«»«MtNtS- Preis: Jährlich 9 ~* Hakbj. 4-^50^ «i-rteljährlich 3 «M 25 ^.
Mr auswärtige Monnenten mit km betreffenden Pvstaufschlag.
Die einzelne Memwer 10 ^,
MLuerAmeiaer.
Zugleich
Amttiches @)rgon für KLctöL- und Lanök^eis Kanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Insertions- Preis:
Die Ispalrige ©armonbitüe ober deren R> »m 10 §, die lV*>p. Zeile 15 die 2f»alt Zeile 20 ^, die Bfpalt. Zeile 30 4 imRekiamentheil die Ispalt. Zeile 20 4 netto.
Nr. 38. Freitag den
^■■■———■— ......... I m,,, _ _i_____■
Amtliches.
Dicnstnachrichtcn aus dem Kreise.
Entlaufen: Ein junger weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, w. Geschl.
Gefunden: Ein Taschenmesser. Zwei Rollen weißes Häkelgarn nebst Häkelnadel. Eine Legitimationskarte von hiesiger Ortskrankenkasse für Johann Kerling.
Hanau am 14. Februar 1896.
KlâSl^ers ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Höhere Töchterschule.
Anmeldungen für das neue Schuljahr werden vormittags von 10 bis 12 Uhr im Schulgebäude, Steinheimer Straße 37, entgegengenommen, und es sind hierbei die Geburts- und die Impfscheine vorzulegen.
In die unterste Klasse IX werden diejenigen Kinder ausgenommen, welche 6 Jahre alt sind. Den geltenden Bestimmungen gemäß finden jedoch auch die Kinder, welche dieses Lebensalter bis zum 1. Oktober zurücklegen, sofern sie in körperlicher und geistiger Beziehung zum Schulbesuche reif erscheinen, zu Ostern Aufnahme.
Hanau den 13. Februar 1896.
Der Schuldirektor
Junghenn. 2046
Die Anerkennung des Fürsten Ferdinand.
Sofia ist mit bulgarischen und russischen Fabnen geschmückt. Ein dreifaches Fest ist es, das Bulgarien feiert: die Versöhnung mit Rußland, die Anerkennung des Fürsten und den Uebertritt des Thronfolgers zur Landeskirche. „Die Morgenröthe des Orients" leuchtet in der Tbat dem Fürsten, seitdem es ihm gelungen ist, den Zaren umzustimmen. Vollzieht sich doch die Annäherung Rußlands unter besonderen Zeichen des Wohlwollens des Suzeräns; Fürst Ferdinand hat mit dem Uebertritt seines Sohnes für seine Zwicke erreicht, was er erstrebte. Der Erfolg des bulgarischen Ministerpräsidenten beim Großherrn ist nach der ganzen politischen Konstellation nur unter Einwirkung Rußlands möglich geweseu, denn zwischtn Stambul und Petersburg herrschen jetzt sehr intime Beziehungen. Besonderen Dank schuldet Fürst Ferdinand zunächst Rußland. So uneigennützig war die Politik des Zarenreiches aber nie, daß sie nicht auch diesmal ein bestimmtes Ziel als Gegengeschenk im Auge hätte, und Liebe allein ist es sicherlich nicht, welche jetzt das mächtige nordische Reich zu dem Fürsten hinzieht, der bald neun Jahre hindurch als „Usurpator" behandelt wurde. Der russische Einfluß dominirt nun wieder auf dem Balkan und damit erhält Rußland eine ausreichende Entschädigung für die Nachsicht und Nachgibigkeit gegenüber Bulgarien und seinem Herrscher. Das Wort hoben jetzt die Signatarmächte des Berliner Vertrages. Es ist nicht anzunehmen, daß dem Anträge ter Pforte von irgend einer Seite die Zustimmung verweigeit wird. Die mitteleuropäischen Mächte streben längst geordnete Verhältnisse in Bulgarien an und hätten dem Fürsten Ferdinand während seiner ersten sieben Regierungsjahre sicherlich gerne die Anerkennung zu Theil werden lassen, wenn nicht ganz besondere Rücksichten für Rußland gegen einen solchen Schritt gesprochen hätten. Fürst Ferdinand hat allerdings in den beiden letzten Jahren die Hoffnungen nicht ganz gerechtfertigt, die man in ihn setzen z« können glaubte. Sein Ehrgeiz drängte ihn ab von der jahrelang eingehaltenen Richtung, für seine heißen Aspirationen war der ruhige Weg zu lange, nun ist er dem Endziele mit einem Male nahe und gar bald wird er die Ehrenbezeugungen eines Souveräns auch im Auslande für sich in Anspruch nehmen dürfen, die er bisher so schwer vermissen mußte. Die Dinge in Bulgarien entwickeln sich rasch, ob auch ;um Heile des Landes, wird die Zeit lehren.
TageSfchau.
Die Kommission des Abgeordnetenhauses für das Lehrerbesoldungsgesetz nahm den § 5 des Gesetzes an, die Alters- I
li. Februar 1896.
zulagen in der Weise zu genehmigen, daß der Bezug nach 7 Jahren nach dem Eintritt in den öffentlichen Dienst beginnt und daß neue gleiche Zulagen in Zwischenräumen von je 3 Jahren gewährt werden; ebenso § 6 nach der Fassung Winkler: Die Alterszulagen dürfen nicht weniger als für Lehrer jährlich um 80 Mark steigen, von drei zu drei Jahren um 50 Mark bis jährlich 720 Mark, für Lehrerinnen um 60 Mark steigend ebenso bis 540 Mark; ferner § 7, ein rechtlicher Anspruch auf Neugewährung der Alterszulagen steht den Lehrern und Lehrerinnen nicht zu. Die Versagung ist nur bei unbefriedigender Führung zulässig und bedarf der Genehmigung der Bezirksregierung. Die §§ 8 und 9 wurden nach der Regierungsvorlage angenommen.
Es war ein sehr glücklicher Gedanke der National liberalen, als sie angesichts des jetzigen Konfekiionskrieges im Reichstag eine Interpellation über die Lage der Konfektionsarbeiterinnen einbrachten und so den Sozialdemokraten eine geschmeidige Waffe aus de« Hänen wanden. Und von Niemanden konnte die Interpellation, die auf der Tagesordnung stand, besser und geschickter vertreten werden, als von dem Abgeordneten Freiherrn Heyl zu Herrnsheim, der selbst ein großer Arbeitgeber, seit Jahren einen wohlverdienten guten Ruf als höchst humaner Chef und als thatkräftiger Sofialpolitiker erlangt hat. Mit voller Schärfe geißelte er die Zustände, die sich in der Kousektionsbranche eingenistet haben, schob die Hauptschuld den Zwischenmeistern zu und verlangte Ausdehnung der Arbeiterschutzbestimmungen auf die Konfektionsgeschäfte, sowie die Einsetzung weiblicher Fabrikinspektoren und später ein Spez algesetz für Ladnerinnen und Kellnerinnen, wie es in der Schweiz eiugesühit worden sei. Es erhob sich sofort der Staatssekretär von Bötticher zur Beantwortung der Jnterpellaüon. Mit wahrhaft herzerquickender Deutlichkeit erUärte sich der Minister im Prinzip mit dem Vorredner völlig einverstanden, und ohne jede Einschränkung betonte er, daß Herr von Heyl ten Finger in eine der schlimmsten Wunden am Körper unseres öffentlichen Lebens gelegt habe und daß es eine Aufgabe aller Vater landsfreunde sei, den Krebsschaden zu beseitigen. Die Regierung habe nicht abgelaffen, auf eine Besserung der Zustände hinzuwirken. Auch Herr v. Bötticher erkennt an, daß das System der Zwischenmeisterei die größten Uebelstände zur Folge habe. Mit vollstem Recht hebt er sodann hervor, daß eine Reform so außerordentlich schwer sei, weil viele Frauen und Töchter selbst der besseren Stände sich zu Heimarbeiten in der Konsiktioilsbrairche drängten und dadurch die Löhne herabdrückten. Unter diesen Umständen wäre es schwierig, den wirklichen Arbeiterinnen ein einigermaßen menschenwürdiges Auskommen zu sichern. So groß aber alle die Schwierigkeiten bei der Frage seien, sie müßten überwunden werden. Zu diesem Zwecke habe die Regierung den Beschluß gefaßt, die Angelegenheit in Angriff zu nehmen und die Kommission für Arbeiterstatistik mit Erhitzungen und Enqueten zu beauftragen. Es sprachen nun Hitze und Schall, die beide ihrem Wohlwollen für die Konfektionsarbeite- rinnen Ausdruck gaben. Des Sozialdemokraten Fischer Ausführungell bewegen sich in den altgewohnten Geleisen besserer sozialdemokratischen Agitatoren. Mit seiner Anzweifelung der angeblich plötzlich aufgetauchten nationalliberalen Arbeiterfreundlichkeit entfesselt er eben solche Unruhe wie Unglauben mit der Behauptung, daß man Niemanden einen größeren Gefallen mit der Interpellation gethan habe, wie den Sozialdemokraten. Als erster Redner aus dem Hause gewann der redegewaltige Herr Rickert dem Konfektions- llnternehmerthum einige gute Seiten ab, worauf er den Handelsminister Frhrn. v. Berlepsch nach seiner Meinung über das weibliche Fabrikinspektorat fragte. Dieser erhob sich sofort und erweiterte die Ausführungen des Henn v. Bötticher noch um einige Details. Der Antisemit Zimmermann wankte sich sehr scharf gegen den Abg. Fischei, worauf Herr v. Heyl die bisherige Debatte zusammenfoßte. Ot trat nochmals für das weibliche Fabrikinspektorat ein, hielt eine neue Enquete für überflüssig und glaubte, daß der Streik keinen Nutzen bringen werde.
Abg. Singer soll, wie Dr. O.uarck in einer Volksversammlung in Coburg miltheilte, sein ganzes Vermögen der sozialdemokratischen Partei vermacht haben. Na, na!
In der gestrigen Sitzung der französischen Kammer, in welcher die Südbahnangelegenheit zur Berathung stand, wurde über das Schicksal