Einzelbild herunterladen
 

MrmramttS- Prris:

Mhrlich 9 -M f^M^SO^ Wâljährtich 8^25 ^.

Wr auswärtige WwMienten mit Hs« betreffenden Potzaufschlag.

Die einzelne DWWner 10 ^.

HanauerAnzkiyer.

Zugleich

AmMchss @>rgan für KtaöL- und LcrrröKveis Kanarr.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Zvstrtios»- Preis:

Die lipaltiq« Garmond^eil« ober bereit 9k «m 10 Â, die P/ifp. Zeil« 15 A die 2spalt Zelle 20 J, die BfpatL Zeile 30 4, imRckiainenibell die Ispalt Zelle 20 é netto.

Nr. 19.

Donnerstag den 23. Januar

1896.

Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 7.

Deutschlands Aufgaben zur See und seine Flotte.

Die kräftigen Worte, mit denen Se. Majestät der Kaiser aus dem Festmahle im Weißen Saale den Schutz unserer überseeischen Stammesgenossen und Interessen als eine unabweisbare Vflicht d.s Reiches und die Notbwendigkeil der Bewilligung der Mittel zur Durchführung dieser Aufgabe betonte, haben naturgemäß in weiten Kreisen der Bevölkerung lebhaften Wiederholt gefunden. Am lautesten und kräftigsten natürlich da, wo die Beziehungen sowohl zu unseren Kolonien, als zu der deutschen Handelèthäiigkeit im überseeischen Auslande besonders lebhaft sind. Namentlich in Hamburg, wo man im Bewußtsein der überaus lebhaften Handelsbeziehungen zu allen Theilen der Welt den Werth und die Noth­wendigkeit eines kräftigen Schutzes durch das Reich besonders stark empfindet, knüpft man an die Kaiserlichen Worte und den Eindruk, welchen sie auf die zur Feier versammelten Mitglieder des Reichstages gemacht haben, die feste Hoffnung einer rascheren und kräftigeren Entwickelung unserer Flotte, als sie in ten letzten Jahren sich vollzogen hat. Dort, wo man den Dingen sowohl in unseren Kolonien, als in den Seeplätzen des Auslandes praktisch nahe steht, hat man eben auch ein richtigeres Urtheil für den Werth einer starken und aktionsfähigen Flotte für den Schutz unserer Handelsleute und Interessen im Auslande, als von der Redaktion der Freisinnigen Zeitung aus.

In der That wird man sich sagen müssen, daß die Entwickelung unserer Scestreitkräfte insbesondere auch nach derjenigen Richtung, welche für den Schutz unserer überseeischen Landsleute und Interessen in erster Linie in Betracht kommt, weit hinter dem Bedürfniß zurückgeblieben ist. Von den großen Schlachtschiffen abgesehen, betreffs deren wir uns zur Zeit auf den Ersatz verbrauchter Fahrzeuge durch solche, welche dem heutigen Stande der Schiffsbaukunst und den Bedürfnissen des Seekrieges ent­sprechen, beschränken, entbehrt unsere Marine noch jetzt selbst eines großen Theiles derjenigen geschützten Kreuzer und Stationsschiffe, deren Noch- weudigkeit in der Denkschrift zu dem Etat von 1889/90 bereits nachge­wiesen ist. Von den sieben in jener Denkschrift als erforderlich bezeichtreten geschützten Kreuzern ist erst einer, „Gefion", hergestellt, für zwei andere sind erste Raten bewilligt. Vier Fahrzeuge dieser Art sind noch ganz rückständig, und auch wenn diejenigen beiden geschützten Kreuzer, für welche durch den jetzt vorliegenden Etatsentwurf erste Raten gefordert werden, hergestellt sind, fehlen immer noch deren zwei an dem bereits 1889/90 als nothwendig erkannten Bestände.

Athnlich liegt die Sache betreffs der Stationskreuzer. Von den 13 in jener Denkschrift als nothwendig bezeichneten Stationskreuzern sind zur Zeit nur 8 vorhanden. Ein neunter wird für 1896/97 mit der charak­teristischen Begründung gefordert, daß, wenn mit seinem Bau nicht als­bald begonnen würde, eine Nothlage unvermeidlich sei.

Daß die Entwickelung unserer Floite und namentlich der Kreuzer- flotte dem' Bedürfniß so nachhinkt, erklärt sich namentlich aus der Noth­wendigkeit, zunächst alle Kräste auf die zur Sicherung vor Kriegsgefahr und zur Erhaltung des europäischen Friedens in erster Linie nothwendige Verstärkung des Landheeres zu konzentriren. Diese Maßregel ist sitzt in der Hauptsache durchgeführt, der damit verbundene Mehraufwand läßt sich ungleich leichter beschaffen, als man bei Durchführung derselben angenommen hat. Die an sich durchaus angemessene und Niemanden drückende Er­höhung der Börsensteuer und des Lottericstempels genügt, um eine allzu- 8'oßc Inanspruchnahme der Bundesstaaten zu verhüten; in bem laufenden Jahre haben sie sogar einen Ueberschuß der Uebelweisungen über die Ma­trikularumlagen zu erwarten.

Die Finanzverhältnisse im Reiche bieten mithin kein entscheidendes Hinderniß mehr für eine den überseeischen Aufgaben des Reiches ent­sprechende Ausbildung unserer Seestreitkräfte.

Zugleich liegt in den Transvaalwirren ein dringender Ansporn, mit dein, was zu diesem Zwecke nothwendig ist, ohne Verzug vorzugehen. Sie haben gezeigt, daß die Aufgabe des Schutzes unserer überseeischen Landsleute und Interessen sich leicht vertieft und erweitert zu der Aufgabe der Wahrung des Völkerrechts auch in überseeischen Ländern und damit beâ Völkerfriedeus. Wenn diese Erweiterung der Ausgabe naturgemäß

auch auf eine starke Ferstel kung der zu ihrer Durchführung unerläßlichen Scestreitkräfte über den Rahmen der Denkschrift von 1889/90 hinaus nachdrücklich hinweist, so enthält der Ausbruch und der Verlauf der Trans-' vaalsache vor Allem doch auch die dringende Mahnung, die nothwendige Rüstung zur See nicht lange mehr zu verzögern.

Daß die für das Jahr 1896'97 geforderte Verstärkung unserer Flotte ohne Abstrich bewilligt werden wird, erscheint hiernach unzweifelhaft. Wir zweifeln aber auch nicht daran, daß der Reichstag im Bewußtsein seiner nationalen Pflicht, wenn bei Berathung dieses Etats oder direkt ihm näher dargelegt wird, was an weiterer Verstärkung unserer Flotte zur Erfüllung der überseeischen Aufgaben des Reiches nothwendig ist, sine Bereitwilligkeit bekunden wird, die Mittel zur Durchführung dieser Ver- I stärkung zu bewilligen. Er würde sich sonst dem Vorwurfe nicht ent­ziehen können, dem Reiche die zur Erfüllung seiner dcutscb-nationalen Aufgaben und zur Erhaltung seiner Stellung als Hort des Weltfriedens nothwendigen Mitte! versagt zu haben.

Tagesschau.

Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgenden Erlas; des Kaisers: ‘ „Mit herzerhcbet der Begeisterung Hai das deutsche Volk in Einmülhigkeit mit stiren erlauchten Fürsten das 25jährige Bestehen des neugegrünbeten Reiches gefeiert und dabei nicht nur in Dankbarkeit der Männer gedacht, deren Weisheit und Hingebung die lange ersehnte Wiedervereinigung der : deutschen Stämme in starker achtunggebietender Arbeit gemeinsam geschaffen haben, sondern auch von Herzen ge obst sich der großen Vergangenheit würdig zu erweisen und allezeit in deutscher Männerneue zu Kaiser und Reich zu stehen. Mit leuchtenden Farben ist dieses Gelöbniß Mir aus den vielen und zahlreichen Telegrammen und Zuschriften entgegen getreten, welche Tausende von Deutschen im In- und Auslande an der Erinnerungs­feier des denkwürdigen Ereignisses als Ausdruck ihrer reinen Vaterlands­liebe Mir gewidmet haben. Ich bin dadurch herzlich erfreut und in dem Vertrauen gestärkt worden, daß das deutsche Volk die Errungenschaften von 1870/71 sich nie und nimmer nehmen läßt und seine kostbarsten Güler im Ausblick zu Gott allezeit zu veriheidigen wissen wird. Allen, welche Mir ihre mitwirkende Arbeit an der weiteren Befestigung der deutschen Einheit und der Förderung der deutschen Wohlfahrt kundgegeben und in treuer Anhänglichkeit Meiner gedacht haben, spreche Ich meinen marinsten Tank aus."

Zu der Tischrede des Kaisers beim Banket am Samstag wird dem „Hamb. Korresp." anscheinend offiziös geschrieben, es unterliege keinem Zweifel, daß alle maßgebenden verantwonlichen Stellen mit dem Kaiser in dem Gedanken „Wirksamer Schutz der Deutschen unb der deutschen Interessen im Auslande" vollkommen eines Sinnes find. Es verstehe sich von selbst, daß es mit den Forderungen von vier Kreuzern in dem Etat für 1896/97 nicht ein für allmal sein Bewenden haben kann. Namentlich werde die Kriegsflotte im Sinne der kaiserlichen Rede weiter ausgebaut werden müssen. Daraus folge aber nicht, daß eine große Marinevorlage in Kürze bevorstche oder daß zur Zeit Schritte in dieser Richtung gethan worden sind. Die Stellung der Regierung zu der für nothwendig er­achteten Vermehrung der 'ür den auswärtigen Dienst bestimmten Schiffe, wie über die etwaigen Pläne und das Tempo der Ausführung derselben, werde wohl bei der Berathung der Etatsforderungen klargestellt werden, deren Bewilligung zunächst in Frage steht.

Die Kommission für das Margarinegesetz begann am Dienstag ihre Sitzungen und nahm die ersten drei Paragrapherc mit unwesentlichen Aenderungen an. Bei § 4 wurde nach dem Anträge des Grafen Holstein ikons.) eine Einschaltung angenommen, wonach die polizeilichen Unter­suchungen sich nicht nur auf Margarine und Kuuslspeisefeit, sondern auch auf Butter erstrecken sollen. § 6 wurde nach dem Anträge v. Plötz (kons.) in der Weise gefaßt, daß der Berkaus von Butter und Ik a r= gar ine in getrennten Verkaufsräumen statt zu finden hat. Die Bestimmungen über Maigarinekäfe wurden bis auf Weiteres zurück- gestellt im Anschluß an die Aufforderung des Landwirthschaftsministers, den Margarinekäse überhaupt zu verbieten.

Die allgemeine Lohnbewegnng in der Konfektionsindustrie, welche in Berlin mehr als 50,000 Personen umfaßt, ist gestern für ganz Deutschland proklamirt worden. In Berlin fanden sechs öffentliche Ver­sammlungen statt, die von etwa 5000 Personen, meist Frauen und Mädchen . besucht waren. Als Hauptforderungen wurden ausgestellt: die ßu ebtun,