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«r» 22.
M?n! ra, den 27. Januar
1896.
LicOeachnchmi ans nein Streife.
Verloren: Eine Lorgnette mit Horngestell. Am 23. ds. Mts. aus dem Wege von Bruchköbel bis Langendiebach eine braune wasserdichte Pferdedecke. Ein Portemonnaie mit 20 Mk. 9 Pf.
Entlaufen: Ein grauer Pinscher m. Geschl.
Gefunden: Ein Gummischuh. Ein goldner Kinderohrriug. Ein Paar schwarze Damenhandschuhe.
Hanau am 27. Januar 1896.
Kaiser# &e£mxi#tag.
Noch klingt die erhebende Feier des 18. Januar in uns nach, und schon wieder läuten die Festglocken durch die deutschen Lande: Kaisers Geburtstag! Heil unserm Kaiser! Mit diesem Ruf blickt heute das deutsche Volk zu des Reiches Schirmherr« auf, der an dies.m Tage sein 37. Lebensjahr vollendet. Wer sich der Segnungen bewußt ist, die Preußen seinem angestammten Königshause, Deutschland seinem Kaiserthum verdankt, der feiert diesen Tag mit frohem Herzen als einen solchen, an dem sich alle guten Kräfte im Volke in Treue und Hingebung eins wissen. Und wahrlich, wir können uns glücklich preisen, daß die deutsche Kaiserkrone auf dem Haupte eines Fürsten rubt, wie Kaiser Wilhelm II. ist, der als echter Hohenzoller die Pflicht seines Berufs mit unermüdlichem, nie rastendem Eifer erfüllt. Manche Ereignisse des verflossenen Jahres lassen uns das be'onders erkennen.
Wie in den ersten Jahren seiner Regierung, so ist Kaiser Wilhelm II. noch immer ein starker Hort des Friedens. Bei der Einweihung bi§ Kaiser Wilhelm-Kanals und auch in der ernsten und erhebend,« Stunde bei des Reiches Jubelfeier hat es die Welt aus des Kaisers Munde erfahren, daß das deutsche Reich, seiner geschichtlichen Mission getreu, eine starke Stütze des Friedens bleiben werde. „Niemandem zu Liebe und Niemandem zu Leide im Rathe der Völker seine Stimme zu Gunsten des Friedens zu erheben", das ist die hohe Aufgabe, die Kaiser Wilhelms II. Regierung sich gesteckt hat. Unablässig ist auch in diesem Jahre darnach gehandelt worden; hier wurde die Bundeègenossenschaft mit Oesterrcick- Ungarn und Italien immer fester geknüpft, dort war man bemüht, auch die Gegner des Dreibundes durch nnzweideut ge Beweise friedfertiger Gesinnung zu versöhnen. Daneben ist Kaiser Wilhelm ernstlich darauf bedacht, das deutsche Volksthum im Auslande zu schützen und das „größere deutsche Reich", das Tausende von unsern Landsleuten in fernen Erdtheilen bilden, das überall besieht, wo deutsche Güter, deutsches Wissen und deutsche Betriebsamkeit über den Ozean gingen, „fest an unser heimisches zu gliedern."
Aber auch in den innern Fragen, die unsere Zeit bewegen, ist Kaiser Wilhelm in vollem Umfange seiner Verantwortung sich bewußt und der Aufgaben, von deren Lösung die Zukunft unsers Volkes und Vaterlandes abhängt. Ohne sich durch schmerzliche Erfahrungen des Undanks und der Verkennung seiner wohlgemeinten Absichten beirren oder verbittern zu lassen, ist er andauernd bemüht, die sozialen Noihstände und Schäden zu heilen und auf die Verbesferung der wirthschaftlichen Lage in landes- väterlicher Fürsorge Bedacht zu nehmen. Neben der Ausbildung unserer Wehrkraft, welche zum Schutze der Unabhängigkeit des Vaterlandes auf der Höhe der Leistungsfähigkeit zu erhalten der Kaiser sich zur Pflicht gemacht hat, haben Gesetzgebung und Verwaltung in deutschen Landen die Wohlfahrt auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und der wirthschast- lichen Thätigkeit zu pflegen sich angelegen sein lassen.
Co haben wir nach allen Seiten hin wahrlich Anlaß und Ursache genug, an dem heutigen Tage nicht blos der festen monarchischen Einrichtungen uns zu freuen, auf deren Grundlage Preußens Größe und Macht und die Stärke des deutschen Reiches beruht, sondern auch der persönlichen Thatkraft, mit welcher Kaiser Wilkelm auf dieser Grundlage für des Reiches und des Volkes Ehre und Wohlfahrt, sowohl nach innen, als auch «ach außen, einzustehen bemüht ist. Wie ernst immer die Zeit ist, wie drückend immer die Sorge, die auf weilen Kreisen des Volkes lastet, i alles das darf uns in der Freude dieses Tages nicht stören und der Treue seinen Eintrag thun, mit der wir uns heute um den Thron unsers
Dionmden feyaaren und zu dem Gelübde uuâ vereinigen : „Bei ibm und mit ihm auszuhalten in guten und in töten Tagen", sowie in dem ein- müihigen Wunsche: „Gott segne, schütze und erhalte den Kaiser- und sein Haus!"
Sagens U) au*
Eine nationale Feier wird die am 18. Juni in Gegenwart des Kaisers und der Mehrzahl dir deutschen Bundesfürsten erfolgende Einweihung des Kaiser Wilhelm Denkmals auf dem Kyffhäuser werden. Die Krieger haben bekanntlich das Denkmal errichtet und mit dem 18. Juni wird auch die lange erstrebte centrale Vereinigung aller deutschen Krieger- verbände ins Leben treten. Der Kaiser wird am Denkmal zuerst die vom 3. Bataillon des 7. thüringischen Infanterie - Regimeuls gestellte Ehren- kompagnie abschreilen. Auf der Fahrt von Roßla bis zum Denkmal wird der Monarch von einer Schwadron des 12. thüringischen Husaren- Regiments begleitet sein; am Denkmalsplatz begrüßt ihn der Vorsitzende des Ausschusses, Generallieutenant « D. v. Reuthe; die Festrede hält Professor Wkstpfühl, worauf Fürst Günther von Schwarzburg-Rudolstadt als Protektor den Kaiser um die Erlaubniß bittet, das Dinkmal der Oeffentlichkeit zu übergeben, und gleichzeitig ein Hoch auf Se. Majestät ausbringt. Die Salutbatterie des 19. thüringischen Artillerie Regiments gibt 101 Schüsse ab. Vor dem Kriegsherrn werten dann die Kriegervereine vordeidcfiliren.
Lant Hamburgern Blättern schweben schon seit Jahresfrist Unterhandlungen zwischen dem Auswärrigen Amte in Berlin und der Regierung von Venezuela wegen der an letztere von der Verwaltung der großen Venezuela Eisenbahngesellschaft gerichteten, aus dem Bahubau her- rührinden Geldforderungen, deren Begleichung nicht zu erzielen ist. Gutem Vernehmen nach war die letzte Aniwort Venezuelas auf die deutschen Reklamationen wegen der Zahlung der Eisenbahnschuld unbefriedigend. Daraufhin ist der den sche Gesandte in Caracas, Graf Rex, mit der Ueber- reichung einer die Erfüllung der diesseitigen Forderungen urgirenden Note beauftragt worden.
Der Vorstand des Vitndcs der SandMipihe erläßt in der „Deutschen Tacesztg." eine Erklärung, in der dagegen p.oteMt wird, daß der Landwirthschaftsminister in der Sitzung des Reichstages am vergangenen Freitag angeblich Herrn v. Ploetz allein für die Bestrebungen des Bundes der Landwirihe verantwortlich geu acht hat. Ferner wird der Vorwurf zurückgewiesen, daß die Veränderung der Zweckangabe des Antrags Kanitz (Ausgleichung der Getreidepreise) lediglich einen praktischen Zweck verfolgt i habe, und endlich wird dem Minister das Recht bestritten, sich zum Richter über die Königstreue der Agrarier aufzuwertcn.
Die bayerische Abgeordnetenkammer bat den sozialdemokratischen Antrag, im nächsten Etat einen weiblichen Assistenten für Fabrik- i inspektion anzusttllen, angenommen, ferner den Antrag, bei Anstellung von i Assistenten zur Fabrikinspektion auch geeignete Arbeiter zu berücksichiigen. : Der Minister des Innern hatte bezweifelt, ob das Bedürfniß für weibliche ! Fabrikinspekwrm sehr groß sei.
Nachdem in Saalfeld L Ih. Jahre lang gegenüber der Sostal- demokratie die größte Gleichgiltigkeit geherrscht hatte und in Folge dessen die Sozialdemokraten einen Sitz nach dem andern im Gemeinderath errangen, so daß sie darin jetzt die Mehiheit haben, fängt die Bürgerschaft endlich an, sich auszuraffen. Es ist, um dem Ueberwuchern des sozialdemokratischen Einflusses wirksam entgegenzutreten, ein städtischer Verein gegründet worden.
In politischen Kreisen zu Rom hat man sehr bemerkt, daß der italienische Botschafter in Wirn, Graf Nigra, sofort nach seiner Rückkehr nach Rom eine Unterredung mit Baron Blanc, dem Minister des Auswärtigen, hatte und vom König empfangen wurde. „Don Chisciotte" behauptet, die Anwesenheit Graf Nigra's in Rom sei nicht nur durch eine Unterredung über die allgemeine europäische Lage, sondern besonders durch die nahe 'bevor stehende Wi e d er er« eu e ru ng des Dreibundes bedingt.
Die Pariser Morgenl lätter besprechen die von dem Abgeordneten Deblet in der Kammer aufgedcckten Unterschlagungen, welche in der Verwaltung der Finanzen von Tonking begangen worden fein sollen. Die