Erstes Blatt.
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Nr. 15.
Samstag den 1*. Januar
1896.
Amtliches.
Dienstnachrichteil aus dem Kreise.
Verloren: Ein grauer Mantelkragen.
Gefunden: Ein getragenes seidenes Halstuch. Ein Sporn.
Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Wachtelhund mit weißer Brust, M. Gcschl.
Hanau am 18. Januar 1896.
^tadtUreio J^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürg ermeisteramtes.
Bekanntmachung
betr. Bekämpfung der Blutlaus.
Nachdem sorgfältige Beobachtungen dieses für unsere Aepfelbäume so gefährlichen Insektes zu dem Resultate geführt haben, daß sich die Vertilgung am leichtesten und wirksamsten zur Winterzeit durchführen läßt, wird hiermit zu einem allgemeinen Feldzug gegen den Schädling und zur nachdrücklichsten Bekämpfung im Laufe der Monate Januar, Februar und März aufgefordert.
Es müssen sämmtliche Wundstellen an den Bäumen, auf denen im vergangenen Jahre die Blutlaus gesessen hat (man erkennt solche an dem weißlichen Ueberzuge) mit einer der nachfolgend beschriebenen Lösungen gründlich ausgebürstet werden. Auch räume man die Erde von den Stämmen etwas weg, um Blutlaus-Kolonien, welche sich etwa unter der Oberfläche des Bodens befinden sollten, erreichen zu können. Wer recht sorgsam verfahren will, bürste die ganze Rinde der Stämme und Zweige ab.
Da bei einem solchen Verfahren ziemlich große Mengen Flüssigkeit gebraucht werden, so werben hier nur die billigen Blutlausmittel in Vorschlag gebracht.
Es sind dies: 1) gewöhnliche Lauge, wie sie durch Uebergießen von Holzasche mit Wasser gewonnen wird; 2) Gaswasser, ein Nebenprodukt der Gasbereitung, ist um das hoppelte mit Wasser zu verdünnen; 3) Kalkmilch; 4) eine Mischung von Soda unb Alaun (2 kg Soda und 1 kg Alaun werden in 50 Liter Wasser aufgelöst).
Es sei ausdrücklich bemerkt, daß es viel weniger auf das Mittel ankommt als auf die Gründlichkeit, mit welcher das Ausbürsten vorgenommen wird. Es muß dabei auch die kleinste Verwundung der Rinde berührt werden, fo daß das Insekt in allen seinen Schlupfwinkeln getrosten wird. Bereits stärker verlauste Bäume bürste man mit doppelter Sorgfalt ab.
Wenn so von allen Seiten und mit aller Energie gegen den Schädling vorgegangen wird, muß es gelingen, seine Ueberzahl auf ein unschädliches Maß zu vermindern.
Vorstehende Bekanntmachung des Königlichen Herrn Regierungs- Präsidenten zu Cassel vom Jahre .1890 wird hierdurch wiederholt zur öffentlichen Kennttniß gebracht.
Hanau am 13. Januar 1896.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus.
Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf die Anordnung des Herrn Regierungspräsidenten vom 16. Oktober v. Js., betreffend Verbot des Abhaltens von Rindvieh-, Schaaf- und Schweinemärkten in Hanau, weise ich die Interessenten darauf hin, daß auch das Befahren der hiesigen Wochenmärkte mit Ferkeln verboten ist.
Hanau am 14. Januar 1896.
Städtische Polizeiverwaltung.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus.
Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. I. bei dem hiesigen
KM- Die heutige Nummer umfasst außer dem UntrrhalturrM-LâLt 18 Leiten.
stäotischen Meldeamte zur Rekrutirnngsstammrolle zn melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherren die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Die außerhalb geborenen, hier wohnhaften Militärpflichtigen des Jahrgangs 1876 haben bei Anmeldung zur Stammrolle ihren Geburtsschein vorzulegen. Die Geburtsscheine werden von den betreffenden Standesämtern kostenfrei ausgestellt.
Hanau am 2. Januar 1896.
Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.
Zum Jubiläum des Deutschen Reiches.
Ein Viettelj-chrhundert ist verstrichen, seit das deutsche Reich gegründet wurde. Aus der Tiefe der Seele steigen die Bilder der Erinnerung empor an jenen glorreichen Tag, der zum bedeutsamsten Wendepunkte in dem Geschick des deutschen Volkes geworden ist. Was in jahrhundertelangem Sehnen unsere Väter vergebens erhofft und erstrebt hatten, die Einigung aller deutschen Stämme zu einem mächtigen Reiche unter eines Kaisers Szepter, das wurde in dem alten Königsschlosse zu Versailles zur Wahrheit, als sich König Wilhelm, umgeben von den deutschen Fürsten unb seinen Paladinen, die deutsche Kaiserkrone auf das greise, sieggekrönte Haupt setzte. Die Spuren des Krieges sind verwi'cht, die Wunden vernarbt, die Thrâneu getrocknet. 25 Jahre sind vorübergerauscht, und seit 25 Jahren steht nun das junge deutsche Reich, fest trotz Sturm und Wellen, die es umbraust. Leid und Trauer sind ihm nicht erspart geblieben. Von uns gegangen ist der unvergeßliche große erste Kaiser des wieder erstandenen Reiches, seiner Pflicht getreu bis zum letzten Athemzuge, bis der fast schon erkalteten Hand die letzte, zitternde Züge ziehende Feder entsank. Heimtückischen Leiden erlegen ist der edle Kaiser Friedrich, dahingesunken die Heldengestalt deS Prinzen Friedrich Karl, zum stillen Todesschlummer gebettet der große Schlachtenlenker Moltke. Von all den großen Führern sind uns heute noch erhalten der Held des 16. August, General von Alvensleben, General von Blumenthal und der fürstliche große Feldherr, der allgeliebte und geehrte König von Sachsen, sowie der jedem deutschen Manne theuere Großherzog Friedrich von Baden. Und einer weilt noch unter uns, der Deutschlands Einheit geplant, vorgedacht und vorbereitet hat, als die andern davon nur sangtn wie von unerreichbarem, traumhaftem Gute, der den König von Preußen und das Preußische Heer in den Dienst des nationalen Gedankens zu stellen wußte, des deutschen Volkes Liebling, unser Bismarck. Was Fürst Bismarck, König Albert von Sachsen und die andern Helden jener großen Zeit verkörpern, die nationale Größe und die binzebeude Treue zum Vatertande, das ist es, was wir bei der 25. Geburtstagsfeier des deutschen Reiches unserer Jugend als die heiligste Pflicht aus Herz legen wollen, von der nimmer gewichen werden darf, wenn wir uns dieser Männer, die Gottes Gnade noch unter uns weilen läßt, werth und würdig erweisen wollen. Was aber nützt alle nationale Begeisterung, mag sie auch noch so sehr an unsern vaterländischen Ehrentagen emporlodern, wenn wir in der nüchternen Alltagsstimmung die Gefahren nicht mehr erkennen und abwehren, die uns vom schlimmsten Feinde, dem stark gewordenen Feinde in unserer eigenen Mitte, drohen? Welchen Werth hat all dieser Jubel, der am heutigen Tage die deutschen Gauen durchbraust, wenn wir dulden, daß dieser innere Feind die nationale Ehie verleugnet und beleidigt, wenn uns nicht die Zornesgluth ergreift, daß Männer des. Umsturzes gegen das Reich zu proteftimi wagen; wenn wir nicht immer mehr die Mahnworte unseres kaiserlichen Schirinherrn beherzigen, die dieser in der letzten Zeit so oft an das deutsche Volk gerichtet bat? Zwar ist der Kern unseres Volkes noch gesund; die Erinnerungsfeier an die Ruhmestage hat die Gewißheit gegeben, daß auf dem Grunde des dennchen Gemüths unversehrt der Schatz gewahrt ist, b.r damals der Führer zum Siege war. Unversehrt ist unserem Volke int großen und ganzen geblieben die deutsche Treue und Tapferkeit, der deutsche Zorn gegen Ungerechtigkeit