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Nr. 23.
Dienstag den 28. Januar
1896.
Amtliches.
^tadMrsis ^anau.
Bekarnttmachttngen des Lberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Durch Beschluß des Stadtraths vom 14. Januar 1896 ist für nachstehende Liegenschaften der Zwangsanschluß an die Tiefkanalisation ausgesprochen:
1. Neust. Marktplatz Nr. 1 und 3,
2. franz. Allee Nr. 2, 3, 5, 6, 8, 11, 12 und 14,
3. Gärtnergasse Nr. 11, 14, 15, 16, 17, 18, 20, 22, 24, 30, 40, 35—37 und 39—45,
4. Neue Anlage Nr. 1, 2, 7, 15, 17, 18, 25 und 49,
5. Schäfergasse Nr. 8,
6. Bebraer-Bahnhofstraße Nr. laa, 3, 5, 10 und 12,
7. Rebengasfe, Neust., Nr. 11 und 21,
8. Steinheimer Landstraße Nr. 1—3 und 5,
9. Auheimerweg Nr. 2 und 4,
10. Wallweg Nr. 4, 38 und 41,
11. Steinheimerstraße Nr. 1 und 3,
12. Glockengüsse Nr. 1, 3, 7, 8, 10, 16 und 18,
13. Fischergasse Nr. 1, la, 3, 7—9, 15 und 17,
14. Kanalplatz Nr. 1,
15. Paradeplatz Nr. 2 und 4,
16. Ältst. Hospitalstraße Nr. 39, 41 und 41e,
17. sämmtliche Liegenschaften der Nürnbergerstraße von Neust. Hospitalstraße bis zum Neust. Marktplatz,
18. desgleichen der Paradiesgasse,
19. „ „ Kölnischegasse,
20. „ „ Kirchgasse,
21. „ „ Schützengasse,
22. „ „ Kleinegasse,
23. „ „ Grimmstraße,
24. „ „ Schnurgasse,
25. „ „ Lothringergasse.
Es sind daher gemäß § 2 des Ortsstatuts, betreffend die Entwässerung der Grundstücke in der Stadt Hanau, seitens der Eigenthümer vorstehender Liegenschaften innerhalb zweier Monate, also spätestens bis ZUM 1. April 1896 Gesuche und Pläne in vorschriftsmäßiger Form an das Stadtbauamt II, Abtheilung Hausentwässerung, zur Prüfung einzureichen.
Hanau am 22. Januar 1896.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebe schus. 1262
Die Ruhmestage des deutsch-französischen Krieges.
XXXII.
Die Operationen der Südarmee.
General v. Manteuffel hatte mit seinen beiden Korps, dem II. und VII„ anfänglich bei außerordentlicher Kälte, dann bei Sturm und Regen, auf schlechten, spiegelglatten Straßen die rauhe, öde Hochfläche von Langres in der Richtung auf Vesoul überschritten; das war der kürzeste Weg in den Rücken Bourbakis. Als der General nun aber die glänzenden Erfolge des Werderschen Korps erfuhr und erkannte, daß dem Feinde ein schwieriger Rückzug bevorstehe, wandte er sich mit kühnem Entschluß gegen dessen auswärtige Verbindungen. Werder aber, der nun auch unter Man- s teuffels Befehl getreten war, erhielt die Anweisung, den Franzosen bei ihrem Abzüge auf dem Fuße zu folgen. Vom 21. bis 23. Januar fanden i dann heftige Kämpfe statt; auch bei Dijon wurde hart gekämpft; dort stand die Armee Garibaldis; um sie in Schach zu halten und womöglich Dijon zu nehmen, wurde General v. Kettler vom II. Korps mit seiner Brigade dorthin entsandt. Ein besonders heißer Kampfestag war der 23. Januar. Beim Vorgehen gegen eine Fabrik in Pouilly, unweit Dijon, hatte vorzugsweise das 2. Bataillon des Regiments Nr. 61 ein verlustreiches Gefecht zu bestehen, bei dem es seiner Fahne in einer höchst ehrenhaften Weise ^lustig ging.
Der Dichter J. Wolff schilderte den Vorgang in ergreifendster Weise i 111 folgenden Versen:
Wie Salven rollt und pfeift es in die Glieder,
Es rast der Schnitter Tod und fällt und mäht,
Und wie er seine Reihen sät,
Da sinkt die Fahne und der Träger nieder.
Aus dem Gedräng' ein Offizier sie rettet;
„Mir nach!" so ruft er und stürmt kühn voraus,
Doch aus dem unglücksel'gen Haus
Grüßt ihn der Tod, der eilig bettet;
Selbst blutend, springt der Adjutant vom Pferde,
Erfaßt die Fahne, schwingt sie hoch empor; —
Ta deckt sein Auge dunkler Flor,
Und sterbend küßt sein bleicher Mund die Erde.
„Was fällt, das fällt! Vorwärts durch Tod und Flammen!"
Zwei brave Musketiere greifen zu.
Der eine stürzt: .Versuw' es bu!"
Doch auch der andre bricht zusammen.
Nun fällt der Führer auch, sie müssen weichen.
So ging die einzige Fahne verloren, welche die Deutschen in dem ganzen Feldzuge einbüßten. Die Brigade Kettler aber hatte mit einem Verlust von 36 Offizieren 744 Mann, von denen 9 Offiziere 190 Mann auf das Regiment Nr. 61 in dem Gefecht am 23. Januar fielen, wenn sie auch nicht Dijon genommen, doch Garibaldi am Vordringen verhindert und dadurch der Südarmee Flanke und Rücken frei gehalten, die nun immer weiter ostwärts vordrang, um Bourbaki den Weg zu verlegen. Dieser suchte vergebens, den von Norden, Westen und Süden sich zusammenziehenden Maschen des von Manteuffel gestellten Netzes sich zu entziehen, denn auch Werder mit seinen Korps griff aufs Wirksamste ein. Bourbaki beschloß den Rückzug aus Pontarlier, aber immer verzweifelter wurde seine Lage und dadurch auch seine Stimmung, die ihn zu einem Selbstmordversuch trieb; General Clinchant trat an seine Stelle. Unermüdlich zogen die Pommern und Westfalen den gegen die Schweiz hinauf eilenden Franzosen durch die verschneiten Engpässe des Juragebirges nach. Am 1. Februar fand dann noch ein blutiges Ringen bei Pontarlier statt. Während die Pommern siegreich in den Ort eindrangen, zogen schon die Franzosen über die schweizerische Grenze; hier wurden jte entwaffnet. So war auch die letzte große Feldarmee der Franzosen vernichtet; auch Dijon wurde am 1. Februar von deutschen Truppen besetzt.
Nur Belforts tapferer Kommandant widerstand noch, aber in kurzer Zeit sollte auch auf den Zinnen dieser starken Veste die deutsche Fahne siegrrich flattern. T.
Tagesschau.
Berlin, 27. Januar. Anläßlich des Geburtstagsfestes des Kaisers wurden folgende Auszeichnungen verliehen: Tas Kreuz der Komthure des Kgl. Hausordens von Hohenzollern dem Reichskanzler, die Kette zum Rothen Adlerorden mit Eichenlaub dem Oberstkämmerer Grafen Perponcher, der Rothe Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub dem Justizminister Schönstedt, der Rotbe Adlerorden erster Klasse mit der Kgl. Krone dem Oberstkämmerer Erbprinz zu Hohenlohe-Oehringen, der Rothe Adlerorden erster Klaffe dem Minister v. Hammerstein, der Kronenorden 1. Klasse dem Prinzen von Solms-Braunfels, der Kronensrden 2. Klasse dem Professor Behring in Marburg, dem Major Grafen Geßler auf Schoffschütz, dem Kammerherrn Grafen zu In- und Kniephausen auf Lütetsburg, das Kreuz und der Stern der Comlhure des Hausordens von Hohenzollern dem Grafen Eulenburg in Wien.
In der Sitzung der Budget-Kommission des Reichstages vom 24. Januar ist über zwei wichtige Fragen vom Kriegsminister Aufschluß ertheilt worden. Erstlich steht gegenwärtig keine größere Ar- tillerie-Vorlage in Aussicht, wie man im Hinblick auf eine etwa kommende Bewasfnung der Feldartilleric mit neuen Schnellfeuergeschützen mehrfach angenommen hatte, zweitens ist bei der Umbildung ber ste r- ten Bataillone in Voll-Bataillone keine Erhöhung des Präsenzftandes beabsichtigt. Vo.aussichtlich wird die Umbildung der vierten Bataillone in Gestalt eines Nachtrags Etats an den Reichstag kommen, so daß tie Ausführung zum 1. Oktober 1896 möglich ist. In welcher Form die Aenderung sich vollziehen wird, ob etwa jede Infanterie Brigade ein Vollbataillon bekommt, oder ob neue Regimenter errichtet werden und wie diese unter: znbriugkn sind, darüber dürfte zur Zeit noch gar Nichts feststeheu. An den Etats der bestehenden Vollbataillone dürfte wohl mit Rücksicht auf die Innehaltung der Gesammt-Präsenzziffer eine geringe Verminderung eintre- treten. — Die Artillerie-Vorlage kann übrigens nur als aufgeschoben gelten, mit Rücksicht darauf, daß im Vorgehen anderer Mächte bis