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Donnerstag den 27. Februar

Nr 49«

Amtliches.

^mtö&rcio ^banau.

Betanrrtmachnngen des Königlichen Landrathsamtes.

In Heddernheim, Landkreis Frankfurt a. M., und in Altenstadt, kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Hanau am 24. Februar 1896.

Der Königliche Landrath

r. 1557/1552 v. Schenck.

Dienstnllchrichtcil aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Federkasten. Eine Briefmarke (von der Post).

Verloren: Ein Notizbuch und andere Papiere für Oskar Völkel us Neiße. Zwei Meter schwarze Perlenborde.

Hanau am 27. Februar 1896.

4>ta$tftret0 ^anaw

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Grundstücksverpachtung.

Dienstag den 3. März er., vormittags 11 Uhr, oll im Stadttaffenlokal Neustädter Rathhaus Zimmer Nr. 7 das leben der alten Rückinger Straße (sogen. Bürgermeisterallee) belegene, 14 Ar große städtische Gelände auf 5 Jahre meistbietend verpachtet werden.

Der Zuschlag bleibt Vorbehalten.

Hanau am 24. Februar 1896.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebe sch us.

Höhere Töchterschule.

Anmeldungen für das neue Schuljahr werden vormittags von 10 bis 12 Uhr im Schulgebäude, Steinheimer Straße 37, entgegengenommen, ßnd es sind hierbei die Geburts- und die Impfscheine vorzulegen.

In die unterste Klasse IX werden diejenigen Kinder ausgenommen, Welche 6 Jahre alt sind. Den geltenden Bestimmungen gemäß finden Adoch auch die Kinder, welche dieses Lebensalter bis zum 1. Oktober Mücklegen, sofern sie in körperlicher und geistiger Beziehung zum Schul­besuche reif erscheinen, zu Ostern Aufnahme.

Hanau den 13. Februar 1896.

Der Schuldirektor

s Junghenn.2046

Von jetzt ab finden die Meldestunden an Sonntagen (vormittags ^10 Uhr) zufolge nachträglich ergangenen Befehls nicht mehr statt.

Hanau am 26. Februar 1896.

Freiherr von Hövel, Hauptmann z. D. und Bezirks-Offizier.

Tagesschau. ~

Die Kreditvorlage, welche dem Landtage in naher Zeit zugehen lirb, scheint noch umfassender auszufallen, als bisher angenommen ist. ^ie soll, denBerl. Polit. Nachr." zufolge, neben einer Forderung für Klein bahnzwecke nicht nur Mittel zur Herstellung und Ausrüstung Wer Nebenbahnen im Betrage von 6070 Millionen Mark, sondern *uch eine Kreditforderung zur Förderung der Errichtung Kknossensch aftlicher Kornhäuser enthalten. Der Zusammen- ^g dieser Einrichtung mit den Forderungen für die Erweiterung des Eiaatsbahnnetzes liege darin, daß diese Einrichtungen nur in engster râum= Wr Verbindling und in organischem Zusammenhänge mit den Eisenbah denkbar seien, wenn sie den Nutzen gewähren sollen, welcher davon wartet werde. Abgesehen von anderen Momenten, komme in dieser Hin« auch die Verminderung der Frachtkosten für den Transport der in ilos ausgespeicherten Getreidimassen zu den Verbrauchsorten infolge der ^ü zu verbindenden vollkommeneren Verladungseinrichmngen sehr erheb- h in Betracht. Namentlich auch, soweit es sich um den Mitbewerb mit w ausländischen Getreide handelt.

1896.

I er Gesttzeniwurf betreffend die Einführung von Dienst- . altcrszulagen für die Richter soll ber-ilS die Zustimmung des I Staatsministeriums, gesunken haben. Er dürfte in der allernächsten Zeit dem Abgeordnetenhause zugehen. Wie wir bereits meldeten, soll in bieiem Entwürfe auch eine Bestimmung enthalten sein, welche die Uebernahme der Gerichtsasseffoien in richterliche Stellungen regelt. Der jetzige Zu­stand, bei welchem die Zahl der Gerichtsaffessoren, welche in die richterliche Karriöre übernommen werden, nicht von dem Bedürfniß zur Ergänzung der Lücken des Richterstandes, sondern von dem Belieben derjenigen ab­hängt, welche das Staatsexamen für den Jnsttzdienst bestanden haben, ist umso unleidlicher geworden, je stärker der Andrang zur Justizkarriöre war und ein je größeres Miß Verhältniß Zwischen der Zahl der um Richter­stellen sich bewerbenden Assessoren ui d der Zahl der alljährlich neu zu besetzenden Stellen dieser Art sich ausbildet. Wenn auch die Interessen der Rechtspstege vielfach eine Vermehrung des richterlichen Personals empfehlen und sicher auch in der Folge nach dieser Richtung geltend machen werden, so ist es doch nicht min er richtig, daß das Drängen auf Ver­mehrung der Richterst llen zum Theil aus der übergroßen Zahl der auf Anstellung im richterlichen Dienste wartenden Gerichtsaffessoren herrührt. Hier treibt ebm, wie auch anderwärts, ein Keil den andern. Auch sind die Verhältnisse in der Justizkarriöre in dieser Hinsicht in der Thar ganz ausnahmsweise. Bei der Verwaltung und zwar sowohl bei der allge­meinen, wie bei der Eisenbahnverwaltung und anderen Spezialver- waltuugen werden längst nicht mehr Assessoren angenommen, als zur Deckung des Bedarfs nothwendig sind. Dasselbe gilt von dem gejammten Subaltern- und UnterpmonaL Hier werden überall nur soweit Diätarien eingestellt, als für demnächstige Wiederbesetzung ei lebiger Stellen noth­wendig erscheint. Ebenso werden in keinem Privatgeschäft Aspiranten über Bedarf zugelassen. Es handelt sich also auch nur darum, eine für den Justizdienst selbst nichts weniger als glückliche Ausnahme gegenüber der Uebung bei anderen Ressorts zu beseitigen. Daß dies betreffs btr Justiz nicht nur angeht, sondern daß damit auch eine Hebung des Durchschnitls- niveaus der richterlichen Beamten erreicht werden kann, zeigt das Beispiel des Königreichs Sachsen, dessen wohlbewährte Einrichtung in diesem Punkte für Preußen zum Voibild gedient haben dürfte.

Das französische Ministerium Bourgeois hat zu voreilig triumphirt. Dem Mißtrauensvotum des Senats konnte es trotzen, so lange es sich der Deputirienkammer sicher wußte. Allein dieser Rückhalt versagt nunmehr, wie der Ausfall der vorgestern vorgenommenen Wahl zur Bud­getkommission darthut. Von den 33 Kommissionsmitgliedern sind nämlich 29 absolute Gegner jeder Einkommensteuer; die übrigen 4 sind im Prinzip für eine Einkommensteuer, machen jedoch ausdrückliche Vorbehalte bezüglich des vom Minister Doumer unbearbeiteten Gesetzentwurfs. Die Wahl der Kommission bedeutet einen unerwartet starken Vorstoß gegen das Budget und damit gegen die Stellung der auf die progressive Einkommensteuer, diese eigentliche pièce de résistance des ministeriellen Budgetprogramms festgenagelten radikalen Regierung selbst.

Dr- Jameson ist in England eines Empfanges theilhaft ge­worden, als hätte er sich hervorragende Verdienste um das Vaterland er­worben. Hoch und niedrig wetteifert in Sympathiebezeugungen für den Flibustierbâuptling, den die öffentliche Meinung als einen nationalen Helden feiert, recht als wolle sie dem Urtheil der ganzen Welt Trotz bieten. Daß Dr. Jameson unter der Anklage eines frivolen Völkerrechtsbruches steht, genirt seine Bewunderer äußerst wenig. Es genügt, daß er eine Erweite- umg der britischen Machtsphäre anstrebte und zu diesem Zweck die Waffen ergriff. Sein Mißerfolg wird deshalb allgemein als ein Mißerfolg des Britenrhums empfunden in einer Zeil, wo andere Völker, insbesondere das deutsche, sich herausnehmen, Jobn Bull daran zu erinnern, daß sie auch noch auf der Welt sind und Interessen zu schützen haben. Die ang- lophilen Kreise des Kontinents aber könnten sich, wenn sie für solche Leh­ren empfänglich wären, aus der Jameson Begeisterung der Engländer ent­nehmen, wie verkehrt jede auf ein Entgegenkommen der englischen Politik gegen die Denk- und Gefühisweise des Kontinents gegründet? Spekulation ist.

Dem englischen Staatssekretär Chamberlain ist die Antwort des Präsidenten Krüger auf das Beileidstelegramm der Königin anläßlich der Dynamitexplofiou in Johannesburg zvgegangen. in welcher ter Präsi­dent der Königin für ihre Sympathie seinen wärmsten Dank sagt und er­klärt, solche Worte könnten nur dazu dienen, die Leiden und Sorgen zu lindern.