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Nr. 46

Montag den 2 i. Februar

1896.

Sicnftiiadjridjtcn aus bem Kreise.

Gefunden: Ein kathol. Gebetbuch mit der InschriftElise Eckerich". Auf der Straße von Niederrodenbach bis Hanau ein Veloziped- Rr. 1226; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Niederrodenbach. Vier weiße Ringe. Ein Anmeldeschein über 30,8 Liter Aepfelwein.

Verloren: Eine schwarze Onixbroche mit Stein; dem Wieder- lbringer eine gute Belohnung.

Hanau am 24. Februar 1896.

Die Rede des Kaisers

Sei dem Festmahl des Brandenburgischen Provinziallandtages lehnt sich nach Form und Inhalt an die bemerkenswerthen Worte an, die ter hohe Herr wiederholt aus gleichem Anlaß an die Vertreter der Mark gerichtet hat. Der Sohn des märkischen Fürstenhauses, welches seit fast fünf Jahrhunderten untrennbar mit dem Booen der Mark Brandenburg ver­wachse» ist, spricht zu seinen Märkern, und wenn da das Herz des Mon­archen besonders lebhaft empfindet und seine Worte mit inniger Wärme der Verdienste gedenken, welche das märkische Volk sich auf blutigen Ge­filden um das Hohenzollernhaus und den ganzen preußischen Staat er­worben hat, so ist dies die natürliche Wirkung der historisch gegebenen Thatsachen und des tiefen Gemüthslebens unseres kaiserlichen Herrn.

Zwei Momente führt Kaiser Wilhelm heraus vor unser geistiges Auge, Momente von gewaltiger Symbolik, Zeugnisse aber zugleich für das tiefe Empfinden, mit dem der Monarch auch in dem Spiel des Zufalls die Absichtlichkeit einer Vorsehung erkennt. Er führt uns hinaus auf die blutgetränkten Schlachtfelder von Metz, und er eröffnet uns einen Blick in die Empfindungen, die ihn, den Enkel, den Erben der Vergangenheit, be­seelten beim Weilen auf dieser erinuerungsreichen Stätte.Bewegten Herzens und feuchten Auges" hat er auf die Gefilde geschaut, und er hat sich gelobt, daß für die Helden jener Schlachtennichts zu hoch und nichts zu viel sei", um sich bei ihnen zu bedanken. Und wieder führt uns der Monarch hinüber in die Tage, da der Kaiser Wilhelms-Kanal eröffnet wurde, um uns in treffender Allegorie zu zeigen, wie auch vor dem deutschen Volke einst düstere Wolken sich ballten, wie Blitze zuckten und Donner grollten, und wie dennoch zuletzt das hemmende Tau zerrissen wurde, wie die ersten Strahlen der Sonne das Gewölk zertheilten. Gott- vertrauen das ist es, was der Enkel an seinem Ahnen, an dem ersten Kaiser des neuen Reiches preist, das ihm als die Grundlage aller seiner Erfolge erscheint. Darum gilt ihm die Erinnerungszeit, die wir jetzt durch­lebten, vor allem als eineVerherrlichung dieser uns geradezu heilig ge­wordenen Persönlichkeit", darum hält er es für seine höchste Pflicht,das geheiligte Andenken an diesen hohen Herrn rein und hehr zu vertheidigen gegen Jedermann, er möge kommen, von wo er auch will", darum greift er zurück auf den Trinkspruch des Sedantages.

Der alte märkische Geist lebt heute aber auch in allen preußischen Provinzen, ja er durchdringt alle deutschen Stämme. Das Gottvertrauen, dem unser Kaiser in seinen Worten gleichzeitig einen so erhebenden Aus­bruck gibt, hat auch in der deutschen Nation unausrottbare Wurzeln. Des Kaisers Zuversicht ist des Volkes Zuversicht. Und wenn uns eine Welt von Feinden erwächst, das deutsche Volk steht in unwandelbarem Bei trauen auf Gottes starke Hand heute so fest zu seinem Kaiser, wie stets das märkische zu seinem Fürstenhause. 'r.

Tagesschau.

Die Börsenkommission des Reichstages verbot gemäß dem An­trag Schwartze (Zentr.) den Getreidetermin handel mit 11 gegen 9 Stimmen.

Die weiteren Nachrichten über den Verlauf der Konfektionsstreik- Versammlungen lauten sehr widersprechend. Einzelne gestrigen Mor­genblätter berichten, daß eine Resolution auf Streitbeendigung in 7 Ver­sammlungen angenommen, in 4 dagegen abgelehnt worden sei. Die Fünferkommission gibt bekannt, daß die große Mehrzahl der Arbeiterschaft Beendigung bi 8 Streikes, und nur vereinzelte Versammlungen Fortführung desselben beschlossen haben. Die Kommission ersucht gleichzeitig, die Samm- '

lungen behuss Rückzahlung geliehener Getorr sorrzuieyen. Bei der vor­gestrigen Delegirtenversammlung der Gewerbekommissionen berichtete Schnei­der Timm im Auftrage der Fünferkommrjston über den Stand der Be­wegung. Er erklärte, man könne mit dem erreichten Lohnaufschlag zufrie­den sein. Die Anarchisten hätten in die Bewegung eingegriffen und die Fortsetzung des Streikes proklamirt. Hierfür lcbne die Kommission jede Verantwortlichkeit ab. Verschiedene Delezirte erklärten sich mit dem Vor­gehen der Fünferkommission einverstanden. Die Versammlung nahm schließ­lich eine Resolution an, daß die Delegirten mit dem Verhalten der Kom­mission völlig einverstanden seien und erwarteten, daß die Berliner Arbeiter­schaft den Bestrebungen der Anarchisten energisch entgegentreten werde. In bethciligten Kreisen gilt trotz der gegenteiligen Agitation der Streit für beendet.

In Amsterdam ist ein großer Streik eingetreten. 2000 Di a- mantschl eifer stillten die Arbeit ein. Sie fordern eine Lohnerhöhung.

Während die Transvaalfrage äußerlich mehr und mehr versumpft, behauptet sich in London in gewissen sonst gut unterrichteten Kreisen mit Hartnäckigkeit das vor einigen Tagen hier erwähnte Gerücht von einer bevorstehenden militärischen Kundgebung Englands an der Grenze von Natal gegen den Burenfreistaat. WiederKöln. Ztg." von befreundeter Seite geschrieben wird, wäre in der ersten Hälfte des Januar vom englischen Ministerium an das Kriegsamt und die Ad­miralität Weisung ergangen, darüber zu berichten, wie viel Zeit erforder­lich sei, ein vollständig ausgerüstetes Armeekorps von 20 000 Mann in Natal zu landen. Die Frist wurde von den beiden Ministerien auf etwas unter drei Monate bemessen, und seitdem soll man mit Ausarbeitung der Einzelheiten des Planes für eine solche Expedition lebhaft beschäftigt sein. Ein starkes Kontingent aller Waffengattungen, zum Theil eingeborene Truppen, würde Indien zu diesem kleinen Heere stellen. Mögl cherweise ragen diese zunächst wohl nur papierenen Vorbereitungen nur deshalb aus dem brennenden Stadium der Frage in die heutige friedliche Behandlung hinein, weil der einmal begonnene Plan fertig gemacht werden soll, um dann in die Mappen des Generalstabes zu wandern. Vielleicht könnte auch mit den Vorbereitungen und Gerüchten ein papierner Druck zur Er­leichterung der schwebenden Verhandlungen beabsichtigt sein. Daß nachge­rade noch ernstlich eine Ausführung des Planes geplant werden sollte, scheint bei der heutigen Sachlage und nach den Erklärungen der englischen Regierung undenkbar. Immerhin sei aber doch der erneuten Gerüchte Erwähnung gethan, um das Gesammtbild der Dinge zu vervollständigen. Aus London wird berichtet: Nach telegraphischen Meldungen aus Prä- toria nimmt die englisch feindliche Bewegung unter den Buren große Di­mensionen an. Eine Kollision zwischen England und Transvaal erscheint unvermeidlich.

Depeschen-Bnrea«Herold".

23. Februar, abends 9 Uhr:

Berlin, 23. Februar. Bei dem Diner, welches Oberpräsident v. Achenbach den Mitgliedern des brandenburgischen Provinzial-LandtageS gab, hat der Kaiser, wie dieStaatsbürger-Zeitung" wissen will, eine Aeußerung gethan, die mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Berathungen des Börjen-Ausschusses äußerst bemerkenswerth erscheint. Es würben ihm von einem der Gäste die ungünstigen Wirkungen des Börsen -Termin­handels in Getreide für Produzenten und Konsumenten austinandergesetzt. Der Kaiser soll hierauf erwidert haben: Dann verbietet doch den Getreide- Terminbandel. ,

Berlin, 23. Februar. Der Rechtsanwalt Dr. Fiiedmanu^ift in Bordeaux verhaftet wo, den. Am Freitag entdeckte man im Hotel France ein Pärchen, auf welches das Signalement Friedmanns und der «una Mertenspaßte. Die Polizei wurde nach dem Hotel geschickt und olr Friedmann ausging folgte ihm ein Polizist, der «hu aufforderte, ,hm nach der Wache zu folgen und sich zu legitimiren. Friedmann, der sich im Hotel^als Dr. Feldau eingetragen hatte, zögerte zuerü, ging dann aber mit und hatte darauf ein 4 Smnden währendes Verbör zu bestehen. Er behauptete, Dr. Feldau zu heißen und aus Krakau zu sein. Er reise mit