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Nr. 31
Donners:ag den 6. Februar
l«yö
zu
Amtliches.
Verkauf von „Bauplätzen".
Die nachbezeichneten, zum Schulgute des Königlichen Gymnasiums Hanau gehörigen, zu Bauplätzen geeigneten Grundstücke in der Ge-
martung von Niederdorfelden, als:
Kartenblatt 1 Nr. 264 — — ha 26 a 51 qm Acker bei'm Bezräbniß- platz,
„ 12 „ 54/2 rc. — l „ 49 „33 „ Acker an der Zeilweide,
zusammen 1 ha 75 a 84 qm,
sollen öffentlich meistbietend vom 1. April d. Is. ab gegen baare Zahlung verkauft werden. '
Termin hierzu ist auf Montag den 17. dieses Monats, Vormittags 11 Uhr, in das Gemeinderathszimmer in Niederdorfelden anberaumt.
Der Termin wird eine Stunde offen gehalten.
Die Bieter haben dem unterzeichneten Kommiffar, auf dessen Verlangen, ihre Zahlungsfähigkeit nachzuiveisen.
Auf angemessenes Kausgedot erfolgt der Zuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.
Hanau am 4. Februar 1896.
Der Königliche Domänenrath
Bell.
1664
Tagesschau.
I Im Vorderg, unde der politischen Diskussion steht der Aus- tritt Stöckers aus der konservativen Partei. Kl in un= befangen urtheilender Mensch wird verkennen können, daß Stöcker eine agitatorische Kraft ist. Er verbindet mit größter rednerischer Begabung, vornehmlich in Volksversammlungen zum Ausdruck kommen kann, die Fähigkeit, sich in vielen Sätteln zurecht zu finden. Er war deshalb für ie konservative Partei eine Zugkraft und an5 diesem Grunde ist er auch »lange gehalten worden. Jedoch mit den Vorzügen verbindet Stöcker auch iharaktereigenschaften, die einen Verkehr mit ihm nicht rüthlich erscheinen issen. Sein Brief über den Fürsten Bismarck hat diese Eigenschaften n hellsten Lichte gezeigt und seit jener Zen konnte man eine Spannung vischen der Parteileitung und Stocks bemerken, soviel auch die Kreuz- litung diestlbe zu vertuschen suchte; Stöcker hatte sich bei den Konser- tiven unmöglich gemacht, das ist der wahre Grund der Trennung. Daneben mag allerdings auch die Differenz in sozialpolitischen Fragen mitgewirkt haben. Tie Sozialpolitik hat .in den letzten Jahr- zeiintcn in Deutschland eine wichiige Rolle gespielt und spielt sie noch heute. Als die Kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881 erschien, wurde eine Aera der Fürsorge für den Arbeiter eingeleitet, wie sie bisher noch keine zweite Kulturnation gesehen hat. Man überbot sich förmlich in dem Bestrebe«, den in der Botschaft niedergelegten Ideen jum Siege zu verhelfen und hatte ja denn auch die Genugthuung, daß in verhâltniß- i mäßig kurzer Zeit die drei Arbeilerversichiruugsgesetze unter Dach und i Fach gebracht waren. Die Arbeitgeber wurden durch die letzteren stark ^Helasnt. Umsomehr soll es anerkannt werden, daß sie sich gerne an dem _ Bau des Versicherungswertes beteiligten. Nach den Versicherungsge- < setzen kam die GewerbeordnuNgsnevelle mit Sonntagsruhe, Marimal- ^arbeitstag für Frauen, Verbot der Kinde, arbeit u. a. m. Kurz es ist uns für die Arbeiter in kurzer Zeit in einer Weise gesorgt worden, wie in keinem anderen Lande der Welt. Was Wunder, wenn nament- üch mit Rücksicht auf die wachsenden Kosten die Arbeitgeber nunmehr zu der ; Meinung gelangt sind, in dieser Fürsorge für die Arbeiter solle nun i einmal eine längere Panse einlreteu, damit man erst einmal übersehen ■ könne, ob die daraus erwachsenden Lasten auch getragen werden können 1 Dörfer beachtete biefm Vorgang nicht und möchte auf der sozialpolitischen bahn, bi er einmal betreten hat, schnell vorwärts eile«. Die konser- ! 'ative Partei sieht ein, daß dies unmöglich ist, wenn überhaupt noch die ^rbeilgeberschaft in den produktiven Siânden, der Landwirthschast und Industrie, erhalten bleiben soll und so ist denn auch hier ein Stein des Anstoßes gewesen. Die Folgen, welche der Anstritt Stöckers für die dnscrvaiive Partei nach sich ziehen wird, werden vielfach überschätzt.
; -o sehr Stöcker auch agitatorisch wirksam war, er hatte dcch in den
Ävuhii, die ihm zujubitten, nicht* rotzen seiner Person sondern wegen )> ir.es Zus unrenLunges mit der k nwroanven Part i Autorität. Die ! Wpiitèerunßen von der letzleikii werden also ov.aussichtlich irdn allzu belrächltich sein, obschon Stöcker Mutrauen ist, daß er nunmehr alles ausbieten wird, um seine Anhängerschaft zu mehren und möglichst kräftig beim selbständigen politischen Auftreten zu erscheinen.
Hoivreviger a. D. S-öcker veröffentlicht in der konservativen „Neuen Westfälischen Volksztg." folgende Erk ürung: „An meine Wähler! Den Wählern und Wahliuânnern, welche mir das Vertrauen geschenkt haben, mich in das Abgeordnetenbans zu wählen, theile ich hierdurch mit, daß gewisse Umstände mich veranlaßt haben, aus der deutsch-konservativen Partei des Abgeordnetenhauses auszusweidkN. Meine politische, soziale und kirchenpolitische Haltung erleidet dadurch nicht die geringste Veränderung."
In der Deutschen Landwirthschasts Gesellschaft hat Staatssekretär von Bötticher dieser Tage folgende, mit großem Beifall ausgenommene Erklärung abgegeben: „Mir ist es ein Bedürfniß, mit dem Deutschen Laudwirthschasrsrach tu möglichst enge Berührung zu kommen. Die Ausgaben auch meines Ressorts weiseil mit Nothwendigkeit daraufhin, daß für die Landwirthschaft, soweit es in den Umständen liegt, das Möglichste geschieht und ich freue mich, daß iß von dem Standpunkte m ines Amtes aus, wenn auch nur in geringem Maße, dazu beitragen kann, daß die Interessen der Landwirthschaft gewahrt werden. Daß die Landwirth-
schaft das Bedü-sniß nach einer kräftigeren Bertrerung empfindet, ist sehr begreiflicher Wunsch, dessen Erfüllung nicht b'os im Interesse Landwu thschaft, sondern auch in dem des Vaterlandes liegt. Dazu zuwirken, wird mir steis eine besondere Freude sein."
Zwischen der preußischen Regierung und dem Bunde
ein der mit-
der
Landwirthe soll Dank Ler Bemühung«» des Reichskanzlers und des Finanzministers ein vertrauliches Uebercrukommen erzielt lein. D>e Regierung will eine ganze Reihe von Maßnahmen im Interesse der Land- wirthschaft vorbereiten, mit alleiniger Ausnahme des Antrages Kanitz. Nach dem Vè-lauf der letzten landwirtvfchaftlichen Dekanen im preußischen Landtage klingt das nicht direkt unwahrscheinlich.
Die seit längerer Zeit vorbereitete tkohudewegung in der Äon» fekttonsbranche ist jetzt in ein EmscheidUngsstavium geirrten. In zwölf vorgestern Abend in Berlin abgehalienen Versammlungen, die von etwa 15 000 Konscüionsarbeitern und -Ardenerinnen besucht waren, ist ein gleichlautender Beschluß angenommen, der, nachdem die bisherig, n Ausgleichsverbandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gescheitert sind, einen letzten Versuch antünvigt, um sich mit den Großkonfektionären über die ausgestellten Forderungen zu einigen. Wenn bis zum 9. Februar keine Einigung erzielt werden kann, soll der Kampf sofort ausgenommen werden. Gleichzeilig liegen Meldungen aus den Provinzen vor, aus denen hervorgehr, daß der Generalausstand auch dort planmäßig organisirt wird. Solche Meldungen liegen vor aus: Hamburg, Breslau, Bremen, Elberfeld, Stetiiii, Kaiserslautern, Kaufbeuren und Hö ne.
Wie gerüchtweise verlautet, ist die Pariser Presse von einem neuen Aussehen erregenden Skandal bedroht. Es handelt sich diesmal um den Leiter eines großen politischen Morgenblattes, gegen welchen von einer bekannten Pariser Persönlichkeit die strafgerichtliche Anzeige wegen Betrugs und Vertranensbruchs erstattet worden sein soll. Es heißt sogar, daß der beschuldigte Zoin nal-Leiter mehrere Mitglieder des Kabinetts um ihre Intervention bei der Staalsauwaltschast ersucht habe.
Kronen, 4. Fek» uar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Willehad" ist vorgestern in New Dort eingnrcfstn.
Hamburg, 3. Februar. Der Posthampfer „Markomannia" von der Hamburg - Amerikanischen Packetfabrr Altieuge! llschaft ist von Hamburg vorgestern in St. Thomas eingelrosfen.
New -Port, 4. Februar. Der Dampfer „Frarce' von der National-Dampffchiffs-Kompaguie (E. Messiug'sche Linie) ist geilern hier eingetroffen. _
DepeschenBuren« „Ocrolv".
5. F e b r u a r, abends 9 ll h r.
Berlin, 5. Februar. Der Kaiser begibt sich morgen Aberd zur Beisetzung der Großherzogin von Oldenburg nach Oldenburg. Unmittelbar nach der Beisetzung lehrt er nach Berlin zurück.