Einzelbild herunterladen
 

MrmmaevtS-

Preis:

WbrllchS^ Hâj.4^t50^ «erteljâhrlich 3 ^ 25 ^.

Wr auswärtige Mormeuten mit Ähh betreffenden

Votzaufichlag.

Die einzelne Msmmer 10 ^.

^ftMMWWI IM *W M— H

Nr. 43.

anautrAnZtiaer

Zugleich

Amtliches gnrgon für Stadt- und Landkreis Kanarr.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Donnerstag den 20. Februar

Ittsertrovs-

Preis:

Die twattige - Garmond-eNe ober bereu 31 nm

10 Ä, dir 1*/t>p. Zelle

15

die Lspalt. Zeile

20

die Zipalt. Zeile

30 4 imRck amenlbeil die tspalt Zelle 20 4 netto.

1896.

Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 15.

Dienstnachrichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Modell nebst Feder zu einem Damenhut. Eine Bindekette. Ein Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Eine schwarze Schürze. Ein kleiner Hundemaulkorb. Wäsche (Handtuch nebst weißem Kissenüberzug). Ein Spazierstock. Ein Hundehalsband.

Hanau am 20. Februar 1896.

Tagesschau.

Dem Vernehmen nach dürfte in dem demnächst an den Landtag gelangenden Gesetzentwurf wegen Einführung des Systems der Dienst­altersstufen für die richterlichen Beamten auch die aus anderen Gründen der Lösung bedürfende Frage der Andersregelung der Uebernahme der Gerichtsassessoren in den Richterstand zum Austrag gebracht werden. Man werde in der Annahme nicht fehlgehen, daß dabei die be­währten Einrichtungen anderer Bundesstaaten zum Anhalte dienen werden.

Der Cerrtrumsabgeordnete Dr. Bachem hat mit Unterstützung einer Zahl von Mitgliedern des Centrums beantragt: Der Reichstag wolle beschließen; für den Fall der Ablehnung des Antrages Auer und Genossen, sowie des Antrages Ancker und Genossen (Reichsvereinsgesetz), der folgenden Resolution seine Zustimmung zu geben: „In Erwägung, daß der Entwurf eines Bürgerlichen Gesetzbuches die privatrechtliche Seite des Vereinswesens für das ganze Gebiet des Deutschen Reiches einheitlich zu regeln vorschlägt, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag möglichst bald den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, welcher die öffentlich-rechtliche Seite des Vereinswesens, sowie das Versammlungsrecht für das ganze Gebiet des Deutschen Reiches einheitlich regelt."

Aus Rom wird gemeldet, im Vatikan sei man über die demon­strative Vertretung Frankreichs bei der Konversion in Sofia er­staunt und entrüstet. Frankreich beanspruche das Protektorat über die Katholiken des Orients, deshalb hätte man nicht geglaubt, daß Frankreich die Liebe zu Rußland so weit treiben werde.

Die Lage der Italiener in Abessynien bleibt schwierig. Eine Depesche des Generals Baratieri aus Sanriat vom 17. d. meldet, daß Ras Scbat und Ras Agos in der Nacht des 14. Februar' mit einem kleinen Theile ihrer Truppen von den Italienern abfielen und am 16. d. die kleine Station der Italiener bei Kol Seetas südlich von Adigrat an­griffen, worauf sie gegen den Paß von Alequa zu weitermarschirten. Der Hauptmann Moceagatra ist am 16. d. vormittags 10 Uhr von Atabei (einer italienischen Station P/s Stunden westlich von Alequa) mit 300 Mann italienischer Truppen gegen Alequa vorgerückt und aus den Feind gestoßen, mit dem er sich in ein Gefecht einließ, welches er in Erwartung von Verstärkungen in die Länge zog. Major Valli traf dann auch mit dem 7. Bataillon ein und griff sogleich Kol Seetas an, welcher Punkt nach sehr lebhaftem Kampfe aurü es genommen wurde. Die Haltung der italienischen Truppen ist ausgezeichnet. Auf der Seite von Kaffala ist Alles ruhig.

Manchen englischen Politikern scheint der Gedanke, daß die auf den Verfall des ottomanischen Reiches abzielende armenische Politik Englands Fiasko gemacht hat, nicht zu behagen. Sie gefallen sich vor wie nach darin, den Zusammenbruch des orientalischen Status quo zu prophezeien. So unterliegt es für den Standard-Korrespondenten in Kairo keinem Zweifel, daß das Ende des jetzigen Regimes in der Türkei durch den unzufriedenen Theil der muselmännischen Bevölkerung, mit Egypten, Arabien und Syrien als Basen herbeigesührt werden würde. Alles hat den Anschein, als ob es bald zu Aufstände« kommen wird. Sollte der zweite Beiramtag ohne Unruhen vorübergehen, so werde der zweite September nicht beginnen, ohne daß es zu einer Revolution in der Türkei gefommen ist. W

Der letzte spanische Mirnsterraih beschloß, weitere 14 Millionen Mauser Patronen, zum größten Theil in Deutschland, in Auftrag zu geben. Der Marineminister wurde ermächtigt, 2000 Mausergewebre anzuschaffen. Auch sollen die für Kuba bestimmten Schuellseuerberggeschütze um weitere 12 Stück vermehrt werden. Die Geschütze liefert die Krupp'sche Fabrik.

Die Einweihung der neuen deutschen Ansiedlung in Tientsin fand, wie der Ostasiat. Lloyt^, berichtet, dort am 15. Tezeurber in der Nähe der „Neuen Schule" mit großem Zeremoniell statt. Der deutsche Vertreter dort, Herr Baron v. Seckendorff, hatte an alle seine in Tientsin lebenden Landsleute Einladungen ergehen lassen, und etwas nach 12 Uhr mittags hatten sich über sechzig Deutsche in einem für diesen Zweck errich­teten Zelt eingefunden; es war reich mit den vaterländischen Farben sowie mit der Drachei flagge Chinas dekorirt. Die chinesische Regierung war durch eine größere Zahl von Herren reprâsentirt. An der Zeremonie nahm auch die in Tientsin für den Winter dort ftationirte 50 Mann starke deutsche Matrosenabtheilung Theil; sie langte vor dem Zelte, unter den Klängen der Tientsin. Stadtkapelle und kommandirt vom Premierlieutenant der Seesoldaten, Baron von Liliencron, in Paradeuniform an. Nachdem die Musik einige Stücke gespielt, hielt Baron von Seckendorff eine Rede, in der er die Umrisse der Verhandlungen zur Abtretung der Niederlassung schilderte; er betonte, daß die Konzession, welche China Deutschland gegen­über gemacht, ein Beweis für das gute Einverständniß sei, welches zwischen den Staatsoberhäuptern Deutschlands und Chinos bestehe. Zum Schluß brachte er einen Toast auf Se. Majestät den Kaiser aus, und indem die Matrosenabtheilung prâsentirte, intonirte die Kapelle die Nationalhymne.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 19. Februar.

Der Reichstag setzte heute die Berathung des Etats dcrHeeres- Verwaltung fort.

Abg. Bebel (sozd.) bringt nochmals Beschwerden über angebliche Vorkommnisse in der Armee vor, worauf der Kriegsminister Bronsart von Schellendorfs erwidert, daß er über einzelne der vorgebrachten Fälle keine Auskunft geben könne, da sie zum Ressort der Kommandos gehörten; man könne aber auch nicht verlangen, daß er auf jeden von den Sozialdemokraten angeführten Fall, den diese in den Zeitungen ge­lesen und hier agitatorisch ausbeuten wollten, Rede und Antwort stehen solle. Wenn die Sozialdemokraten mit Uebertreibungen und objektiv un­wahren Behauptungen kämen, so müsse er es dem Hause überlassen, daraus die Schlußfolgerungen zu ziehen. Der Minister gehf nunmehr auf eine Anzahl von Beschwerdefällen ein und weist deren Haltlosigkeit nach.

Abg. Bebel (sozd.) bleibt bei seiner Darstellung und wirst dem Kriegsminister Beschönigungen und Verschleierungen der Wahrheit vor.

Der Kriegsminister Bronsart von Schellendorss entgeg­net, daß er diese Unterstellungen mit aller Entschiedenheit zurückweise.

Abg. Lieber (Ctr.) betont, es sei sonst üblich, die Regierung von den Beschwerden vorher in Kenntniß zu setzen; diese sei dann in den Stand gt setzt, bei der öffentlichen Verhandlung über die vor gebrachten Fälle Auskunft geben zu können; freilich entbehre dann der betreffende Abgeordnete des Triumphes, augenblicklich als Sieger dazustehe». Er be- daure, daß der Abg. Bebel die sonst übl'che Praxis nicht befolge. Die vom Abg. Bebel angeregte Frage der Einstellung von Soldaten in die Arbeiterabtheilung könne nicht so kurzer Hand, wie Bebel glaube, erledigt werden; er behalte sich vor, darauf im nächsten Jahre in der Budget­kommission zurückzukommen.

Abg. Lenzm ann (freis. Volksp.) meint, daß die auf dem Wege der Disziplin erfolgte Einstellung eines Soldaten in die Arbeiterabckeilung, worüber der Abg. Bebel sich beschwert habe, seiner juristischen Auffassung nach nicht gerechtfertigt sei. *

Abg. Gröber (Ctr.) macht dem gegenüber geltend, daß die Dache doch nicht so einfach liege; nach Maßgabe der juristischen Litteratur über die einschlägige Materie sei wohl die Disziplinarordnung neben dem Militärstrafrecht als geltend «»Zusehen, und es ginge doch wohl nicht an, so ohne Weiteres an alten, bewährten Einrichtungen zu rütteln.

Bei dem Titel „Artillerie- und Woffenwrsen" kommt der Abg. Bebel (sozd.) darauf zu sprechen, daß sich unter den Prilverfobrikanten ein Ring gebildet habe, welcher der Militärverwaltung bui hohe Preise ab­fordere.

Generalmajor Frhr. y. Falkenhausen erwidert, daß von einer Ueber vortßeilring der Militärverwaltung durch die Privatfabriken nicht die Rede sei. Die Privaipulverfabriken könnten nicht entbehrt werden. weil sie für den Kriegsfall in Bereitschaft gehaben werden müßten, und weil überdies einzelne Pulverarten durch Patente geschützt seien.