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Nummer 10 ^.

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Sèr. 50

Freilag den 28. Februar

1896.

Amtliches.

^anöâret^ ^cinau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Maul- und Klauenseuche in Sandlofs, Rimbach und Unter­schwarz, Kreis Lauterbach, ist erloschen.

Hanau am 25. Februar 1896.

Der Königliche Landrath

v. Schenck.

Dicnswachrichtcn aus dem Kreise.

Zugelaufen: Am 27. d. Mts. ein dunkelbrauner Jagdhund m. Geschl., mit Maulkorb und Halsband; Empfangnahme beim Leibjäger Fischer zu Kesfelstadt.

Gefunden: Ein Mundstück von einem Blechinstrument.

Entflogen: Zwei weiße Tauben mit rothen Köpfen und Hälsen. Eine blaue Taube.

Hanau am 28. Februar 1896.

Die egyptische Frage.

Vor einigen Tagen brachte dieTimes" aus Konstantinopel die Nachricht, der Sultan habe die englische Regierung ersuchen lassen, in Ver­handlungen wegen der Lage in Egypten einzutreien, das bekanntlich seit dem großen egyptiichen Aufstande vor 14 Jahren von englischen Truppen besetzt ist und dessen Verwaltung noch unter englischer Kontrolle steht. Die Nachricht wurde anfänglich dementirt, scheint aber doch aus Wahrheit zu beruhen. Von manchen Seiten will man vermuthen, daß der Sultan auf Anregung Rußlands, dessen Einfluß jetzt in Konstantinopel sehr stark ist, die Frage aufs Tapet gebracht habe, wodurch für das Kabinet Salisbury eine neue fchwere Verlegenheit geschaffen sei. Allein das ist fraglich; die Anregung kann mindestens ebenso wahrscheinlich von Frankreich oder gar von England selbst ausgegangen sein. Denn die englische Okkupation Egyptens bildet seit einem Jahrzehnt den stärksten Pfahl im Flei che der französilch-englisâ en Beziehungen, da seitdem der früher sehr starke und gleichberechtigte französische Einfluß im Nillande fast ganz verdrängt worden ist. Jedenfalls liegt der Sâwerpunkt der Verhandlungen nicht in Kon­stantinopel, sondern" in London, wo der französische Antheil an der Sache von dem Botschafter der Republik, Courcel, einem geschickten Diplomaten, betrieben wird.

Bereits regt sich in England gegen den Gedanken der Räumung Egyptens eine starke Opposition. Die liberalenDaily News" und die konservativeMorning Post" stimmen darin überein, daß das Kabinct Salisbury vor einer Entscheidung stehe, die für das ganze Ansehen Eug- lands und seine fernere Politik von größter Bedeutung sei. Das liberale Blatt erinnert an das Interesse der Gläubiger Egyptens, die der englischen Verwaltung im Nillande die geordnete Befriedigung ihrer Ansprüche zu banken hätten. Nachdem die englische Politik in der armenischen Ange­legenheit schon eine empfindliche Schlappe ei litten habe, müsse der Gedanke, daß sich Albion nun noch in Egypten den Wünschen des Obernherrn der D.knschrvschlächter in Armenien beugen solle, auf das englische Publikum einen aufregenden Eindruck machen. TieMorning Post" klagt über die Isolirung Englands, die großeniheils auf das Cchuldkonto der englischen Staatsmänner komme. Die Zwistigkeiten mit Deutschland auf kolortialem Gebiete seien geringfügig gegenüber den großen Interessengegensätzen zu Rußland und auch Frankreich; Lord Salisbury möge die frühern Fehler gut machen und sich wieder dem Dreibunde nähern.

Deutschland kann der weiteren Entwickelung dieser in der That für die internationale Lage wichtigen Frage mit Ruhe entgegensetzen. An und für sich ist die Frage der Räumung Egyptens für uns nur akademischer Natur. Soweit England in Egypten Ordnung geschaffen hat, konnten wir kein Interesse daran haben, es aus Egypten hinauszudrängen; die Neutrale Haltung kaui bisher praktisch der englischen Stellung in Egypten M Gute. Wir könnten es mit ansehen, wenn die Ordnung auf andere Weise garantut werden sollte; die mancherlei Beschwerden, die wir gegen

Entlang in anderen Gebieten haben, brauchen uns aber nichl zu verführen, uns auf eine Aerger- und Giollpol'tik, die immer schlecht Politik ist, ein- zulasfen und England auch da entgegnnzutreten, wo wir keine eigenen Jn- terefsen wahrzunehmen haben. Freilich wird uns auch die Jsolirung Eng­lands um so mehr kalt lassen, als nach Wunsch gute, d. h. auf Gegen­seitigkeit gegründete deutsch-englische Beziehungen v elleicht erst dann ein- treten werden, wenn sich der englischen Nation die Nachtheile der Verein­samung noch deutlicher fühlbar machen.

Tagesschau.

Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Sitzung dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen wegen Begebung von dreiprozentigen Renten zur Deckung der Ausgaben sür die Verbesserung des Hüninger Kanals zu S chifffahrtszwecken und wegen Erhebung von Abgaben aus demsetb-n, ferner einem Ausschußantrage, betr-ffend den Handel mit dena- turirtem Brantwein, und dem Anträge Preußens, betreffend die Regelung der Arbeitsverhältnisse in Bäckereien und Konditoreien, letzterem mit ge­ringen, von den Ausschüssen beantragten Aenderungen, die Zustimmung ertheilt. Den zuständigen Ausschüssen überwiesen wurden die Entwürfe einig Gesetzes wegm Aenderungen des Gerichtsve> fassungsgesetzes, bet Civilprozeßordnung, der Konkursordnung und der Einführungsgesetze zur Cioilprozeßordnung und zur Konkursordnung und eines Gesetzes für Elsoß-Lotbringen über die Pensionen der Gerichtsvollzieher und ihrer Hinterbliebenen, ferner der Entwurf ron Bestimmungen über die weitere Bearbeitung der Ergebnisse der Berufs- und Gewerbezählung vom 14. Juni 1895 und eine Vorlage, betreffend die Ausprägung von Fünf­pfennigstücken. Von dem Geschäftsbericht des Reichsversicherungsamts für das Jahr 1895 wurde Kenntniß genommen und über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.

Nach einer Angabe derWes.-Ztg." soll Finanzminister Dr. Miquel geneigt sein, den größeren Städten als Entschädigung für die Nachtheile, die sie durch das Lehrer besoldungsgesetz erfahren werden, eine Million zu überweisen.

In Sachsen ist über die Frage der Mandat niederlegung der sozialdemokratischen Landtagsabgordneten innerhalb der Partei Heller Zwiespalt auègebrochen. Während die Wähler in großen Vtrsammlungen die Fraktion auffordern, in den nächsten 14 Tagen eine Landeskonferenz der Partei zur Entscheidung einzuberufen, hat die Fraktion soeben beschlossen, die Konferenz am 7. und 8. April zusammentreten zu lasten, verschleppt al>o die hochwichtige Angelegenheit um volle 6 Wochen. Tie sozialdemokratische Presse ist darob im höchsten Grade erbost, über­häuft die Fraktion, welche die soimposant" begonnene Wahlbewegung in ihrem würdigen Verlaufe störe und beeinträchtige, mit den bittersten Vor­würfen und fordert sie auf, ihren Beschluß zurückzunehmen.

In Konstantinopel sind vorgestern die Botschafter zur Berathung' über die Lage in Z ei tun zusammengetreten. Die nach Zeitun ent­sandten, Konsuln werden, nachdem ihre Mission der Hauptsache nach be­endet ist, in dieser Woche zurückkehren. In Zeitun herrscht noch immer Elend. Unterstützungen wurden hingesandt. Die Pforte versprach, für die Verpflegung der in Zeitun gebliebenen Flüchtlinge zu sorgen. Täglich werden 50 Sterbcfälle konstatirt; ein Hospital wurde errichtet, doch fehlt es an Aerzten und Medikamenten.

Die russischen Truppen an der Grenze von Nordkorea werden verstärkt. In dcr Militärstalion am Tumenflusse sind 6000 Mann mit 100 Feldgeschützen versammelt. .

Zum Stande der Dinge in Südafrika liegt ein Kabeltelegramm aus Pretoria vor, nach welchem vorgestern in Sachen der Konfiskation des Eigenthums der wegen Hochverralhs angeklagten Muglieder der National-Union in Johanmsburg von dem Obergerichr das Urtheil ge­sprochen worden ist. Es bestätigt die auf das Vermögen der Angeklagten celeqte vorläufige Beschlagnahme in Bezug auf das bewegliche und unbe­wegliche Eigenthum derselben in den Goldfeldern im Rand, seltne auf ihre Aktien von Gesellschaften, die Besitzungen im Rand haben.