Erstes Blatt.
Abonnements- Preis:
i jährlich 9 • «■• - Halbj. 4«* BO 4 I Nerteljährlich
2 .* 25 A
I Für auswärtige
I Abonnenten mit
I dein betreffenden Posiaufscklag.
i Die einzelne
-' Nummer 10 A
ArnMcHes g)rga« für SLcröL- und Lcrnökrrers ^anau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
InsertionS- Preis:
Tie tipaltigc Garmondreile oder deren Raum 10 §, die r «ip. Zeile 13 4, die 2fpalt. Zeile 20 die Bfpalt Zeile 30 -s, imRek^amnubeil die Ispalt Zeile 20 4 netto.
Nr. 48.
Mittwoch den 26. Februar
1896.
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 18.
Amtliches.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Von der Post eine Briefmarke. Eine Damenbörse mit Geld, in einem Metzgerladen liegen gegeben. Ein Rosenkranz. Ein Portemonnaie mit Geld. Eine gelbe gefW^e Pferdedecke. Ein koernes Hundehalsdand mit Nickelbeschlag.
Hanau am 26. Februar 1896.
Tagesschau.
Folgende kaiserliche Kabinetsordre betr. den Kirchen besuch bringt das Marine -Verordnungsblatt: „Um Meiner Marine erneut zu erkennen zu geben, wie sehr Mir die Erhaltung unb Förderung des religiösen Sinnes am Herzen liegt, erkläre Ich hiermit ausdrücklich, daß die Bestimmung im § 28 Abs. 3 der Garniwndienstvorschrist vom 13. Sep tember 1888, nach welcher unter gewöhnlichen Verhältnissen kein Soldat an Sonn- und Festtagen am Kirchcnbesuch behindert werden soll, sich auch auf den freiwilliges Kirchenbcsuch erstreckt. Insbesondere wünsche Ich, daß <«§ den Besatzungen Meiner Schiffe, soweit es die Eigenart des Borddienstes nur gestattet, ermöglicht wird, an Sonn- und Festtagen den Gottesdienst zu besuchen."
Der sensationelle Berliner Fall Kotze, welcher nun schon länger als anderthalb Jahr die Oeffeutlichkeit beschäftigt, dürfte jetzt in Hannover eine endgültige Erledigung gefunden haben. Das dortige Regiment der Königs-Ulanen hat unter Vor sitz des Kommandeurs von Pfuhlstein in voriger Woche sein Urtheil über den seit Juni 3894 vom Amte su spendeten Ceremonienmeister Lebrecht von Kotze gesprochen, nach Lage der Dinge als lr tztts Ehrengericht, welches die unerquickliche Angelegenheit zu erledigen hatte. Das Urtheil wird natürlich streng geheim gehalten, so lange es nicht vom obersten Kriegsherrn bestätigt ist.
In Barmen fand am Sonntag eine zahlreich besuchte Versammlung rheinischer Christlich-Sozialer statt, in welcher der Protest des Vorstandes gegen den Ausschluß Stöckers aus dem Elferausschuß der deutsch- konservativen Partei gutgeheißen und beschlossen wurde, den Delegirteu, Apotheker Dr. Burckhardt aus Barmen, zu beauftragen, auf bem heute in Frankfurt a. M. beginnenden Kongreß der Christlich-Sozialen Deutschlands für deren Lossagung von den Deutsch-Konservativen zu wirken und für die Proklamirung der Christlich-Sozialen als selbstständige Partei zu stimmen. Wenn auch vorläufig auf eine namhafte Vertretung in den Parlamenten Vicht zu rechnen sei, so könne durch fleißige Vereinsarbeit doch mehr gewonnen werden, als manche vielleicht «nehmen möchten.
Es sind in Bayern jetzt 11 genossenschaftliche Lagerhäuser im Betrieb oder im Bau. Die meisten davon sind in der Oberpfalz erachtet. Die Bahnverwaltung hat die Unternehmung durch Zuweisung von Baustellen und Gewährung von Geleiseanschluß unterstützt. Ferner wurden durch die Regierung Zuschüsse und Vorschüsse aus öffentlichen Fonds gegeben.
Die italienische Regierung beschloß, namentlich auf Andrângen ^r piemontesischen Deputirten, um jeden Preis eine Entscheidung in Afrika herbeizuführen. Den nächster Tage abgehenden zehntausend Mann werden weitere folgen. Den Oberbefehl soll der Lmmanbirenbe General 2uigi Pellovx, früher Kriegsminister, übernehmen, unter welchem Baratieri das Operationskorps, Heusch das Etappen- und Bcsatzungskorps befehligen wird. Das. Ministerium war durch eine bedenkliche Gegnerschaft in der Kammer bedroht, wenn Baratieri's Selbstständigkeit fortbauerte. Die j- tzt in Massauah landenden Bataillone werden Keren besetzt«, um einem Angriff der Derwische im Falle der Umgehung Kassalas begegnen zu können.
^ie Lage auf Kreta hat sich an scheintnd sehr verschlimmert, wurde drahtlich bereits gemeldet, daß bei Selino zwölf Christen von ullvhammedanern ermordet wurden. Folgende weitere Meldung liegt vor:
Mr Die hetttige Nummer umfaßt außer
In den letzten Tagen sind auf Kreta eine Reihe von gegenseitigen Blutrachemorden zwischen Christen und Mohammedanern nahe bei Kanea und in der Provinz Selino verübt worden. Der alte Rasfenhader ist wieder fürchterlich erweckt. Karathcodory Pascha wird beschuldigt, gegen die mohammedanischen Mörder sehr niilb vorzugehen, während den Christen sehr energisch nachgejagt wird, und man erklärt, dies sei ein überlegter Plan der Türken, um Rachethalen der Christen hervorzurusin, damit ein Vorwand zu größerem Militärausgebote geschaffen wird. Die griechische Regierung richtete vorgestern energische Vorstellungen an die Pforte durch den Gesandten und durch ihren Vertreter in Konstantinopel wegen dieser herausfordernden Haltung.
Eine Äufrollung der egyptischen Frage steht nahe bevor, wenn die folgenden Drahtmeldungeu der „Magd. Ztg." den Thatsachen entsprechen: Der „Pall Mall Gazette" wird aus Rom geweitet, ein dort kingegangenes Telegramm aus Kairo lasse wenig oder gar keinen Zweifel, daß England bereits Verhandlungen mit Frankreich wegen der Räumung Egyptens begonnen habe. Die Reife Cambons nach Kairo stehe mit diesen Verhandlungen in Zusammenhang. — Zwischen dem französischen Minister des Aeußeru, Berthelot, und dem russischen Botschafter Baron Mohrenheim fanden in den letzten Tagen mehrfache Besprechungen über die egyptische Frage statt.
Ans Stadt, Prövinz nnd Umgegend
* Kirchliches. Heute Abend 8 Uhr Passionsgottesdienst in der Marienkirche ; Predigt: Herr Pfarrer Sopp.
* Landwirthschastskanimcr. Tie Landwirthschaftskammer für den Reg.-Bez. Cassel tritt am 3. März, vormittags 11 Uhr, im Stânve- Haus zu Cassel zusammen. Stadt- und faul freist Hanau wird durch die Abgeordneten H. Jung-Hanau und W. Koch-Brnderdiebacherhof vertreten sein.
* Aerztekawmer, Vorgestern hat in Cassel im Regierungsgebäude die Aerzutommer für die Provinz Hessin Nassau unter dem Vorsitz des Herrn Sannälèraths Dr. Grandhomme aus Frankfurt a. M. getagt. Die Spitzen der Provinzialbehörden wohnten der Berathung bei. Im „Hotel Rcyal^ fand nach derselben ein Mahl statt, an welchem Se. Exz. der Herr Oberprâsident Magdeburg theilnahm.
* Ersatzgeschäst. Donnerstag den 27. Februar: Musterung der Militärpflichtigen des Jahrgangs 1876 von Buchstaben A bis N inkl. der Stadt Hanau. — Das Erfatzgeschâft findet im Gasthaus „zum Sandhof" in Hanau statt und beginnt morgens um 8^4 Uhr. Die Militärpflichtigen haben behufs Verlesens und Rangireus um 7^4 Uhr morgens pünktlich im Musterungslokal zu erscheinen.
* Ziir Friedensbewegung. Die von England aus angeregte und durch Vermittlung des internationalen Bureaus in Bern in allen Friedens Vereinen Europa's und Amerika's ungeordnete Abstimmung über die Einsetzung internationaler Schiedsgerichte hat ein interessantes Ergebniß geliefert, das demnächst in einer besonderen Schrift veröffentlicht werden wird. Soweit die Berichte vorliegen, ist ziemlich einstimmig folgender Beschluß gefaßt worden, dem sich auch der Hanauer Friedens-Verein anschloß: „Die Deutsche Friedensgesellschaft erklärt ihre unbedingte Z«- stimmung zu dem Prinzip der schiedsrichterlichen Erledigung aller internationalen Streitigkeiten. Dies von Neuem zu bi hastigen, hält sie den gegenwärtigen Zeitpunkt für besonders geeignet und ersucht demnach alle Gleichgesinnten um ihre moralische Unterstützung dadurch, daß sie ych frei und offen für jenes Prinzip aussprechen. Die Gesillsckaft erläßt diesen Aufruf, weil sie überzeugt ist, daß die öffentliche Meinung, die groyte aller Großmächte, im Stande ist, die Parlamente und durch diest die tRegte^ rangen zu bestimmen, eine neue Aera des internationalen Fi redens, beruhend auf der Hockhaltung des Rechts, zu inauguriern.
8. Schwurgericht. (Sitzung vom 25. § e b r u a r.) Strafsache g.gen bèn D reust kn. ckt Trabert von Mus (Kreis Fulda) wegen Meineids. Vorsitzender: Herr Landgerichtsrath Kehr; Vertreter der Anklagebebörde: Herr Gerichts«ffessor Mackeldey; Vertheidiger: Herr Rechtsanwalt Eberhard. Der Sachverhalt ist folgender: Ein Einwohner von M ü s, namens Gering, hatte in bim Staatswalde Aßmann-
dem Unterhattuntzsblatt 12 Setten.