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Wn 26.

Freitag den 31. Januar

1896.

Amtliches, ^anö&reto ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landralhsamtes.

In Folge Ausbruchs der Maul und Klauenseuche unter dem Viehbestand des Landwirtbs Christian Rausch in Marköbel wird hier- durch bis auf Weiteres die Orts- und Gemarkungssperre für die ge­nannte Ortschaft angeordnet.

Die hierunter abgedruckten einschlägigen Bestimmungen der neuen

Bundesrathsinstrultion zur Ausführung des Reichsviehseuchengesetzes 23. Juni 1880 _ . , _ Hi 1894 smb »Enau zu beachten.

Die Herren Ortsvorstände wollen den Ausbruch der Seuche die Anordnung der Sperre sofort ortsüblich bekannt machen lassen.

Hanau am 30. Januar 1896.

V. 854

Der Königliche Landrath v. Schenck.

Die Ueberführung der unter Gehöftssperre stehenden Thiere in ein anderes Gehöft derselben Ortschaft darf ausnahmsweise genehmigt werden, wenn damit eine Gefahr der Weiterverbreitung der Seuche nicht verbunden ist. Dabei müssen die Thiere zu Wagen oder in solcher Weise transportirt werden, daß sie die von Wiederkäuern oder Schweinen aus seuchefreien Gehöften benutzten Wege nicht betreten.

Die Ausführung der der Ansteckung verdächtigen Wiederkäuer und Schweine aus dem gesperrten Gehöfte, der Ortschaft, der Weide, der Feld­mark oder einem anderen Sperrgebiete zum Zweck sofortiger Abschlachtung darf nur gestattet werden, wenn die unmittelbar vorausgehende thierârzt- liche Untersuchung ergibt, daß kein Thier des betreffenden Transportes von der Maul- und Klauenseuche befallen ist. Mit dieser Maßgabe ist sie unter der Bedingung zu genehmigen, daß die Thiere zu Wagen oder auf Wegen transportirt werden müssen, die von Wiederkäuern oder Schweinen aus seuchefreien Gehöften nicht betreten werden:

1. nach benachbarten Orten;

2. nach in der Nähe befindlichen Eisenbahnstationen, behufs der Weiter­beförderung nach solchen Schlachtviehhöfen oder öffentlichen Schlacht­häusern, welche unter geregelter veterinärpolizeilicher Aussicht stehen, vorausgesetzt:

a) daß die Polizeibehörde des Schlachtortes sich mit der Zuführung der Thiere vorher einverstanden erklärt hat;

b) daß die Thiere diesen Anstalten direkt mittelst der Eisenbahn oder doch von der Abladestation aus mittelst Wagen zugeführt werden. Durch vorgängige Vereinbarung mit der Eisenbahn­verwaltung oder durch unmittelbare polizeiliche Begleitung ist dafür Sorge zu tragen, daß eine Berührung mit anderen Wiederkäuern oder Schweinen auf dem Transporte nicht statt­finden kann.

Dicnstimchrichtcn aus dem Kreise.

Verloren: Ein werthvoller Brillantring.

Zugelaufen: Eine halbwüchsige schwarze Katze mit weißem Fleck vor der Brust.

Hanau am 31. Januar 1896.

Tagesschau.

Das Kriegsministerium hat dem Vernehmen nach ein Rundyß schreiben an die Militärbehörden erlassen, worin es im Hinblick auf die bestehende Absicht der Einführung der Stenographie als Unlerrichtsgegen- stand in den Unteroffizier- und Kapitulantenschulen um Nachweisung der Kosten und vorhandenen Lehrkräfte ersucht wird. Als einheitliches System für das Heer scll das Neu Stolze'sche in Aussicht genommen sein.

In den letzten Tagen sind die englischen Blätter eifrig dabei gewesen, die Türkei unter die europäischen Mächte zu vertheilen, als -ob das osmanische Reich Lust haben könnte, sich bei lebendigem Leibe vier»

vom

und

theilen zu lassen. Wenn die europäischen Mächte wirklich die Neigung hätten, sich in die Besitzungen des Sultans zu theilen, so würden sie sehr bald die Wahrnehmung machen, daß die Sache nicht so leicht auszusühren ist. Der Beherrscher der Gläubigen verfügt über ein starkes Heer, das nicht die Waffen niederlegen würde, ehe es besiegt und zermaluit wäre. Der Angriff auf die Türkei würde sofort ein Blutbad herbeiführen, das die Greuelszenen der letzten Monate wie ein Kinderspiel erscheinen ließe. Von der Zerstückelung der Türkei haben »auch nur die englischen Blätter im Ernste gesprochen. Jetzt ist die Münchhausiade fallen gelassen und es taucht eine neue Lesart auf, wonach Rußland dem Sultan Schutz verspricht und dafür das Recht erhält, Kleinasien zu besetzen. Da das Reuter'iche Bureau diese Nachricht verbreitet, gewinnt sie den Schein guter Begründung. Gleichwohl halten wir sie für ein Märchen. Die Mohamedaner würden leichter auf ihren europäischen Besitz verzichten, wie auf den asiatischen. Es herrscht unter ihnen sogar ein Vorgefühl, daß ihre Herrschaft diesseits des Bosporus einmal ein Ende nehmen würde; deswegen wählen die vor­nehmen Türken ihre Gräber lieber auf der asiatischen Seite bei Skutari. In Kleinasien bilden die Mohamedaner die weitaus größte Majorität der Bevölkerung. Das Einrücken der Russen daselbst würde das Signal zum Aufstande sein. Die Londoner Ausstreuungen werden denn auch heute bereits dementirt. Man fragt sich unwillkürlich, was mit den Londoner Erfindungen eigentlich bezweckt wird? Wollen die Engländer durch die falschen Nachrichten etwa Rußland und die Türkei veranlassen, die Wahr­heit zu enthüllen?

Aus Konstantinopel liegen Meldungen vor, welche daran gemahnen, daß die jetzige Ruhe im Orient nur oberflächlich ist und die Zersetzung stetige Fortschritte macht. In Konstantinopel selbst wurden gestern 25 Armenier als Verfasser und Ueberbrii ger von Drohbriefen an armenische Notabeln verhaftet. Unter ihnen wurde ein Studirender der Medizin als Verfasser des Drohbriefes an den kürzlich ermordeten Bankier Karaghenzian ermittelt. Die Untersuchung in dieser Angelegenheit dauert noch fort. Ferner werden neuerdings Zusammenstöße türkischer Truppen mit Kurden in der Landschaft Deifin gemeldet. Auch in der Umgegend von Urfa wird die Lage als bedrohlich angesehen. Die Garnison wurde verstärkt.

Eine unheildrohende Wolke steigt am Himmel der spanischen Kubapolitik auf in Gestalt der Eventualität einer amerikanischen Ein­mischung zu Gunsten der Insurgenten. Dns Komitee des Washingtoner Senats für auswärtige Angelegenheiten brachte vorgestern eine Resolution ein, in welcher erklärt wird, es sei die Ansicht des Kongresses, daß der Krieg auf Kuba eine Ausdehnung erreicht habe, welche alle zivilisirten Mächte anginge. Diesem Krieg sollte nun die Basts völkerrechtlicher Krieg­führung gegeben werden. Die Resolution ersucht den Präsidenten Cleve­land, sich zu bemühen, in freundschaftlichem Sinne auf Spanien eivzu- wirken, daß es den Aufständischen die Rechte einer kriegführenden Macht zugestehe.

Bremen, 30. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Dresden" ist gestern in Baltimore und der DampferDarmstadt" vor­gestern in Neapel eingetroffen.

London, 30. Januar. Der Castle - DamrferWarwick Castle" ist auf der Ausreise gestern in Kapstadt angekommen.

Trieft, 30. Januar. Der LloyddampferSemiramis" ist gestern hier eingetroffen.

Depeschen Burea«Herold".

31. Januar, vormittags 10 Uhr:

Berlin, 31. Januar. Der Kaiser wohnte der gestrigen Auf­führung von König Richard II. im königlichen Schauspielhause bis zum Schluß bei.

Berlin, 31. Januar. Die Kaiserin sowie die Prinzessin Albrecht von Preußen und bk Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen nahmen an der gestrigen Festvorstellung des VaNrlândischen Frauenvereins theil.

Berlin, 31. Januar. Zu Ehren des Reichskanzlers fand gestern ein Galadiner bei dem französischen Botschafter Herberte statt.