mit den Sozialdemokraten Hand in Hand gehen. Neben dem gemeinsamen demo­kratischen Grundzuge der politischen Auffassung bildet bei der Linken des Reichstags eben die Schwäche des deutschnationalen Bewußtseins das ver­bindende Element. Allein seltsam muthet es doch an, wenn die Freisinnige Zeitung zur Vertheidigung des Widerspruchs selbst gegen den Ersatz eines völlig veralteten Schlachtschiffes durch ein dem heutigen Stande der Wissenschaft des Seekriegs entsprechendes Panzerfahrzeug mit fetten Lettern darauf hinweist, daß einschließlich der für das nächste Jahr geforderten Bauraten im Ganzen die Engagements für Schiffsbauten 84 Millionen betragen werden. - Wie nimmt sich diese Zahl im Vergleich mit denjenigen Da en aus, welche Herr Goschen im Unterhause betreffs der theils be­wirkten, theils noch im Gange befindlichen, theils erst geplanten Verstärkung der britischen Seemacht gegeben hat' In dem zehnjährigen Zeitraum von 1889 bis 1899 werden danach nicht weniger als 1100 000 000 Mk. für diesen Zweck aufgewendet werden, wobei zu beweisen ist, daß die Rüstungen des ersten Lustrums dieser Periode schon 1894/95 von dem Kabinet Rosebery als ganz ungenügend angesehen und für die Verstärkung der Flotte ein rascheres Tempo eingeschlagen wurde, während seinerseits jetzt von dem Kabinet Salisbury ein noch rascheres und umfassenderes Vorgehen für nöthig erachtet wird. Welchen Eindruck muß es machen, daß, während man bei uns selbst den Ersatz abgängiger Schiffe hart­näckig bekämpft, und die Bewilligung jedes neuen Kreuzers die größte An­strengung erfordert, der britische Minister unter dem Beifall des Unter­hauses erklären kann, daß, nachdem die Flotte von 1889 bis 1896 bereits um 105 Schiffe und 62 Torpedozerstörer vermehrt sei, noch 8 Schlacht­schiffe, 21 Kreuzer und 40 Torpedozerstörer im Bau und trotzdem noch weitere 5 Schlachtschiffe, 13 Kreuzer und 28 Torpedozerstörer nothwendig seien! Auch wer kein Freund userloser Flottcnplâne ist und die Verschieden­heit der militätischen und finanziellen Verhältnisse zwischen Großbritannien und Deutschland voll berücksichtigt, wird sich sagen müssen, daß Angesichts so starker Vermehrung der britischen Seemacht die ohnehin schon vor­handenen triftigen Gründe für eine beträchtliche Vermehrung mindestens unserer Kreuzerstoite an Gewicht und Dringlichkeit sehr gewachsen sind. Man darf nach dem Vorgänge bei der ersten Baurate für den Ersatz des Panzers „Friedrich der Große" hoffen, daß sie für die Bewilligung wenigstens der in dem diesjährigen Marineetat enthaltenen, im Vergleich zu den britischen Plänen so überaus bescheidenen Forderungen für Schiffsneu- bauten entsprechend ins Gewicht fallen werden.

Der Zentralverband deutscher Kaufleute hat in diesen Tagen zwei Petitionen zum bürgerlichen Gesetzbuch an den Reichs­tag gerichtet. Ferner ist er mittelst dreier Eingaben bei den beteiligten Ressortministern dabin vorstellig geworden, das Offenhalten der Schaufenster auch an Sonn- und Feiertagen des ganzen Tags über — mit Ausnahme der Stunden des Hauptgottesoienstes en heit- lich für die ganze Monarchie zu gestatten. Er weist auf die grobe Be­deutung der Schaufenster für die Hebung des geschäftlichen Verkehrs ^k und hebt hervor, daß durch das Schließen derselben gerade an diesen ver­kehrsreichsten Tagen den Kaufleuten ein ansehnlicher Kundenkreis — nament­lich aus der Landbevölkerung — entzogen werde, der sich infolge der Un­möglichkeit, des Sonn- oder Feiertags in ergiebiger Weise Aussuche galten zu können, an die Hausirer oder Versandtgeschäfte wende. Auch diene die