Erstes Blatt.
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Nr. 45. Samstag den 22. Februar
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Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 16.
Amtliches, ^fadtâret^ ^aixaxt.
Wegen dem Ausbau der Eberhardstraße ist dieselbe von heute ab für den Fuhrverkehr bis auf Weitens gesperrt.
Hanau am 20. Februar 1896.
Königliche Polizeidirektion.
P. 1727 v. Schenck, Landrath.
Dicnstnachrichtcn aus dem Kreise.
Gefunden: Eine getragene seidene Kappe. Ein Kindermuff. Ein wollener Kinderschuh. Ein Kinderhandschuh mit Pelzbesatz. Ein Portemonnaie mit etwas Gelo.
Hanau am 22. Februar 1896,
^faMHrete ^attatt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Realschule zu Hana«.
Anmeldungen für das neue Schuljahr nimmt der Unterzeichnete in der Woche vom 2.-7. März, täglich von 11—12 Uhr, in der Realschule entgegen.
Hanau den 13. Februar 1896.
Der Realschuldirektor
Dr. Schmidt. 2247
Höhere Töchterschule.
Anmeldungen für das neue Schuljahr werden vormittags von 10 bis 12 Uhr im Schulgebäude, Steinheimer Straße 37, entgegengenommen, und es sind hierbei die Geburts- und die Impfscheine vorzulegen.
In die unterste Klasse IX werden diejenigen Kinder ausgenommen, welche 6 Jahre alt sind. Den geltenden Bestimmungen gemäß finden jedoch auch die Kinder, welche dieses Lebensalter bis zum 1. Oktober zurücklegen, sofern sie in körperlicher und geistiger Beziehung zum Schulbesuche reif erscheinen, zu Ostern Aufnahme.
Hanau den 13. Februar 1896.
Der Schuldirektor
Junghenn. 2046
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Drahtnachrichten des „Han. Anz."
Berlin, 22. Februar. Beim Staatssekretär des Reichsmarine-Amts sand geftirn Abend ein Diner statt, wozu der Vorstand und andere Mü- glieder des Reichstags, sowie tèhere Marineoffiziere eingeladen waren. — Eine Deputation der deutschen Kali-Industrie wurde gestern von dem Fürsten Bismarck empfangen.
Berlin, 22. Februar. Die Fünfer-Kommission erklärte nunmehr den Konftkiicnsstreik für beendet, nachdem gestern 7 Versammlungen von Arbeitnehmern Resolutionen in diesem Sinne angenommen hatten. 4 gestrige Versammlungen sprachen sich für Fortsetzung des Streikes aus.
8 erlitt, 22. Februar. Redakteur Braun vom „Vorwärts" wird des Meineids beschuldigt. Der „Vorwärts" bemerkt dazu, daß der Werth dieser Anklage wohl am Besten daraus erhelle, daß Braun auf freien Fuß gesetzt wurde, obwohl er Ausländer ist und daß der Richter sogar die an- gebotene Kaution ablehnte.
Kiek, 22. Februar. Die Inhaber der im vorigen Jahre abgebrannten fallilen Dunryßen'schen Seifenfabrik in Friedrichssiadt, Rath- anann und Scheller, wurden gestern verhaftet.
E^ Die heutige Nummer umfaßt außer dem
1896.
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Hamburg, 22. Februar. Im Beese in des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg wurde hier eine Abtheilung Hamburg der deutschen Kolonialgesellschaft gegründet. — Man hofft den Dampfer „Marcomannia" wieder statt machen zu können. f
Rom, 22. Februar. Der Ministerrath beschloß gestern, weitere 12 bis 20 Bataillone nach Afrika zu entsenden. Auch der General Baldissera soll dorthin abgehen.
Paris, 22. Februar. Die Krisis ist beendet. Der Senat unterwarf sich der Kammer.
Madrid, 22. Februar. Die Nachricht von dem Tode Maceos, welche vor einigen Tagen verbreitet wurde, wird noch nickt offiziell bestätigt. In militärischen Kreisen scheint man jedoch derselben großen Glauben beizumessen, umsomehr, als die von dem General Wiyler an die Regierung abgesandien Telegramme günstig gehalten sind und einen baldigen Sieg der Spanier in Aussicht stellen.
London, 22. Februar. Die Königin Viktoria übersandte dem Präsidenten Krüger eine herzliche Beileidsdepesche anläßlich der Dynamit- katastropbe in Johannesburg.
Athen, 22. Februar. Die Nachrichten aus Kreta lauten alar- mirend. Die Türken, welche mehrere christliche Familien übersallen hatten, wurden von den Christen blockirt. Man befürchtet den Ausbruch eines neuen Aufstandes.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Hanauer Stadttheater.
Bei Aufstellung des dieswöchentlichen Spielplans war mit Recht darauf Bedacht genommen worden, daß das kleine Volk, welches sich das ganze Jahr auf die Fastnachisvorstellung freut, auch dieses Genusses theilhaftig werde. Den betrübten Gesichtchen am Fastnacht-Dienstag vorzu- 6tugen, die keine Karte für diese Vorstellung mehr erhalten konnten, hatte die Direktion schon für Sonntag Nachmittag eine Aufführung des reizenden Märchens „Sneewittchen und die sieben Zwerge", für die Bühne von E. A. Görner bearbeitet, angefetzt, welche denn auch ein in allen Räumen wohlbesetztes Haus brachte. Welches Kind hat nicht von seinen Angehörigen schon die Geschichte von Sneewittchen und seiner bösen Stiefmutter erzählt bekommen und welcher Reiz liegt für die Kinder nun darin, die Gestalten, mit denen sich seine Phantasie beschäftigt, verkörpert vor sich zu sehen. Die verklärten Gesichter der Kleinen und der lebhafte Beifall, den sie spendeten, bewiesen den Darstellern, vor welch' dankbarem Publikum sie ihre Kunst bethätigen durften. Ein reizendes „Sneewittchen" war Frl. Dönberg, so recht die poesievolle Erscheinung, lieblich zum Ansehen, dazu einfach und naiürlich im Spiel. Ein recht jugendlich feuriger „Prinz aus dem Goldlande" war Herr Stöckel. Die Königin, die böse Stief- muiter, verkörperte Fi au Lan iu s- G al st er recht treffend, und Herr Huhn, der auch bei den Kleinen schon recht bekannt zu sxin scheint, gab mit Humor den „Minister". Herr Seipp als „Jäger", Frl. Mächold als „Blick", sowie die übrigen Darsteller und besonders die munteren Zwerge vervollkommneten mit Erfolg das Ensemble. Für den Sonntag Abend hatte man eine echte Karnevalsposse ausgesucht. Der böse Geist „Lumpacivagabundus" oder „Das liederliche Kleeblatt", Zauberposse mit Gesang von Nestroy, übt immer noch seine Zugkraft, wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß sie stark veraltet ist und der harmlose Humor heute nicht mehr recht schmecken will. Wären nicht die zahlreichen Extempore, mit denen die Posse fortgesetzt „modernisirl" wird, so wäre sie schon längst von der Bübne verschwunden. Mit dem ersten Akt hatte man es sich ziemlich leicht gemacht, indem die Geister, deren Erscheinen jedesmal mit Donner begleitet wurde, einfach aus der Koulisse hervorlraten, das war etwas „fauler Zauber", der auf das Konto des Herrn Huhn als Regisseur gesetzt werden muß. Im fiebrigen konnte die Aufführung befriedigen. Daß die Herren Huhn und Hel fing in der drastischen Ge- staltrng ihrer Partien ihrem Humor keine Schranken setzten, war zu erwarten, aber diese Posse verträgt nicht nur starke Mittel, sondern sie erfordert sie geradezu. AIs Dritter im Bunde sei Herr Stöckel genannt, der sich aus dem „Prinz aus dem Goidlvnde" vom Mittag, abends in den
Unterhaltungsblatt L2z Seiten.