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Nr. 30.
Mittwoch den n. Februar
1896,
Amtliches.
Dicnstnachrichtcn ans dem Krcisc.
Entflogen: Eine gelbe Taube.
Verloren: Eine hebräische Bibel. Ein Milchkontobuch; dem Wiederbringer eine gute Belohnung. Ein Zwanzig-Markstück. Eine Moirëschürze. Ein Portemonnaie mit 3 M. 20 Pf.
Vom Wasenmeister am 3. d. M. eingefangen: Ein gelber Hund m. Geschl.
Zugelaufen: Ein röthlichcr Hühnerhund mit weißen Flecken und ein brauner Dachshund mit Halsband, beide m. Geschl. Ein kleiner schwarzer Pinscher und ein Wolssspitzhund, beide letztere sind beim Herrn Bürgermeister zu Kesselstadt in Empfang zu nehmen.
Gefunden: Von der Post einige Postkarten, mehrere Briefmarken und ein Geldstück.
Hanau am 5. Februar 1896.
^taötUrei^ ^anatu
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisieramtes.
©fflMidw Atzung ifes GMkMlk-âussâfft's
Donnerstag den 6. Februar cr., nachmittags 5 Vs Uhr.
Berathungsgegenstände:
1. Schaffung einer neuen Stelle (Controleur) auf dem Kassenbüreau, sowie bauliche Veränderung im Kassenlokale.
2. Veränderung des Pumpenstocks an der Glockenpumpe.
3. Uebernahme und Ausbau der Körner und Fallbachstraße, Umlegung der Kosten rc.
4. Einrichtung eines Fortbildungskurses für junge Mädchen
an der
Handelsschule.
• 1896/97:
Etats pro
5.
Etat
der
h. Töchterschule,
E.
23 550, A.
42 450, Z.
18 900.
6.
ff
Realschule,
if
67 600, „
103860, „
46 260.
7.
ff
Knabenmittelschule,
ff
9 100, „
46 850, „
37 750.
8.
ff
Mädchenmittelschule,
ff
10 500, „
7 920, „
35 500, „
25 000.
9.
ff
ff
Knabenvolksschule,
if
51220, „
43 300.
10.
0
ff
Mädchenvolksschule,
tf
8 940, „
54 440, „
45 500.
11.
ff
ff
Kleinkinderschule,
//
5 100, „
Einnahme
7580, „ und.Ausgabe
2 480.
12.
ff
if
Kochschule,
1560.
13.
ff
ff
Fortbildungsschule,
ff
ff st
23 852.
14.
15.
ff
ff
ff ff
Handelsschule, E. 4180, A.
Stiftungen und Nebensonds.
5 840, Z.
1660.
Anonyme (utttcrschriftslosc) Briefe, einerlei für welche Abtheilung der Stadtverwaltung sie bestimmt oder an welchen städtischen Beamten sie gerichtet sind, werden dem Papi erkorb übergeben.
Hanau den 1. Februar 1896.
Der O berbürgermeister Br. Gebefchus.
r Praktische Agrarpolitik
Wer bisher noch daran gezweifelt hatte, daß es der Regierung ernst sei, dem unter der landwirthschaftlichen Bevölkerung herrschenden Nothstände thatkräftig entgegenzutreten, dessen Zweifel werden uacb den jüngsten Debatten im preußischen Abgeordnetenhause geschwunden sein. Selten ist vom Regicruugstische aus so warm für die Landwirthschaft gesprochen worden, wie bei der letz en Berathung des landwirthschaftlichen Etats. Immer neue Fragen wurden an den Minister gerichtet, unb jedesmal ließ seine Antwort erkennen, daß die Regierung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln, soweit sie sie verantworten kann und für durchführbar hält. der Nothlage zu steuern gewillt ist.
Die beiden „großen" Mittel, von denen die Landwinde eine Besserung ; der Lage erwarten, der Antrag Kanitz und die Einführung der Doppel
währung, sind für den Augenblick aussichtslos. Die aus dieser Lage der Dinge sich ergebenden praktischen Schlußfolgerungen liegen auf der Hand. DKr für die Landwirihsctaft mehr thun will, als schöne und große Worte machen, wird sich, wie sehr er auch die Aussichtslosigkeit jener beiden Mittel beklagen mag, doch mit dieser Thatsache absinteu und die volle Kraft auf die Durchführung eines Systems der anwendbaren Mittel zur Hebung des landwirthschaftlichen Reinertrages richten müssen. Kann manches Mittel für sich allein auch nur ein bescheidenes Maß von Besserung in Aussicht stellen, so ist bei planmäßiger Durchführung dieser Mittel von deren Zusammenwirken doch eine wesentlich günstigere Gestaltung der Ertragsverhältnisse zu ermatten. Einiges ist bereits erreicht worden. Erwärm seien nur das Branntweinsteuergesetz, die Beibehaltung der Ausfuhrprämien für Zucker und die Gründung der Zentralgenoffenschaftskasse.
Was nun die gesetzgeberischen Mittel betrifft, deren Schwei punkt im Reiche liegt, so stehen gegenwärtig namentlich das Börsengesetz und das Margarinegesctz zur Diskussion. Beide Entwürfe befinden sich in der Kommission und haben hier schon mancherlei Aenderungen zu Gunsten der Landwirihschaft erfahren. Das Börsengesetz wird auf den Getreidepreis direkt von Einfluß sein, dadurch, daß es den künstlichen Preisdruck hindert; das Margarinegesetz wird den unlantern Wettbewerb auf dem Butterrnarkte einschränken. Tie Zuckersteuervorlage ist vom Bundesrathe neuerdings angenommen worden und wird auch hoffentlich bald ein brauchbares Gesetz werken. Ein Gesetzentwurf über den Handel mit Futter- und Düngeflosten wild vorbereitet.
In Preußen ist in der landwirthschaftlichen Gesetzgebung der erste Anlauf mit der dem Herrenhause inne breiteten Vorlage wegen Einführung des Anerbenrechts in Renten- und Anfiedlungsgütern gemacht worden. Andere Maßnahme« sind in Aussicht gefielst, so namentlich die Errichtung von Kornhäusern unb der Ausbau der Bahnen. Auf dem Gebiete des Kleinbahnwesens sind schon erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen; in beit letzten drei Jahren sind 34 Kleinbahnen entstanden. Die Beschwerden darüber, daß der heimische Viehbestand durch die Einfuhr ausländischen Viehes verseucht würde, sind durch energische Schutzmaßregeln behoben; auch zur Bekämpfung der Seuchen im Innern sind weitgehende Opfer gebracht worden.
Mit einem Schlage läßt sich die landwirthichaftliche Nothlage nicht abstellen. Wenn aber der Wunsch des Landwirthschaftsministers, b, i allen positiven Vorschlägen die Unterstützung der Landesvertretung und des Reichstages $u finden, in Erfüllung geht, dann wird die planmäßige Politik der Regierung zu Gunsten der Landwirthschaft von den segensreichsten Folgen begleitet sein.
Tagesschau.
Der 3ö0jâbrige Todestag Martin Luthers, am 18. ds. Mts., wird in allen protestantischen Kirchen gebührende Erwähnung finden. Drrrch einen allgemeinen Erlaß an die Geistlichkeit wird dieselbe veranlaßt werden, bereits am vorhergehenden Sonntag Estomihi, dem 16. b. Mts., im Kircl engebet und in der Predigt auf den Gedenktag Hinzuweisey. Amu die Lutterstiftung plant eine Gedenkfeier und ebenso wird es an eine ■ Ausschmückung des Lutherdenkmals n cht fehlen. Die Hauptfeier wird in Eisleben statlfiuden, wo der große Reformator am 18. Februar 154 >
sein thatenreichcs Leben beschloß.
Die „Kreuzztg." widmet Stöcker einen Leitartikel, welch, r in da' Bekenntniß ausklingt, daß zwischen Ltöcker und den Konselvauo.» feir: trennenden Grundsätze stehen. Nur ein Zusammentreffen widriger Umstände habe zur Trennung geführt. Die Devise der „Kreuzztg." lautet '"r e ' Zukunft: „Getrennt marschiren, wenn es denn fein muy, u^n rac^r
schlagen nach wie vor." . ,
wenig ritterlicher Wene hat der soeben ausgewn ene F^vrika« Nonk' T oll fuß zu Mülhausen im Elsaß die ihm gewährte deutsche G a fi freundsd;«ft gelohnt. Herr Noak ist zu Lyon geboren, fein Vater war ein Deutscher und hatte sich in Frankreich nmuralniren lassen. Noak jr. spielte eine gewichtige Rolle in ben Greifen der Einheimischen und konnte als toi angebend betrachtet werden. In we cher Weise er seinen Einfluß geltend machte, das wird am besten aus folgendem Vorgang er-