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Nr. 29.
Dienstag den 4. Februar
1896.
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 10.
Amtliches.
^tadt^reiö ^anatt.
Bekanntmachungen des Lberbürgermeisteramtes. Schnlnachricht.
Das neue Schuljahr wird Montag den 13. April d. Js. beginnen. Die Anmeldungen finden unter Vorlage der Geburts- und Impfscheine in der Zeit vom 3. b i s z U M 15. F e b r u a r d. Js. vormittags von 11 bis 12 Uhr in den betreffenden Schulgebäuden statt und erfolgen 1. für die Knabenmiltelschule bei Herrn Rektor Bartmuß, Schulhaus am Johanniskirchplatze,
2. für die Mädchenmittelschule bei Herrn Rektor Jckler, Bebraer Bahnhofstr. 9,
3. für die Knabenvolksschule bei Herrn Rektor Dieterich, Neubau neben dem Knabenmittelschul-Gebäude,
4. für die Mädchenvolksschule bei Herrn Rektor Umbach, Rebengasfe 13 (Neustadt).
Schulpflichtig werden zu Ostern d. Js. alle Kinder, welche das 6. Lebensjahr bereits vollendet haben oder bis zum 30. September d. Js. vollenden werden. Dieselben sind daher in der angegebenen Zeit ordnungsmäßig zur Schule anzumelden.
Wenn schulpflichtig gewordene Kinder geistig oder körperlich so wenig entwickelt sind, daß sie an dem Klassenunterrichte noch nicht erfolgreich theilnehmen können, so haben die Eltern oder Vormünder dieselben unter Vorlage der ärztlichen Bescheinigung dennoch zur Schule anzumelden, damit zum Nachweise der erfüllten Schulpflicht das Erforderliche gewahrt werde.
Kleinkinderschulen dürfen Kinder nicht über das bezeichnete Lebensalter hinaus in Pflege behalten.
Die Unterlassung der rechtzeitigen Beschulung schulpflichtiger Kinder unterliegt den Strafbestimmungen über unentschuldigte Schul- verjäumnisse.
Hanau den 24. Januar 1896.
Der Schuldirektor
I u n.g he n n. 1072
Tagesschau.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgenden kaiserlichen Erlatz: Nur wenige Tage, sind vergangen, seit Ich für zahlreiche Kundgebungen treuer Anhänglichkeit gelegentlich der Feier des Erinnerungstages der Kaiserproklamation öffentlich zu danken hatte. Schon wieder bin Ich in der glücklichen Lage, in gleicher Weise Meinen Gefühlen der Freude und des Dankes Ausdruck zu geben. Der Tag, an welchem Ich durch Gottes Gnade ein neues Lebensjahr beginnen durfte, ist im Anschluß an die erhebenden vaterländischen Gedenkfeiern diesmal in besonders patriotischer Weise begangen worden. Ueberall, wo Deutsche weilen, selbst in den fernsten Welttheilen, ist Meiner in treuer Liebe gedacht worden. ’ Glückwunschtelegramme, Adressen und Kundgebungen mannigfachster Art sind Mir in einer Anzahl zugegangen, doß ihre Sichtung noch eine geraume ' Zeit in Anspruch nehmen wird. Mein landesvâterliches Herz ist dadurch i auf das innigste erfreut worden. Mit lebhafter Befriedigung erfüllt Mich die sich aus der Fülle der Beweise liebevollen Vertrauens Mir ausdrängende Wahrnehmung, daß Mein unausgesetztes Bemühen, für die Sicherheit und ; Wohlfahrt des Vaterlandes nach Kräften zu wirken, in immer weiteren * Kreisen verstandnißvoller Würdigung und freudiger Bereitwilligkeit zu freu- ; diger Mitarbeit begegnet. Mögen Alle, welche — sei es im Verein mit i gleichgesinnten Festgenossen, sei es für sich allein — Mich an Meinem Geburtstage mit Aufmerksamkeiten bedacht haben, Meines herzlichsten , Dankes und Wohlwollens versichert sein. Berlin, 3. Februar 1896. Wilhelm, I. R.
Mit der Banhandwerkerfrage hat sich auch die Jusliztommission des Abgeordnetenhauses beschäftigt anläßlich einer Petition des Jnnungs- veibandes deutscher Bauhandwerker um Eck utz nun Bevorrechtung des Bauhandwerks. Man war allgemein der Ansicht, daß hier nicht die Reichs-, sondern die Landesgesetzgebung in Bewegung gesetzt werden müsse. Regierungsseitig wurde die Erklärung abgegeben, daß man zur Zeit noch nicht in der Lage sei, Stellung zu der Petition zu nehmen, da die Ot- Hebungen noch nicht abgeschlossen seien.
Die Kreuzzeitung schreibt: „Wie der Austritt des Hofpredigers a. D. Stärker aus dem Elferausschuß der konservativ-n Partei und aus der konservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses aufzutassen ist, erhellt aus der uns zugehenden Meldung, daß Stöcker versprochen hat, auch Hinfort für ein Zusammenwirken der christlich-sozialen Partei mit den Konservativen in patriotischem Geiste thätig sein zu wollen."
Im Centrumslager ist man augenscheinlich entschlossen, eine feste Frontstellung gegenüber dem Bund der Landwirthe einzunehmen, selbst auf die Gefahr hin, daß hier und da, am Rhein und in Schlesien, ein^ Fähnlein der bisherigen ultramontanen Truppen abgesprengt wird. Das geschlossene Auftreten der Reichsfraktion gegen den Antrag Kanitz, das Erscheinen der Pichler'schen Schrift gegen diesen Antrag, der Ausschluß des Freiherrn von Log aus dem Vorstände der Landtagsfraktion uu^ die Erklärung der rheinischen Centrumsorgane gegen das Blatt des Freih. von Los sind Anzeichen eines planmäßigen Vorgehens des Centrums in dieser Angelegenheit.
Die Berliner Gewerkschaftskommission hat die Lohnbewegung in der Konfektionsdranrhe anerkannt und beschlossen, die Aus- ständischen pekuniär und moralisch durch Boykottirung derjenigen Geschäfte, welche die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligen, zu unterstützen.
Die Junggesellen in SctMt'n athmen auf, sie können vorderhand noch ledig bleiben, ohne doppelte Steuern zahlen zu müssen, denn der Gesetzentwurf zur Einführung einer Junggesellensteuer ist von seinen Antragstellern zurückgezogen worden. Der Gesetzgebungs-Ausschuß hatte beschlossen, der Skupschtina den Uebergang zur Tagesordnung zu empfeh'en, die Antragsteller zogen es aber, um der Debatte zu entgehen, vor, den Entwurf zmückznfieheu, „um ihn umzuarbeiten". Ein Redner meinte, in einem Land, in welchem der König Junggeselle sei, dürfe man die Ledigen nicht zu Steuerobjekten machen.
Bremen, 2. Februar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Lahn" ist vorgestern in New-Dort eingetroffen.
Hamburg, 2. Februar. Der Postdampfer „Polonia" von der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrt - Aktiengesellschaft ist von Hamburg gestern in Colon eingetroffen. „
London 2. Februar. Der Castle - Dampfer „Harlech Oaftle ist auf der Ausreise vorgestern in Durban ««gekommen.
New - Kork, 2. Februar. Der Postdampfer „Paris" von der American Linie in Liverpool ist gestern hier eingeiroffen.
Depeschen Bureau „Herold".
3. Februar, abends 9 Uhr:
Berlin, 3. Februar. Der „Reichsanz." veröffentlicht einen Dank- erlaß des Kaisers für die ihm anläßlich seines Geburtstages übermittelten Glückwünsche. . .,
Berlin, 3. Februar. Der Clferausfchuß der Koniervaumu lehn e bekanntlich am Samstag die von dem Hofprediger a. D S rockr abgegebene Erklärung als ungenügend mit 9 gegen 2 Stimmen ab. Lie wir erfahren, stimmte neben dem Abgeordneten Krocker als zwe i ) J Herrenhausmitglied Freiherr von Durant gegen die Mehrheit des Ufei- ausschussks Ob auch er nunmehr aus dem Elferausschuß aus!reien wird, darüber verlautet noch nichts. Thatsache soll sein daß die gesammte on. fei vatiue Reichstagssraktiou sich auf dem Boden des Mchrheitsb.tchlusses befindet, während die Mitglieder der konservativen Landtagsfraktion getheilter ' Ansicht find, sodaß es nicht unwahrscheinlich ist, daß düferhalb eine Spaltung einte itt.