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Amtliches $rgan füv Staöt- mrö Landkreis ^anau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 37.

Donnerstag den 13. Februar

1896.

HierzuAmtliche Beilage" Nr. 13.

Amtliches. ^tadfUrei^ ^attatt«

Bekam tmachrrngen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Für die hiesige Armenverwaltung soll die BrodlieferttNg pro 1896/97 vergeben werden.

Geeignete Bewerber wollen ihre Angebote bis spätestens

Freitag den 13. März d. Js., vormittags 12 Uhr, im Geschäftszimmer der Armenverwallung Verschlosien einreichen.

Die Lieferungsbedingungen liegen zur Einsicht im Büreau der Armenverwaltung auf.

Hanau am 8. Februar 1896.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebe sch us.

Lagesschau.

In der Budgetkommission des Reichstags kam es bei der Lerathung des Etats des Auswärtigen Amts zu einer längeren Eröite- tung über die Forderung von 100,000 Mark zur Unterstützung deutscher Schulen im Au s l a n d e unb anderer zu gemeinnützigen Zwecken im Auslande bestehender vaterländischer Unternehmungen mit Aus­schluß der Krankenhäuser und Armen-Unterstützungsvereine. Eine Petition ms Bukarest um erhöhten Zuschuß für die dortigen deutschen Schulen wurde der Regierung zur Kenntnißnahme überwiesen. Staatssekretär von Marschall erklärte bei dieser Gelegenheit, daß für das nächste Jahr eine namhafte E. höhung dieser Position beabsichtigt sei. Sodann knüpfte sich an die Forderung von 7,111,510 M. im allgemeinen Etat eine längere Debatte vertraulichen Charakters. Nach eingehenden Erläuterungen des Oberstlieutenants Budde wurde die Forderung gegen die 4 Stimmen der Sozialdemokraten und des Abg. Gröber (Ztr.) bewilligt.

Aus Veranlassung des internationalen Friebensbnreaus zu Lern werden die Friedensgescllschaften aller Länder am 22. Februar eine gleichlautende Kundgebung erlassen, die sich zu Gunsten des Schiedsgerichts- Prinzips bei internationalen Streitigkeiten ausspricht. Die Anregung hier­zu ist von der englischen International Arbitration and Peace Asso­ciation ausgegangen. Die deutsche Früdensgesellschaft wird einer öffent­lichen Versammlung zu Berlin am 22. Februar die Resolution zur Be­schlußfassung vorlegen; sämmtliche Ortsgruppen der Deutschen Friedens- gkscllschast werden an demselben Tage öffentliche Versammlungen zu gleichem Zwecke abhalten.

Der arbeiterfreundlicheVorwärts", der immer ein voll- gerütteltes Maß der Entrüstung über die Bourgeois-Unternehmer aus- schmtet, wenn sie sich Uebergriffe erlauben, wird merkwürdig schweigsam, sobald sozialdemokratische Arbeitgeber sich Vergehen gegen ihr Personal zu Schulden kommen lassen. Auf den Fall Maurer u. Dimmick folgt jetzt ier Fall Arendt. Tas einzige Blatt Berlins, was die gegen das Münchener Lrauhcus bezüglich der Behandlung d<r organisirten Arbeiter erhobenen Lorwürfe todtschweigt, ist das sozialdemokratische Organ. In seinem Lericht über die letzte Versammlung der Brauen iarbeiler ist Alles, was über die Zustande im Münchener Brauhause und gegen den Direktor Arendt vorgebrccht wurde, sorgfältig ausge merzt worden. Das einzig "beitcrfreunblidje Organ entschuldigt sich damit, daß es ihm an Platz Nrgt le.

Der Umschwung in Bulgarien folgt der ihm durch die Logik Ereignisse rorgezeichneten Entwickelungslinie, und so kann denn die Meldung der Agence Balcanique, wonach die bulgarische Regierung aus Evnstantinopel die osfizielle Mittheilung erhalten habe, daß der Sultan 71 Prinzen Ferdinand als Souverain von Bulgarien anerkannt und den Akischin Botschaftern bei den Großmächten den Auftrag gegeben hat, die treffenden Regierungen um ihre Zustimmung zu bitten, kaum überraschend bitten. Bei Bernüsichtigurg der obwaltenden Umstünde liegt es auf der ^and, daß der Sultan den Schritt nur im engsten Einvernehmen mit

Raglano gethan haben kann; uns in dieje Voraussetzung zutreffend, so hat Europa keine Veranlassung, sich wegen der Anerkennung des Prinzen mehr Skrupel zu machen als sein Suzerain selbst. Von ungleich schwerer wiegenden Bedeutung für die künftige Gestaltung der Orientdinge erscheint die Wiederherstellung des russischen Uebergewichts in Bulgarien und der eventuelle Rückschlag, den diese Rehabilitirung auf die fernere Abgrenzung der russischen und der österreich-ungarischen Machtsphäre auf der Balkan- Halbinsel zu üben berufen sein dürfte.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 12. Februar.

Der Reichstag beschäftigte sich heute mit der Interpellation des Abg. Frhrn. Heyl zu Herrnsheim (nat.-lib.) bezüglich der Ar- beuerinnen der Konst ktions- und Wäschebranche. Der Interpellant weist auf die großen Mißstände hin, die in den Verhältnissen der Arbeiterinnen dieses Gewerbezweiges herrschten, und richtet an die verbündeten Regie­rungen die Anfrage, welche gesetzgeberischen Maßnahmen man zum Schutzffür Gesundheit und Sittlichkeit und gegen Ausbeutung dieser Arbeiterinnen durch das Trucksystem zu ergreifen beabsichtige.

Staatsuiinister v. Bötticher erklärt, daß er ganz aus dem Boden der Interpellation stehe; der Interpellant habe den Finger auf eine schwere Wunde gelegt, und wenn auch die Absichten ter verbündeten Regierungen sich noch nicht zu einer bestimmten gesetzgeberischen Vorlage verdichtet hätten, so beweise doch ihre ganze Thätigkeit, daß sie auf diesem Gebiete zu helfen bestrebt seien. Das beweise auch schon die Novelle zur Ge­werbeordnung von 1891, welche Bestimmungen gegen das Trucksystem, sowie über die Festsetzung der Arbeitszeit und die Ausdehnung des Schutzes über den engeren Bezirk der Fabrik hinaus enthalte. Aber die Anwendung aller dieser Bestimmungen stoße gerade in der Konfektionsbranche auf große Schwierigkeiten; die Schwierigkeiten müßten jedoch überwunden werden, und es seien auch schon im preußischen Ministerium für Handel und Ge­werbe sowie im Reichsamt des Innern die erforderlichen Schritte hierzu cingeleitct worden. Die Kommission für Arbeitsstatistik sei bereits mit der Untersuchung dieser Angelegenheit beauftragt. Aber er könne nicht verschweigen, daß eine durchgreifende Besserung der Verhältnisse nur dann Platz greifen würde, wenn sich auch die Arbeitgeber ihrer sozialen Pflichten gegenüber ihren Arbeitnehmern erinnerten. Bei der Besprechung der Interpellation empfiehlt der

Abg. Hitze (Centn.) die Einsetzung weiblicher Fabrikinspektoren bezw. eines Schutzkomitees von Herren und Damen zur Beaufsichtigung der Heimarbeit. Den Andrang von Arbeitskräften könnte eine Warnung vor Zuzug hindern.

Abg. Schall (kous.) erkennt ebenfalls die traurigen Zustände an, befürwortet eine ernstliche Abhilfe und findet es ganz begreiflich, daß unter den Arbeiterinnen dieses Gewerbezweiges ein Arbeitsausstand aus­gebrochen sei; der Redner freut sich, vor eine Frage gestellt zu sein, bei der seine Freunde ihr warmes Herz für die Armen und Nothleidenden im Lande zeigen könnten.

Abg. Fischer (sozd.) betont insbesondere die große Unsittlichkeit, die in den Kreisen dieser Arbeiterinnen herrsche, und macht dafür die beispiellos schlechten Löhne, sowie die Ausbeutung durch die Unternehmer- verantwortlich.

Adg. Rickert (srs. Ver.) stimmt einer gründlichen Untersuchung aus diesem Gebiete zu, glaubt aber, es werde sich dabei Herausstellen, daß die Klagen doch weit übertrieben seien.

Minister v. Berlepsch: Unser Land ist leider überreich an weiblichen Arbeitskräften. Der zweite Mißstand in dieser Sache ist das System der Zwischenmeister und der dritte, daß es sich hier wesentlich um Hausarbeit unb nicht um Fabi ikarbeit handelt. Ter Bundesrarh kann erst da einschreiten, wo Belriebswcikstâtten schon vorhanden sind. Die Commission für die Arbeite, statisuk war bisher mit anderen dringenden Arbeiten überlastet und konnte sich daher dieser Sache noch nicht widmen. Wenn man die Hausarbeit untersagen wollte, würde man auf der einen Seite nicht viel helfen, auf der anderen Seite aber viel schaden. Ich glaube, daß Sie sich in einem Irrthum befinden, wenn Sie annehmen, daß eine Frau als Fabrikinspeklor besser wirken könne als ein Mann. Für mich ist das keine prinzipielle Frage, sondern eine Frage der Zweck-